Gottesdienst - Das Frühjahr ist die Zeit der vielen Gottesdienste: Karfreitag, Ostern, Taufe und Konfirmation. Zum Teil sind es besonders festliche Gottesdienste, zu denen - anders als sonst - ganze Familien in die Kirche gehen. Also auch Kinder. Manche sitzen still in der Kirchenbank, andere spielen laut, reden dazwischen, laufen umher. Bei Kinderlärm im Gottesdienst haben Kirchgänger unterschiedliche Toleranzschwellen: Manchen macht es Spaß, dass der Gottesdienst durch die Kinder so lebhaft wird, andere fühlen sich gestört, würden sich gern sammeln und konzentrieren. Zwei Plädoyers von evangelisch.de für oder gegen Kinderlärm im Gottesdienst.
Pro: Kinder einbeziehen statt abkapseln
Es gibt kaum ein erbauenderes Geräusch als das Lachen eines Kindes. Warum sollten wir dieses Gottesgeschenk aus dem Gottesdienst verbannen? Der Gottesdienst ist schließlich teils Ritual, teils Feier – und da sollen Kinder doch auch mitfeiern dürfen. Klar, vor der dröhnenden Orgel haben Kinder manchmal Angst und bei der drögen Predigt schlafen sie ein. Aber an die Orgel müssen sich auch manche Erwachsene erst gewöhnen (und sie ist ein schönes Instrument) und eine dröge Predigt ist nicht nur für Kinder einschläfernd.
Natürlich ist es sinnvoll, Kinder in spezielle Kindergottesdienste zu schicken, wenn man sie gezielt mit Inhalten ansprechen will. Sicherlich passt nicht jede Form des Gottesdienstes auch auf jedes Kind. Aber es ist gleichzeitig sinnvoll, den Nachwuchs von Beginn an daran zu gewöhnen, dass der Gottesdienst etwas ganz normales sein kann und manchmal auch ganz schön.
Welche Kinder dürfen denn, fragt man sich? Nicht alle. Schreiende Säuglinge haben in der Kirche nichts zu suchen. Sie verstehen die Nachricht nicht, die ihnen entgegengetragen wird, und sie stören. Aber Kinder, die selbst laufen und sprechen können, soll man aus der Kirche nicht ausschließen. Vielmehr sollte man sie einladen! Vielleicht zwingt das die Prediger und Predigerinnen auf der Kanzel, ihren Stil ein bisschen anzupassen und eine Predigt zu halten, die auch ein Achtjähriger versteht. Nicht umsonst werden Kindernachrichten auch von Erwachsenen gern gelesen, denn sie erklären die Welt in einfachen Worten. Wie die Bild-Zeitung.
Das soll nun kein Aufruf sein, den Gottesdienst zu boulevardisieren. Aber Kinder gemahnen doch immer noch daran, dass die Christenheit nicht nur aus intellektuell theologisch interessierten aufmerksamen Zuhörern besteht und eine Predigt, die zwar theologisch durchdacht sein mag, aber nichts mit der Lebenswirklichkeit ihrer Zuhörer zu tun hat, nur selten fesselt. Vielleicht fliehen dann auch die Jugendlichen nicht in Scharen aus dem Schoß der Kirche.
Ich kannte mal einen Gemeindepastor, der dröhnend predigen und seine Klosterkirche ohne Mikrofon beschallen konnte. Der vermochte es, jeden in der Kirche anzusprechen, ob jung, ob alt, und die Gemeinde in Bann zu schlagen. Er konnte mit Jugendgruppen ebenso was anfangen wie mit Seniorenkreisen. Das ist die Form von Gemeinsamkeit, die einer Gemeinde gut ansteht. Denn die Botschaft Jesu ist für alle wichtig, für Kinder und Erwachsene am Sonntagmorgen gleichermaßen. Es fördert den Zusammenhalt im Glauben.
