Kirchen - In der föderalen Struktur der evangelischen Kirche wird es laut Vizepräsident Thies Gundlach vom Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) weitere Veränderungen geben.
Grenzen von Landeskirchen würden sich verschieben, weil es für die derzeitigen Verläufe weder eine theologische noch eine geographische Notwendigkeit gebe, diese jedoch den Kirchenleitungen funktionale, finanzielle und logistische Probleme bescherten, sagte Gundlach dem Evangelischen Pressedienst. Er warb für einen "gelingenden Föderalismus" der evangelischen Kirchenlandschaft.
"Die gegenwärtigen Landeskirchengrenzen sind für die Herzen der Menschen wichtig, sie sind aber für die Verkündigung des Evangeliums nicht sakrosankt", sagte der Vizepräsident des Kirchenamtes. Die derzeit 22 Landeskirchen in der EKD hätten nicht alle die gleichen "Überlebenschancen". Je kleiner eine Kirche sei, desto früher erreiche sie die Grenze der Handlungsfähigkeit als Landeskirche: "Wir werden in absehbarer Zeit eine zunehmende Zahl von Landeskirchen haben, die ihre Grundfunktionen nicht von allein aufrecht erhalten können, sondern nur noch durch den innerevangelischen Finanzausgleich." Kleineren Landeskirchen empfahl Gundlach, nicht zu spät auf Kooperationen und Zusammenlegungen zuzugehen, da sich sonst ihre Verhandlungsposition verschlechtere.
Gundlach befürwortete eine grobe Orientierung der Grenzen von Landeskirchen an den Bundesländern, denn die Länder beeinflussten in ihrer Kulturhoheit wesentliche Bereiche kirchlichen Lebens. In diesem Zusammenhang warb der Vizepräsident für eine "kleine Reform" durch eine Anpassung landeskirchlicher Grenzen an die Ländergrenzen. Aber selbst diese Grenzbegradigungen bei sogenannten "Zipfel-Zugehörigkeiten", wo Gebiete einer Landeskirche in einem anderen Bundesland liegen, dürfte außerordentlich schwierig werden, räumte Gundlach ein.
Unterschiedliche Bekenntnistraditionen kein Hindernis
Unterschiede in den Bekenntnistraditionen, die historisch für die landeskirchlichen Grenzen maßgeblich waren, seien zwar Reichtümer, aber keine Identifikationsmerkmale mehr. Landeskirchen seien auf eine ausreichende finanzielle Ausstattung angewiesen. Gefragt seien von ihnen Dienstleistungen für die Verkündigung vor Ort, sagte Gundlach.
Die Zahl und die Grenzen der Landeskirchen sei ein "weltlich Ding", erinnerte er an das Impulspapier "Kirche der Freiheit", mit dem die EKD 2006 einen umfassenden Reformprozess auf allen Ebenen angestoßen hatte. In dem Papier, an dessen Entstehung Gundlach maßgeblich beteiligt war, wird empfohlen, dass es im Jahr 2030 zwischen acht und zwölf Landeskirchen geben sollte, die sich an den Grenzen der großen Bundesländer orientieren und jeweils mindestens eine Million Mitglieder haben sollten.
Zu Pfingsten schließen sich die drei Landeskirchen von Nordelbien, Mecklenburg und Pommern zur Nordkirche zusammen. Mit 2,8 Millionen Mitgliedern ist derzeit die hannoversche Landeskirche die größte, Anhalt mit 42.000 die kleinste Landeskirche.







Kommentare
Ist die EKD ihrer eigenen Verfassung treu?
Es stellt sich die Frage, ob die Spitze der EKD sich eigentlich grämt über ihre eigene Verfassung? Immerhin fußt dieser Text auch auf dem Geist und Wortlaut der Barmer Erklärung. Es handelt sich bei der Konfessionalität der Landeskirchen also um ein Erfordernis und nicht um einen nostalgischen Luxus. Auch die Leuenberger Konkordie versteht sich selbst nicht als Bekenntnis, sondern als Konkordie von bekenntnisverschiedenen Kirchen, die sich in Gemeinschaft wissen ohne ihre Bekenntnisse wegzuwerfen.
So steht es am Anfang der Grundordnung der EKD:
Grundlage der Evangelischen Kirche in Deutschland ist das Evangelium von Jesus Christus, wie es uns in der Heiligen Schrift Alten und Neuen Testaments gegeben ist. Indem sie diese Grundlage anerkennt, bekennt sich die Evangelische Kirche in Deutschland zu dem Einen Herrn der einen heiligen allgemeinen und apostolischen Kirche.
Gemeinsam mit der alten Kirche steht die Evangelische Kirche in Deutschland auf dem Boden der altkirchlichen Bekenntnisse.
Für das Verständnis der Heiligen Schrift wie auch der altkirchlichen Bekenntnisse sind in den lutherischen, reformierten und unierten Gliedkirchen und Gemeinden die für sie geltenden Bekenntnisse der Reformation maßgebend.
I. Grundbestimmungen
Artikel 1
( 1 ) 1 Die Evangelische Kirche in Deutschland ist die Gemeinschaft ihrer lutherischen, reformierten und unierten Gliedkirchen. 2 Sie versteht sich als Teil der einen Kirche Jesu Christi. 3 Sie achtet die Bekenntnisgrundlage der Gliedkirchen und Gemeinden und setzt voraus, dass sie ihr Bekenntnis in Lehre, Leben und Ordnung der Kirche wirksam werden lassen.
