Katholische Laien wollen Ökumene - und Diakoninnen

Messdienerinnen beim Katholikentag

Frauen sollen nach Willen des ZdK eine größere Rolle in der katholischen Kirche spielen - nicht als Pfarrerinnen, aber mehr als nur Messdienerinnen (wie hier beim Katholikentag in Saarbrücken) sollen sie sein dürfen. Es geht vor allem um Diakoninnen. Foto: epd-bild/Norbert Neetz

ZdK - Zum Entsetzen der Bischöfe fordert das Zentralkomitee der deutschen Katholiken die Öffnung des Diakonats für Frauen. Aber so fremd ist die Forderung den Bischöfen nicht.

Von K. Rüdiger Durth

"Es ist eine wichtige und unverzichtbare Aufgabe aller Gläubigen, den ökumenischen Dialog und das gewachsene Vertrauen weiter zu pflegen und zu intensivieren." Für den Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, ist dies auf der Bonner Herbstvollversammlung 2011 des höchsten katholischen Laiengremiums in Bonn keine leere Floskel. Denn das ZdK versteht sich, so sein Generalsekretär Stefan Vesper, als "Speerspitze der Ökumene". Das wird auch in der Aussprache der rund 200 Mitglieder zählenden Vollversammlung immer wieder deutlich.

Katholikentag und die Ökumene

Und es wird die Sorge geäußert, ob die Ökumene auf dem übernächsten Katholikentag 2014 in Regensburg unter den Tisch fällt. Denn der dortige Diözesanbischof Gerhard - Ludwig Müller gilt bei den katholischen Laien nicht gerade als Förderer der Ökumene – obgleich er in der Deutschen Bischofskonferenz für die Ökumene zuständig ist und deshalb den Beinamen "Ökumenebischof" trägt. Der ZdK-Präsident macht deutlich, dass nicht Bischof Müller, sondern die Verantwortlichen des ZdK für das Programm eines Katholikentages zuständig sind. Immerhin handelt es sich beim Katholikentag ja um das "Premium-Produkt" des ZdK (Vesper).

Anfang Dezember treffen sich die Spitzen von ZdK und Deutschem Evangelischen Kirchentag in Fulda, um auch über das 500-jährige Reformationsjubiläum 2017 zu sprechen. Ein Ökumenischer Kirchentag – es wäre der dritte – wird aus diesem Anlass wohl nicht stattfinden. Dafür wird es einen Deutschen Evangelischen Kirchentag geben, der wahrscheinlich in Berlin stattfindet, wobei man sich vorstellen kann, den Schlussgottesdienst nach Wittenberg zu verlegen.

Also wird es den 2. Ökumenischen Kirchentag wohl erst 2019 an einem bislang noch nicht festgelegten Ort geben. Allerdings planen ZdK und Kirchentag für 2017 eine gemeinsame Veranstaltung, um den ökumenischen Charakter beider Verbände unter Beweis zu stellen. Etwas Neues wäre das nicht, denn gemeinsame Kongresse hat es auch schon in der Vergangenheit gegeben. Das alles findet unter den Mitgliedern der Herbstvollversammlung breite Zustimmung.

"Priestertum aller Gläubigen" auch bei den Katholiken?

Der ZdK-Präsident würdigt in seinem Rechenschaftsbericht vor der (zweimal im Jahr stattfindenden) Vollversammlung die ökumenische Begegnung zwischen Papst Benedikt XVI. und dem Rat der EKD Ende September in Erfurt mit den Worten "das war und bleibt bemerkenswert". Mit der Begegnung in einer Wirkungsstätte des Reformators Martin Luther habe der Papst ein "wichtiges, ja historisches Zeichen" gesetzt, aber er fügte auch hinzu: "Es ist wahr: Manche hatten sich mehr, konkrete Schritte der Annäherung von Katholiken und Protestanten erhofft. Trotzdem und gerade jetzt dürfen wir nun in unserem gemeinsamen Bemühen um die Einheit nicht nachlassen und müssen, ganz wie es Erzbischof Zollitsch auf den Punkt gebracht hat, nun als katholische und evangelische Kirche in Deutschland die Impulse aus Erfurt aufnehmen und weiterverfolgen."

Zugleich erinnert Glück, der frühere bayerische Landtagspräsident, an das im Frühjahr in Erfurt veröffentlichte "Plädoyer für eine lebensnahe Ökumene". Die jüngsten Erfahrungen ökumenischer Begegnungen zeigen nach Überzeugung des ZdK-Präsidenten: "Wir sind gemeinsam auf dem Weg und wir sind auf einem guten Weg."

Wieder steht die Partnerschaft von Mann und Frau in der Kirche auf der Tagesordnung. Und wieder geht es auch um die Zulassung der Frauen zum die sakramentale Weihe zur Diakonin, die diesmal per Entschließung für den gegenwärtigen Dialogprozess in den 27 katholischen Bistümern eingefordert werden soll. Erstaunlich dabei ist, wie der ZdK-Vizepräsidentin Karin Kortmann als Begründung das "Priestertum aller Gläubigen" über die Lippen geht. Bislang war dies vor allem ein protestantisches Kennzeichen. Doch nun haben es auch die katholischen Laien entdeckt, um damit den Frauen endlich mehr Gleichberechtigung zu verschaffen.

Diakoninnen sind kein "Durchlauferhitzer" für mögliche Pfarrerinnen

Nach dem katholischen Kirchenrecht gibt es die sakramentale Weihe zum Diakon (auch für Verheiratete), zum Priester und Bischöfe. Alle diese Weihen sind ausschließlich Männern vorenthalten, obwohl die Zahl der Theologen (und ungenannter Bischöfe) wächst, die unter Hinweis auf die frühe Christenheit gegen eine Weihe zur Diakonin nichts einzuwenden haben. Die Diakonin kann bei der Eucharistiefeier assistieren, Beerdigungen abhalten, in Seelsorge und Caritas arbeiten. Karin Kortmann bestreitet, dass man bei einer Zulassung der Frau zur Diakonin auf einen Rutschbahneffekt setzt – nach dem Motto: wenn sakramentale Weihe zur Diakonin möglich ist, kann man diese nicht zur Priesterin verweigern: "Unsere Forderung versteht sich nicht als Durchlauferhitzer."

In der Diskussion wird immer wieder darauf hingewiesen, dass es bei dieser Frage nicht nur um den immer größer werdenden Priestermangel geht: "Es geht um uns als Frauen, um unsere Stellung in der Kirche." Man will sich nicht länger hinhalten lassen, will auch, dass das ZdK auch dem "Netzwerk Diakonat der Frau" beitritt. Es geht auch um eine "Theologie des Amtes", die neu geschrieben werden muss. Aber es geht auch darum, den Dialog mit den Bischöfen fortzusetzen. Vor allem in dem begonnenen Dialog, den der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, angestoßen hat.

