Kirche gegen Rechts: Der Jugend Gottes Vaterliebe zeigen

Jugendliche aus Russland, Italien, Spanien, Deutschland und den USA  beim Intercamp des CVJM-Hannover

Jugendliche aus Russland, Italien, Spanien, Deutschland und den USA bei einem CVJM-Camp in Niedersachsen. Foto: epd-bild/ Jens Schulze

Gastbeitrag - In welcher Weise sollten sich Christen gegen rechte Gewalt und Fremdenhass engagieren? Unsere beiden Gastkommentatoren verfolgen unterschiedliche Ansätze. Hubertus Grass ruft die Kirche dazu auf, Stellung zu beziehen und sich unbedingt aktiv gegen Rechts zu engagieren. Gottfried Muntschick, Generalsekretär des CVJM Sachsen-Anhalt, plädiert dafür, Jugendliche intensiv zu betreuen. Engagement gegen Rechtsextremismus bedeutet für den Christlichen Verein Junger Menschen: geklärte Beziehungen, tragende Werte und leidenschaftliches Engagement für den anderen.

Von Gottfried Muntschick

Wenn Schlagzeilen über rechtradikales Handeln in unserer Nähe die Runde machen, gibt es immer wieder ein neues Erschrecken. Gibt es so was immer noch? Und ich selber frage mich, ob wir unseren Auftrag als CVJM gut erfüllen? Ja, ich nehme solche Meldungen sehr persönlich. Aber ich schaue auf dieses Problem nicht nur, wenn es die Schlagzeilen erreicht hat. Rechtsradikalismus, Neofaschismus und Antisemitismus sind mir seit meiner Schulzeit vertraut. Selbst das FDJ-Jugendinstitut in Leipzig beschäftigte sich in den 80er Jahren mit der latenten Akzeptanz faschistischen Gedankengutes unter Jugendlichen in der DDR. Auch die "Entnazifizierung" nach dem Krieg löschte die Gesinnung nicht. Fast möchte ich behaupten, dass die Gesinnung gegen Fremdes und der Dünkel eigener Herkunft jeder Generation inne sind. Aber das fordert uns als Christen heraus, weil dieses Denken zu tiefst der Botschaft Jesu widerspricht.

Wir erleben das in der christlich motivierten Jugendarbeit in Sachsen–Anhalt besonders an drei Gewichtungen. Zum einen in der Verbindung von Jugendbildung und Jugendarbeit. Hier erfahren Menschen nicht nur, was gut und richtig ist, sondern auch warum. Die Grundlage unserer gesellschaftlichen Werte wurzelt tief in der biblischen Botschaft von der Liebe Gottes. Vielen Menschen ist es nicht mehr klar, dass das Solidarprinzip z.B. im Renten- und Gesundheitswesen auf dem Gebot der christlichen Nächstenliebe beruht. Wem diese Grundlage fehlt, der wird leicht unsicher. Andererseits: Wer die Radikalität christlicher Hingabe lernt, wird wenig Verständnis für Herrenrassetheorien u.ä. haben.

Das Gefühl, etwas Wertvolles zu sein

Den christlichen Glauben mit in den Alltag zu nehmen, ist eine sehr radikale Herausforderung. Da bleibt für andere Radikalitäten wenig Raum. Konkret erleben wir das im Bereich der Familienbildung und -begegnung. Hier prägen wir schon mit dem christlichen Menschenbild die Grunderfahrungen von Kindern in der Familie. Das Gefühl, etwas Wertvolles zu sein; ein Kind, das kein "Unfall" war, sondern geliebt ist, weil es ein Geschöpf Gottes ist, lässt uns radikal verändernde Beziehungsgeschichten erleben. Familien versuchen plötzlich Regeln einzuführen, Gewalt zu minimieren und Wertschätzung zu formulieren. Das ist unser Versuch mit Menschlichkeit der Unmenschlichkeit der Ausgrenzung und der Verurteilung von Menschen zu begegnen.

Zum dritten schaffen wir Orte, an denen das, was wir predigen auch gelebt wird. Mehrere Häuser beherbergen Gruppen, um sie an die Vaterliebe Gottes heranzuführen. Eine Vaterliebe des leiblichen Vaters haben viele nicht erfahren. Deshalb laden wir zu Veranstaltungen ein, die die Beziehungsveränderung aufzeigen und einen Zugang zur Vaterliebe Gottes ermöglichen.

Politisches Engagement bedeutet für uns geklärte Beziehungen, tragende Werte und leidenschaftliches Engagement für den anderen. Wo für den Einzelnen das spürbar wird, entwickelt sich eine christliche und demokratische Persönlichkeit, die im Zusammenleben prägend für die Gesellschaft wird. Gesinnungsverirrungen werden damit nicht verhindern, aber sicher der radikalen Entmenschlichung unserer Gesellschaft begegnen.


Gottfried Muntschick ist Generälsekretär des CVJM Sachsen-Anhalt.

Kommentare

Verfasst von ernstwalter am 24. November 2011 - 19:39.

Rechts

Einige meiner Enkel haben eine Afrikanerin zur Mutter. Einer hat eine Lehrerin...

Einige meiner Enkel haben eine Afrikanerin zur Mutter. Einer hat eine Lehrerin die das betont, vor eigen Wochen sagte sie zu einem Jungen dessen Mutter Polin ist-er wurde wegen sein Hemd bewundert- ist bestimmt geklaut. Kinder im 2.Schuljahr ! Walter Wasilewski

Verfasst von ernstwalter am 24. November 2011 - 17:53.

