Margot Käßmanns Gastprofessur: "Es war ein wunderbares Jahr"

Margot Käßmann

Margot Käßmanns Antrittsvorlesung an der Bochumer Ruhr-Universität im Januar 2011. Die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) war die erste Inhaberin der neu eingerichteten Max-Imdahl-Gastprofessur an der Hochschule. Foto: epd-bild/Friedrich Stark

Karriere - Mit einem Abschiedssymposium hat die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann, ihr Forschungsjahr an der Ruhr-Universität Bochum beendet.

Am meisten habe sie die Arbeit mit jungen Studierenden an Themen und Texten abseits der Öffentlichkeit genossen, sagte Käßmann am Mittwoch in Bochum. Mit diesen Erfahrungen mache sie sich keine Sorgen um den theologischen Nachwuchs. Zurückblickend könne sie mit dem Schriftsteller Reiner Kunze sagen: Es war ein "wunderbares Jahr" in Bochum.

Käßmann hatte im Januar vergangenen Jahres die Max-Imdahl-Gastprofessur übernommen. In den zurückliegenden zwölf Monaten hatte sie sich vor allem in Vorlesungen und Seminaren mit ökumenischen und sozialethischen Themen beschäftigt. Die 53-jährige Theologin kündigte an, künftig ein- bis zweimal im Jahr Vorlesungen an der Ruhr-Universität zu halten.

"Wieder mehr miteinander sprechen"

Mit Blick auf die Distanz zwischen Kirche und Universitätstheologie sprach sie sich dafür aus, dass beide Seiten wieder mehr miteinander ins Gespräch kommen. Dazu gehöre auch die Frage, wie die von ihr beobachtete Begeisterung der Nachwuchstheologen im Pfarreralltag erhalten werden könne. Sie sehe mit Sorge, dass viele Pfarrer angesichts zahlreicher Aufgaben und Erwartungen überfordert seien. Pfarrer müssten deshalb unter anderem von Verwaltungsaufgaben entlastet werden, forderte Käßmann.

Vom Frühjahr an wird die frühere hannoversche Landesbischöfin als Botschafterin der EKD für das Reformationsjubiläum 2017 tätig sein und für das herausragende Ereignis der Protestanten in den kommenden Jahren werben. Das Jubiläum, das an den Theseanschlag des Reformators Martin Luther vor 500 Jahren erinnert, soll nach ihrer Auffassung keine "Feier einer Trennung" sein.

Trotz aller Differenzen zwischen der katholischen und der evangelischen Kirche solle der ökumenische Charakter hervorgehoben werden, betonte Käßmann. Historisch gesehen habe die Reformation auf beiden Seiten zu Reformen geführt. Auch die katholische Kirche habe sich seitdem verändert.

epd

 

Kommentare

Verfasst von WeißeWucherblume am 4. Februar 2012 - 11:54.

Zitat Ackermann

In dem erwähnten Zitat ging es nach meinem Verständnis nicht um die Person des...

In dem erwähnten Zitat ging es nach meinem Verständnis nicht um die Person des Herrn Ackermann, sondern um die Tatsache, dass wohl nach seiner Meinung der sogenannte Marktwert den Wert eines Menschen ausmachen soll. Das wird zu Recht als unmenschlich bezeichnet. Und das hat mit Tittin und Mescalero nichts zu tun. Soweit ich weiß, war auch das Attentat, mit einem Päckchen, das in der Poststelle abgefangen wurde, im letzten Jahr gewesen. Und zu der Äußerung über den Marktwert steht doch Herr Ackermann heute noch.

Verfasst von Gast am 3. Februar 2012 - 14:14.

Eine Bereicherung

Ich für meinen Teil habe Ihre Vorlesungen und Seminare in der Tat sehr genossen...

Ich für meinen Teil habe Ihre Vorlesungen und Seminare in der Tat sehr genossen, wenngleich ich nicht in allen Punkten Ihrer Meinung gewesen bin.
Nichtsdestotrotz überzeugte Frau Dr. Käßmann durch sachverständiges und differenziert argumentierendes Auftreten als Hochschulprofessorin und Theologin. Ich bin mir sicher, dass ihre Gastprofessur für alle beteiligten "Nachwuchstheologen" eine große Bereicherung war.

