Mixa räumt Ohrfeigen ein - Grüne verlangen Rücktritt

Kinderheim

Ein Wegkreuz steht vor dem Kinderheim Sankt Josef in Schrobenhausen. Der Augsburger Bischof Walter Mixa hat zugegeben, Heimkinder geohrfeigt zu haben. Foto: dpa / Karl-Josef Hildenbrand

Kirche - Der Augsburger Bischof Walter Mixa hat eingeräumt, Heimkinder geohrfeigt zu haben. Er war seit Wochen wegen Prügelvorwürfen unter Druck. Die Grünen verlangen Mixas Rücktritt.

Der Geistliche soll früher als Pfarrer im Kinderheim Sankt Josef im oberbayerischen Schrobenhausen Kinder geschlagen haben. Bisher hat der Bischof die Vorwürfe zurückgewiesen. In neuen Aussagen unterscheidet er aber zwischen Prügel und Ohrfeigen.

In einer schriftlichen Erklärung an die Deutsche Presse-Agentur (dpa) teilte Mixa am Freitag mit, "wenn jetzt das Thema auf die Frage nach Ohrfeigen zugespitzt wird, will ich ganz ehrlich sagen, dass ich als langjähriger Lehrer und Stadtpfarrer im Umgang mit sehr vielen Jugendlichen die eine oder andere Watschn von vor 20 oder 30 Jahren natürlich nicht ausschließen kann. Das war damals vollkommen normal und alle Lehrer und Schüler dieser Generation wissen das auch."

"Mehrfach gelogen"

Der SPD-Politiker und Landtagsvizepräsident Franz Maget sowie die Grünen forderten Mixas Rücktritt. Der Bischof habe zu den Vorwürfen, Heimkinder geschlagen zu haben, mehrfach gelogen, sagte Grünen- Fraktionschefin Renate Künast nach Angaben der Bundestagsfraktion. "Besonders perfide" von Mixa sei es, sich mit der Behauptung reinwaschen zu wollen, Ohrfeigen seien normal und das hätten alle so gemacht. Mixa habe den letzten Rest an Glaubwürdigkeit verspielt. Maget forderte als Vorsitzender des Münchner Vereins "Kirche und SPD", Mixa solle sein Amt bis zur Klärung der gegen ihn erhobenen Vorwürfe der Kindesmisshandlung und finanzieller Unregelmäßigkeiten ruhen lassen.

Mixa hatte stets bestritten, Kinder geschlagen zu haben. Dabei bleibe er auch, was mehr als Ohrfeigen betreffe. "Zu den Vorwürfen wegen schwerer körperlicher Züchtigungen, die in der 'Süddeutschen Zeitung' gegen mich erhoben worden sind, habe ich von Anfang an klar gesagt, dass ich zu keinem Zeitpunkt körperliche Gewalt gegen Kinder und Jugendliche angewandt habe."

Beauftragter erstattet ersten Bericht

Der vom Schrobenhausener Kinderheim Sankt Josef eingesetzte Sonderbeauftragte Sebastian Knott bestätigte in einem ersten Bericht, dass es seitens Mixa Übergriffe auf Heimkinder gegeben habe. In einer eidesstattlichen Erklärung habe ein ehemaliges Heimkind erklärt, es sei 1976 von dem damaligen Stadtpfarrer "mit voller Wucht ins Gesicht" geschlagen worden. Hintergrund war, dass der damals 16- Jährige aus dem Heim weggelaufen und von der Polizei zurückgebracht worden war.

Ein anderes Heimkind berichtete, in der Zeit von 1990 bis 1997 von Mixa geohrfeigt worden zu sein. Dabei habe es sich bisherigen Erkenntnissen zufolge um "konkrete Affekttaten in Einzelfällen" gehandelt, sagte Knott. Von einer "Kultur des Prügelns" in dem Heim könne nicht gesprochen werden. In eidesstattlichen Erklärungen ehemaliger Heimzöglinge wird jedoch von brutalen Prügelattacken mit Faust und Stock durch Mixa berichtet.

