EKD - Erstmals steht eine Frau an der Spitze der deutschen Protestanten: Landesbischöfin Margot Käßmann (51) aus Hannover wurde am Mittwoch in Ulm zur Vorsitzenden des Rats der Evangelischen Kirche in Deutschland gewählt. Am Abend wurde das Leitungsgremium in einem Gottesdienst ins Amt eingeführt. Ein Platz im Rat bleibt allerdings unbesetzt.
Käßmann erhielt bei der Wahl in der Synode 132 von 142 abgegebenen Stimmen. Zu den ersten Gratulanten zählte der bisherige Ratschef Bischof Wolfgang Huber (67), der in den Ruhestand geht. Im Kirchenparlament gab es langen und herzlichen Applaus für Käßmann, die für den Vertrauensbeweis dankte. Zu ihrem Stellvertreter wurde der rheinische Präses Nikolaus Schneider (62) bestimmt. Am Dienstag hatte es bei der Wahl zum 15-köpfigen EKD-Rat eine Hängepartie gegeben. Ein Platz in dem kirchenleitenden Gremium bleibt vorläufig unbesetzt.
Staffelstab in Gottesdienst übergeben
Am Abend wurde der EKD-Rat in einem Gottesdienst im Ulmer Münster eingeführt. Zugleich wurden die scheidenden Ratsmitglieder verabschiedet. Der bisherige Ratsvorsitzende Bischof Wolfgang Huber sagte an seine Nachfolgerin Margot Käßmann gewandt, auf ihr ruhten die Erwartungen vieler Menschen: "Die Gesellschaft hofft auf klärende, wegweisende Worte, die Kirchenmitglieder hoffen auf gute, ermutigende Führung, und man selbst hofft auf Unterstützung und Ratschläge."
In seiner Predigt sagte Bischof Huber laut Manuskript, Leitung von Kirche sei Handeln auf Unsicherheit. Auch eine Wahlperiode von sechs Jahren ändere nichts an der Einsicht, "dass unser Reden und Handeln Fragment bleibt". Die Einführung der neuen Führungsspitze der EKD verglich Huber mit dem Stabwechsel im Sport: "Wir erbitten Gottes Segen für die, die nun den Stab übernehmen."
Mutter von vier Töchtern
Margot Käßmann wurde am 3. Juni 1958 in Marburg an der Lahn geboren. Nach dem Theologiestudium folgte 1985 die Ordination zur Pfarrerin. Vier Jahre später wurde sie von Konrad Raiser in Bochum mit einer Arbeit über "Armut und Reichtum als Anfrage an die Einheit der Kirche“ promoviert. 1994 bis 1999 war Käßmann Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentages, ehe sie zur Bischöfin der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers gewählt wurde. Die Mutter von vier Töchtern ist seit einigen Jahren geschieden.
Die neugewählte EKD-Ratschefin zeigte sich "sehr berührt" durch das Votum. Sie fühle sich davon berufen und getragen. Sie habe vor der Aufgabe, die sie in den kommenden sechs Jahren vor sich habe, "größten Respekt", so die Bischöfin. Sie werde das Amt "mit meinen Gaben ausfüllen, so gut ich es vermag". Nach den Worten von Käßmann kann die "Sehnsucht der Menschen nach Glauben und Sinn" bei der Kirche eine Antwort finden. Die EKD solle sich nicht durch enge Finanzen und steigende Austrittszahlen entmutigen lassen. Die Bischöfin zitierte ein Pauluswort: "Seid fröhlich in der Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet".
Schneider mit mehr Stimmen als Käßmann
Bei der Abstimmung über Käßmann gab es vier Enthaltungen und fünf Nein-Stimmen. Ein Stimmzettel war ungültig. Die Zustimmung lag bei knapp 93 Prozent. Schneider wurde mit 137 Stimmen zum stellvertretenden Ratsvorsitzenden bestimmt. Vier Delegierte enthielten sich, einer stimmte mit Nein. Der rheinische Präses dankte ebenfalls für das Vertrauen und drückte seine Hoffnung auf eine gute Zusammenarbeit mit Käßmann, dem Rat und den weiteren EKD-Gremien aus.
Schneider wurde am 3. September 1947 in Duisburg geboren. Der Theologe steht steht seit 2003 an der Spitze der rheinischen Kirche, der nach Mitgliedern zweitgrößten evangelischen Landeskirche. Der in sozialethischen Fragen profilierte Kirchenmann, der schon dem bisherigen Rat angehört hatte, ist Vorsitzender des Aufsichtsrates des Evangelischen Entwicklungsdienstes und Vorsitzender des Diakonischen Rates. Als einen seiner Schwerpunkte für die sechsjährige Amtszeit des neuen Rates nannte Schneider die Zusammenführung von Entwicklungsdienst und Diakonie.
