Moltmann: "Nur dumme Menschen lernen aus Katastrophen"

Baum in den Händen eines Menschen

Die Moderne ist zu Ende, nun muss das ökologische Zeitalter beginnen: Der Theologe Jürgen Moltmann wählt klare Worte. Foto: iStockphoto

Geburtstag - Nachdenken über Religion hatte für Jürgen Moltmann stets politische Relevanz. Der Tübinger Professor, einer der bedeutendsten Theologen des 20. Jahrhunderts, hat sich immer wieder zu aktuellen Fragen geäußert. Und sich dabei selten ein Blatt vor den Mund genommen.

Die Fragen stellte Barbara Schneider

Heute wird Moltmann 85 Jahre alt. Im Geburtstagsinterview des Evangelischen Pressedienstes (epd) äußert er sich auch über das beginnende ökologische Zeitalter und übt scharfe Kritik an der Reaktion der Politik auf die Nuklearkatastrophe in Japan: "Kluge Menschen lernen durch Einsicht, dumme durch Katastrophen."

1964, also vor rund 50 Jahren, haben Sie Ihre "Theologe der Hoffnung" veröffentlicht. Ein Buch, das wie kaum ein anderes für den gesellschaftlichen Aufbruch in der Kirche stand. Wie politisch ist die Kirche heute?

Moltmann: Die Kirche ist immer politisch. Sie lebt im politischen Raum. Im Gemeinwesen des Volkes ist die Kirche präsent. Und jeder Politiker weiß um diese politische Bedeutung der Kirchen. Nur in den Kirchen wird immer gesagt, das Konservative sei unpolitisch und alles, was ein bisschen mehr links ist, sei eine Politisierung der Kirche.

Wie sieht für Sie denn die Kirche der Zukunft aus?

Moltmann: Die Gemeinde ist die Kritik der Kirche und ihre Zukunft. Wir müssen daher Gemeinde aufbauen. Gemeinde wird von Gemeindegliedern aufgebaut, nicht von Pfarrern. Wir alle sind Laien, jeder Bischof ist ein Laie. Und ein Laie ist ein Mitglied des Volkes Gottes. Ich bin dafür, eine Reform der Kirche von unten zu machen. Betreuungskirche funktioniert immer weniger. Wenn wir in Zukunft in eine multireligiöse Gesellschaft kommen, müssen wir uns von der Staats- und Volkskirche verabschieden. Dann muss die evangelische Kirche freikirchliche Züge annehmen.

Vor welchen Aufgaben steht die Kirche heute?

Moltmann: Viele sehen die Aufgabe der Kirche im interreligiösen Dialog, also darin, sich zu den anderen Religionsgemeinschaften in eine positive Beziehung zu setzen. Das ist sicher wichtig. Ich selbst sehe die Aufgabe aber eher darin, sich mehr zu den säkularen Bewegungen in Beziehung zu setzen - zur Friedensbewegung, zur Ökologiebewegung, zu sozialen Bewegungen für mehr Gerechtigkeit in der Gesellschaft. Auch der Neoatheismus ist eine Herausforderung.

"Wem dieser Banalitätsatheismus

à la Richard Dawkins genügt,

der tut mir einfach nur leid."

Inwiefern?

Moltmann: Die Leute haben offenbar etwas verloren, was sie nicht mehr vermissen. Der Nachkriegsatheismus beispielsweise mit Wolfgang Borcherts "Draußen vor der Tür" war immer ein Protestatheismus. Ein Protest gegen Gott, der so viel Leid in der Welt geschehen lässt. Ein Protest und eine Auseinandersetzung mit Gott aber auch, die sich in den Psalmen des Alten Testaments finden. Aber das ist nicht der neue Atheismus des britischen Biologie-Professors Richard Dawkins. Das ist dieser Banalitätsatheismus. Es gibt wahrscheinlich keinen Gott – "Enjoy life". Wem das genügt, der tut mir einfach nur leid.

Sie waren lange Zeit in der ökumenischen Bewegung aktiv, haben etwa in der Kommission "Faith and Order" des Weltkirchenrates (ÖRK) mitgewirkt. Wie beurteilen sie die Entwicklung der Ökumene heute?

Moltmann: Ich war immer ein fremder Vogel in der Ökumene und nie als Delegierter deutscher Kirchen bei einer der Tagungen. Ich kam zur Ökumene, indem ich etwa vom damaligen Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirche, Willem Visser't Hooft, berufen wurde. Meiner Einschätzung nach ist der ÖRK jedoch ins Hintertreffen geraten, als der Lutherische Weltbund eine eigene Diskussion über die Rechtfertigungslehre mit Rom vorbereitet hat.