Gelder falsch verwendet

Die Überprüfung von Stiftungsmitteln zu Mixas Zeiten hätten den Verdacht "satzungswidriger Verwendung" von Finanzen erbracht, sagte der Sonderermittler. Zahlreiche Gegenstände seien von der Pfarrei, der Mixa vorstand, eingekauft und unzulässigerweise über die Heimstiftung bezahlt worden. Eine strafrechtliche Wertung wolle er erst in seinem Schlussbericht abgeben.

Bei seinem Versuch, Mixa persönlich zu den Vorfällen zu befragen, sei er an einen Münchner Anwalt verwiesen worden. Dieser habe erklärt, Mixa stehe weiterhin für ein Gespräch mit ehemaligen Heimkindern bereit und wolle zur Aufklärung der finanziellen Ungereimtheiten beitragen.

dpa

Kommentare

Verfasst von Gast am 17. April 2010 - 18:00.

Ich weiß nicht, was die wollen!

In der Süddeutschen steht zu lesen: "Der stellvertretende FDP-...

In der Süddeutschen steht zu lesen:
"Der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Jürgen Koppelin, forderte Mixa am Samstag auf, seine Aufgaben als Militärbischof niederzulegen. Seine Autorität sei untergraben und schwer beschädigt. Die öffentliche Diskussion sei für ihn zu einer Belastung als höchster katholischer Geistlicher für die Bundeswehr geworden. Statt offen mit den gegen ihn erhobenen Vorwürfen umzugehen, habe Mixa zu lange geschwiegen."
Ich weiß gar nicht, was das soll.
Ich finde vielmehr, Mixa beweist gerade die für einen Militärbischof erforderlichen Kompetenzen aufs Beste: Verschwiegenheit (übers wahre Kriegsgeschehen)und ggf. Fähigkeit zum taktischen Umgang mit der Wahrheit (s. Untersuchungsausschuss), Schlagkraft beweisen und trotzdem "ein reines Herz" haben - ja, was will man von einem Militätbischof noch mehr?

Verfasst von Gast am 17. April 2010 - 11:22.

Pause

Es ist nicht zu fassen, welche Argumente den Verteidigern des Herrn Mixa bzw....

Es ist nicht zu fassen, welche Argumente den Verteidigern des Herrn Mixa bzw. der katholischen Kirche alles einfallen.

Da ist es normal, dass man sich nicht mehr erinnert, einmal ein Kind geschlagen zu haben. Ja natürlich, wenn man das ständig tut, erinnert man sich an die einzelne Tat nicht mehr, wenn man es aber einmal in seinem Leben macht, dann erinnert man sich sein Leben lang, von behandlungsbedürftigen Verdrängungen einmal abgesehen.

Und man will uns glauben machen, Herr Mixa sei glaubwürdig, weil er zuerst ja gar nicht behauptet hat, er habe geschlagen, und jetzt nicht etwa das Gegenteil davon, sondern wieder sagt, er könne sich nicht mehr erinnern. „Herr Mixa sagte zuerst, daß er sich nicht erinnern kann. Nun sagt er, daß er nicht ausschließen kann, eventuell "Watschen" gegeben zu haben. Das ist eigentlich dasselbe,“ schreibt hier einer seiner Verteidiger. „Deshalb ist Herrn Mixa fairerweise jetzt daraus kein Vorwurf zu stricken.“

Und dann soll es zwar 1990 in Schulen nicht mehr normal gewesen sein, die Kinder zu schlagen, aber doch in Heimen – in nicht-katholischen war es jedenfalls alles andere alles normal, und zwar seit den 70er Jahren nicht mehr.

Und dann tut man so, als ob es nur um ein paar Ohrfeigen ginge. Die Vorwürfe von Zeugen, die bereit sind, unter Eid auszusagen, lauten aber ganz anders, da geht es um sadistische Mißhandlungen. (Da sagt sicher jetzt wieder einer: die hat Herr Mixa aber doch gar nicht zugegeben, das ist doch etwas ganz anderes! Ach so.)

Ja merken denn diese Leute nicht, dass genau das die Ursache für den beispiellosen Verlust an Vertrauen ist, den die katholische Kirche gerade erlebt? Nicht das Fehlverhalten einzelner Priester ist die Ursache, da weiß jeder, dass das nicht völlig zu verhindern ist, sondern diese Art der Argumentation, bei der sich jeder, der seine fünf Sinne halbwegs beieinander hat, an den Kopf faßt, diese winkeladvokatenartige Art der Verteidigung durch Amtsträger ebenso wie durch zahllose Leserbriefschreiber und Internetkommentatoren.