Letzter Ratsplatz bleibt vorerst unbesetzt
Vor der Wahl Käßmanns hatte die Synode bei einer Enthaltung entschieden, dass der fehlende Platz im Rat erst bei der nächsten Tagung des Kirchenparlaments in einem Jahr besetzt werden soll. Daraufhin konstituierte sich der Rat und schlug Käßmann und Schneider vor. Am Dienstag hatten auch zwölf Wahlgänge nicht ausgereicht, um zu einer Entscheidung zu kommen. Daraufhin war die Wahl nach 16 Stunden zunächst abgebrochen worden. Jeder Ratskandidat braucht eine Zweidrittelmehrheit, um in das Gremium gewählt zu werden.
Ist Frau Käßmann eine gute Wahl für den EKD-Ratsvorsitz?
Neben Käßmann und Schneider gehören dem künftigen EKD-Rat die Magdeburger Mathematikerin Elke Eisenschmidt (28), der badische Landesbischof Ulrich Fischer (60), sein bayerischer Amtsbruder Johannes Friedrich (61), der Vorsitzende des EKD-Finanzbeirats, Klaus Winterhoff (58), der reformierte Kirchenpräsident Jann Schmidt (61), der Hamburger Journalist Uwe Michelsen (61), die Deutsche-Bank-Direktorin Marlehn Thieme (52), die Berliner Architektin Gesine Weinmiller (46), der Dresdner Landesbischof Jochen Bohl (59), die Erzieherin Tabea Dölker (61) aus Holzgerlingen und der Generelsekretär der Vereinigten Evangelischen Mission, Fidon Mwombeki (49) sowie qua Amt Synodenpräsidentin Katrin Göring-Eckardt (43) an.







Kommentare
warum diesen Artikel jetzt?
warum diesen Artikel jetzt?
Archiv
Lieber Gast,
der Artikel stammt, wie man unschwer erkennen kann, vom 28. Oktober 2009.
Mit freundlichen Grüßen
Bernd Buchner - evangelisch.de
RE: Margot Käßmann an der Spitze der deutschen Protestanten
Für mich ist nicht die Frage, ob eine Frau oder ein Mann an oberster Stelle steht und inwieweit das die ökumenische Frage beeinflusst. Die einzige Frage ist: Wo steuert die Kirche hin und wie geht sie mit den echten Problemen und Herausforderungen um. Alles andere ist doch längst ein alter Hut.
RE: Margot Käßmann an der Spitze der deutschen Protestanten
Es ist tatsächlich so in der deutschen Staatskirche, es geht nur um Posten, Klüngel und die Politik.
Hat der Rat der ekd noch irgendetwas mit kirchenvertretung zu tun. Eine Frau, die ihren Mann quält bis er ging, die die alltäglichen Aufgaben im Kirchamt Hannover nicht bewältigt, ist nun Oberbonze eine Vereinigung, der es nicht um Heiligung, Naechstenliebe oder gar Glauben geht, sondern ausschließlich um Selbstdarsellung und Karriere. Der Lutherdrops ist gelutscht.
Die Veranstaltung, die sich "Kirche" nennt, hat sich von ihrem tatsächlichen Auftrag längst verabschiedet.
Fischer und seine Frau lässt grüßen, Keine Steuergelder für den Blindenverein
Rudi Glimmerhausen
RE: Margot Käßmann an der Spitze der deutschen Protestanten
Wirtschaftsmacht Kirche:
Nach dem Mord an unserer Tochter wurden wir alleine gelassen. Ohne Trost, ohne Hilfe. Uns ist es so ergangen, wie dem Niedergeschlagenen, in der Geschichte vom barmherzigen Samariter (Lukas 10, 25-37).
Wir haben den Glauben an eine "tröstende Kirche" und eine "gerechte Justiz" verloren. In unserem Video auf YouTube: "Jesus spricht vom Weltgericht" haben wir in der Info geschrieben, was wir unchristliches und unbiblisches von der hohen evangelischen Geistlichkeit gehört haben.
Wir können nicht verstehen, warum die Worte der Bibel in den Amtskirchen nichts mehr zählen. Pfarrer, Bischöfe sind "bezahlte Gläubige".
Jesus aber sagt in Matthäus 10, Vers 8:
"Umsonst habt ihr's empfangen, umsonst gebt es auch."
Kirchensteuer, Kirchengeld jede kirchliche Handlung, von Babytaufe bis zur Beerdigung muss extra bezahlt werden.
