Lutherdekade soll mit Vorurteilen aufräumen

Büste von Martin Luther

Eine Büste von Martin Luther im evangelischen Augustinerkloster zu Erfurt. Durch die Lutherdekade könne die Kirche ihren gesellschaftlichen Anspruch festigen, hofft die Bischöfin Ilse Junkermann. Foto: epd/Maik Schuck

Gespräch - Die Bischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), Ilse Junkermann, sieht im Reformationsjubiläum 2017 eine Chance für das innerdeutsche Zusammenwachsen. Die Kritik des Wittenberger Theologen Friedrich Schorlemmer an Aktionen der Lutherdekade bewertet sie positiv.

Von Thomas Schiller und Karsten Wiedener

"Das Lutherjubiläum bietet die Möglichkeit, dass Menschen in den Osten Deutschlands kommen, sich ein eigenes Bild machen und ihre Vorurteile korrigieren", sagte die Bischöfin. Auf dem Gebiet der EKM liegen die Luther-Orte Wittenberg, Eisleben, Erfurt und Eisenach mit der Wartburg.

Dem Großereignis begegnet Junkermann auch mit Skepsis: "Wir müssen sehr darauf achten, was möglich ist." Es sei darauf zu achten, welche Kräfte zu aktivieren seien und wo man sich überfordere. "Wir überlegen derzeit, wie konkret in Wittenberg gefeiert wird", sagte die Bischöfin. Offen sei die Frage, ob es eine große Zentralveranstaltung vergleichbar zu einem katholischen Weltjugendtag geben solle. Sie warnte vor "Veranstaltungsformaten, die abschreckend wirken können und kirchenkritische Einstellungen verstärken".

"Zu wenig Leute, die kritisieren, provozieren und zuspitzen"

Für die Mitteldeutsche Kirche bedeutet das Reformationsjubiläum nach Einschätzung ihrer obersten Theologin eine Chance, ihren gesellschaftlichen Anspruch zu festigen. "Die Kirche hat einen grundsätzlichen öffentlichen Auftrag." Dies sei nicht bei allen im Innersten verankert, auch wenn es ein hohes politisches Engagement während der Wende 1989 gegeben habe. "Für eine Kirche in einer extremen Minderheitssituation birgt das die Chance, Selbstbewusstsein zu entwickeln", sagte die Bischöfin, die an der Spitze von rund 850.000 Protestanten in Sachsen-Anhalt und Thüringen steht.

Junkermann mahnte eine Konzeption der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für die Lutherdekade an. Sie bekräftigte ihre Kritik an der Verfahrensweise zur Benennung der früheren EKD-Ratsvorsitzenden Margot Käßmann als Botschafterin für das Reformationsjubiläum. Sie begrüße die Personalentscheidung, hätte sich aber vorher zunächst einen Konsens mit der EKD über die Ziele gewünscht. Das Konzept für 2017 beschäftigt derzeit die kirchlichen Gremien. Der Beratungsprozess der Landeskirchen und der EKD ist noch nicht abgeschlossen.

Die kritischen Äußerungen des Wittenberger Theologen und Bürgerrechtlers Friedrich Schorlemmer an Aktionen der Lutherdekade wertete Junkermann als eine Belebung der öffentlichen Aufmerksamkeit: "Kritik ist die Hefe der Demokratie. Und wir haben zu wenige Leute, die so wie Schorlemmer kritisieren, provozieren und zuspitzen können." Als Beispiel nannte sie Schorlemmers beißende Kritik an einer Kunstaktion vor dem Wittenberger Rathaus mit kleinen bunten Lutherfiguren aus Kunststoff: "Sie hat viel Publicity gebracht, die öffentliche Diskussion angeheizt und die Aufmerksamkeit für die gesamte Aktion letztlich gefördert."

 

epd

Kommentare

Verfasst von Gast am 31. August 2011 - 15:56.

Einfach traurig

dass es eines solchen Events bedarf, um Deutsche und Deutsche zusammen zu...

dass es eines solchen Events bedarf, um Deutsche und Deutsche zusammen zu bringen (fall es das Luther-Jubiläum überhaupt leisten kann...).

Verfasst von ernstwalter am 31. August 2011 - 10:26.

Die Luther Dekade

Die Lutherdekade Die Bischöfin Frau junkermann möchte, das die...

Die Lutherdekade
Die Bischöfin Frau junkermann möchte, das die evangelische Kirche vom Papst als Kirche anerkannt wird.
Frau Junkermann möchte, die Lutherdekade soll mit den Vorurteilen aufräumen.
Das Selbstbewusstsein der Bischöfin scheint nicht sehr groß zu sein.
Die Gesellschaft in Deutschland wächst zusammen. Im Osten gab es nur eine Partei. Im Westen mehrere Parteien.
Im Osten wurden die christlichen Kirchen an den Rand gedrängt. Im Westen
Die Präambel des GG beginnt mit den Satz:
„Im Bewußtsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen,“
Es gibt Partei und Religionsfreiheit.
Ost und West wachsen zusammen. Parteien und Religionsvielfalt sind gesichert. Eine christliche Einheitsreligion ist nicht anstrebenswert. Ich bin Protestant und ich bin stolz Protestant zu sein. Aber, ich bin unierter Protestant. Friedrich Wilhelm III. von Preußen verordnete Union. In seinem Land konnte jeder nach seiner Fasson selig werden.
1944 in meiner Grundausbildung in Frankfurt/Oder wurde ich mehrmals vom Spieß aufgefordert meine Haare zu schneiden. Erfolglos, dann sagte er Wasilewski warum führen sie den Befehl nicht aus? Herr Hauptfeldwebel, unser Oberbefehlshaber der Reichsmarschall Hermann Göring hat gesagt: Meine Soldaten können den Haarschnitt so tragen wie er ihnen gefällt. Mir gefällt er so. Mann hauen sie ab aber schnell…..
Walter Wasilewski

Verfasst von Gast am 30. August 2011 - 17:16.

Mehr als Mitteldeutschland

Wenn ich den alten Luther richtig verstanden habe, war für ihn das Evangelium...

Wenn ich den alten Luther richtig verstanden habe, war für ihn das Evangelium nicht auf Mitteldeutschland beschränkt. Wenn die mitteldeutsche Bischöfin das anders sieht, dann ist es egal, ob das Ding "Lutherdekade" oder "Reformationsdekade" heißt - dann ist es nämlich völlig egal, dass es so etwas überhaupt gibt. 500 Jahre Reformation, das ist doch viel wichtiger als die Wiederentdeckung Mitteldeutschlands!

Verfasst von Gast am 30. August 2011 - 13:08.

Was denn nun

Das erste Vorurteil, das im immerhin schon 4.Jahr der Dekade herrscht, ist das...

Das erste Vorurteil, das im immerhin schon 4.Jahr der Dekade herrscht, ist das der Nomenklatur: Ist es denn nun eine "Lutherdekade" oder eine "Reformationsdekade"? Inhaltlich schent man sich ja eher letzterem verschrieben zu haben.

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