Daher die Forderung: Lagert nicht die Kinder aus – lagert das zweistündige doppelliturgische Hochamt evangelischer Prägung mit anschließender theologischer Diskussionsrunde aus! Denn Kinder (und Jugendliche) gehören zur Gemeinde. Sie selbstverständlich einzubinden statt abzukapseln bedeutet eine Investition in die Zukunft. Vielleicht greift dann der ein oder andere 13-jährige im Gottesdienst nicht nach seinem Handy, um sich für den Abend zu verabreden, sondern um das Top-Zitat aus der Predigt zu twittern. Wär doch mal was.
Hanno Terbuyken
Contra: Erwachsene brauchen die stille Stunde
"Weißt du, was ich hier am Gottesdienst gut finde?" fragt mich eine Bekannte an einem Sonntagmorgen in der Kirche. "Es ist eine Veranstaltung für Erwachsene!" Ich verstehe, was sie meint. Wir (beide berufstätig, alleinstehend, kinderlos) sitzen in der Kirche nebeneinander und hören der Orgelmusik, den Gebeten, der Predigt entspannt und aufmerksam zu. Wir beide brauchen diese Stunde am Sonntagmorgen, angefüllt mit guten Worten und dennoch auf eine besondere Weise still.
Kinder sind natürlich willkommen im Gottesdienst meiner Gemeinde, und sie dürfen auch am Abendmahl teilnehmen. Kinder auszuschließen, das wäre ein schlimmes Signal und nicht im Sinne des Religionsstifters: "Lasset die Kinder und wehret ihnen nicht, zu mir zu kommen; denn solchen gehört das Himmelreich", sagt Jesus in Matthäus 19,14. Kinder gehören zur Gemeinde - keine Frage.
Manchmal sitzt vorn an der Seite eine Mutter mit drei Kindern. Das kleinste hat oft ein Bilderbuch dabei, die beiden größeren sitzen ruhig auf ihren Stühlen. Alle drei schaffen es, die Stunde mit nur wenig Zappelei zu überstehen. Ob ihnen der Gottesdienst Spaß macht, weiß ich nicht... Eine Kirchengemeinde sollte ihre Kinder kindgerecht aufnehmen, ihnen möglichst einen eigenen Gottesdienst anbieten, in dem sie Gemeinschaft haben, ihren Glauben feiern und Neues lernen - wie die Erwachsenen, nur anders. Mit Geschichten zum Zuhören, aber auch laut und lebhaft mit viel Bewegung und Musik.
Ab und zu gibt es bei uns Familiengottesdienste für Eltern und Großeltern mit Kindern. Diese Gottesdienste werden extra angekündigt, so dass alle Bescheid wissen. Meine Bekannte und ich gehen dann lieber in eine andere Kirche, denn ohne eigene Kinder fühlen wir uns hier fehl am Platz. In Taufgottesdiensten sind oft Kinder anwesend - und das ist auch gut so: schließlich wollen und sollen große Brüder und Schwestern, Cousins und Cousinen mitbekommen, was da mit dem Täufling und dem Wasser passiert.
Doch selbst im Taufgottesdienst weist unsere Pfarrerin vor der Predigt freundlich darauf hin, dass die Erwachsenen gern in Ruhe zuhören wollen. Falls Kinder da sind, die sich möglicherweise langweilen, könnten sie gern ins Spielzimmer gehen. Das entspricht dem Interesse der Zuhörer, die Predigt mitzubekommen, dem Interesse der Kinder, sich angemessen zu bechäftigen, und auch dem Interesse der Pfarrerin: Denn eine Predigt zu halten, erfordert Konzentration. Herumlaufende, weinende oder schreiende Kinder bringen sie ganz schön aus dem Konzept.
Ich finde das gut so: die Gemeinde lädt Kinder ein, lässt sie am Abendmahl teilnehmen, hat ein Spielzimmer eingerichtet und bietet Familiengottesdienste an. Aber ein gewöhnlicher Sonntagsgottesdienst ist eine "Veranstaltung für Erwachsene", eine Stunde ohne Rennen, Schreien, Weinen, Klappern, Zappeln. Was hier gesprochen wird, muss nicht kindgerecht sein, sondern erwachsenengerecht. Ob Eltern oder Kinderlose - wir Erwachsenen brauchen diese Stunde der Ruhe und Konzentration unter Gottes Wort am Sonntagmorgen.