Bischöfe dagegen - aber 1981 noch dafür

Es wird eine geheime Abstimmung verlangt. Das Ergebnis ist eindeutig: 129:16 Stimmen für das Diakonat der Frau bei einigen Enthaltungen. Langanhaltender Beifall. Doch bereits wenig später kommt über das Internet das Nein der Deutschen Bischofskonferenz. Ihr Sekretär, Jesuitenpater Hans Langendörfer: "Die Forderung nach dem Diakonat der Frau ist mit den weltkirchlich verbindlichen theologischen Überzeugungen und Festlegungen nicht vereinbar. Diese Forderung des ZdK-Papiers bedauere ich."

Später lässt dann ZdK-Präsident Glück im Plenum aus Heft 30 "Die Deutschen Bischöfe" von 1981 ein Papier verteilen: "Anders als die Frage des Priestertums stellt sich uns die Frage nach der Zulassung von Frauen zum sakramentalen Diakonat. Die Gemeinsame Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland [...] empfiehlt, an die in Teilen der alten Kirche geübte Praxis der Weihe von Diakoninnen wieder anzuknüpfen. Darum hat sie den Papst gebeten, die Frage des Diakonats der Frau entsprechend den heutigen theologischen Erkenntnissen zu prüfen und angesichts der gegenwärtigen pastoralen Situation womöglich Frauen zur Diakonatsweihe zuzulassen."


K. Rüdiger Durth, Journalist und Theologe in Bonn, ist regelmäßiger Autor für evangelisch.de.

Kommentare

Verfasst von Nachtfalter am 1. Dezember 2011 - 21:02.

Bock zum Gärtner

wer Bischof Müller für die Ökumene beauftragt hat, wusste...

wer Bischof Müller für die Ökumene beauftragt hat, wusste entweder nicht was er tat, oder er handelte vorsätzlich. Liegt er doch mit seinen Flegeleien auf dem Kurs, der auch vom Vatikan gefahren wird.

Nachtfalter

Verfasst von Simplicitas am 18. Dezember 2011 - 0:34.
Kommentar auf: Bock zum Gärtner

Bischof Müllers gesammelte Peinlichkeiten

Im Zusammenhang mit den unterschiedlichsten kirchlichen Themen stieß ich im...

Im Zusammenhang mit den unterschiedlichsten kirchlichen Themen stieß ich im Internet immer wieder auf den Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller – und es waren nicht gerade positive Dinge, die ich über ihn las. Weil ich es schwierig fand, bei den vie­len Mel­dun­gen und Berich­ten den Über­blick zu behal­ten, habe ich seine Ein– und Aus­fälle chro­no­lo­gisch zusammengestellt. Inzwischen habe ich die Chronik veröffentlicht:
http://sancta-simplicitas.de/wp/bischof-mueller

Immer öfter schäme ich mich dafür, katholisch zu sein.

Verfasst von Nachtfalter am 19. Dezember 2011 - 12:41.

das ist ja sehr aufschlussreich

danke für diese Chronik. Damit bestätigst Du ja mein Geschreibsel....

danke für diese Chronik. Damit bestätigst Du ja mein Geschreibsel.

Was Bischof (?) Müller da so in die Welt setzt, ist doch mehr, als nur vereinsschädigend. Als leitender Angestellter eines kommerziellen Weltunternehmens hätte er schon längst seine Abfindung bekommen. Es sei denn, dass jemand höheres seine schützende Hand über ihm hält - aus welchen Gründen auch immer.

Nachtfalter

Verfasst von Gast am 26. November 2011 - 19:25.
Kommentar auf: Entmündigte Christen!

Welch Drama, Menschen die an

Welch Drama, Menschen die an Christus glauben werden entmündigt und der...

Welch Drama, Menschen die an Christus glauben werden entmündigt und der Narrerei von Wenigen preisgegeben.

Man kann die zusammensetzung des ZDK nicht durch wahlen bestimmen. Daher vertritt das ZDK auch nicht das Katholische kirchenvolk Deutschlands, auch wenn sie das gerno so hätten. Aber das ZDK spricht nicht für die Katholische Christenheit.

Der Chef der Katholischen Kirche ist nunmal der Papst, vom Heiligen Geist erwählt und dieser bestimmt die Bischöfe und das ist gut so. Wer abstimmen möchte und immer schöne Wahlen haben möchte der muss halt Protestant werden. Bin gespannt wann die evang. Kirche darüber abstimmt ob Christus wirklich existierte oder ob er nur ein erdachtes symbolisches Vorbild sein soll. Das ist doch richtig schön demokratisch oder ? Über den Glauben abstimmen und sich demokratisch zu recht basteln wie es am besten in Zeit passt.

Verfasst von Nachtfalter am 26. November 2011 - 23:43.

Verlaufen?

um die römische Hackordnung auszufechten, stehen Euch Kampfhamstern doch...

um die römische Hackordnung auszufechten, stehen Euch Kampfhamstern doch genügend katholische Foren zur Verfügung. Dafür braucht Ihr ja nicht auf Ev.de zu randalieren.

 

Nachtfalter

Verfasst von Br. Bernd OFS am 21. November 2011 - 19:20.

Nicht doch so schnell und (daher?) nicht ganz richtig....

K. Rüdiger Durth schrieb:Erstaunlich dabei ist, wie der ZdK-Vizepr...

K. Rüdiger Durth schrieb:
Erstaunlich dabei ist, wie der ZdK-Vizepräsidentin Karin Kortmann als Begründung das "Priestertum aller Gläubigen" über die Lippen geht. Bislang war dies vor allem ein protestantisches Kennzeichen.

Lieber K. Rüdiger Durth,
ein wenig mehr Recherche, hätte dazu führen können, dass der Begriff des "Gemeinsamen Priestertums der Gläubigen" auch in unserer katholischen Kirche durchaus "geläufig" ist. Der Begriff und Ausführungen dazu finden sich z.B. im Kathechismus der Katholischen Kirche und im Konzilsdokument "Lumen Gentium".

pace e bene
Bruder Bernd
 

Verfasst von Gast am 21. November 2011 - 18:49.

Deutschkatholiken

Wenigstens wissen die Bischöfe in Deutschland noch, daß sie weniger als 1%...

Wenigstens wissen die Bischöfe in Deutschland noch, daß sie weniger als 1% aller Katholiken als Schäfchen weiden. Die inzwischen immer mehr auf Spaltung ausgerichteten deutschen Laiengreminen sind zu einem Ärgernis in der Kirche geworden, da sie offen im Ungehorsam zur Lehre der Kirche stehen und glauben sie könnten die hierarchische Verfaßtheit der Kirche verändern hin zu einer demokratischen Struktur und zudem noch die Gesetze Gottes verändern. Das gestrige Hochfest Christkönig hat aber anderes in Erinnerung gerufen. Dies kann nur denjenigen aufgefallen sein, die praktizierende Katholiken sind.

Vom Gesetz und von den Propheten
17 Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz und die Propheten aufzuheben. Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen.18 Amen, das sage ich euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird auch nicht der kleinste Buchstabe des Gesetzes vergehen, bevor nicht alles geschehen ist.19 Wer auch nur eines von den kleinsten Geboten aufhebt und die Menschen entsprechend lehrt, der wird im Himmelreich der Kleinste sein. Wer sie aber hält und halten lehrt, der wird groß sein im Himmelreich.
20 Darum sage ich euch: Wenn eure Gerechtigkeit nicht weit größer ist als die der Schriftgelehrten und der Pharisäer, werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen. Mt 5

Christus Vincit, Christus Regnat, Christus Imperat!!!