Vergessen sind die Worte des Paulus, die dieser im 2. Kor. 2, Vers 17 schrieb:
"Wir sind ja nicht wie die vielen, die mit dem Wort Gottes Geschäfte machen; sondern wie man aus Lauterkeit und aus Gott reden muss, so reden wir vor Gott in Christus."
Wir haben uns getrennt von unserer ev. Kirche, die uns in den schlimmsten Zeit unseres Lebens, nach dem Mord an unserer Tochter, alleine ließ. Auch für diesen Kirchenaustritt mussten wir noch 50 DM bezahlen. Als ungläubige Namenschristen und Kirchensteuerzahler waren wir in der evangelischen Kirche. Auf der Suche nach Glauben, haben wir lernen dürfen, dass "wahrer Glaube" nicht abhängig ist von der Zugehörigkeit zu irgendeiner Kirche, oder Glaubensgemeinschaft.
"Geht hinaus aus ihr,
mein Volk,
mein Volk,
dass ihr nicht teilhabt an ihren Sünden
und nichts empfangt von ihren Plagen!"
(Offenbarung 18, 4)
Wahre, gläubige Christen brauchen weder einen katholischen Papst,
noch eine deutsche, evangelische Päpstin, denn:
"Denn es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen,
nämlich der Mensch Christus Jesus,"
(1. Timotheus 2, Vers 5)
RE: Margot Käßmann an der Spitze der deutschen Protestanten
Ich freue mich von ganzem Herzen über die Wahl von Margot Käßmann. Ich habe ihren Vorgänger auch sehr geschätzt, aber seine Äußerungen kamen doch immer etwas intelektuell daher. Jetzt haben wir eine Vorsitzende, die unsere Kirche durch Charisma und Herz voranbringen wird, ganz in der Tradition unseres Martin Luthers. Mir gefällt auch, dass sie eine deutliche Sprache spricht und nicht um des lieben ökumenischen Friedens willen notwendige Kritik gegenüber dem Pabst und seiner antiquierten Anschauung für sich behält. Ich glaube, sie ist die Richtige zur rechten Zeit.
RE: Margot Käßmann an der Spitze der deutschen Protestanten
Wenn es um den Benedikt geht, gehen Euch leicht die Pferde durch, oder? Dein Beitrag zeigt überdeutlich, warum es uns Protestanten gibt und Ökumene eigentlich völlig sinnlos ist.
Es entspricht auch nicht dem
Es entspricht auch nicht dem evangelischen Glauben, daß eine Frau Bischöfin wird. Der heilige Apostel Paulus hat sich klar und eindeutig zu diesem Thema geäußert.
RE: RE: Margot Käßmann an der Spitze der deutschen Protestanten
Hallo Katholisch!
Ich glaube kaum, dass die Wahl von Frau Käßmann eine Veränderung im Dialog mit den Orthodoxen Kirchen ergeben wird/muss. Nach meinen Informationen ist es so, dass ja nun seit längerer Zeit Gespräche mit den Orthodoxen Kirchen laufen.
Allerdings bin ich, als Katholischer Christ, schon gespannt, welche event. Veränderungen es ggf. im Ökumenischen Dialog, in den Schwerpunkten etc. geben könnte. Ansonsten gehe ich einfach mal von einer Kontinuität des Prozesses aus.
Gruß
Bernd
RE: Nun gut, da die Othodoxie ja
Hmm,
braucht die EKD nicht eine Führung, die zu ihr passt?
In zweiter Linie kann man und darf man fragen, wie eine bestimmte Person auch in sehr viel weiteren Kreisen ankommt. Aber es wird in erster Linie eine eigene Leitung benötigt.
Wenn andere Gruppierungen Probleme mit einer Frau im Bischofsamt haben, dann ist das grundsätzlich deren - und nicht das eigene Problem. Gespräche sind immer dann leichter, wenn man sich zu den eigenen Bedürfnissen, Fähigkeiten, Anschauungen und Möglichkeiten bekennt.
Eine in diesem Sinne gewählte Leitung macht die eigene Gruppe zu einem deutlich verlässlicheren Gesprächspartner als eine Leitung die um eines Teilaspektes von Kirche und kirchlicher Arbeit willen gewählt worden wäre.
Viele Grüße
Bernd
RE: RE: RE: Nun gut, da die Othodoxie ja
na, wenn das denn so ist, dann ist ja jede Bewegung in Richtung klares eigenes Profil ausgesprochen positiv :-))
Gerade höre ich einen Radiokommentar, der die EKD durch diese Wahl in einem neuen Aufbruch sieht. Auch wenn er viellecht ephorischer ist als die Realitäten es zulassen werden, darum geht es.
Viele Grüße
Bernd
Kommentar hinzufügen