Anne Kampf
Anne Kampf und Hanno Terbuyken sind Redakteure bei evangelisch.de und haben beide keine Kinder.







Kommentare
Aktuelles Beispiel
"Eklat bei Erstkommunion"
siehe:
http://www.general-anzeiger-bonn.de/index.php?k=loka&itemid=10001&detail...
Sicher kein besonders gutes Vorbild...
Bei uns (bzw. in meiner alten
Bei uns (bzw. in meiner alten Gemeinde) sind Kinder natürlich erwünscht. Es gibt auch einen extra Kinderraum (das sogenannte Martinszimmer, mit Fußbodenheizung, Spielzeugen, etc) falls die Kinder doch lauter werden und sich nicht mehr konzentrieren können. Dann können die Eltern mit den Kindern da hoch, sehen und hören alles (über eine Lautsprechereinrichtung und Blick auf das Innenschiff der Kirche und den Altar), können aber nicht gehört werden, die Kinder können dort also zwar den Gottesdienst mitfeiern, ein jede und ein jeder in seiner Lautstärke. :)
Und dann gibt es natürlich auch den Kindergottesdienst, der parallel dazu stattfindet :)
wir sind alle Kinder Gottes
Aber Jesus sprach: Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn solcher ist das Reich Gottes.
Wir sollten ernsthaft überlegen-ob die praktizierte Form des Gottesdienstes- Gottesdienst ist. Ich sehe die übliche Form als anpredigen. Die Gebete oft getragen mit Gefühl, wenn ich denn mal bete, spreche ich mit Gott.Gottesdient mit der Gemeinde, und zur Gemeinde gehören unsere Kinder, Enkel und Urenkel. Kinder stören nicht. Wie sagte Goethe-"wenn die Eltern erzogen wären könnten sie erzogene Kinder gebären". Aber heute stören Kinder auch in der Schule,dennoch wird diese nicht abgeschaft. Mehr Mut-tut gut. Walter Wasilewski
Gottesdienst?
Die Kirchengemeinde und der Sonntags-Gottesdienst. Die Besuchzahl des "Gottesdienstes" bringt niemanden zum Nachdenken. Es ist wie in einem Parlament. 612 Abgeordnete gehören dem Parlament an und anwesend sind meist nicht mehr als 100- es stört niemanden-da es dann auch weniger "Störungen" gibt. Kinder im Gottesdienst sind unbefangener und bringen das auch zum Ausdruck- also machen wir den Kindergottesdienst. Da ist dann allerdings auch mehr Leben drin. Familie ist ohne Kinder- nicht denkbar. Eine sterbende Kirche ist kinderlos. Leben oder sterben-das ist hier die Frage. Walter Wasilewski
Mit den Kindern schließt Ihr auch die Eltern aus...
Manchmal ist es einfach schön, aktuelle Fragestellungen nahezu wörtlich in der Bibel zu finden.
"Als aber die Hohenpriester und Schriftgelehrten die Wunder sahen, die er tat, und die Kinder, die im Tempel schrien: Hosianna dem Sohn Davids!, entrüsteten sie sich und sprachen zu ihm: Hörst du auch, was diese sagen? Jesus antwortete ihnen: Ja! Habt ihr nie gelesen: »Aus dem Munde der Unmündigen und Säuglinge hast du dir Lob bereitet«? (Mt 21,15-16)"
Kinder heute schreien manchmal etwas ganz anderes. Und ihre Eltern schwitzen Wasser und Blut. Ich kann mich noch an den Karfreitags-Gottesdienst erinnern. Meine Frau sollte etwas entlastet werden, also nahm ich den Großen mit. Wie schwer war es, ihm zu helfen, dass es nicht zu langweilig wird. Wie schwer war es, dabei leise zu bleiben. Es hat geklappt. Bis kurz vor dem Abendmahl. "Papa, ich muss mal..." Leider erst nach dem Abendmahl waren wir beide wieder da.
Wer das erlebt hat, hat eine Höchstleistung vollbracht. Doppelte Konzentration auf den Gottesdienst und auf sein Kind.
