Mit 300 Euro beim Papstprotest dabeisein

Papst Benedikt XVI.

Lieber nicht hinschauen: Papst Benedikt XVI. muss bei seinem Deutschlandbesuch auch mit Demonstrationen gegen sich rechnen. Foto: dpa / Will Burgess

Demonstration - Der Papst kommt, die Proteste auch: Beim Deutschlandbesuch von Benedikt XVI. im September wollen mehrere Organisationen gegen das katholische Kirchenoberhaupt demonstrieren. 300 Euro kostet der Protest jeden Verband, der mitmacht.

Von Corinna Buschow

Auf seiner vierten Sitzung hat das Berliner Bündnis "Der Papst kommt" endlich eine Lösung für die kostspielige Großdemonstration am 22. September gefunden: Jede Organisation trägt ihren Obolus bei. An besagtem Donnerstag spricht Benedikt XVI. bei seinem Staatsbesuch in Deutschland im Bundestag. Das Bündnis aus etwa 40 Organisationen, darunter Schwulen- und Lesbenorganisationen, Frauenvereine, Beratungsstellen und politische Vereinigungen, lädt zeitgleich zur Demo.

Mindestens eine fünfstellige Zahl von Demonstranten will es auf die Straße bringen. "20.000 werden schon kommen", flüstert es in den Reihen bei der Mitgliederversammlung. Jede Organisation muss jetzt nur noch die 300 Euro aufbringen, damit die Finanzierung des Zuges gesichert ist. Auf 12.000 bis 20.000 Euro werden die Kosten vor allem für Demo-Wagen, Sicherheit und Müllentsorgung geschätzt. Neben den Beiträgen der Organisationen sollen Spenden gesammelt werden. Ein Juso-Vertreter schlägt eine Soli-Party vor: "Feiern hat doch schließlich noch niemandem geschadet."

Kritik an "Menschenfeindlichkeit" der Kirche

Inhalt des Protests ist die Haltung der katholischen Kirche zu Sexualität und Frauenrechten. "Menschenfeindlich" findet das Bündnis diese. Angeprangert werden die Nicht-Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften, das Kondomverbot und die Missachtung von Frauenrechten in puncto Gleichstellung und Abtreibungsverbot. Die Palette der Protest-Vertreter reicht von Christen, die in ihrer Kirche etwas verändern wollen, bis zu Atheisten, denen die Rede eines Kirchenvertreters vor einem politischen Gremium ein Dorn im Auge ist.

Um die Planung für die Aktionen zum Deutschlandbesuch Benedikts XVI. zu koordinieren, kommen die Vertreter der im Bündnis beteiligten Organisationen regelmäßig zu "Netzwerktreffen" zusammen. Das letzte Mal erschienen rund 50 Papst-Gegner in der Berliner Zentrale des DGB Berlin-Brandenburg. Auch die Gewerkschaft ist beim Protest dabei. In der vordersten Reihe sitzen Moderator, Cheforganisator, Sprecher und Protokollant - Ordnung braucht es, wenn 40 Organisationen berücksichtigt werden wollen. Kein Beschluss ist ohne Abstimmung möglich: Wer ist für welche Themen verantwortlich? Sollen Redebeiträge vorher besser gelesen werden? Sind Politiker als Redner okay?

Nur im Notfall sollen Parteienvertreter auf der Kundgebung reden, ist sich die Runde einig. Die Bühne soll den Organisationen vorbehalten sein. Eine Abstimmung fürs nächste Treffen steht indes schon fest. Das Bündnis wollte seine Demonstration am Brandenburger Tor starten lassen - in Hör- und Sichtweite des Bundestags. Daraus wird wohl nichts. Denn inzwischen steht für die Organisatoren fest, dass die Versammlungsbehörde den Schutzbereich für den Papst auf den für politische Demos inzwischen sehr beliebten Platz vor dem Tor ausdehnt und eine Kundgebung dort unmöglich macht.

Bebelplatz zu klein?

Noch beim vierten Bündnistreffen waren sich alle einig, dass im Fall einer Nicht-Genehmigung geklagt wird. "Nach Rücksprache mit Juristen sind wir aber der Auffassung, dass wir gegen den Beschluss nicht ankommen", sagt der Geschäftsführer des Christopher Street Day, Robert Kastl, der für das Bündnis die Behördengänge macht. Nun muss eine Alternative gefunden werden. Auch die Route der Demo steht infrage: Über Unter den Linden sollte es am Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen vorbei zur katholischen Sankt-Hedwigs-Kathedrale am Bebelplatz gehen. "Der ist wahrscheinlich zu klein", sagt Kastl.

Bei allen offenen Fragen steht für den Sprecher des Lesben- und Schwulenverbands LSVD, Jörg Steinert, aber der Charakter des Protests fest: "Bunt und friedlich soll es werden." Neben dem großen Bündnis haben auch zwei Antifa-Gruppen zum Protest aufgerufen - dem Bündnis anschließen wollen sie sich trotz ähnlicher Themen aber nicht.

Um die Inhalte seiner Kritik medienwirksam auszusenden, vermisst das Bündnis derweil noch prominente Redner für die Kundgebung. "Auch das Kulturprogramm ist noch mittelmäßig", sagt Bode Mende, Vorstand des Lesben- und Schwulenverbandes Berlin-Brandenburg, auf der Sitzung. Wieder nickt die Runde eifrig. Fünf Minuten später dann der erste Vorschlag: Ein Vertreter der Giordano Bruno Stiftung sagt, er habe Kontakt zu Evolutionsbiologe und Bestsellerautor Richard Dawkins. Bode Mende juchzt: "Das wird doch! Und vielleicht hat noch jemand Kontakt zu Madonna?"

epd

Kommentare

Verfasst von Gast am 17. August 2011 - 16:16.