Wie steht es denn um aktuelle Projekte des Weltkirchenrates?

Moltmann: Momentan bereiten der ÖRK eine Konvokation über den Frieden auf der Erde und mit der Erde, also über gerechten Frieden, vor. Das Projekt finde ich sehr gut, obwohl Friede schon als Wort nicht mehr viele vom Hocker reißt. Freiheit wäre das richtige Stichwort gewesen. Im Blick auf die Arbeit des Ökumenischen Rates muss dabei unterscheiden werden zwischen Gemeinden in Afrika und in Europa. In Europa hatten die Kirchen immer das Gefühl, sie müssten die Ökumene unterstützen, aber sie haben die Ökumene nie benutzt, um die eigenen Fragen zu klären. Demgegenüber war die Ökumene in Afrika immer in den Gemeinden lebendig und im Südsudan etwa bei den Friedensabkommen aktiv beteiligt. Die Mühlen der Ökumene arbeiten langsam, aber sie werden schon wieder in Gang kommen.

Mit Blick auf Europa, was müsste hier auf die Tagesordnung?

Moltmann: Wir haben in Deutschland zwar eine Diskussion darum, ob der Islam zu Deutschland gehört, aber nicht, ob die orthodoxen Völker zu Europa gehören. Die Europäische Gemeinschaft ist jetzt ausgeweitet auf Rumänien und Bulgarien, Serbien wird erwartet und Richtung Ukraine und Russland ist sie offen. Gleichzeitig besteht in Europa eine unsichtbare Grenze - die Theodosius-Linie auf dem Balkan - die die lateinischen Völker von den orthodoxen Völkern trennt. Das muss in Europa zuerst zusammenwachsen. Die orthodoxen Völker gehören zu Europa, denn wir haben eine gemeinsame Geschichte. Europa wurde in Konstantinopel geboren und nicht in Rom. Das drängt dazu, dass die westliche und die östliche Christenheit, die abendländische und die morgenländische, zusammenwachsen. (Foto: dpa)

Wie kann es zu einer Annäherung von Ost- und Westkirche kommen?

Moltmann: Dabei müssten vor allem die Themen diskutiert werden, woran sich die Kirchen 1054 getrennt haben. Ich meine den Streit um das sogenannte Filioque, das heißt die theologische Frage, ob der Heilige Geist vom Vater oder vom Vater und vom Sohn ausgeht. Schon auf den Klingenthaler Konferenzen in den Jahren 1978 und 1979 haben wir das Problem theologisch gelöst. Leider wurde vergessen, das in unsere Glaubensbekenntnisse aufzunehmen. Die Vergesslichkeit ist groß. Hinzu kommen historische Kränkungen: Der erste Fall von Byzanz ging auf die Kreuzfahrer aus dem Westen zurück. Die Unterdrückung orthodoxer Klöster und die Zerstörung orthodoxer Kirchen in Rumänien geht auf Österreicher zurück. Das ist die dunkle Seite von Europa. Die orthodoxen Völker haben im osmanischen Reich überlebt, gleichzeitig haben sie Renaissance, Reformation und demokratische Revolution nicht mitgemacht. In dieser Hinsicht haben sie also ein Nachholbedarf.

Wo sehen Sie Gemeinsamkeiten?

Moltmann: Es gibt, glaube ich, heute einen Punkt, wo wir zeitgleich werden: Das ist der Übergang vom modernen Zeitalter in ein ökologisches Zeitalter. Die Orthodoxie hat immer Mensch und Natur als eine Einheit gesehen, während wir in Europa Mensch und Natur gegenüber gestellt haben. Wir können über eine ökologische Welt von der vorindustriellen Zeit, die in der Orthodoxie bewahrt ist, sehr viel lernen für ein nachindustrielles Zeitalter.

"Es regt mich auf, was da in den Köpfen

mancher Politiker vorgeht. Die Risiken der

Kernkraft sind seit 50 Jahren bekannt."

 

Ökologische Fragen sind ja ein brennendes Thema angesichts der Katastrophe in Japan.

Moltmann: Es regt mich auf, was da in den Köpfen mancher Politiker vorgeht. Die Risiken der Kernkraft sind seit 50 Jahren bekannt. Kluge Menschen lernen durch Einsicht, dumme durch Katastrophen. Die Technik kann unfehlbar sein, aber der Mensch ist nicht unfehlbar. Das kann man nicht als Restrisiko bezeichnen. Es ist lächerlich zu behaupten, die Kernkraftwerke sind sicher. Es ist zu hoffen, dass diese Katastrophe zu einem Umdenken führt. Die Katastrophe zeigt die Grenzen, wo man die Hybris lassen und demütig werden muss.