Wer gute Nerven hat und hartgesotten ist, und von den übrigen Gottesdienstbesuchern mit einem aufmunterndem Blick bedacht wird, tut sich das vielleicht auch ein zweites Mal an. Wer aber einen falschen Blick, eine hochgezogene Augenbraue, eine Rüge gar wahrnehmen sollte, wird der Kirche auf Jahre verloren gehen.
Und mal ganz ehrlich: So sehen unsere Gottesdienste doch viel zu oft auch aus: Dass ganze Generationen dort fehlen. Muss das sein? Wem nutzt es?
"Lasset die Kinder zu mir kommen!" Wie müsste dann ein Gottesdienst aussehen, der den Kindern, ihren Eltern und auch der übrigen Gemeinde gut tut? Es gibt solche Gottesdienste, aber es gibt sie viel zu selten. Und darum findet man ganze Elterngenerationen nicht im Gottesdienst.
Auch an dieser Stelle merke ich, wie wenig unsere Kirche noch "Volkskirche" ist. Warum fragt man so oft nur die, die noch in den Gottesdienst kommen, was ihnen dort gefällt oder nicht gefällt? Warum fragt man nicht die, die es schon lange nicht mehr dort aushalten? Die deswegen nicht mehr kommen? Die sich komisch vorkommen, wenn vorne der Pfarrer was spricht, und dann alle als Antwort singen in einer Sprache, die heute kein Mensch mehr spricht...
Gottesdienst kann auch anders aussehen. Dann sind sie auch da: Die Eltern mit ihren jungen Kindern. Aber es geschieht noch viel zu selten. Die Kinder könnten dabei unsere Lehrmeister sein.
Kinder in der Kirche
Kürzlich durfte ich an einem längeren Bußgottesdienst teilnehmen - wir haben ja jetzt die Passions- und Fastenzeit - und es waren auch einige Kinder da.
Während dieses Bußgottesdienstes gibt es auch lange Phasen, wo wir knien und die Kinder haben dies auch getan.
Dabei ist mir aufgefallen, daß die knienende Haltung, in der eines der Kinder gebetet hat, faktisch die Haltung war, die die Kinder vor der Geburt im Bauch der Mutter inne haben, und in dieser Haltung ist es dann wohl sogar eingeschlafen.
Mich und wohl uns alle hat das sehr beeindruckt, zumal wir so auf unerwartete Weise vor Augen gestellt bekommen haben, was ja auch so ist, nämlich, daß die heilige Kirche unsre geistliche Mutter ist. Das Knien bekommt so noch einmal eine ganz eigene Bedeutung.
Kinder im Gottesdienst
Ihre beiden Beiträge sind doch gar nicht so kontrovers, wie die Einleitung oben vermuten läßt. Vielmehr zeigen beide Beiträge in der Gesamtschau Wege auf, wie man Erwachsene und Kinder gemeinsam in den Gottesdienst integrieren kann.
Auch ich als Vater dreier Kinder finde, dass schreiende oder tobende Kinder nicht in den normalen Gottesdienst gehören. Dagegen kann ein Kinderlachen durchaus auch eine ansonsten dröge Predigt (die es in meiner Kirche zum Glück derzeit nicht gibt) erträglich machen.
Wenn mir meine Kirche ganz verbieten würde, meine Kinder zum normalen Gottesdienst mitzubringen, auch wenn sie sich halbwegs artig benehmen, würde ich den Gottesdienst nicht mehr besuchen. Umgekehrt besuche ich von mir aus mit der Familie bevorzugt den Kindergottesdienst, weil das für alle unkomplizierter ist. Mit ein wenig Rücksicht aufeinander geht das alles schon!
Gemeindemitglieder vom Gottesdienst ausschließen?
Wenn es gilt das Kinder mit der Taufe Glieder der Gemeinde geworden sind, dann müssen Kinder auch ihren festen Platz im Gottesdienst haben. Dann dürfen Kinder laut, unbeherrscht und anarchistisch mit Gottesdienst feiern. Wer das nicht nicht will, nimmt auch nicht die Taufe der Kinder ernst.
Widerspruch
Wenn Kinder (selbstverständlich) vollwertige Gemeindeglieder geworden sind, dann heißt das ja nicht dass alle Angebote der Gemeinde für sie gleichermassen geeignet sind. Man will ja z.B. die Senioren, die nicht in die Kinderkirche gehen, auch nicht ausschließen.