Verfasst von Nachtfalter am 20. Dezember 2011 - 11:27.
Kommentar auf: Deutschkatholiken

Gott gehorchen, nicht den Menschen

Gast schrieb: Die inzwischen immer mehr auf Spaltung ausgerichteten deutschen...

Gast schrieb:

Die inzwischen immer mehr auf Spaltung ausgerichteten deutschen Laiengreminen sind zu einem Ärgernis in der Kirche geworden, da sie offen im Ungehorsam zur Lehre der Kirche stehen ...

Christus hat nie gelehrt, dass wir der Leere der Kirche gehorsam sein sollen. Denn auch die römische Altherrenriege ist fehlbar.

Nachtfalter

Verfasst von Nachtfalter am 21. November 2011 - 23:54.
Kommentar auf: Deutschkatholiken

Ist ja nicht meine Baustelle

Dennoch frage ich mich, wo in den Gesetzen steht, dass B16 immer recht hat? Tut...

Dennoch frage ich mich, wo in den Gesetzen steht, dass B16 immer recht hat?

Tut sich groß, in den Schuhen des Fischers zu stehen und hat nicht mal nen Angelschein

Nachtfalter

Verfasst von Gast am 21. November 2011 - 17:17.

ZdK?Glück?

Zentralkommite,Wir sind Kirche,Kirche von unten usw. All diese Organisationen...

Zentralkommite,Wir sind Kirche,Kirche von unten usw.
All diese Organisationen sind schlicht irrelevant.Sie haben keinerlei Legitimation für die Heilige Katholische Kirche zu sprechen.
Die aus derartigen Äußerungen häufig durchschimmernde Arroganz und Selbstüberschätzung ist ärgerlich und nervig.
Nicht ausgelastete Politiker sollten nicht den Kern des katholischen Glaubens zum Objekt ihrer unsinnigen Bemühungen machen.Noch ist die katholische Kirche nicht
ganz protestantisch, auch wenn zahlreiche Funktionäre zu fast allem bereit sind.
Jesus Christus ist der Weg,die Wahrheit und das Leben.

Verfasst von Der beherzte Protestant am 21. November 2011 - 17:17.

Die armen katholischen Laien

Natürlich wünsche ich den sogenannten kath. "Laien" viel Glück bei ihren...

Natürlich wünsche ich den sogenannten kath. "Laien" viel Glück bei ihren Bestrebungen aber leider bedeutet die römisch katholische Kirche vorallem eins: Sich dem römischen Papstum zu unterwerfen und den Anweisungen der römischen Kurie folge zu leisten. Und leider wird wahrscheinlich die röm.kath.Kirche daran auch in nächster Zeit nichts ändern.

Aber Gott sei Dank, herrscht heutzutage Religionsfreiheit!

Verfasst von Gast am 21. November 2011 - 17:08.

Wär all dies will,

Wär all dies will, Priesterinnen, verheiratete Priester und trotzdem noch dem...

Wär all dies will, Priesterinnen, verheiratete Priester und trotzdem noch dem Namen nach Katholisch sein und Kerzen und bunte Gewänder in der Kirche haben will kann doch Altkatholisch werden. Es gibt so viele Christlich Glaubenrichtungen auch bei den Katholiken (Altkatholisch und Piusbruderschaft) da soll man doch Teil von diesen Kirchen werden und nicht an der einen Amtskirche rumdoktoren. Will man als neuer Luther in die Geschichte eingehen ???
Wär sind diese Laien ? Sind es die "Wir sind Kirche" Sekte oder nur das ZDK ? von denen fühlt sich noch lange nicht jeder Katholik vertreten.

Verfasst von Paul Haverkamp, Lingen am 21. November 2011 - 17:55.
Kommentar auf: Wär all dies will,

Guter Rat von Paulus

Wenn es einem an Argumenten gebricht, dann sollte man das machen, was Paulus in...

Wenn es einem an Argumenten gebricht, dann sollte man das machen, was Paulus in 1. Tim 2,12 meinte, den Frauen gegenüber dekretieren zu können:

„Einer Frau gestatte ich nicht, dass sie lehre, auch nicht, dass sie über den Mann Herr sei, sondern sie sei still.“

Paul Haverkamp, Lingen

Verfasst von Paul Haverkamp, Lingen am 21. November 2011 - 14:47.

Die Deutsche Bischofskonferenz - papsttreu und rückwärtsgewandt

Die Deutsche Bischofskonferenz kritisierte umgehend den Beschluss des ZdK. Die...

Die Deutsche Bischofskonferenz kritisierte umgehend den Beschluss des ZdK. Die in dieser Form erstmals erhobene Forderung stelle eine erhebliche Belastung für das Gespräch zwischen den Bischöfen und dem ZdK dar und sei mit „weltkirchlich verbindlichen theologischen Überzeugungen und Festlegungen nicht vereinbar“, hieß es in einer Mitteilung.

Auf diese Ablehnung der DBK zum Diakonat von Frauen beziehen sich die folgenden Überlegungen:

Die deutsche Bischofskonferenz – papsttreu und rückwärtsgewandt

Die Abwertung der Frau in der Frage der Gottebenbildlichkeit, und die Ableitung der Unterordnung der Frau aus der sog. Schöpfungsordnung hat bis heute Konsequenzen: Weil die Frau zur Unterordnung bestimmt ist qua Schöpfungsordnung, kann sie nicht dazu taugen, ein Amt zu übernehmen, das explizit zu Führungsaufgaben führt. So argumentiert Thomas von Aquin.

Obwohl man also heute genau weiß, dass seine Prämissen nicht stimmen, leben die Folgerungen weiter. Dass Thomas mit einem Menschenbild arbeitete, das biologisch nicht stimmt, kann man ihm nicht vorwerfen. Dass man aber 800 Jahre später die Folgerungen für die Frau, die daraus gezogen wurden, noch immer nicht berichtigt hat, ist unverzeihlich!

Das zentrale Zitat des Thomas lautet : „Der Mann ist Anfang/ Prinzip der Frau und ihr Ziel, so wie Gott Anfang/Prinzip und Ziel der gesamten Schöpfung ist“. (STh I 93 a 4.ad 1)

Setzt man die beiden Sätze parallel, denn so sind sie aufgebaut, so stellt sich der Mann an die Stelle Gottes: er ist schöpferisch, genau wie dieser, die Frau kommt auf die Seite der „übrigen Kreaturen“. Dieser Satz ist in seiner männlichen Überheblichkeit letztlich gotteslästerlich!

