Kirchenkritik - In seiner provokanten Streitschrift "Kirchendämmerung" spürt Friedrich Wilhelm Graf den Gründen für die Vertrauenskrise der Kirchen nach. Er kritisiert die protestantische "Wellness-Religion", sieht aber auch Hoffnung. Die Zukunft beider großer Kirchen entscheide sich an den Pfarrern und Pfarrerinnen.
Für heftigen Unmut hatte Friedrich Wilhelm Graf unter Studenten sowie in der Kirchenhierarchie im Oktober gesorgt. Der Theologieprofessor hatte auf einer Konferenz in Dresden über die Qualität des Theologennachwuchses gelästert. "Von einem Professor, der selbst junge Menschen ausbildet, hätte ich das nicht erwartet", reagierte der bayerische Landesbischof Johannes Friedrich verärgert.
Auf noch mehr Widerspruch darf sich der 63-Jährige gefasst machen, wenn seine am Mittwoch erschienene Streitschrift in Kirchenkanzleien und Ordinariaten die Runde macht. Unter dem Titel "Kirchendämmerung - Wie die Kirchen unser Vertrauen verspielen" analysiert Graf darin gewohnt scharfzüngig Fehlentwicklungen in den beiden Volkskirchen, in erster Linie allerdings der evangelischen Kirche.
Mülltrennung und Schöpfung statt Schuld und Sünde
Was schief läuft in den "sichtbaren" Kirchen, fasst der Theologe in sieben Untugenden zusammen: Sprachlosigkeit, Bildungsferne, Moralismus, Demokratievergessenheit, Selbstherrlichkeit, Zukunftsverweigerung und Sozialpaternalismus.
Fast im Stil der Kirchenkritik aus dem atheistischen Lager kommt der liberale Theologe (Bild links) zu dem provozierenden Schluss: "Die deutschen Kirchen sind stark vermachtete und verfilzte Organisationen mit viel Pfründenwirtschaft zur Alimentierung von Funktionären, die gern unter sich bleiben und miteinander in einem verquasten Stammesidiom kommunizieren, das für Außenstehende unverständlich bleibt - der ideale Nährboden für Schweigekartelle und Wagenburgmentalität."
Wer Grafs Einsprüche in den Medien regelmäßig verfolgt, der trifft auf viel Bekanntes. Etwa sein deutliches Unbehagen über die Abseitsstellung, in der er die theologischen Fakultäten im Fächerkanon der Universitäten sieht. Im staatkirchenrechtlich eingehegten "Theotop" habe die akademische Theologie enorm an Deutungskraft eingebüßt, urteilt er über die eigene Zunft. Selbstherrlichkeit in der "Klerikerkaste", Trivialisierung der christlichen Botschaft, autoritärer Moralismus, politreligiösen Populismus und pathetische Werterhetorik wirft Graf den Kirchen vor.
Der Theologieprofessor reitet nicht immer neue Steckenpferde, wenn er den Einzug von religiös halbseidenen Praktiken und antimoderne Tendenzen in den Kirchen anprangert. In der angesagten protestantischen "Wellness"-Religion, die um einen "Wohlfühlgott" kreise, werde der Stachel des Negativen der christlichen Botschaft ignoriert. Mülltrennung, Nachhaltigkeit und Schöpfung hätten sperrige Begriffe wie Schuld und Sünde verdrängt.
Polarisierung schadet der katholischen Kirche
Übel genommen wird Graf gewiss, wenn er seiner Kirche attestiert, ihre religionskulturelle Prägekraft eingebüßt zu haben und der Vielfalt protestantischer Frömmigkeitsformen nicht mehr zu genügen. Graf gilt als herausragender evangelischer Theologe, mischt er sich doch - nicht selten in provozierendem Ton - in gesellschaftliche Debatten ein. Als erster Theologe erhielt er 1999 den Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Im selben Jahr folgte er Trutz Rendtorff nach auf dem Lehrstuhl für systematische Theologie und Ethik in München.
Die römisch-katholische Kirche sieht der evangelische Theologe in einer Vertrauenskrise, die nicht nur den Missbrauchsfällen geschuldet ist. Für den Vertrauensverlust, den die Austrittszahlen bestätigen, macht er die Polarisierung zwischen Anhängern der konziliaren Kirche und restaurativen Kräften verantwortlich. Dem päpstlichen "Antiprotestantismus", der evangelischen Kirchen das Kirchesein abspricht, bescheinigt Graf einen aus Beschwörungsformeln gespeisten "Exlusivitätsanspruch".