Niemand will Kindern den Gottesdienstbesuch verwehren, aber aufgrund der Wortbetontheit unserer Gottesdienste ist es eben auch immer die Frage, ob man ihnen, zumindest den kleineren, unbedingt einen Gefallen tut, wenn sie sich nur langweilen. Ich bin als Kind wahnsinnig gerne in die Kirche gegangen, damals war ich allerdings noch katholisch. Und in einem katholischen Gottesdienst gibt's halt per se viel mehr zu sehen als bei uns, und dann ist es für Kinder auch weniger langweilig.
Mir stellt sich beim Lesen
Mir stellt sich beim Lesen grad die Frage, ob evangelische "Wortbetontheit" unbedingt wörtlich genommen werden mß. Will sagen: Predigt muß keine Vorlesung sein, wenn das Wort besser verkündigt wird, indem etwas "passiert", das auch Kinder bei der Stange hält, wie ach immer man das fassen will. Sicher besteht die Gefahr, daß die Predigt dann zur Show verkommt, aber vielleicht muß man die Gefahr auch in Kauf nehmen? Ich bin mir selbst noch unschlüssig.
Mein Blog: Ein feste Burg ist unser Gott
Zweischneidiges Schwert...
Tja, das ist eine schwierige Frage - sowohl die Pro- als auch die Contra-Seite bieten gute Argumente.
Als Prädikant kann ich aber auch noch etwas aus Prediger-Sicht beitragen: Der Pro-Redakteur schreibt sinngemäß, man müsse die Predigt dann eben so halten, dass sowohl Kinder als auch Erwachsene angesprochen würden. Das ist leicht gesagt! Mir scheint, als Prediger sollte man am besten die eierlegende Wollmilchsau spielen: Die Predigt soll was für Kinder sein, aber auch für Erwachsene, gut verständlich, aber nicht zu niederschwellig, theologisch nicht zu kompliziert aber auch nicht zu trivial, nicht zu lang, nicht zu kurz...Wie soll man das alles unter einen Hut bringen? Da wird vielleicht manchmal von uns zuviel erwartet. Und es gibt bestimmmt Prediger, die es schaffen, auch den abstraktesten Paulus-Lehrtext kindgemäß darzustellen, aber ich glaube das ist dann doch eher die Ausnahme (soviel Selbstkritik muss sein...) :-)
Und dass man beim Predigen Ruhe und Konzentration braucht, stimmt definitiv.
Daher würde ich, auch aus der Perspektive als Gottesdienstbesucher, der den Gottesdienst auch als zeit der Entspannung sieht, eher zur Contra-Ansicht neigen und speziell kindgemäße Inhalte eher über Familiengottesdienste transportieren (denen ich, ganz ehrlich, auch meistens fernbleibe)...
Schön und gut wenn die Kinder
Schön und gut wenn die Kinder im Gottesdienst ruhig sind und das einüben. Aber diesem "Entgegenkommen" der Kinder (auch wenn sie lernen sollen, auch mal still zu sitzen, kommen sie einem entgegen, denn es entspricht nicht unbedingt ihrer Art) sollte man auch entgegenkommen, indem man den Gottesdienst so gestaltet, daß sie etwas damit anfangen können. Und zwar nicht nr bei den Familiengottesdiensten, sondern im ganz normalen Gottesdienst.
Die Gemeinde ist eine Einheit, sie nach Kindern und Familien und älteren Menschen und Singles aufzuteilen halte ich für keine gute Idee. Deshalb stehe ich auch Zielgruppengottesdiensten gespalten gegenüber. Natürlich bedeuten sie die Chance, auch andere Gruppen als den gewöhnlichen Gemeindekern anzusprechen. Aber indem sie das nur im Zielgruppengottesdienst tun, bleibt die Zeilgruppe auch immer ein bißchen außen vor. Es ist halt nicht das "richtige", sondern die Ausnahme, die, die halt dann in die Kirche kommen, wenn ihnen etwas geboten wird.