Neben der Auseinandersetzung mit ökologischen Fragen haben Sie in den vergangenen Jahren immer wieder einen sich ausbreitenden Nihilismus beklagt.

Moltmann: Der Verlust der Liebe zum Leben ist dabei das Hauptproblem. Beispielsweise fand man nach den Bombenanschlägen auf die vier Madrider Pendlerzüge im Jahr 2004 Zettel mit dem Inhalt: "Ihr liebt das leben, wir lieben den Tod." Was aber passiert, wenn nicht nur einzelne den Tod lieben und die Welt zerstören wollen, sondern ein ganzes Volk? Wir sitzen doch auf einem Pulverfass. Darum kann diese Liebe zum Leben immer auch in eine Liebe zum Tod umschlagen.

Was ist Ihr Rezept gegen diese Entwicklung?

Moltmann: Die Liebe zum Leben muss gefördert und soziale Gerechtigkeit geschaffen werden. Die Erniedrigung von Menschen in einer Konkurrenzgesellschaft, wo die einen gewinnen und die anderen verlieren, fördert die Liebe zum Leben nicht, im Gegenteil. Man kann diese Aufsteiger- und Absteigergesellschaft auch stoppen und durch eine stärkere Gemeinschaftsbildung ersetzen. "Gott liebt das Leben", das ist christlicher Glaube.

epd

Jürgen Moltmann wurde am 8. April 1926 in Hamburg geboren. Krieg und Gefangenschaft haben den späteren Theologen geprägt. Als Flakhelfer im Zweiten Weltkrieg erlebt er den Tod eines Schulfreundes aus unmittelbarer Nähe. "In dieser Nacht habe ich zum ersten Mal in meinem Leben nach Gott geschrien und mein Leben in Gottes Hände gelegt", schreibt er in seiner Autobiografie. Große Bekanntheit erlangte Moltmann, der aus einer atheistischen Lehrerfamilie stammt, in den 1960er Jahren durch seine "Theologie der Hoffnung". Christlicher Glaube, so seine Überzeugung, hat stets gesellschaftliche Relevanz. Beruflich war Moltmann zunächst an der kirchlichen Hochschule in Wuppertal tätig, ehe er 1963 nach Bonn berufen wurde. Von 1967 bis zu seiner Emeritierung 1994 lehrte er in Tübingen, wo er bis heute lebt. Zahlreiche Vortragsreisen hat Moltmann, der mit der feministischen Theologin Elisabeth Moltmann-Wendel verheiratet ist und vier Kinder hat, in alle Welt unternommen.

Kommentare

Verfasst von Gast am 9. April 2011 - 22:05.

Strohmann-Argument

Das ist dieser Banalitätsatheismus. Es gibt wahrscheinlich keinen Gott – "Enjoy...

Das ist dieser Banalitätsatheismus. Es gibt wahrscheinlich keinen Gott – "Enjoy life".

Aus dem Zusammenhang gerissen: Das "Enjoy life" war Bestandteil einer Buskampagne, die wiederum als Antwort auf eine vorherige Buskampagne gestartet war, welche die Menschen mit der Drohung ewiger Höllenqualen einzuschüchtern versuchte - ein alter Taschenspielertrick einer Religionskultur, die ihre Positionen nicht auf rationalen Argumenten aufbauen kann und daher mit Ängsten arbeiten muss. Das "Enjoy life" war eine spezifische Absage an diese Drohungen.

Der Wahrscheinlichkeitsbegriff ist hier ebenfalls nicht als banale Relativierung zu betrachten, sondern als Plausibilitätsbewertung einer Hypothese im Sinne epistemischer Rationalität. In diesem Fall der Hypothese, dass ein strafendes unsichtbares Wesen existiert, das die Welt und die Menschen absichtlich erschaffen hat und ihr Handeln bewertet - aus rationaler Sicht keine elegante Hypothese; sie hat für Rationalisten einen sehr niedrigen Wahrscheinlichkeitswert.

Es würde Religionsvertretern wie Moltmann gut zu Gesicht stehen, die Positionen der Gegenseite richtig zu verstehen und ihnen auch in diesem Sinne zu begegnen, anstatt Strohmänner aufzubauen. Es ist ja nun nicht so, dass die Leute das nicht mitkriegen würden.