Der Protestantismus braucht gutes Bodenpersonal
Auf kühne Reformprozesse, wie sie in der EKD mit dem Impulspapier "Kirche der Freiheit" angesichts rückläufiger Mitgliederzahl und sinkender Finanzkraft in Gang gesetzt wurden, gibt Graf nicht allzuviel. "Wachstum gegen den Trend" hält er für eine Illusion. Dreh- und Angelpunkt für Reformen im kirchlichen Protestantismus ist für den Theologieprofessor der gebildete und theologisch kompetente Gemeindepfarrer.
"An ihren Pfarrern und Pfarrerinnen entscheidet sich die Zukunft der evangelische Kirche", folgert Graf. Und zum Wohlgefallen des Pfarrerverbandes empfiehlt er höhere Gehälter, attraktive Arbeitsbedingungen und Entlastung von Verwaltungsaufgaben. Doch so ganz ohne Hoffung ist der Autor nicht. Denn auch er bekennt, "dass es für die deutsche Gesellschaft besser ist, wenn es überzeugende Kirchen gibt".







Kommentare
Corpus permixtum
Graf hat recht - und zugleich auch nicht. Ich kenne alle die Probleme, die er anspricht, und zugleich kenne ich wunderbare gegenteilige Arbeit und entsprechende Menschen.
Ja, es stimmt: Viele kirchliche Amtsträger - und oft noch mehr aktive Gemeindeglieder (!) haben so etwas wie kirchlich Sprachlosigkeit, einerseits, weil sie versuchen, religiöse Sprache und religiöse Riten zu banalisieren (selber erlebt bei Konfirmationen, wo schlicht nichts Religiöses mehr dabei war; anderes Beispiel: die meisten auch nichtkirchlichen Bekannten von mir mögen Engel, glauben an sie usw. - aber Theologen sind sich zu fein, von Engeln zu sprechen oder gar sie zu feiern oder ernst zunehmen - vielleicht der tiefste Graben zwischen Theologen und ihren Zeitgenossen, den ich konkret beobachten kann!), oder eben - was Graf meint - eine Binnensprache zu sprechen, mit der keiner was anfangen kann (man lese nur die EKD-Veröffentlichungen zu Taufe und Abendmahl - das Praktische ist ja ganz gut, aber die Theorie - o Gott! Ein "neues Existenzverhältnis" schaffe die Taufe - häääää???). Und zugleich: ich höre mitunter (!) echt gute Prediger, habe nicht selten echt gute, sprachfähige Seelsorger auf Beerdigungen erleben usw. Und auch engagierte Gemeindeglieder, die statt den Pfarrern von Engel reden ;-)), z.B. als Besuchsdienst.
Ja, es stimmt: Viele kirchliche Amtsträger - und oft noch mehr aktive Gemeindeglieder (!) haben so etwas wie Bildungsferne. Leider. Keine Auseinandersetzung mehr mit Philosophie, auch Atheismus, Geschichte, Kultur, Kunst, Naturwissenschaft usw. Sichtbar z.B. in - vor allem protestantisch - vermurksten Kirchenräumen: komische Fotos statt Kunst, Sammelsurium an Plakaten statt Bildern von echten Künstlern, Altare als bessere Ablagen oder Bankschalter. Oder auch hörbar z.B. in Liedern, so banal wie ein deutscher Schlager - musikalisch wie textlich: Hipp, hipp, hipp, wir ham uns alle Liebe - Trullalla, sorry Hallelulululja. Hörbar auch in uninformierten, trivialen Predigten, die über Gentechnik reden, ohne die geringste Ahnung davon zu haben, oder andere wissenschaftliche Themen nur per populärem Vorurteil traktieren ... Und zugleich gibt es wunderbare Beispiele von Kunst, Kultur, Dialog sogar in kleinsten Dorfgemeinden (ja, dort sogar oft überraschend mehr - das ist meine Erfahrung).
Ja, es stimmt: Viele kirchliche Amtsträger - und oft noch mehr aktive Gemeindeglieder (!) haben so etwas wie Moralismus. Statt Religion Moral - und dann Bonhoeffer vor sich her tragen (religionsloses Christentum), und anders als er nicht mehr wissen, was Beten ist oder was Psalmen sind, auch die harten und widerständigen. Anthropologisch tief gefüllte Rituale werden durch Unkenntnis zu reinen Aufrufen zu mehr Anständigkeit, bürgerlichen Wohlverhaltens, politischer Kritik (siehe Stuttgart 21 bis zur Peinlichkeit: Theologen rufen mit zich "theologischen" Gründen gegen ein Infrastrukturprojekt zum Widerstand auf ... Puuuuh ...). Und zugleich kenne und schätze ich "fromme" Christen, die zuerst einmal Gott zu verstehen suche, die das Gebet einüben wollen, die Menschen seelsorgerlich begleiten, wirklich seel-sorgerlich, statt ihnen sozialkritisch den Widerstand nahe zu legen. Typisch, das ich geneigt bin, sofort nachzuschieben: und dennoch wird ihr Glaube zur Tat. Ich tu das jetzt bewusst nicht - ganz un-moralisch.