Dabei ist es doch am normalen Sonntagsgottesdienst nicht anders: Nur die diese Zielgruppe halt als "normal" gesetzt, alles andere weicht halt irgendwie ab. Sicher ist es immer ein Balanceakt, sowohl Kinder als auch Alte, sowohl Bildungsbürgertum als auch "abgehängtes Präkariat" anzusprechen. Aber genau das ist doch Auftrag der Kirche! Alle sollen angesprochen werden, nicht nur die eigene Peer-Group. Deshalb bin ich für Kinder und Alte in einer Kind- nd Altengerechten Kirche. Ich bin zuversichtlich, daß das geht, auch wenn es schwer ist.
Mein Blog: Ein feste Burg ist unser Gott
Ja, der Name soll Programm
Ja, der Name soll Programm sein. Irgendwer muß sich ja um die Bedenken kümmern ;)
Ich denke wir sind ziemlich auf einer Linie: Befriedigung von Millieus kann nicht Ziel des Gottesdienstes der Kirche sein. Leider habe ich aber oft den Eindruck, daß genau das im Blick ist, nicht immer, aber immer mal wieder, mal hier, mal dort.
Dabei spreche ich mich nicht gegen das Wuchern mit den gegebenen Pfunden aus, wir wären schlichtweg blöd, täten wir das nicht. Aber eben wie gesagt, mit Maß und Ziel, nd Ziel darf IMHO nicht sein, daß die Gemeinde Gottes in verschiedene Millieus zersplittert ist und keinen gemeinsamen Ort mehr hat.
Mein Blog: Ein feste Burg ist unser Gott
Kinder im Gottesdienst - ja bitte, aber
Ich selbst bin Mutter von 4 Kindern, mittlerweile aus den Kinderschuhen entwachsen, die jüngsten beiden gehen dieses Jahr zur Konfirmation.
Es war bei uns immer üblich, dass die Kinder in den Gottesdienst gingen. In den Kindergottesdienst, den gab es aber nur zweimal im Monat, ansonsten mit uns. Meine Kinder haben früh gelernt, dass im Gottesdienst eine andere Art sich zu verhalten gefragt ist, als auf dem Spielplatz. Wir sind auch mal mit ihnen rausgegangen, am Anfang, als es nicht klappte. Später gab es nie wieder Probleme. Sie schwatzen auch nicht mit anderen Jugendlichen, Handies sind tabu - wir stellen unsere ja auch aus.
Ich finde es sehr wichtig, dass Kinder mit in den Gottesdienst kommen, dass sie frühzeitig lernen, dass Gottesdienst Anbetung ist. Anbetzung zu Gott der soviel größer ist als wir es fassen können - und zugleich uns ganz nahe. Wie soll ein Mensch das lernen, wenn er nie dahin geht?
Ich finde es nicht schön, wenn Kinder über "Tische und Bänke" gehen, weil sie dem ganzen Geschehen überhaupt nicht folgen können, da es ihnen auch niemand erklärt hat.
Als ich ein kleines Kind war, damals noch katholisch, ging es auch in den Gottesdienst und selbstverständlich wurde erwartet, dass ich mich dort ruhig verhielt. Das fiel mir als Kind persönlich sehr schwer, ich war neugierig, wollte alles wissen, hinterfragte - aber mein Großvater erlaubte mir das nicht, nach der Kirche konnte ich alles fragen. Mir hat das gut getan.
Gerade in unserer heutigen schnelllebigen, unruhigen Zeit sind diese wunderbaren Stunden der Sammlung und Ruhe so wertvoll, gerade auch für Kinder. Meine beiden Jugendlichen wissen jetzt schon, dass es für sie auch nach der Konfirmation noch mit der Kirche weitergehen wird. Mindestens 2x im Monat, einmal zum Jugendgottesdienst, einmal in den sonntäglichen Gottesdienst.
Kann es etwas besseres geben?