Für die Männer dominierte Klerikerkirche gilt es wohl vorrangig, die patriarchalen (Macht-) Strukturen der Kirche zu erhalten; die sowohl neutestamentlich als auch theologisch nicht nachvollziehbaren Argumentationskonstrukte zur Abwehr von Frauen in Leitungspositionen können zumindest nicht mit Jesusworten bestätigt werden; der ehemalige Wiener Kardinal König sagte 1993 : „Der Priester- und Bischofsweihe der Frau in der katholischen Kirche steht kein Glaubensgrund entgegen.“

Der Anspruch des Papstes, dass sein Nein zur Frauenordinination „unumkehrbar und unfehlbar“ sei, bedarf einer entschiedenen Zurückweisung ; es wird immer offensichtlicher, dass dieser Oberhirte seine Machtkompetenzen in theologischer Hinsicht immer stärker auf die Einforderung einer strengen Arkandisziplin und unbedingten Gehorsams bei seinen Schafen fokussiert und damit in zunehmendem Maße der Gefahr eines Machtmissbrauchs seines Amtes erliegt.

Für das Verbot der Frauenordination gibt es aus dem Munde Jesu im NT keine den Papst berechtigende Aussage zur Aktivierung seines unfehlbaren Lehramtes, das dann - in Verbindung mit der kirchlichen Tradition - die Verkündigung eines quasi unfehlbaren Dogmas zuließe. In dieser theologischen Grauzone bewegt sich aber der Papst mit seiner Aussage, dass sein Nein „unfehlbar“ sei.

Der Tübinger Dogmatiker Peter Hünermann kritisiert diese Vorgehensweise des Papstes mit den Worten:

„In Fragen der Frauenordination kann der Papst in Verbindung mit den Bischöfen höchstens von seinem authentischen, nicht aber von seinem unfehlbaren Lehramt Gebrauch machen. Man muss jedoch wissen, dass der Papst in Verbindung mit den Bischöfen in Fragen des authentischen Lehramtes zwar die Bibel verbindlich, aber eben nicht letztverbindlich auslegen darf. Glaubensanweisungen in diesem Bereich bleiben grundsätzlich, sollte sich in späteren Jahrhunderten herausstellen, dass die Aussagen unhaltbar sind (s. Galiläi), revidierbar. Mit der jetzt von Rom benutzten Terminologie soll den Gläubigen eine Gehorsamspflicht abverlangt werden, die theologisch nicht haltbar ist. Die Autorität des kirchlichen Lehramtes erfährt auf diese Weise eine unzulässige Erweiterung, weil eine solche Ausweitung der katholischen Lehre widerspricht. So wird der Anspruch von Unfehlbarkeit erschlichen und ein weiteres Feld von Gehorsamspflicht erschlossen.

Der Kommentar der Glaubenskongregation stellt in diesem Zusammenhang fest: ‚Ohne eine dogmatische Definition vorzunehmen, hat der Papst bekräftigt, dass diese Lehre endgültig zu halten ist, weil sie auf dem geschriebenen Wort Gottes gründet und in der Überlieferung der Kirche beständig bewahrt und angewandt, vom ordentlichen und allgemeinen Lehramt unfehlbar vorgetragen worden ist.’

Sieht man hier zunächst einmal vom Inhalt ab, so gilt doch: Unfehlbar könnte eine solche Lehre nur sein aufgrund der Kriterien, die nach LG 25 für ein unfehlbares Lehramt gelten: Es muss die Gründung einer solchen Lehre im geschriebenen Wort Gottes gegeben sein, und es muss eine entsprechende universale Verkündigung dieser Lehre geben. Die Tatsache, dass der Papst eine ‚nicht-endgültige Erklärung’ zu diesem Sachverhalt abgibt, verändert den Status dieses Sachverhaltes in keiner Weise. Logischerweise gilt natürlich auch umgekehrt: Erfüllt der gekennzeichnete Sachverhalt die Kriterien von LG 25 von sich aus nicht, dann ändert auch die ‚nicht-endgültige’ Erklärung des Papstes keinen Deut an diesem Sachverhalt. Der Sachverhalt ist dann nicht als unfehlbar zu bezeichnen.“

Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass das Lehramt versucht, für möglichst viele seiner Äußerungen eine Quasi-Unfehlbarkeit zu reklamieren. Das hierarchische Lehramt argumentiert gegenüber Kritikern mit dem Argument, eine in sich nicht unfehlbare, weil nicht ex cathedra definierende Entscheidung wie etwa „Ordinatio sacerdotalis“ bringe nur gültig zum Ausdruck, was nach beständiger Überlieferung dem Depositium fidei angehört und deshalb vom Magisterium Ordinarium infallibel vorgelegt worden sei. Das Lehramt versucht den Eindruck zu erwecken, als seien die Lehren des Lehramtes das Spiegelbild des Depositium fidei, die auf diese Weise den Gläubigen als „geoffenbarte Lehre“ vorgelegt werde.

Dieser vom Lehramt immer wieder praktizierten Verfahrensweise, die darauf abzielt, ihren Unfehlbarkeitskatalog ständig zu verbreitern – vor allem bei Lehren, „die der Papst oder das Bischofskollegium vorlegen, wenn sie ihr authentisches Lehramt ausüben, auch wenn sie nicht beabsichtigen, diese in einem endgültigen Akt zu verkündigen“. Ob in Fragen der Frauenordination, des Zwangszölibats oder auch in der Frage der Empfängnisverhütung : Man kann es dem hierarchischen Lehramt nicht oft genug sagen : Das Depositum fidei ist nicht identisch mit den Lehren des Lehramtes.

Die Tatsache, dass viele Textstellen im NT heute gelesen und verstanden werden müssen vor dem Hintergrund zeitbedingter sozialer, kultureller und gesellschaftspolitischer Eigen- und Besonderheiten, hat zwar bei Vertretern einer aufgeklärten Exegese längst Eingang gefunden, doch scheint diese Erkenntnis bei Vertretern der Deutschen Bischofskonferenz noch nicht auf fruchtbaren Boden gefallen zu sein.

In der theologischen Argumentation wird von aufgeklärten Exegeten immer wieder betont, dass die moderne gesellschaftliche Entwicklung die geschlechtsspezifische Unterordnung der Frau als unvereinbar mit der gleichen Würde von Mann und Frau erwiesen hat und dass die Kirche eben darin ein Zeichen der Zeit zu erkennen hat mit der Kraft des Heiligen Geistes dafür Sorge zu tragen, dass die Kirche in ihrer eigenen Sozialgestalt und um der Glaubwürdigkeit der Heilssendung willen zur Umkehr herausgefordert ist.

Für viele aufgeklärte Exegeten ist es eine Selbstverständlichkeit, dass die zur Zeit Jesu und der frühen Kirche entstandenen Texten einer patriarchalen, androzentrischen Gesellschaftsauffassung geschuldet sind, deren Sinn- und Zweckhaftigkeit sich keinem Zeitgenossen des 21. Jahrhunderts mehr erschließt.