Ja, es stimmt: Viele kirchliche Amtsträger - und oft noch mehr aktive Gemeindeglieder (!) haben so etwas wie Demokratievergessenheit. Vor allem politischer Protestantismus und Katholizismus hat da echte Probleme: keine Kompromiss-Suche, kein echter Dialog: alles oder nichts (siehe oben bei Stuttgart 21). Mir hat einmal ein Gutachter gesagt: lasst alle ins Gremium, nur keine Pfarrer - die wissen alles besser und erklären selbst den Fachleuten, wie sie es richtig machen müssten ... Es war kein unkirchlicher Mann im übrigen. Und zugleich machte ebenderselbe eine Ausnahme und erzählte von zwei Pfarrerinnen, die ihn so gut beraten hatten, mit ihrer religiösen Kompetenz - und ihre spezifischen Aspekte konnten gut berücksichtigt werden und sie genossen den Respekt der Fachleute, weil sie auch Respekt vor deren Fachwissen hatten. Und vor dem demokratischen Gremium. Es gibt auch jene, die demokratische Entscheidungen nicht infrage stellen, sondern akzeptieren, wiewohl wahr ist, dass viele Pfarrer noch immer ihre kleinen Päpste in der Gemeinde spielen und die Mehrheit der Menschen ignorieren, oft sogar des Gemeindekirchenrates. Und ebenso andersherum!
Ja, es stimmt: Viele kirchliche Amtsträger - und oft noch mehr aktive Gemeindeglieder (!) haben so etwas wie Selbstherrlichkeit, jagen ein Projekt nach dem andern selbstreferentiell durchs kirchliche Dorf, eine Aktion nach der andern, die nur dazu dient, Funktionäre in Amt und Würden zu halten. Die Kirche hat hierzulande noch viel zu viel Geld! Man vergleiche nur, was monatlich an Tonnen von Papier produziert wird, das keiner mehr liest. Nicht mal die Lektorate, sonst gäbe es nicht so viel Fehler und Wiederholungen. Und alles ist soooo wichtig! Und zugleich gibt es ziemlich viele, die auch in den Oberkirchenräten oder Ordinariaten noch ein Blick fürs Wesentliche haben.
Ich werde zu lang, ja auch Zukunftsverweigerung und Sozialpaternalismus kenne ich, am schlimmsten von Diakoniefunktionären - ohne die "Betreuten" wirklich zu fragen, und was ihnen wirklich hilft. Aber man lebt davon, zu helfen und zu trösten und alle zu verstehen - und die Welt an sich ist böse und ungerecht und unsozial, erst recht alle, die viel arbeiten oder gar führen. Nur niemandem weh tun, immer "menschlich" bleiben, d.h. unklar und weichgespült ... Und zugleich gibt es und kenne ich Mitarbeiter der Diakonie - die hinter vorgehaltener Hand (undemokratische Strukturen sind allgegenwärtig, wo Kirche ist, und deshalb auch Maulkörbe!) zugeben, dass der Sozialpaternalismus nicht wirklich hilft, und dass noch mehr Geld nicht wirklich hilft, und dass Hartz IV nicht wirklich schlecht ist. Und viele helfen wirklich andern, klug und überlegt - und nicht so von oben nach unten. Und sie sind menschlich und dennoch klar, und sagen auch mal, dass etwas NICHT geht! Patente Leute!
Graf hat recht - und er hat Gott sei Dank zutiefst unrecht. Die Kirche ist - antike Erkenntnis - corpus permixtum, und zwar nicht nur von Sündern und Gerechten, sondern auch von Vernünftigen und Unvernünftigen, Zukunftsfähigen und Zukunftsverweigerern, Taschenpäpsten und Demokraten. Wenn das Geld ausgeht, wird die Kirche sich bessern - wetten dass?
Glaube ohne Kirche
Wir haben uns von unserer ev. Kirche getrennt, nachdem wir im schlimmsten Leid, nach dem Mord an unserer Tochter alleine gelassen wurden. Kein Pfarrer, kein Seelsorger half uns in der schwersten Zeit unseres Lebens. Trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen haben wir zum christlichen Glauben gefunden. Vor allen Dingen, weil wir Antworten suchen wollten, auf die Frage unserer Tochter, kurz vor ihrem schlimmen Tod, was denn nach dem Tod sein wird.
Viel unchristliches und unbiblisches haben wir auf der Suche nach Gott und Glauben erlebt. So haben wir bei einem Vortrag eines ev. Theologieprofessors, zum Thema:
"Was wird nach dem Tode sein ?"
hören müssen,
"dass Gott dann alles mit seiner Liebe zudecken wird,
und Täter und Opfer dann eins sein werden".