Uninteressante Demo

Immer wenn die katholische Kirche Millionen Gläubige mobilisiert gibt es Demos...

Immer wenn die katholische Kirche Millionen Gläubige mobilisiert gibt es Demos
kleiner völlig uninteressanter Gruppen.Jeder muß selbst mit seinem Gewissen klar machen, ob schwul oder lesbisch sein geht.Mit dem katholischen Glauben, der Bibel
ist es unvereinbar.Das muß auch klar und deutlich gesagt werden dürfen.
Natürlich kann die katholische Kirche nicht verhindern, dass gesündigt wird.Sie ist selbst keine Kirche von Heiligen, sondern von Sündern.Dennoch darf sie niemals etwas tolerieren, was schwer sündhaft ist, die Seele schwer schädigt und vor Jesus Christus zu verantworten ist. Wer stellt sich denn noch dem Zeitgeist, wenn nicht die katholische Kirche?Die Demonstranten verhalten sich unfair, weil sie von den Katholiken etwas verlangen, was Gott nicht zu läßt.Dass Atheisten auf den Zug Aufspringen ist verständlich, da es für sie ohnehin keine verbindlichen Gebote Gottes gibt.Diese Auffassung ist aber für mich als Katholiken eindeutig falsch und führt direkt ins Verderben.Es ist so einfach zu sagen, alles sei erlaubt.Richtig ist es deshalb aber noch lange nicht.Der breite, bequeme Weg führt in die Hölle.

Verfasst von Gast am 10. August 2011 - 17:21.

Die Autorin dieses Artikels

Die Autorin dieses Artikels mag sich informieren wer da alles so mobil macht:...
Verfasst von Lutheranerin am 10. August 2011 - 14:37.

überzeugt

Sie haben mich mit Ihrem Artikel überzeugt und letzte Zweifel zerstreut. Ich...

Sie haben mich mit Ihrem Artikel überzeugt und letzte Zweifel zerstreut. Ich habe mich gerade bei unserer katholischen Nachbargemmeinde als freiwilliger Helfer gemeldet und dort war man recht dankbar dafür. Das ich lesbische ev.-luth. Christin bin, hat dort niemanden interessiert, als ich es fairerweise erwähnte.

Ich werde Menschen aus einem Altenwohnheim begleiten und betreuen, die zum Papst wollen. Als gelernte Altenpflegerin ist das eine Kleinigkeit für mich. Und diesen Menschen, die sonst außen vorbleiben müssten, eine kleine Freude zu bereiten und sie lächeln zu sehen, macht die investierte Zeit mehr als wett.

Schade, dass Sie nicht z.B. über solche Dinge berichten, die die katholische Kirche für alte Menschen und Menschen mit Handicap organisiert. Es werden noch Helfer/-innen gesucht. Aber die Giordano-Bruno Stiftung, die Antifa-Berlin, Dawkins und die Jusos zu erwähnen war wohl wichtiger als etwas zu thematisieren, was alten Menschen und Menschen mit Handicap ein Lächeln ins Gesicht zaubern wird.

"Wo Gott ist, da ist Zukunft" heißt das Motto des Papstes auf seiner Reise. Dem schließe ich mich an.

Verfasst von Gast am 10. August 2011 - 11:14.

@ Frau Corinna Buschow

Sie scheinen sich ja diebisch über die angekündigten Demos zu freuen. Heute die...

Sie scheinen sich ja diebisch über die angekündigten Demos zu freuen.

Heute die Katholiken, morgen die...?! Grundsätzlich gibt es das Recht auf Demonstrationsfreiheit und das soll auch wahrgenommen werden durch die Bürger.

In diesem Fall aber geht es lediglich um linksextremistische Hetze gegen die Katholiken. Für mich ist das kein Grund zur Freude.

Verfasst von Rolf B. am 9. August 2011 - 15:55.

Friedlich?

"Bunt und friedlich soll es werden." wird es aaber nicht werden, denn: Neben...

"Bunt und friedlich soll es werden."

wird es aaber nicht werden, denn:

Neben dem großen Bündnis haben auch zwei Antifa-Gruppen zum Protest aufgerufen

Ach ja:

Inhalt des Protests ist die Haltung der katholischen Kirche zu Sexualität und Frauenrechten.

Das ist er nicht. Es ist linksextremistische Hetze gegen die Katholiken und ihr Oberhaupt. Informieren Sie sich bitte das nächste mal besser, bevor Sie einen solchen Artikel schreiben, in dem Sie hier im vorliegenden Artikel ihre fast schon kindliche Verzückung zum Ausdruck bringen.

Dazu dürfte feststehen: Erreichen diese Menschen ihre Ziele, dann wird es in Deutschland für Christen keinen Platz mehr geben-auch nicht für evangelische. Schon mal darüber nachgedacht?

Kommentar hinzufügen

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • Zulässige HTML-Tags: <a> <em> <strong> <cite> <code> <ul> <ol> <li> <dl> <dt> <dd><p><embed><param><object>
  • Zeilen und Absätze werden automatisch erzeugt.
  • Du kannst andere Kommentare mit [quote]-Tags zitieren.

Weitere Informationen über Formatierungsoptionen