Mein Rat: Wenn Ihnen etwas daran liegt, dass Ihre Kirche aus dem Schlamassel wieder herauskommt, dann sollten Sie am besten für einige Zeit einfach still sein, eine Pause einlegen, egal was Ihnen an Argumenten einfallen mag, die Sie selbst überzeugen.

Verfasst von Gast am 17. April 2010 - 14:39.
Kommentar auf: Pause

Gegen Rufmordkampagnen

Zunächst einmal sollten die Vorverurteilungen aufhören. Denn der Eindruck einer...

Zunächst einmal sollten die Vorverurteilungen aufhören. Denn der Eindruck einer gezielten Kampagne gegen Herrn Mixa bleibt. Und gegen solche Kampagnen müssen wir als Christen aufstehen.

Verfasst von Gast am 16. April 2010 - 17:49.

1980 und 1990 normal?

Angenommen, Herr Mixa spricht die Wahrheit - wofür angesichts der Vielzahl von...

Angenommen, Herr Mixa spricht die Wahrheit - wofür angesichts der Vielzahl von gegenteiligen Zeugenaussagen wenig spricht - dann hat er mit seinem Satz "Das war damals vollkommen normal und alle Lehrer und Schüler dieser Generation wissen das auch" vielleicht sich selbst ein wenig entlastet, aber die katholische Kirche schwer belastet. Vor 50 oder 60 Jahren waren Ohrfeigen in der Tat normal, und das weiß auch jeder Lehrer und Schüler dieser (meiner) Generation. Aber vor 20 und 30 Jahren, und darum geht es, waren sie in einem normalen Milieu ganz undenkbar. Ich habe aus allen Schulen meine Kinder und der Kinder von Freunden nie so etwa gehört. Ich hätte auch nie gedacht, daß das in katholischen Schulen noch vorkommt. Aber Herr Mixa behauptet im Gegenteil, das solche Erziehungsmethoden dort normal waren.

Verfasst von Gast am 16. April 2010 - 18:13.
Kommentar auf: 1980 und 1990 normal?

Schulen, Heimen, alles durcheinander

Es geht nicht um Vorwürfe an einer Schule, sondern um Vorwürfe in einem...

Es geht nicht um Vorwürfe an einer Schule, sondern um Vorwürfe in einem Kinderheim.

Da ist leider doch ein Unterschied, denn viele dieser Kinder hatten keine Eltern.

Und auch heute noch gibt es die eine oder andere Watschen, selbst im "normalen Milieu" (was auch immer das sein mag???? gibt es ein für watschen typisches unnormales milieu? etwas hartz iv empfänger?)

Stellen wir uns doch die Situation anders vor

Ein Vater streitet mit seinem pupertären Rotzlöffel von einem Sohn, es begann mit der Aufforderung den Müll rauszutragen und endet bei harten verbalen Beschimpungen im Revierkampfverhalten der alpha-Tiere.
So. plötzlich ist der Sohn weg, sein Rad nicht mehr da, wo ist er hin, nichts hat er gesagt, ist er abgehauen, man hört ja immer wieder...nein das kann nicht sein..der Vater denkt sich immer mehr in seine Selbstvorwürfe hinein.

Da komtm der Sohn auf dem Rad an, spät ist es geworden, Abendessen hat er verpasst.
"Wo warrst du"
Coole Antwort: "bei nem kumpel, wlan party"

Der Vater scheuert dem Jungen eine. Und dreht sich auf dem Absatz um, sauer auf sich selbst weil er sich um so einen hirnlosen Affen gesorgt hat.

Unwahrscheinlich? Nein tägliche Elternrealität (mal abgesehen von der Ohrfeige)

Und so einen Fall schildert nun eine ehemaliger Heimbewohner. Er 16, mit dem Rad weg ausm Heim, als er wiederkommt Ohrfreige.
Wenn ja, dann würde ich mich daran auch nicht mehr erinnern, diese Watschn gegeben zu haben

Verfasst von Gast am 16. April 2010 - 16:40.