Wir waren regelrecht schockiert über eine solche Aussage. Was wird hier für ein ungerechter Gott gepredigt. Wen wundern da die Verhältnisse bei den beiden Amtskirchen, wie Alkohol- und Kindesmissbrauch.
Näheres haben wir in der Information im Video auf YouTube geschrieben:
"Jesus spricht vom Weltgericht"
Heute sind wir einsame, einfache Christen,lesen täglich die Bibel und wundern uns, warum die Amtskirchen "gegen die Worte Gottes" leben.
Jesus sagte zu seinen Jüngern und somit auch zu deren Nachfolgern:
"Umsonst habt ihr es empfangen, umsonst gebt es auch".
..und Paulus warnte davor, mit dem Wort Gottes Geschäfte zu machen.
(2.Kor.2,17)
Warum dann hohe Gehälter, große, teure Karossen ?
Warum der moderne Ablaß, der Kirchensteuer heißt ?
Gestern abend konnten wir wieder Landesbischof Friedrich beim Fasching in Veitshöchheim "bewundern". Vormittag der Trauergottesdienst für die drei gefallenen Soldaten in Afghanistan und abends ist man bei den "Narren".
Worte der Bibel:aus Prediger 7, 1-4:
"Es ist besser, in ein Haus zu gehen,
wo man trauert,
als in ein Haus,
wo man feiert;
denn da zeigt sich das Ende aller Menschen und der Lebende nehme es zu Herzen.
Trauern ist besser als Lachen,
denn durch das Trauern, wird das Herz gebessert.
Das Herz der Weisen ist dort, wo man trauert,
aber das Herz der Toren dort, wo man sich freut."
Die Amtskirchen sind zu Vergnügungsvereinen verkommen. In unserem christlichen Kalenderblatt konnten wir folgende Worte über den Zustand der heutigen Kirchen lesen:
Clubhaus oder Rettungsstation ?
Die folgende Geschichte zeigt in Gestalt eines modernen Gleichnisses, wie weit sich viele Gemeinden von ihrer ursprünglichen Berufung entfernt haben, nämlich in Wort und Tat für andere dazusein:
An einer gefährlichen Küste machten vor Zeiten, ein paar Leute eine Seenot-Station für Schiffbrüchige auf. Zu dieser Rettungsstation gehörte nur ein einziges Boot. Damit wagte sich eine kleine, mutige Mannschaft immer wieder bei Tag und Nacht auf das Meer hinaus, um Menschen in Seenot zu helfen. Bald war dieser kleine Stützpunkt überall bekannt und viele der Geretteten und auch sehr viele Leute aus der Umgebung unterstützten die armseelige Station mit Geld.
Damit wurde die Rettungsstation großzügig ausgebaut, immer schöner und komfortabler. Sie wurde allmählich zu einem beliebten Aufenthaltsort, ein Clubhaus für die Stationsleute. Immer mehr Mitglieder der alten Mannschaft weigerten sich nun auszufahren und Menschen in Seenot zu bergen.
Schließlich kam man stillschweigend überein, den Bergungsdienst überhaupt einzustellen, weil er unangenehm und dem normalen Clubleben hinderlich sei.
Den ursprünglichen Auftrag hatte man vergessen.
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Vergessen sind die Worte Jesus aus Lukas 5,31:
"Die Gesunden bedürfen des Arztes nicht,
sondern die Kranken."
Wir können heute die Worte von Paulus aus 2. Korinther 11,12-15 verstehen:
"Was ich aber tue,
das will ich auch weiterhin tun und denen den Anlass nehmen,
die einen Anlass suchen,
sich zu rühmen, sie seien wie wir.
Denn solche sind falsche Apostel,
betrügerische Arbeiter und verstellen sich als Apostel Christi.
Und das ist auch kein Wunder;
denn er selbst,
der Satan,
verstellt sich als Engel des Lichts.
Darum ist es nichts Großes,
wenn sich auch seine Diener verstellen
als Diener der Gerechtigkeit;
deren Ende wird sein nach ihren Werken."
Unbehagen
Einer der führenden liberalen Theologen wirft dem Protestantismus Wohlfühlverkündigung vor. Das ist schon etwas schizophren, wenn die Richtung, die ihre Theologie meist mehr vom Menschen denn von Gott her entwickelt dann der Kirche vorwirft, Gott nicht mehr ernst zu nehmen.