Wenn z.B. im NT berichtet wird

• vom Ausschluss der Frauen vom Altardienst, der auf die Orientierung der frühen Kirche am Alten Testament und der jüdischen Sakralordnung zurückzuführen ist, und - in Verbindung damit - auf die Reinheitsvorstellungen der Spätantike und des Mittelalters, wodurch Frauen aus der Liturgie ausgegrenzt wurden,

oder

• vom Ausschluss von Frauen vom öffentlichen Lehren und Leiten in der Kirche, so ist hinter diesen die Frauen immer stärker ausgrenzenden Maßnahmen nicht ein überirdischer göttlicher Hinweis zu vermuten, sondern schlicht und einfach die Übernahme von sozialen und gesellschaftspolitischen Leitvorstellungen, wie sie vor allem im Römischen Reich üblich waren.

Bei der Beurteilung der historischen Daten und der theologischen Argumente gilt es somit sorgfältig zu unterscheiden, welche Fakten und Begründungen auf kultur- und sozialgeschichtliche Anschauungen zurückgehen, die in einem gleichsam selbstverständlichen Patriarchalismus wurzeln, und wo sich dogmatisch relevante Gründe ergeben. Als Beispiel bzw. Leitsätze kirchlicher Praxis, die im genannten Patriarchalismus wurzeln, können die beiden oben von mir genannten Beispiele angesehen werden.

Den Vertretern einer bestimmten symbolistischen Theologie, welche Frauen vom ordinierten Amt ausschließen wollen, da sie Christus angeblich nicht als Herrn und Haupt der Kirche repräsentieren könnten, halte ich entgegen, dass die Repräsentation Christi als des Dieners aller geschlechtsunspezifisch ist. Und da es beim diakonischen Handeln wesentlich darauf ankommt, dass es den Menschen konkret erreicht, erscheint mir der Ausschluss der Frau geradezu als Beeinträchtigung des diakonalen Grundvollzugs der Gemeinde Jesu Christi.

Dass sowohl die Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz als auch die Papstkirche in Rom sich diesen exegetischen Binsenweisheiten entziehen, hat vor allem mit der Angst zu tun, dass eine seit 2000 Jahren dominierte Männerkirche ihren Machteinfluss verlieren und mit dem Akzeptieren eines Frauendiakonats eine Tür für Reformzugeständnisse aufgestoßen würde, die dann nicht mehr zu schließen wäre hinsichtlich weiterer Reformen, die zwar dazu beitrügen, dass die kath. Kirche endlich im 3. Jahrtausend ankäme und dem jesuanischen Geist endlich eine Chance auf konkrete Menschenzugewandtheit und eine bedingungs- und voraussetzungslose Dienstverpflichtetheit gegenüber ausgegrenzten, hilfsbedürftigen und leidenden Menschen gegeben würde – doch Angst vor dem Verlust von Macht und Herrschaft ist so übermächtig, dass alle Reformforderungen vor dem Hintergrund neurotischer und pathologischer Ängste der androzentrischen Klerikerkaste bis auf Weiteres keine Chance zu haben scheinen.

Die Kirche kann „als sakramentales Zeichen der Liebe Gottes“ nur dann für die Welt glaubwürdig sein, wenn sie selber die Frauenfrage grundlegend löst, d.h. wenn das Amt in der Kirche von unjesuanischer und unerlöster Geschlechterhierarchie befreit wird, so dass Frauen und Männer daran gemeinsam Anteil haben, und zwar an allen amtlichen Diensten.

Das die Frau zutiefst diskriminierende Gesetz ihres Ausschlusses von der Ordination (c. 1024/CIC) - eine große Schande für die ganze Kirche - muss also fallen, nicht zuletzt wegen der geistlichen Berufungen von Frauen, die dadurch noch immer - zum Schaden der Kirche - unterdrückt werden!

Vor mehr als 100 Jahren starb die am 19. Oktober 1997 zur Kirchenlehrerin (Doctor Ecclesiae universalis) erklärte Theresia von Lisieux. Auch sie fühlte die Berufung zum priesterlichen Amt; diesen Beruf - nur wegen ihres Frauseins - nicht ergreifen zu können, bedeutete großes Leid für sie.
Nach dem Zeugnis ihrer Schwester Celine empfand Theresia die Tatsache, dass sie als Frau nicht Priester sein konnte, immer sehr schmerzlich.

In einem Brief vom 8.9.1896 schrieb die Heilige:

„Ich fühle mich zum Priester berufen. O Jesus, ... mit welcher Liebe würde ich Dich in Händen halten! ... Mit welcher Liebe würde ich Dich den Gläubigen geben! ... Trotz meiner Kleinheit möchte ich den Menschen Licht bringen wie die Propheten und Kirchenlehrer es taten. Ich fühle mich zum Apostel berufen. Ich wollte um die ganze Welt reisen, um Deinen Namen zu verkünden.“

Wie viele Generationen von zum Diakonat und Presbyteriat berufenen Frauen sollen noch dahinsterben, bis für sie endlich der Tag der Befreiung von unwürdigen Fesseln und Zwängen in der Kirche anbricht?!

Paul Haverkamp, Lingen

Verfasst von Gast am 21. November 2011 - 17:04.

Die Abwertung der Frau in der

Die Abwertung der Frau in der Frage der Gottebenbildlichkeit, und die Ableitung...

Die Abwertung der Frau in der Frage der Gottebenbildlichkeit, und die Ableitung der Unterordnung der Frau aus der sog. Schöpfungsordnung hat bis heute Konsequenzen

Was ist mit den Heiligen Frauen der Katholischen Kirche, dass sind nicht gerade wenige. Wenn Sie meinen die Kath. Kirche wäre Frauenfeindlich nur weil die nicht Priester werden können tun Sie mir leid. Sie habe nichts verstanden. Da können Sie noch so viele Romane hier schreiben.

Verfasst von Esmeralda am 21. November 2011 - 21:39.

Ja,

als Frau in der katholischen Kirche?Selbst SChuld!Wechseln oder ganz raus!

als Frau in der katholischen Kirche?Selbst SChuld!Wechseln oder ganz raus!

Verfasst von Paul Haverkamp, Lingen am 21. November 2011 - 17:42.

Frauenbild im AT und NT

Frauenbild im AT und NT Eine der Spitzenaussagen zur Anthropologie der...

Frauenbild im AT und NT

Eine der Spitzenaussagen zur Anthropologie der hebräischen Bibel aus der Zeit des Babylonischen Exils (6. Jh.v.Chr.) ist der Satz: „Und es erschuf Gott den Menschen als sein Bild: als Bild Gottes erschuf er ihn, männlich und weiblich erschuf er sie.“ (Gen 1,27)
Diese Aussage der Gottebenbildlichkeit des Menschen ist zentraler Glaubenssatz sowohl evangelischer wie katholischer Anthropologie. Dieser Satz ist auch die grundlegende Quelle dessen, was später zu dem Begriff der „Menschenwürde“ geführt hat, auch wenn dies in dem Jahrhunderte langen Kampf um Menschenwürde und Menschenrechte nicht immer deutlich wurde.

Während die Gottebenbildlichkeit des Mannes nie in Frage gestellt worden ist, wurde die Gottebenbildlichkeit der Frau bis ins 20. Jahrhundert vielfach geleugnet.