Falsche Behauptungen

Mixa hat nicht eingeräumt, Heimkinder geschlagen zu haben. Er hat nur gesagt,...

Mixa hat nicht eingeräumt, Heimkinder geschlagen zu haben.

Er hat nur gesagt, dass er es nicht aussschließen kann. Wenn es vorgekommen sein sollte, entschuldige er sich dafür.

Sprich, er weiß es nicht mehr, ob oder ob nicht, aber er hat an keiner Stelle etwas "zugegenben."

Die Anschuldigung der mehrfachen Lüge von Frau Künast ist haltlos.

C.K.H

Verfasst von Gast am 16. April 2010 - 18:30.
Kommentar auf: Falsche Behauptungen

falscher Unfehlbarkeitsanspruch !

Mir fehlt bei allen Äußerungen von Bischof Mixta die persönliche Reue und das...

Mir fehlt bei allen Äußerungen von Bischof Mixta die persönliche Reue und das Eingeständniss, das er selber auch (wie zuviele andere) Fehler gemacht hat im Umgang mit Schutzbefohlenen Kindern und Jugendlichen.
Wer erst komplett leugnet und über seinen bischöflichen Apparat die Opfer zu Tätern stempeln will, dann scheibchenweise seine Position zurücknimmt, ohne aber Reue zu zeigen, ist für mich allerdings als Bischof nicht mehr im richtigen Amt.
Aber der falsche und überholte "Unfehlbarkeitsanspruch" vieler Ämter in der katholischen Kirche wird auch diesen Bischof länger im Amt lassen als es würdig und recht wäre. Traurig traurig für Fremde, unverständlich für seine Opfer.

T. Engel (Jhg 1969)

Verfasst von Gast am 19. April 2010 - 10:16.

falsche Vorstellung von Unfehlbarkeit

Schon schlimm genug, dass viele Menschen nicht wissen, was das...

Schon schlimm genug, dass viele Menschen nicht wissen, was das Unfehlbarkeitsdogma der römisch katholischen Kirche besagt, aber es jetzta uch schon auf "viele Ämter" auszudehnen, ist grotesk.

Es gibt nur ein Amt, dessen Träger unfehlbar ist, und das ist das Papstamt. Diese Unfehlbarkeit gilt NUR in Sitten- und Glaubensfrage.

Als das Erste Vatikannische Konzil 1870 dieses Dogma verkündete, war es auch eine Antwort auf den "Freiheitskampf" Garribaldis zur Einigung Italiens und der Eroberung des die Unabhängigkeit des Papstes garantierenden Kirchenstaats. Seit 1870 berief sich nur ein Papst ein einziges Mal auf seine Unfehlbarkeit. Einmal in 140 Jahren!

Verfasst von Gast am 16. April 2010 - 19:13.

Klarheit im Umgang mit der Wahrheit

Bei medialen Kampagnen gegen einzelne Personen sollten wir -auch als...

Bei medialen Kampagnen gegen einzelne Personen sollten wir -auch als evangelische Christen - große Vorsicht walten lassen. Herr Mixa sagte zuerst, daß er sich nicht erinnern kann. Nun sagt er, daß er nicht ausschließen kann, eventuell "Watschen" gegeben zu haben. Das ist eigentlich dasselbe. Wer sich nicht konkret an etwas erinnern kann, kann auch "nicht ausschließen". Es ist dasselbe gesagt, nur von der andern Seite her formuliert. Deshalb ist Herrn Mixa fairerweise jetzt daraus kein Vorwurf zu stricken. Der zweite Punkt ist, daß körperliche Gewalt und "Watschen" wohl doch einen erheblichen Unterschied darstellen. Auch hier ist der medialen Kampagne entschieden zu widersprechen, wenn wir noch irgendeinen Anspruch auf einen fairen Umgang mit Vorwürfen gelten lassen wollen. Der dritte Punkt ist, daß wir gegenwärtig mit dem Eindruck leben, daß manche "Medien" sehr beständig und hartnäckig darauf aus zu sein scheinen, Herrn Mixa unbedingt etwas anhängen zu wollen. Dieses Bestreben halte ich absolut nicht für christlich. Deshalb kann ich all jene, die im gegebenen Augenblick den Rücktritt von Herrn Mixa fordern, nicht mit gutem Gewissen für Christen halten.

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