Der Vortrag von Thies Gundlach
http://www.ekd.de/vortraege/2011/20110217_gundlach_glaubwuerdigkeit_kirc...
ist hier vielleicht einer der Beiträge, die wirklich weiter führen.
zu einem obigen Kommentar:
Warum die hoch bezahlten Professoren tatsächlich ihre Bücher noch über Verlage verteilen müssen und die Thesen oder zumindest substantielle Zusammenfassungen nicht im Netz zu lesen sind, ist schon schade. Ich habe das Geld nicht, das Buch zu kaufen und werde so nur auf Meinungen Dritter zählen können.
Wie ein Kommentator bezeichnend feststellte: von Herrn Graf sind im Netz keine Predigten zu finden.
Bei seinem Befund der intellektuellen Anspruchslosigkeit des heutigen Theologennachwuchses muss ich ihm allerdings recht geben. Mit welche Leuten ich da so studiert habe, ist schon erschreckend. Nur wäre zu fragen, warum das so ist. Mit dicken Gehältern Leute in das Pfarramt locken wäre fatal und wird nicht laufen.
Wir brauchen vielmehr Professoren, die wieder mit Leidenschaft nach Gott fragen und das an andere weitergeben.
Theologen
Wir müssen uns von der Vorstellung verabschieden, dass ein
Theologe mehr von gott weiß, als die ältere Dame, die täglich zum gebet in die Kirche geht.
Um Gott zu erfahren bedarf es keines Studiums und es gibt auch keinen NC für den Himmel.Bei einigen kritischen Theologen wie Lüdemann, Drewermann und Küng zeigt sich sehr deutlich, wohin ungläubiges Forschen und Studieren führen kann.
Es steht alles geschrieben, nur der Glaube fehlt vielen.
Wir benötigen starke Glaubenszeugen wie die Heilige Theresa von Avila und nicht akdemische Sinnsucher, die die Bibel verwässern.
Theologen & Co
Schon Pfarrer Wilhelm Busch sagte sinngemäß: "Der einfache Bergmann habe ihm die Heilige Schrift besser ausgelegt wie ein studierter theologischer Professor".
Damit will ich über die drei von Ihnen genannten Professoren nicht urteilen.
Gott sieht das Herz an und läßt auch Zweifel zu; obwohl Lüdermann auch nicht mein Fall ist.
Der wahre Grund ...
Die hier zitierten Feststellungen von Prof. Graf kommen mir vor wie eine provokant formulierte Bestandsaufnahme.
Auch Prof. Graf versäumt es allerdings, sich den m.E. wahren Grund für die „Kirchendämmerung“ einzugestehen: Der Kern des Christentums – die Idee, dass man nur in den Himmel kommt, wenn man an Jesus glaubt – ist für die meisten Menschen einfach nicht mehr nachvollziehbar (er ist schlichtweg unfair), von anderen zentralen Glaubensinhalten wie Erbsünde, Auferstehung oder Dreifaltigkeit ganz zu schweigen.
Es hat m.E. einen guten Grund, dass die EKD seit Jahren immer nur davon redet, den Glauben wieder stärker zu vermitteln, dies aber nicht wirklich tut.
Verdrängung
Jesus Christus ist der Weg,die Wahrheit und das Leben.Niemand kommt zum Vater,denn durch Ihn.
Die Vorstellung von Hölle und Fegefeuer aus unserem Leben zu verdrängen ist menschlich,psychologisch verständlich, sichlich auch vom Teufel gewünscht,
aber auch richtig?
Jeder kann hierzu alles in der bibel lesen. Es steht alles geschrieben.
Nur lesen müssen wir es.Dass auch Priester und Bischöfe diese Themen ebenfalls meiden ist ein Versäumnis, dass nicht verständlich ist-
Wer übernimmt die verantwortung für die vielen irre geleiteten Seelen?
KIRCHENDÄMMERUNG
Es gibt eine Morgendämmerung und eine Abenddämmerung.
Beide sind ein phantastisches Naturereignis.
Millionen Jahre alt.
Funktioniert und beeindruckt seit tausenden von Jahren.
Ohne Zutun eines Gottes. Überall.
Jedes große Fußballspiel, jedes große Musikereignis,
jeder große Jahrmarkt, das Oktoberfest, Hafenfeste,
und andere Großveranstaltungen locken doch mehr Menschen
an, als die kirchlichen Verunstaltungen.
Die Geschichte vom herzallerliebsten Jesulein, in einem
Stall geboren und ans Kreuz gehämmert, locken doch keinen
denkenden Menschen mehr hinter dem Ofen hervor.
Gehe in den Wald und du spürst ein wenig von der Erhabenheit
des Göttlichen. Ich bin ein Mensch, ich glaube nicht.
Ich bin Atheist von Gottes Gnaden!!
Kirchendämmerung
Der gläubige Mensch glaubt, das er einen Gott braucht.
Aber wozu braucht ein Gott den(missratenden)Menschen?