Verfasst von Lisa Simpson am 9. April 2011 - 17:08.

Gemeinde als Kritik und Zukunft der Kirche

Warum haben eigentlich nur Ü-80-evangelische Theologen noch etwas stichhaltiges...

Warum haben eigentlich nur Ü-80-evangelische Theologen noch etwas stichhaltiges und relevantes zu sagen?
Wenn ich als Links-Evangelikale auch nicht ein 100pro Fan von Moltmann bin: der Mann hat recht!
Wer auf sich verschiebene Erdplatten Átomkraftwerke baut, ist dumm. Und wer nur aus solchen Banalitäten lernt, auch.
Viel zerstörerischer ist aber, die Existenz von Laien in der Kirche totzuschweigen und durch "Ehrenamtliche", also von Kirchen-Lobbyisten gegängelte Unbezahlte, zu ersetzen.
Die Zukunft gehört der (vielleicht auch großkirchlichen) Freikirche!!

Verfasst von Paul M. am 8. April 2011 - 18:30.

Moltmann - Die Hoffnung stirbt zuletzt...

Jaja, die Gelehrten aus ihrem Elfenbeinturm - sie sparen nicht mit deutlichen...

Jaja, die Gelehrten aus ihrem Elfenbeinturm - sie sparen nicht mit deutlichen Worten. Schön. - Aber es (be-)lehrt sich natürlich angenehm, wenn / weil es ein gänzlich handlungs-entlastetes (Be-)Lehren ist.

Der von Herrn Moltmann gegeißelte Banalitätsatheismus ist lebensnah und hat etwas Verführerisches...
Die Kirche hat in ihrem Kernkompetenzbereich außer nebulösem Phrasendreschen ("Liebe zum Leben") nichts zu bieten und zu vielem anderen, zu dem sie meint, ungefragt antworten zu müssen, keine Kompetenz.

Die Hoffnung, dass die Menschheit überhaupt lernt, ganz gleich, ob durch Einsicht, Erziehung, Erfahrung oder Katastrophen, stirbt zuletzt...

Ich sehe im Moment, dass wir gelernt haben, dass auf die Produktion von Atomstrom in Deutschland verzichtet werden muss - dafür importieren wir ihn aus Frankreich. SO wird gelernt...

Verfasst von Ingo1971 am 8. April 2011 - 16:28.

 >>Als Flakhelfer im Zweiten

 >>Als Flakhelfer im Zweiten Weltkrieg erlebt er den Tod eines...

 >>Als Flakhelfer im Zweiten Weltkrieg erlebt er den Tod eines Schulfreundes aus unmittelbarer Nähe. "In dieser Nacht habe ich zum ersten Mal in meinem Leben nach Gott geschrien...."<<

>>Kluge Menschen lernen durch Einsicht, dumme durch Katastrophen.<<

>>Die Orthodoxie hat immer Mensch und Natur als eine Einheit gesehen, während wir in Europa Mensch und Natur gegenüber gestellt haben. Wir können über eine ökologische Welt von der vorindustriellen Zeit, die in der Orthodoxie bewahrt ist, sehr viel lernen für ein nachindustrielles Zeitalter.<<

Ich denke es besteht eine Ambivalenz im Verhältnis zwischen Mensch und Natur. Die tatsache ist dass wir  uns täglich vor der Natur schützen müssen(Haus, Sanitärdesinfektion, Impfung usw.).

 

 

“Die Ehrfurcht vor der Vergangenheit und die Verantwortung gegenüber der Zukunft geben fürs Leben die richtige Haltung.” - Dietrich Bonhoeffer

Verfasst von Gast am 8. April 2011 - 15:37.

Wortspiele

Dumme Menschen glauben an Gott, kluge Menschen basteln sich einen. Was mag...

Dumme Menschen glauben an Gott, kluge Menschen basteln sich einen.