Die Frage also lautet: Wie ist es dazu gekommen, dass man in der späteren Tradition diese so klare und eindeutige Aussage über die Gottebenbildlichkeit der Menschen, beider Geschlechter, Männer und Frauen, eingeebnet, eingeschränkt hat auf den Mann?

Nach dem theologisch-programmatischen Text von Gen 1,26-28 ist heute unbestritten, dass Mann und Frau als Bild Gottes geschaffen sind, beide gleichzeitig und ohne Unterschied. Trotzdem hat die apokryphe Tradition bereits in vorchristlicher Zeit begonnen, die Gottebenbildlichkeit der Frau einzuschränken. Einmal geschah dies wegen der Reihenfolge (erst der Mann, dann die Frau, nach dem antiken Prinzip: der Erste ist der Beste).

Theologisch bedeutender und gravierender war die spätere Fehlinterpretation, dass man in der griechischen Übersetzung ‚adam (Mensch/Menschheit) zumeist als Eigennamen verstand und mit Adam (groß geschrieben) wiedergab. So wird dann der Gattungsbegriff „Mensch“ häufig nur auf den Mann eingeschränkt, ‚adam als ein männliches Individuum verstanden. Aus dieser Zeit stammt auch unsere heute noch gängige Rede von „Adam und Eva“ als zwei Individuen, obwohl doch in Gen 2 von Mann und Frau (iš und ’iššah) ohne Eigennamen die Rede war: ein exemplarisches Menschenpaar. Meist ist nicht bewusst, dass hier der Knackpunkt aller weiteren Fehlinterpretationen vorliegt!

Da alle neutestamentlichen Schriftsteller in griechischer Sprache schrieben , haben diese Fehlinterpretationen der Antike Eingang gefunden in die neutestamentliche Anthropologie, vor allem in die Briefe des Paulus. Von Jesus selbst ist in dieser Frage nichts überliefert.

In 1 Kor 11,3 heißt es bei Paulus:

„Ich will, dass ihr wisst: Jedes Mannes Haupt ist Christus. Das Haupt der Frau ist der Mann, Das Haupt Christi aber ist Gott.“

Paulus geht es hier deutlich um eine Rangordnung, er bringt eine absteigende Linie: Gott – Christus – Mann – Frau, wobei die Frau die letzte Stelle einnimmt. „Haupt“ sein bedeutet, einen Vorrang haben, es bezeichnet Über- bzw. Unterordnung. Daran kann wohl kein Zweifel bestehen, auch wenn man den gesamten Text des Paulus unterschiedlich auslegen kann, denn am Schluss hebt er alles auf: In Christus gilt dies nicht mehr! (V 11) Paulus fordert aus dieser Unterordnung der Frauen, dass der Mann, wenn er betet oder prophezeit, dafür seinen Kopf nicht bedecken muss. Vielmehr „beschämt“ er seinen Kopf, wenn er ihn bedeckt. Umgekehrt ist es bei der Frau: sie „beschämt“ ihren Kopf, wenn sie mit unbedecktem Haupt betet oder prophezeit (V 4-6). Zwischen den Zeilen wird hier deutlich, dass es für Paulus selbstverständlich war, dass Frauen im Gottesdienst aktiv beteiligt waren, u.a. (laut) beteten oder prophetisch redeten. Für unseren Zusammenhang wichtig sind nun aber die Begründungen. V 7 rekurriert auf Gen 1:

„Denn: Der Mann ist Gleichbild und Abbild Gottes (und deshalb nicht verpflichtet, seinen Kopf zu bedecken). Die Frau aber ist Abbild des Mannes.“

Der Mann ist „Abbild und Abglanz Gottes“, die Frau nur noch „Abglanz des Mannes“.

Es handelt sich im Paulus-Text um eine klare Missdeutung und Fehlinterpretation von Gen 1. Der deutliche hierarchische Unterschied, der damit in der Gottebenbildlichkeit der Frau formuliert wird, entspricht nicht dem hebräischen Urtext. Paulus folgt hier der Septuaginta, der griechischen Übersetzung des Alten Testaments, die ihrerseits mit ihrem hellenistischen Hintergrund die Gleichwertigkeit in der Gottebenbildlichkeit von Mann und Frau bereits eingeschränkt hatte. Die Septuaginta hat den allgemeinen Begriff ‚adam (Mensch/Menschheit), wie er in den Erzählungen der hebräischen Urgeschichte immer kollektiv gebraucht wird, an vielen Stellen bereits mit dem Eigennamen Adam wiedergegeben, so dass vieles, was im Hebräischen für beide Geschlechter ausgesagt wurde, in der späteren hellenistischen Interpretation nur noch für den Mann Gültigkeit hatte, wie es auch in zahlreichen Apokryphen zum Ausdruck kam. Die falsche Wiedergabe von ‚adam (Mensch/Menschheit) ist der Knackpunkt so gut wie aller späteren Fehlinterpretationen.

Diese Fehlinterpretationen reichen weit bis ins 20. Jahrhundert hinein. So wurde die Minderbewertung der Frau in der Gottebenbildlichkeit z.B. in der Dogmatik von Joseph Matthias Scheeben (1835-1888) - 3.Aufl. 1961 u.a. wie folgt formuliert:

„… Dass der Mann, wie er als Mann der ursprünglichere und vorzüglichere, zunächst und unmittelbar von Gott intendierte und hervorgebrachte Inhaber und Repräsentant der menschlichen Natur und darum der Mensch schlechthin ist, so auch das in der menschlichen Natur liegende Bild Gottes in sich vollkommen verwirklicht, also Bild Gottes schlechthin ist; dass dagegen das Weib, weil ihm die menschliche Natur erst sekundär und mittelbar, vermittels des Mannes und um seinetwillen mitgeteilt wird, …, nicht in dem vollen Sinne Bild Gottes ist wie der Mann.“

Dass Scheeben mit seinen dogmatischen Aussagen zur Gottebenbildlichkeit der Frau kein Einzelfall darstellt, soll unterstrichen werden anhand der Aussagen von Hans Urs von Balthasar (1905-1988) zur selbigen Thematik. Von Balthasar schreibt u.a.:

„…Der Mensch ist von seiner Geistspitze bis zu seinem Leibfundament Mann und Frau, die personale Gleichwertigkeit der Geschlechter wird durch ihre Gegenständigkeit zur geistig-leiblichen Fruchtbarkeit der Liebe verzahnt. Das Hohelied ist im Alten Testament unentbehrlich, sowohl als Lobpreis der zweigeschlechtlichen Liebe vor Gott wie als Transparent zum Verhältnis zwischen Gott und seinem Volk, dessen Gegenseitigkeit sich in die Begriffe und Bilder der geschlechtlichen Liebe kleidet. Das ist deshalb möglich, weil der Mann als zeugend, gestaltend und führend bei aller personalen Gleichwertigkeit einen Primat hat und Gleichnis Gottes ist, die Frau als empfangend und gebärend wesenhaft Antwort an den Mann ist, ‚Gehilfin’, aber auch ‚Fülle’ und ‚Herrlichkeit’ darin Gleichnis der kreatürlichen Welt. Die alt- und neutestamentliche Lehre der Geschlechterdifferenz ist nicht zeitbedingt und nicht überholbar (z.B. 1 Kor 11,7-12), vielmehr Voraussetzung für die volle Entfaltung der Selbstkundgabe Gottes in seiner Menschwerdung. Nivellierungen der geschlechtlichen Differenz geben die Radikalität der Verzahnung sowohl im menschlichen wie im Offenbarungsbereich auf und führen zu einem immer gleichgültigeren Nebeneinander.“( Spiritus Creator 336)