Die Kirchen zelebrieren einen Gott, für ihre Zwecke geeignet.
Die sogenannten 10 Gebote sind keine christlichen Gebote,
sie treffen eigentlich auf alle Menschen (auch Atheisten) zu.
Aber die täglichen Nachrichten in den Medien zeigen doch, das
sie nie eingehalten werden.
Was mich wundert, sollte es einen Gott geben, warum sieht er
diesem Treiben schon 2000 Jahre tatenlos zu, wenn er damals
zwei Menschen wegen eines ganz geringen Vergehens aus dem Paradies
geworfen hat?
Ist es von der Kirche nicht dreist, einfach zu sagen, wenn ein
Säugling nicht getauft wird, kommt er in die Hölle?
Ist es nicht ein Armutszeugnis von der Kirche, wenn sie mich
Zeit meines Lebens nicht vom Christentum überzeugen konnte?
Es gab in der Kirche immer nur eine Kirchendämmerung, aber niemals
Helligkeit!
Weichgspülter linksliberaler Protestantismus rächt sich
Der ganze Wellness-Protestantismus, den Graf beklagt, geht genau auf jene weichgespülte linksliberale Theologie zurück, für die auch Graf im weitesten Sinne steht. Schön, dass man erkennt, dass ohne klare Inhalte und Profil nix zu holen ist, die Menschen brauchen Orientierung, nicht "Wir haben uns alle lieb!" und "Wo vibriert es denn heute?". Christus - nicht mehr Gottes Sohn, sondern der gute Mensch von Sezuan. "Bibel in gerechter Sprache", Verdrehung und Uminterpretation der Bibel, um noch bei jedem zeitgeistbestimmten Trend von Öko bis Homo mitmachen zu können, alles nur noch Zuspruch, nirgendwo ein Anspruch, ein Wohlfühlglaube, der allen Ansprüchen nach Lifestile genügen soll, all das haben wir doch in Unis und Predigerseminaren genau so eingetrichtert bekommen.
Wen wundert es, dass unsere Kirche nicht mehr ernst genommen wird. Die Katholische Kirche hält stand, auch wenn sie angefeindet wird. Angefeindet und verurteilt wurde auch Christus...
Heute soll ein Christus ohne Kreuz Menschen ohne Sünde durch ein Gericht ohne Strafe in einen Himmel ohne Gott führen, wie es glaube ich NIebuhr sagte... Was soll das noch sein.
Die vom Links-, Liberal- und Kulturprotestantismus geforderte und geförderte Selbstsäkularisierung des Protestantismus und Relativierung sämtlicher Glaubensnormen und Gebote ist die Wurzel allen Übels.
Kampf-Katholizismus hilft auch nicht weiter...
...in Spanien ist Religion für 9% der jüngeren Menschen 'sehr wichtig', in Deutschland sind es immerhin 21%. Spanien ist neben Japan und Frankreich eines der am weitesten säkularisierten Länder der Welt. Und das, obwohl oder weil die kath. Kirche in Spanien im politischen Spektrum seit den Zeiten Francos stramm rechts steht, durchaus kampagnenfähig ist (z. B. wenn es um den vehementen Kampf gegen die Bürgerrechte Homosexueller geht) und -natürlich - auf eine lange Tradition zurückblicken kann. Eine Kirche, die ein gestörtes Verhältnis zum Pluralismus hat und kein breites politisches Spektrum in sich vereint, polarisiert, anstatt die Religion der Nächstenliebe in allen Schichten und politischen Lagern zu verbreiten...
DIE Kirchen gibt es hierzulande nicht mehr...
...ähnliche strukturelle Probleme gab es vielleicht in der westdeutschen Bundesprepublik der 70er und 80er Jahre.
Heute haben wir es katholischerseits, was die geistlichen Entscheider in der Kirchenhierarchie betrifft, weitgehend mit einer Opus-Dei-Kirche zu tun, die die demokratische Gesellschaft, von deren allgemeinen Steuergeldenr sie wesentlich finanziert wird, als Bedrohung ansieht (Meisner, Köln, Overbeck, Essen, Müller, Regensburg etc. etc., sie alle können sich auf den jetzigen Papst berufen). Ein Besuch auf Internet-Portalen wie 'kath.net' kann diese Einschätzung schnell bestätigen. Natürlich besteht der Großteil des sozial und in den Gemeinden engagierten Kirchenvolkes aus Menschen, die sich inhaltlich mit dem jüngsten Memorandum der Theologieprofessorinnen und - professoten idenitifizieren können. Da die katholische Kirche aber keine demokratische Mitbestimmung kennt und auch gar nicht kennen will, ist die Meinung dieser Basis ziemlich irrelevant. Man könnte viele von ihnen hierzulande - was gar nicht abschätzig gemeint ist - als 'Weihrauchprotestanten' bezeichnen.