Hineinwachsen
Also heute war's schön. Ostermontag, Kirche gut gefüllt (ca 180 Menschen). Mit Chor, der eine Messe von Gounod sang. Auf lateinisch, jawohl. Laudamus te, benedicamus te. Im übrigen ein stinktraditioneller Gottesdienst ohne Ringelreihen oder Netzeknüpfen. Mehrere Säuglinge und Kleinkinder mit ihren Eltern. Es gab mal dort Gebrabbel oder ein Quietschen, und hier trappsten mal Kinderfüße. Sah nicht aus, als ob das groß jemanden störte. Auch ging irgendwann ein Vater oder eine Mutter mit ihrem Süßen nach draußen und kam wieder rein. Alles gut erträglich. Abendmahl: drei Tische, währenddessen Orgelmusik. Anscheinend fanden die Kindlein das ihrerseits gut erträglich.
Ich bin absolut dafür, dass es Kindergottesdienste gibt, wo der Nachwuchs auf kindgemäße Weise angesprochen wird und beim Singen in die Knie geht und Händchen klapp macht und auf einfache Weise erfährt, dass Jesus sie alle lieb hat. Von mir aus auch Familiengottesdienste, die ja in der Regel sehr stark auf das kindliche Publikum zugeschnitten sind (solange ich nicht gezwungen bin, sowas jeden Sonntag mitzumachen). Aber das sind Formen, aus denen sie herauswachsen werden - herauswachsen sollen und müssen. Dann ist es gut, wenn sie auch schon erfahren haben, dass Kirche nicht nur für Kinder ist; dass es Gottesdienste gibt, in die sie hineinwachsen können. Sie müssen die Kirche nicht hinter sich lassen wie den Kindergarten oder die Grundschule. Sie dürfen darin erwachsen werden.
- Streite dich nicht mit einem Dummkopf. Er zieht dich auf sein Niveau herunter und schlägt dich dort mit seiner Erfahrung. (Quelle unbekannt)-
Danke, lieber Bruder!!! Wir
Danke, lieber Bruder!!!
Wir wundern uns und staunen, dass jungen Menschen der Gottesdienst so fremd ist... Und keiner fragt, warum.
Dabei ist die Lösung soooo einfach: Wie sollen junge Leute kennen, was sie nie erleben, weil sie ausgelagert werden, altersspezifisch bespaßt werden oder ähnliches...
Der Gottesdienst kann IMMER alle Generationen ansprechen, sofern dies die Gemeinde und der Liturg gemeinsam wollen.
Dann aber besteht die Chance, sich gemeinsam als gemeinde wahrzunehmen.
Es gibt aber auch ein großes Risiko: es könnte sein, dass frische Ideen und Leben in die Gottesdienste kommen. Und ich fürchte, das Risiko ist vielen einfach zu hoch, dann lieber die Kinder auslagern, basteln lassen... Und sich freuen, dass man schön unter sich bleibt und alles ist, wie immer ... nur immer kleiner, immer dünner im Gesang...
Meine Erfahrung
Ein kleiner Erfahrungsbericht vom letzten Sonntag:
Meine Töchter 2,5 und 5 Jahre sitzen im Erwachsenen-Gottesdienst und warten darauf, dass sie zum parallel laufenden Kindergottesdienst abgeholt werden. Ins bestehende Kinderhaus im Kirchraum gehen sie nicht mehr, "das ist ja was für Babys". Sie lesen lieber Pixi-Bücher und die werden LAUT gelesen, auch wenn sie nicht lesen können. Mir als Vater ist das natürlich peinlich, wenn die ganze Gottesdienstgemeinde in stillen Augenblicke unsere Pixi-Bücher vorgelesen bekommt und ich mahne sie an, leise zu sein. Reaktion aus der Gemeinde: "Lassen sie die doch. Das ist so süß und lebendig!"
Das hat mich gefreut.
Ich bin ebenfalls Single und
Ich bin ebenfalls Single und kinderlos, aber Kinder im Gottesdienst stören mich nicht. Kinder sind Kinder und wir waren alle in diesem Alter genauso.
Unangenehmer empfinde ich da Erwachsene deren Benehmen im Gottesdienst zu wünschen übrig lässt. Für ein Schwatz mit dem Nachbarn, zum Fotografieren, zum besichtigen ist eine Kirche sicher ein Ort, aber eben nicht wenn gerade Gottesdienst ist.
Kommentar hinzufügen