EKD auf null verkleinern!
Da alle Reformpapiere der EKD -maßgeblich von Gundlach mitgeprägt- eklatant gescheitert sind: Gottesdienstbesuch, Kirchengliedzahlen, Relevanz für die Mitglieder sinkt in den letzten zwölf Jahren beschleunigt, könnte er jetzt schon mal den Ostrowskiweg aller Manager gehen und den Hut nehmen, bevor er middelhof-mäßig das ganze Unternehmen in die Pleite fährt.
Und am kostensparendsten: den ganzen Laden in Hannover dicht machen! Und dafür die örtlichen Sozial- und Seelsorgeangebote stärken.
Hilfreich dazu ist das "Cluetrain-Manifest", das gerade Jubiläum feiert "Märkte sind Gespräche" -und menschliche Begegnungen, keine nichtlernenden Dinosaurier Organisationen.
Ich würde Fusionen begrüßen
ich finde es schon sehr lange unverständlich, daß es bei uns im Süden die badische und die württembergische Landeskirche gibt. Angeblich vertragen sich die zwei nicht besonders,unterschiedliche Bekenntnistraditionen nennt man das dann. Aber wem ist das wichtig? Wer von den kirchenfernen Menschen kann den Unterschied zwischen evangelisch und katholisch, ohne ins stolpern zu kommen, benennen. Geschweige denn den Unterschied zwischen verschiedenen protestantischen Bekenntnistraditionen oder den freikirchlichen und charismatischen gruppen, die alle irgendwie auch dazugehören. Die Württemberger bringen es dann auch noch fertig, innerhalb ihrer Landeskirche 3 konkurrierende Gruppen antreten zu lassen, die sich wie politische Parteien gebärden und regelmäßig zur Synodalwahl so eine Art Wahlkampf machen.
Die Landeskirchen sollten ihr kleinstaatliches Kirchturmsdenken überwinden, das könnte der sache des Evangeliums Auftrieb geben.
Fusion von Landeskirchen
Wenn Landeskirchen fusionieren sollen dann doch bitte die mit dem selben Bekenntnisstand.
Baden ist konsensuniert und Württemberg lutherisch.
Eine Fusion zwischen Baden und der Pfalz(auch konsensuniert) läge da näher.
Beide Landeskirchen sind fast gleichalt: Baden 1821,Pfalz 1818.Beide Landeskirchen verband seit dem 19.Jdt. eine recht enge Geschichte.(natürlich gibts auch Unterschiede)
Die unterschiedlichen Bundesländer dürften da nicht wirklich ein Hindernis sein.
Sakrosankt
Benutzt wird "Sakrosankt" im Kontext besonders wichtiger und nicht anzweifelbarer Angelegenheiten, wobei der religiöse Gehalt nicht mehr im Vordergrund steht. Wozu auch?
Die Bekenntnistraditionen haben keine Identifikationsmerkmale mehr. Achso! Sehr interessant! Wir sind also alle über Nacht Überkonfessionell geworden. Per Fingerschnipp des o. g. Vize`s.
Wichtiger ist sowie, dass das Bundeszentralamt für Steuern jedem Steuerpflichtigen zum Zwecke der eindeutigen Identifizierung in Besteuerungsverfahren ein einheitliches und dauerhaftes Merkmal zuteilt, das bei Anträgen, Erklärungen oder Mitteilungen gegenüber Finanzbehörden anzugeben ist.
Unsere Bekenntnisse!
Ich möchte Ihnen da ganz zustimmen & ins gleiche Horn stoßen:
Gundlach scheint ja wirklich ein gleichgültiger, engültig säkularisierter Protestant zu sein, die absolut identifikatorischen Bekenntnisschriften dermaßen abzuqualifizieren & irgendwas vom Steuerrecht stattdessen hervorzukehren!
Wenn diese uninspirierte, selbstvergessen Tendenz, von der man ja fast schon hoffte, dass sie wieder weniger prägend geworden sei, nach 30 Jahren Postmoderne-Diktat in den Ev Kirchen, weiter um sich greift, geht der deutsche Protestantismus wirklich noch sang-und klanglos unter; allein noch flankiert von den letzten Käßmann-affinen Hausfrauen mit grauen Kurzhaarfrisuren in wetterfesten Anoraks; le reste est du silence. - Après nous, la déluge!
Anorak
Ja ja, die Hausfrauen, und vielleicht noch die Grauen Häupter. Ach nein doch, stimmt, die grauen Männerhäupter findet man in den Kirchenvorständen, in der Kirchenleitung, und mehr und mehr auf der Kanzel. Die Hausfrauen haben alle graue Haare, weil die Jüngeren arbeiten müssen und keine Zeit haben für Kirchendienst und Altenbesuche. Frau Käßmann? Die schätze ich durchaus, aber es gibt ja auch noch andere. An dem Gebetbuch, das sie im vergangenen Jahr heraus gab, haben 20 Frauen mit geschrieben. Und der Anorak, ja wo ist noch der Anorak? Richtig! Der hängt bei den Freunden an der See. Da brauche ich den am Strand und im Stall.
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