Auf evangelischer Seite haben wir es mit einer gesellschaftlich eingebundenen und akzeptierten Volkskirche auf niedrigem Niveau zu tun, die ja immerhin fünf-bis sechsfach höhere Kircheneintritte verzeichnen kann als ihr römisch-katholisches Pendant. Bis sich die EKD unter Huber und auch Schneider vorsichtig freischwamm, hatte sie ihr evangelisches Profil durch übergroße verschüchterte 'ökumenische' Bescheidenheit gegenüber der röm.- kath. Kirche und ihrer geschickten und glanzvollen (Medien-)Inszenierung unter Johannes Paul II fast verloren. Sie war sich der Stärke des (Kultur-)Protestantismus als Teil der Moderne, nicht als gegenmodernes Bollwerk nicht mehr bewusst. Gerade in Deutschland ist aber die Kultur der letzten 500 Jahre protestantisch geprägt, was man auch daran sieht, dass sich dezidiert papsttreue neokonservative Kulturredakteure wie Matthias Mattusek (Der Spiegel), wenn sie die deutsche Kultur hochleben lassen, fast auschließlich auf protestantisch gepägte Geistesgrößen berufen. Lessing, Goethe, Kant, Schiller, Hegel, Heine etc. etc. wären als Katholiken gar nicht denkbar. Ist es unmöglich, wieder an diese Tradition anzuknüpfen?
Wo ist die Streitschrift?
> Auf noch mehr Widerspruch darf sich der 63-Jährige gefasst machen, wenn seine am Mittwoch erschienene Streitschrift in Kirchenkanzleien und Ordinariaten die Runde macht.
Bitte, liebes evangelisch.de-Team, verratet uns, wo man diese Streitschrift lesen kann, damit wir uns aus erster Hand informieren können. evangelisch.de gehört doch nicht zum "Schweigekartell", oder? :-)
Lieber Gast,
Lieber Gast, "Kirchendämmerung" ist im Verlag C.H. Beck erschienen und im Buchhandel zu bekommen. Hier ist der Direktlink zum Verlag.
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Hanno Terbuyken
evangelisch.de
Wäre schön, wenn man mehr lesen könnte
Unsere nicht schlecht bezahlten Professoren schreiben mit Steuergeld bezahlt kluge und dicke Bücher, die dann für mehr oder weniger viel Geld verkauft werden.
Wer etwas zu sagen hat und einen Diskurs möchte, der sollte das ins Internet stellen. Auch Theo-Promis wie Graf.
Übrigens habe ich im Internet lange nach einer Predigt aus seiner Feder gesucht, leider vergeblich. Ich wollte gerne mal wissen, wie eine nichtkuschelige Predigt vorbildhaft aussieht. Aber auch hier wieder mal: Fehlanzeige. Schade, schade Herr Professor.
Das stimmt wohl! Was mich
Das stimmt wohl! Was mich selbst überzeugt, kann ich auch überzeugt weitergeben! Wenn man denn einem die Möglichkeit dazu gibt und auch lässt!
Wenn man allerdings die eigenen Leute behandelt, als wären sie die letzten Idioten, dann muß man sich auch nicht wundern, wenn diese gegen die Kirche wettern. Da hat man sich dann wohl das eigene Grab geschaufelt! Das ist ehrlich gesagt einfach: Dumm!
Reform tut not, "Re-Formieren" wir !
Ja, man möchte ihn herzen, den Professor Graf. Begriffe wie "Schweigekartelle" und "Wagenburgmentalität" hat man schon ein Weilchen nicht mehr im kirchlichen Kontext gehört, aber sie treffen einen Teil des Problems sehr gut. Wer mehr nach "innen", als nach aussen guckt, wer sich mehr mit der "Pfründenwirtschaft" beschäftigt, als mit Gott und seiner Relevanz für die heutige Zeit, der muss sich über gar nichts mehr wundern. Die Kirchen bleiben leer ? Na, klar, weil dort allzuoft "beliebige Inhalte" (Mülltrennung, Nachhaltigkeit, das kann ich auch woanders, sogar besser, bekommen !!!) mit uralten Ritualen kombiniert werden. Eine mittlerweile gesellschaftlich fast irrelevante Kombination ! Stattdessen müssen "ewige Inhalte" (das Evangelium !!!!!!!!!!) in moderne Formen und eine moderne Sprache gebracht werden, die auch verstanden werden können ! Dann werden Sinnsucher auch wieder auf Kirchenbänken platznehmen wollen !