Verfasst von WeißeWucherblume am 3. Februar 2012 - 12:39.

Fehlbar

Ja, da hat jemand gefehlt und bereut das sicher noch bis heute. Aber die...

Ja, da hat jemand gefehlt und bereut das sicher noch bis heute. Aber die Betreffende hat ja zu ihrem Fehler gestanden, sogar bis zur Aufgabe ihrer gesamten Existenz. Vielleicht kann gerade sie, die sich ihrer Fehlbarkeit bewusst ist und sich dazu bekennt, würdiger und glaubhafter ethische Grundsätze öffentlich vertreten als hier so kleinliche Beckmesser und unchristliche ewig nicht Verzeihende.

Verfasst von Gast am 2. Februar 2012 - 22:19.

Die Logik befremdet mich:

Die Logik befremdet mich: Rote Ampel, Alkohol, Ethikprofessur.

Die Logik befremdet mich: Rote Ampel, Alkohol, Ethikprofessur.

Verfasst von Gast am 5. Februar 2012 - 19:24.
Kommentar auf: Die Logik befremdet mich:

Vergeben,verzeihen

Natürlich ist Frau Dr.Käßmann zu verzeihen.Alles gut. Nur warum läßt sie sich...

Natürlich ist Frau Dr.Käßmann zu verzeihen.Alles gut.
Nur warum läßt sie sich rund um die Uhr feiern,ziteren,vermarkten,entschuldigen,schlicht wichtig nehmen?
Ich denke an den Berufskraftfahrer der nach einer Trunkenheitsfahrt wirklich seine Existenz verliert,eventuell Haus und Frau.
Mir ist das alles zu seicht,mainstream und oft bla bla was ich da so lese und höre.Ihr Aufritt im Liebfrauendom war eine Frechheit und absolut respektlos.

Verfasst von WeißeWucherblume am 7. Februar 2012 - 10:40.
Kommentar auf: Vergeben,verzeihen

Beruf

Hat nicht auch Frau Käßmann Beruf und Wohnung verloren? Nach eigener Aussage...

Hat nicht auch Frau Käßmann Beruf und Wohnung verloren? Nach eigener Aussage ist sie damals vor zwei Jahren "aus ihrem Leben heraus katapultiert worden". Was ihre Auftritte und Aussagen angeht, so sind die Menschen geteilter Meinung. Und das ist doch in Ordnung, solang nicht einer seine Meinung für absolut erklärt. Ich schätze Frau Käßmann und meine, dass ich ihr viel verdanke an Ermutigung.

Verfasst von WeißeWucherblume am 3. Februar 2012 - 17:29.

@masaniello

War das der wesentliche Inhalt der Predigt? Ich habe die gehört und habe etwas...

War das der wesentliche Inhalt der Predigt? Ich habe die gehört und habe etwas ganz anderes verstanden. Ich habe verstanden, dass uns Reichtum anvertraut ist und nicht als Besitz zu betrachten, dass wir unseren Ruhm bei Gott suchen sollen. Aber ich lese das noch mal nach. Im übrigen erinnere ich an das Evangelium, und zwar bei Matthäus die Kapitel 7 und 9, und besonders an Kapitel 18,23ff, die Geschichte vom unbarmherzigen Gläubiger. Und was heißt hier Recht und Gesetz? Menschen im Mittelmeer ersaufen lassen ist unmenschlich. Und mit Nahrungsmitteln spekulieren, um mit dem Hunger Gewinne zu machen, ist auch unmenschlich, solange das Selbstzweck bleibt. Denn dazu ist die Spekulation inzwischen geworden, und sie dient längst nicht mehr der Verteilung von Lebensmitteln. Es gibt eben Menschen, die glauben an Geld und Markt. Ich vertraue lieber auf den barmherzigen Gott.

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