Von Balthasar ist davon überzeugt, dass die zweigeschlechtliche Liebe von Gott schöpferisch erwirkt worden ist, weil er nur unter der Voraussetzung ihres Bestehens in Jesus Christus als Mann Mensch werden konnte, worin von Balthasar die einzig adäquate Form der Selbstkunde Gottes erblickt, denn Gott konnte nur in seinem Abbild, dem Mann, Mensch werden:

„Weshalb (…) tritt (…) der Sohn menschwerdend als ein Mann hervor? Eindeutig deshalb, weil er innerhalb der Schöpfung als der Gesandte des Vaters dessen ursprüngliche Autorität vertritt. Der Schöpfung und der Kirche gegenüber ist er keinesfalls primär der Empfangende, sondern der Hervorbringende (…), (…) Vom Trinitarischen her (…) lässt sich deshalb ein abbildlicher Primat des Mannes verständlich machen.“ (Die Würde der Frau, 351)

In Bestrebungen von Frauen, die Zulassung auch von weiblichen Getauften zum priesterlichen Amt erreichen zu wollen, sieht von Balthasar eine Konkretisierung der gesellschaftlich geförderten, gefährlichen Tendenzen zu einer Selbstbeschädigung der Frau, vor der sie um ihrer selbst willen zu schützen ist, denn

„sofern Christus Mann ist, repräsentiert er nochmals den Ursprung, den Vater, denn immer ist die Fruchtbarkeit der Frau angewiesen auf eine ursprüngliche Befruchtung. Dies beides ist nicht zu relativieren, sowenig wie die daraus folgende Repräsentation des Ursprungs durch das kirchliche Amt. Eine Frau, die nach diesem Amt greifen wollte, würde nach spezifisch männlichen Funktionen greifen, dabei aber vergessen, welchen Vorrang der weibliche Aspekt der Kirche vor dem männlichen hat.“ ((Balthasar: Frauenpriestertum, 113) – Dieser besteht nach von Balthasar in der Fähigkeit der Frau, „weiblich-empfangend“ das Wesen der Kirche zu verkörpern.

In seinen „Gedanken zum Frauenpriestertum“ differenziert von Balthasar entsprechend zwischen „innerem und äußerem Priestertum“, wobei er das Priestertum (innerlich betrachtet) als Selbsthingabe versteht, die (äußerlich betrachtet) eines Auftrags bedarf, der nur an Männer ergeht. Die Frau dagegen wird
„aufgrund ihrer den Mann ergänzenden Weiblichkeit und ihrer übernatürlichen Begnadung befähigt zum inneren (personalen und existentiellen) Priestertum, ohne das zweite, von Jesu Männlichkeit abhängende Moment seiner Repräsentation des Vaters in dessen ‚Auftrag’ und ‚Sendung’ mitzuübernehmen.“(Balthasar: Gedanken zum Frauenpriestertum, 494)

In seinen weiteren Ausführungen schließt von Balthasar nicht aufgrund geschichtlicher Bedingungen, sondern aufgrund transzendentaler trinitarischer Überlegungen kategorisch aus, dass Gott hätte in Erwägung ziehen können, sich selbst in Frauengestalt repräsentieren zu lassen.

Von Balthasar folgt in vielen Überlegungen zu diesem Thema den Ausführungen von Karl Barth. Dieser sieht den Grund für die Vorrangigkeit des Mannes in der biblischen Erkenntnis gegeben, „dass der Mann nicht von der Frau, sondern die Frau vom Manne genommen, dass er nicht primär zu ihr, sondern sie primär zu ihm und nur insofern, nur sekundär dann auch er zu ihr gehört.“ (Barth, KD III/2, S. 345 f) Barths Argumentation stützt sich auf die theologische Auslegung der Erzählung von der so genannten ‚Ersterschaffung’ des Mannes und auf die in dieser Erzählung vorausgesetzte Zeitfolge in der Erschaffung von Mann und Frau.

Die bildhafte Vorstellung, Gott sei vergleichbar mit einem Vater oder einer Mutter, ist erst in jüngeren alttestamentlichen Schriften überliefert.

Besondere Bedeutung hat insbesondere das Vaterbild durch die im Munde Jesu überlieferte Anrede Gottes als „abba“ (Papa) erhalten. Mit dem Vaterbild verbinden sich in den alttestamentlichen Schriften vor allem drei Inhalte:

• Gott kann seinen in ihm aufkommenden, angesichts der Untaten der Menschen gerechten Zorn besänftigen – er erbarmt sich der Geschöpfe, wie ein Vater, der seine Wut beherrschen kann (Ps 103,13; Jes 63,15-16).

• Gott wendet die Not, indem er in einer von den Menschen selbst nicht mehr ins Gute zu wendenden Situation hilfreich eingreift – er handelt wie ein Vater, der sein zunächst allein laufendes Kind schließlich auf seine Arme nimmt und es weiterträgt, wenn es nicht mehr laufen kann (Dtn 1,31).

• Gott möchte, dass seine Geschöpfe einander wie Geschwister achten – denn alle haben denselben Vater (Mal 1,6; 2,10). In Jesu Rede vom barmherzigen Vater, in seinem Vater-Vertrauen am Ölberg und in der der paulinischen Rede von der in der Sendung des Geistes Gottes ermöglichten Geschwisterlichkeit werden diese Aspekte im neutestamentlichen Zeugnis fortgeschrieben.

Auch mit dem Mutterbild in der Rede von Gott verbinden sich in alttestamentlicher Zeit im wesentlichen drei Sachverhalte:

• Gott ist barmherzig, wie eine Mutter ihren Kindern gegenüber; eine Mutter ist beständig auf den Erhalt des Lebens der Kinder bedacht; denen, die in ihrem Mutterschoß (rächäm) lebten, erweist eine Mutter zeitlebens Barmherzigkeit (rachamim) (Dtn 32,18; Num 11, 11-13).

• Gott ist treu wie eine Mutter – ja treuer sogar. Sie vergisst ihre Geschöpfe niemals (Jes 49,15).

• Gott ist in Stunden des Leids nahe – so, wie eine Mutter ihren Kindern (Jes 66,13). Im neutestamentlichen Zeugnis lebte die Muttervorstellung in der Rede von Gott vor allem in Gestalt der Henne, die ihre Küken unter ihre Flügeln sammelt, weiter (Mt 23,37; Lk 13,34).