Paradox
Gerade in der heutigen Zeit sind viele Menschen auf der Sinnsuche. Die großen Fragen des Lebens, wie zum Beispiel "Was ist der Sinn des Lebens?" brauchen Antworten. Die Kirchen könnten sie geben und das in einer verständlichen Sprache. Stattdessen suchen Menschen außerhalb der Kirche nach diesen Antworten und wir verpassen eine weitere Chance Menschen für den Glauben an Jesus Christus zu begeistern.
Sinnsuche
Nein, die Erkenntnis, daß Menschen um so intensiver nach einem Sinn ihrer Existenz suchen, je mehr sie sich entwurzelt sehen, ist nicht der Weg, mehr Menschen in die Kirche zu holen. Dieses Angebot ist eine Anmaßung. Die Leute suchen Gemeinschaft und wollen die Möglichkeit, über Leben und Glauben zu sprechen. Da darf man ihnen nicht ungefragt den Sinn ihres Daseins aufstempeln. Religiös zu sein, bedeutet nicht zwingend, daß die Sinnfrage erledigt ist, das war vielleicht bei Jesus Christus so, aber wir sind nicht er, wir sind eigene Individuen mit einer eigenen einmaligen Existenz. Die Sinnfrage bewußt offen zu lassen gehört zum Empfinden lebendig zu sein. Man muß sich einem Gott nicht verschreiben, um ihn gelten zu lassen. Er ist ein Gott, er kommt damit klar. Wahrhaftiger wäre an dieser Stelle ein Es.
Sinn des Lebens
"Gerade in der heutigen Zeit sind viele Menschen auf der Sinnsuche. Die großen Fragen des Lebens, wie zum Beispiel "Was ist der Sinn des Lebens?" brauchen Antworten. Die Kirchen könnten sie geben und das in einer verständlichen Sprache."
Die Antwort der Kirchen lautet unisono: Dein Leben ist Gott zu preisen - wenn nicht, Hölle!
Das soll Sinn des Lebens sein?
Als Atheist lautet der Sinn für mich völlig anders:
Jeden Tag das Leben sinnvoll gestalten
Jeden Tag zu meinen Mitmenschen menschlich zu sein
In meinem Denken und Handeln zu erreichen daß sich die Menschheit weiterentwickeln kann.
Alles was wir erreicht haben seit des den selbstdenkenden Menschen gibt - vom Höhlenbewohner bis zur Mondlandung, vom primitiven Götterglauben zur Alt- und modernen Philosophie - das hat allein der Mensch geschaffen.
Jeder Einzelne auf seine Weise.
Und so wird es weitergehen.
Die allermeisten der über 1000 Götter die wir kennen ist Vergangenheit - und weitere werden folgen ohhe das die Erde untergeht - das wird die Sonne allein schaffen, in einigen Milliarden Jahren.
Jeder Egoist der nur für sich selbst lebt, jeder Eremit der seine Gedanken nicht mit anderen teilt, und jeder Mönch der nur sein Hosianna singt bring niemanden weiter - nicht einmal sich selbst- und hat den wahren Sinn des Lebens verfehlt.
Atheist
Jeden Tag sinnvoll gestalten kann ich als Christ auch.Allein das tägliche Gebet, der Gewissensspiegel, das Studium der Bibel und der Theologie geben dem Leben eine Fülle, die durch nichts zu ersetzen ist.
Beruflicher Erfolg, eine schöne Freizeit, Spass? Alles wichtig und gleichzeitig belanglos gegenüber dem Angebot Gottes.
Jesus Christus ist das Licht der Welt. Wer das verinnerlicht hat, der bekommt einen völlig anderen Blick für unsere Spaßgesellschaft.Diese kann schnell zerstört werden durch Schicksalsschläge, Krankheit und nicht zuletzt durch den Tod.
Dieser kommt wie ein Dieb. Niemand weiß wann und wie.
Natürlich kann auch ein Atheist moralisch gut leben, eventuell sogar besser als ich als sündiger Christ. Ich habe aber die Gewissheit, dass Gott mir verzeiht, meine Sünden mir bei der Beichte und durch Reue erlassen werden.
Die Vorstellung, dass mit dem Tod alles aus ist,liegt mir fern.
Ich glaube an das ewige Leben, das uns Jesus Christus versprochen hat.
Gleichzeitig weiß ich, dass in der Bibel und im Zeugnis zahlreicher Heiliger auch von der Hölle die Rede ist. Dass zu ignorieren ist der größte Erfolg des Teufels.Hierauf sollten auch die Hirten der katholischen Kirche hinweisen.Das ganze Memorandum Gerede ist dagegen irrelevant.
Was nutzt es den Menschen, wenn ihnen Sand in die Augen gestreut wird?
Es steht alles geschrieben und wir sollten uns hüten das zu ignorieren.
Wann haben Sie das letzte Mal in der Kirche das Wort Hölle gehört?
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