Was mag jetzt klug daran sein, Menschen als 'dumm' zu attributieren, außer sich seiner Empörung zu entäußern. Vielleicht hat Jürgen beim Interview einen etwas höheren Blutzuckerspiegel gehabt und deswegen solche Zusammenhänge hergestellt. Sowas kann schon das Gehirn mächtig durcheinander bringen - ich beobachte das täglich. Es ist dem eigenen Ego nicht wirklich zuträglich, dass der eigene Geist Dinge denkt, weil der Körper es so will - aber es passiert so.
Am liebsten sind mir alte Menschen wie Jürgen, wenn sie Verständnis zeigen, Großmut walten lassen und die Scham über ihre eigenen Fehler vorsichtig dosiert zur Kenntnis bringen. Wie sagte schon die Überlieferung eines netten vielleicht fiktiver Manns: achte auf die Splitter, denn sie könnten Balken werden. Ein anderer, vielleicht auch fiktiver Mann soll gesagt haben, dass man sich nie wirklich sicher sein kann, dass man etwas weiß.
Klugheit schützt vor Torheit nicht. Weil das so ist, lernen Menschen immer wieder aufs Neue und allein das ist das Besondere ... sich nicht sicher sein, nicht allwissend und trotzdem das Leben in eigener Verantwortung leben. Und klar, auch mal wirklich daneben zu greifen gehört dazu. Nicht wegen der Plattitüde "aus Fehlern kann man lernen", sondern weil jedes Tun in sich auch immer den Irrtum birgt: Es gibt kein universelles 'richtig' oder 'falsch' ... vielleicht, weil es Dualismus an sich gar nicht gibt, aber auch das ist ja schon längere Zeit in der Drei-Falten-Theorie.

Verfasst von Gast am 8. April 2011 - 14:03.

"Dumme Menschen lernen durch Katastrophen" - arrogant

Mit Verlaub, das Zitat strotzt vor einer Überheblichkeit, wie ich sie bei...

Mit Verlaub, das Zitat strotzt vor einer Überheblichkeit, wie ich sie bei Theologen immer wieder antreffe. Durch Einsicht lerne ich, wenn zwei Bedingungen zutreffen: Ich bin klug genug, es zu verstehen (insofern stimme ich Moltmann zu), und ich bekomme es so erklärt, dass ich überhaupt eine Chance habe, es zu verstehen. Wenn sich der Dumme angeblich dadurch offenbart, dass er nur durch Katastrophen zur Besinnung kommt, kann ich Ihnen mehrere historische und auch gegenwärtige Beispiele nennen, bei denen die Betroffenen keineswegs dumm waren, aber erst die Katastrophe brauchten, um zu verstehen, was wirklich los ist.

Noch kläglicher als die Katastrophe nicht zu sehen, finde ich übrigens, sie kommen zu sehen und nicht angemessen zu verhindern versuchen. Hinterher sich hinzustellen und zu erklären, man habe ja alles gewusst, kann jeder. Vorher ein bisschen mehr unternommen zu haben als eine Lichterkette und eine E-Mail an den Bundestagsabgeordneten, das nötigt mir Respekt ab.

Verfasst von Gast am 9. April 2011 - 11:28.

"dumme Menschen lernen durch Katastrophen" - richtig

Mit Verlaub, das Zitat ist richtig. Es muss im gesamten Zusammenhang des...

Mit Verlaub, das Zitat ist richtig. Es muss im gesamten Zusammenhang des Interviews gesehen werden. Moltmann stellte fest, dass die fortschrittsgläubige Gesellschaft trotz trotz geschichtlicher Erfahrung die Technik und nicht den Menschen, den volkswirtschaftlichen Nutzen und nicht den GAU in den Mittelpunkt stellt.
ich bete, dass wir alle daraus lernen und vor allem demütig werden.

Verfasst von Gast am 8. April 2011 - 16:24.

Lieber Gast, offenbar weißt

Lieber Gast, offenbar weißt du nicht, wer Jürgen Moltmann ist. Der hat...

Lieber Gast, offenbar weißt du nicht, wer Jürgen Moltmann ist. Der hat seinerzeit sicher mehr getan als Leserbriefe zu verfassen oder Lichterketten zu veranstalten.
Leider, gegen die Überweisungen der Atomindustrie an die PolitikerInnen der CSFDPDU kam selbst ein anerkannter Professor nicht an. Und gegen die Ignoranz der Bildzeitungsanalphabeten ist eben kein Kraut gewachsen.

Ich war 1986 (Tschernobyl) 12 Jahre alt und habe schon verstanden, daß Atomenergie zu gefährlich und riskant ist. Wer nicht mal das Niveau eines durchschnittlich intelligenten 12jährigen erreicht, tut mir leid. Aber für den gibt es ja immerhin noch logo beim Kinderkanal.

Wo Moltmann irrt: Idioten lernen nicht einmal durch Katastrophen, das zeigt daß wir 25 Jahre nach Tschernobyl die gleichen Diskussionen wieder führen müssen. Einfach Augen zu und durch. St. Florian hat's wieder mal gerichtet.

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