Kirche gegen Rects

Leider kann ich nicht feststellen  was  Kirche gen Rechts "...

Leider kann ich nicht feststellen  was  Kirche gen Rechts "einsetzen" will. Geschichte und Theorie- aber den Kern finde ich nicht.

Walter Wasilewski

   

Verfasst von ernstwalter am 24. November 2011 - 18:03.
Kommentar auf: Kirche gegen Rects

Die Antwort

Mit Genehmigung der UEK untenstehenden Beitrag „Historisches Datum im...

Mit Genehmigung der UEK untenstehenden Beitrag
„Historisches Datum im deutschen Kirchenkampf“
Vor 70 Jahren über 500 evangelische Pfarrer wegen Kanzelabkündigung inhaftiert

17. März 2005

Berlin. Am 17. März vor 70 Jahren wurden wegen einer regimekritischen Kanzelabkündigung - vornehmlich in den östlichen Kirchenprovinzen Preußens - über 500 Pfarrer inhaftiert. Dies ist einzigartig in der Geschichte der Auseinandersetzung der Bekennenden Kirche mit den Machthabern des Dritten Reichs. Daran erinnert der Präsident der Kirchenkanzlei der Union Evangelischer Kirchen in der EKD (UEK), Wilhelm Hüffmeier, in diesen Tagen, weil die Inhaftierung von über 500 evangelischen Geistlichen heute nahezu vergessen ist.

Zwei Wochen früher, am 5. März 1935, hatte die preußische Bekenntnissynode in Berlin-Dahlem ein „Wort an die Gemeinden“ verabschiedet, in dem das Deutsche Volk vor der „tödlichen Gefahr einer neuen Religion“ gewarnt wurde: In dieser Religion, so das Wort der Bekenntnissynode, werde „Blut und Rasse, Volkstum, Ehre und Freiheit zum Abgott“. Die preußische Bekenntnissynode hatte die Pfarrer aufgerufen, dieses Wort von den Kanzeln zu verlesen. Reichsinnenminister Frick aber sah in dem Wort „einen heimtückischen Angriff auf Staat und Volk, der strafrechtliche Sühne fordert“. Doch trotz Bedrohung durch die Gestapo oder die örtliche Polizei wurde das Wort mit einer zeitlichen Verzögerung am 17. März 1935 in vielen Gemeinden abgekündigt. Die meisten der gefangen gesetzten 500 Pfarrer und Vikare wurden freilich nach wenigen Tagen wieder aus der Haft entlassen.

In dem Synodenbeschluss vom 5. März 1935 heißt es: „Dieser Wahnglaube macht sich seinen Gott nach des Menschen Bild und Wesen … Solche Abgötterei hat mit positivem Christentum nichts zu tun. Sie ist Antichristentum“. Die Bekenntnissynode protestierte deshalb gegen die „Verweltlichung kirchlicher Sitte zu wehren, der Entheiligung ihres Sonntags, der Entchristlichung ihrer Feste zu widerstehen“. Sie rief zum Widerstand gegen einen „Weltanschauungs- und Religionsunterricht“ auf, der „unter Verstümmelung und Beiseiteschiebung der Heiligen Schrift Alten und Neuen Testaments zum Glauben an den neuen Mythos erzieht“. Angesichts des überall geforderten und praktizierten Eids auf den Führer stellte sie klar: „Jeder Eid wird vor Gottes Angesicht geleistet und stellt die in ihm übernommene Verpflichtung unter die Verantwortung vor Gott. Der Eid findet seine Grenze darin, dass allein Gottes Wort uns unbedingt bindet“.

Während des Kirchenkampfes sei es zu keinem weiteren so breiten gemeinschaftlichen Protest und Widerspruch von Pfarrern gegen den nationalsozialistischen Ungeist gekommen. Mit Recht habe die Zeitung „Basler Nachrichten“ damals von einem „historischen Datum im deutschen Kirchenkampf“ gesprochen, erklärt der Präsident des Kirchenamts der UEK. Das Nachlassen des Protests hänge auch damit zusammen, dass die Kirchenleitung wegen der massiven Verhaftungswelle weitere Abkündigungen des „Wortes an die Gemeinden“ mit der Bemerkung verknüpfte, dass dieses Wort sich lediglich gegen die neuheidnische Religion wende und nicht gegen den Staat. Andererseits wollte auch Adolf Hitler Ruhe haben, weil er beabsichtigte, im Sommer mit den Briten einen Flottenvertrag abzuschließen. Von jenseits des Kanals drangen allerdings schon im Oktober 1934 besorgte Stimmen über die ernste kirchliche Lage in Deutschland.

Als anderthalb Jahre später Friedrich Weißler als Mitverfasser einer Denkschrift an Hitler, die ähnliche Kritik wie die preußische Bekenntnissynode 1935 äußerte, verhaftet wurde, kam es zu keinem Aufschrei mehr. Im Gegenteil. Friedrich Weißler blieb in Haft und wurde als erster Märtyrer der Bekennenden Kirche am 19. Februar 1937 im KZ Sachsenhausen ermordet.

 

© 2007-2008 Union Evangelischer Kirchen in der EKD (UEK)

 

 

 

 

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