Kirchenfinanzen - Der bayerische evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm hat seine Bereitschaft bekräftigt, über Staatsleistungen für die Kirchen zu verhandeln.
"Wir als evangelische Kirche sind offen, über einen Teil der Summe zu reden", sagte Bedford-Strohm am Donnerstag bei der Klausurtagung der SPD-Landtagsfraktion im Kloster Irsee. Der Bischof unterstrich, sein Gehalt werde nicht von der bayerischen Staatsregierung gezahlt. Auch sei die Kirche nicht vom Staat abhängig.
Die Landeskirche bekommt nach Angaben ihres Sprechers Johannes Minkus vom Freistaat jährlich insgesamt rund 21 Millionen Euro. Zwei Millionen Euro davon sind für die Personalkosten der Kirchenleitung bestimmt. Über die Zahlungen dieser Beträge könne verhandelt werden. Die staatliche Gesamtsumme erhält die Landeskirche nach den Worten des Bischofs analog zur katholischen Kirche als Pauschalsatz.
Förderung von Religion "völlig angemessen"
Die Leistungen des Freistaats seien verfassungsrechtlich abgesichert. Er halte es für sachlich "völlig angemessen", dass Kirchen und Religionen gefördert werden, sagte Bedford-Strohm. Er könne keinen Grund erkennen, dass nicht auch Kirchen und Religionsgemeinschaften staatlich gefördert werden, "wo öffentliche Belange berührt werden wie in anderen Bereichen etwa in der Bildung, Kunst oder im Sport". Die Kirche sei ein Aktivposten wie viele andere Vereine oder Organisationen auch, sagte Bedford-Strohm, der an der Spitze der rund 2,6 Millionen Protestanten in Bayern steht.
Für die katholische Kirche hatte zuletzt Kardinal Reinhard Marx Gesprächsbereitschaft beim Thema Staatsleistungen bekräftigt. "Wir verschanzen uns nicht hinter Abwehrmauern", sagte der Erzbischof von München und Freising in einem Zeitungsinterview. Marx ergänzte: "Manches historisch Gewachsene muss man nicht, so wie es war, weiterführen."
Von den 16 Bundesländern zahlen 14 den beiden großen Kirchen derzeit jährlich insgesamt rund 460 Millionen Euro an sogenannten Dotationen. Dabei handelt es sich um einen Ausgleich dafür, dass die Kirchen im Zuge der Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts zahlreiche Güter und Einnahmequellen verloren. Forderungen nach Kürzung der Staatsleistungen gibt es aus den Reihen der FDP und der Bündnisgrünen.







Kommentare
Kirche bereit zu Verhandlung über Staatsleistungen
Die Dotationen der Bundesländer ergeben ein völlig falsches Bild der Subventionen insgesamt. Jahr für Jahr werden nämlich den beiden Großkirchen zusammen 19 Milliarden Euro gezahlt, die aus allgemeinen Steuergeldern aufgebracht werden. Andererseits verfügen die beiden Großkirchen über ein Vermögen(Aktien, Investmentfonds, Barvermögen, Immobilien, Firmenbeteiligungen, eigene Firmen)von rund 500 Milliarden Euro. Das ist die wahre Situation der Kirchen. Arme reiche Kirche!
Kirche bereit zu Verhandlung über Staatsleistungen
Mein Vorredner erwähnte das Bundesland Bayern, ein sehr schönes Beispiel dafür, wie mit dem Geld des Steuerzahlers umgegangen wird. In Bayern stehen die Pastoren, Bischöfe, Erzbischöfe u.a.m. direkt auf der Gehaltsliste des Bundeslandes. Zwar sind sie dennoch Kirchenbeamte, aber eigentlich - wer will das bestreiten - sind sie Landesbeamte. Jeder Einwohner des Freistaates zahlt mit, ob er nun konfessionslos oder Muslime ist. Das ist wahre Religionsfreiheit. Hält man das den Regierungsvertretern vor, so scheinen sie einen gar nicht zu verstehen. Logik ist halt keine Sache der Politik.
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