Eine zentrale Forderung im Rahmen innerkatholischer Reformnotwendigkeit muss die gleichmäßige und gleichrangige Anerkennung von Frau und Mann sein – mit allen Konsequenzen; vor allem der Akzeptanz des Pauluswortes aus 1 Kor.12,11 : „Das alles bewirkt ein und derselbe Geist; einem jeden teilt er seine besondere Gabe zu, wie er will.“

Paul Haverkamp, Lingen

Verfasst von Nachtfalter am 21. November 2011 - 19:04.

Aber, aber ....

was wird dann aus dem abgedrehten Bischof Hemmelrat und seinem Dilettantissimus...

was wird dann aus dem abgedrehten Bischof Hemmelrat und seinem Dilettantissimus Mühlich?

Nachtfalter

Verfasst von Nachtfalter am 21. November 2011 - 19:50.
Kommentar auf: Tja, meine Kritik gilt

Freiheit eines Christenmenschen

Das Problem ist ja nicht der Schriftzug auf dem "Vereinsschild". Es...

Das Problem ist ja nicht der Schriftzug auf dem "Vereinsschild". Es steckt doch darin, dass es den Menschen ausgeredet wird, selber zu glauben, eine eigene und persönliche Beziehung zu unserem Heiligen Vater zu leben. Dies geschieht leider auch viel zu oft bei uns, den Protestanten.

Nachtfalter

Verfasst von Nachtfalter am 21. November 2011 - 23:27.
Kommentar auf: Nachtfalter schrieb: Das

Zu kurz gedacht.

Es gibt nur einen Heiligen Vater, nachzulesen bei Johannes 17, 11 (auch in der...

Es gibt nur einen Heiligen Vater, nachzulesen bei Johannes 17, 11 (auch in der Vatikanbibel).

Euern Papa Ratzi

dürft Ihr gerne behalten.

Nachtfalter

Verfasst von Nachtfalter am 22. November 2011 - 12:32.

Du doch nicht

wenn jemand meinen Blutdruck heben kann, dann ist dies mein geliebtes...

wenn jemand meinen Blutdruck heben kann, dann ist dies mein geliebtes Nachtfaltermädchen mit einem einladenden Lächeln, das eine Erwartung weckt auf ... (pssst, es könnten ja Kinder oder zölibatäre Zeitgenossen mitlesen).

Die cholerische Ader ist mir fremd. Bevor sich bei mir der Hut hebt, muss schon wesentlich mehr passieren, als so ein harmloses interkonfessionelles Geplänkel.

Nachtfalter

Verfasst von Nachtfalter am 21. November 2011 - 23:23.
Kommentar auf: Nachtfalter - Du hast wie

Zuviel der Ehre

Die Wahrheit liegt allein bei Gott

Die Wahrheit liegt allein bei Gott

Nachtfalter

Verfasst von Nachtfalter am 23. November 2011 - 12:08.
Kommentar auf: Leonard Kayser

Nun denn

j3s schrieb: Warum stellt sich keiner von euren Protagonisten hin und...

j3s schrieb:

Warum stellt sich keiner von euren Protagonisten hin und formuliert eindeutig was er sich konkret unter einer Ökumene vorstellt und in welchem Zeitraum soll dieses Ziel erreicht werden?

Wenn ich mit einem Heiligen, ungeachtet seiner Konfession, frei von Dogma und Doktrin, jenseits aller eingebildeten Glaubenswahrheiten, über alle Rituale hinweg, auf gleicher Augenhöhe, Hand in Hand in Liebe und einig im Geist vor unseren gemeinsamen, den einzigen und lebendigen Heiligen Vater treten kann, dann ist dies für mich Ökumene. Dies kann jederzeit geschehen, heute, hier und jetzt.

Nachtfalter

Verfasst von Nachtfalter am 23. November 2011 - 21:46.

Zum Mitschreiben

was soll da so schwierig sein, im normalen Leben klappt es doch auch. Wenn ein...

was soll da so schwierig sein, im normalen Leben klappt es doch auch.

Wenn ein Freund anlässlich seines Geburtstags eine Feier ausrichtet, werde ich die Einladung doch gerne annehmen. Auch wenn er Vegetarier ist, oder jeglichen Alkohol meidet. Und dann werde ich nicht ein Pfund duftenden warmen Leberkäs mitbringen oder eine Kiste Bier anschleppen.

So mag auch jeder in seiner Konfession (nicht nur bei den Römern) nach seiner eigenen Facon glauben und nach seinen Ritualen huldigen. Aber warum muss im Zusammenleben mit anderen Glaubensrichtungen der eigene Hokus Pokus als der einzig und allein seligmachende propagiert werden?

 

Nachtfalter

Verfasst von Nachtfalter am 25. November 2011 - 20:17.

Zwischen den Zeilen?

Nun, zugegeben, mein Geschreibsel lässt sich auch in diese Richtung deuten...

Nun, zugegeben, mein Geschreibsel lässt sich auch in diese Richtung deuten, als hätte ich auf jenes Ritual angespielt, das so gerne als unüberwindlicher Zankapfel zwischen den Konfessionen aufgebaut wird - hab ich aber nicht. Und es ist auch meine eigene Kirche, die immer wieder selbstverliebt auf die eigene Fahne schaut und dabei Jesus aus dem Blick verliert. Da wird auch schon mal mit der CA gefuchtelt, mit Donnerschlägen auf das Kirchenrecht gepocht und zwischendurch auch Doktor Martinus misshandelt. Du siehst, wir haben unsere eigenen Splitter und Balken. Um den Fremdholzanteil in Euren Wahrnehmungsorganen müsst ihr Euch schon selber bemühen.

Um zu Jesus, zu unserem Heiligen Dreieinigen Gott zu gelangen und mit Ihm zu leben bedarf es sicherlich einer Gemeinschaft von Heiligen. Diese muss aber nicht so fundamental betoniert sein, wie die großen Konfessionen es den Leuten immer auf Auge drücken wollen.

Nachtfalter

Verfasst von Nachtfalter am 22. November 2011 - 12:51.

Janus?

der römische Oberpriester redet so gerne von den Schuhen des Fischers, mit...

der römische Oberpriester redet so gerne von den Schuhen des Fischers, mit denen er seine Position verteidigt. Aber steht er nicht auch in den Stiefeln des Imperators? Der Vatikan ist m. E. die Nachfolgeorganisation des Cäsarenreichs. Denn so lässt sich nicht nur der Weltherrschaftsanspruch erklären, auch etliche andere Phänomene lassen sich so erklären.

Nachtfalter

Verfasst von Nachtfalter am 23. November 2011 - 12:20.

Welche meintest Du?

zaangalewa schrieb: Hmm - Was wurde eigentlich aus den Schuhen Christi? Die...

zaangalewa schrieb:

Hmm - Was wurde eigentlich aus den Schuhen Christi?

Die "Birkenstocks" gingen (Mk. 15, 24) wohl an einen römischen Soldempfänger. Im übertragenen Sinn ist aber jedes Menschen Fuß unendlich zu klein, um in den Schuhen Christi laufen zu können.

Nachtfalter

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