Nahostkonflikt: Kirche will einseitige Schritte Israels

Friedenstaube

Friedenstaube mit kugelsicherer Weste: Graffiti des britischen Street-Art-Künstlers Banksy. Foto: epd-bild/Stefano Baldini

Morgenandacht - Wie sind Frieden und Versöhnung im Nahen Osten zu erreichen? Beide Seiten, Israelis und Palästinenser, müssen sich bewegen, meint Pfarrer Burkhard Müller in den "Gedanken zur Woche", die heute um 6.35 Uhr im Deutschlandfunk zu hören waren.

Von Burkhard Müller

Jeden Morgen dieselben schweren Themen! Griechenland und Italien, die Banken und der Euro, Wirtschaftskrise und Terrorismus. Afghanistan, Irak, Israel und Palästina. Das letzte Thema allerdings ist im Moment wie weggetaucht. Noch am letzten Wochenende war es ganz heiß: Die Palästinenser wollen in die UNO, US-Präsident Obama ist dagegen, das Nahostquartett startet eine neue Friedensinitiative, aber Israel baut provokativ neue Siedlungen im arabischen Teil Jerusalems. Ist es die Ruhe vor dem Sturm? Was geschieht, wenn die UNO über die Aufnahme der Palästinenser entscheidet: ja oder nein?

Christen in Deutschland denken darüber sehr verschieden. Bisher haben sich die Kirchen mit Kritik an Israel sehr schwer getan. Man war mit dem Herzen bei den Menschen, die nach dem von Deutschen organisierten Holocaust eine Heimat in Israel gefunden hatten. Die Evangelische Kirche im Rheinland konnte dazu sogar sagen: Wir verstehen den Staat Israel als Zeichen der Treue Gottes zu seinem Volk.

Schweigen zu überzogenen Militärmaßnahmen

Nach dem Holocaust waren die christlich–jüdischen Gespräche alles andere als selbstverständlich. Es war wie ein Wunder, dass die Juden wieder mit uns sprachen! Und wie viel haben wir durch sie auch über unseren eigenen Glauben lernen können! So sind wir ihnen sehr dankbar. Die neue Freundschaft und Geschwisterlichkeit wollten wir auf keinen Fall gefährden. Manche mieden jede Kritik an Israels Politik, um nicht mit dem braunen Antisemitismus verwechselt zu werden. Sie sagten nichts zu überzogenen militärischen Maßnahmen, weil das so klingen könnte, als stelle man das Existenzrecht Israels dadurch infrage.

Palästinensische Christen haben unseren Schulterschluss mit Israel wahrgenommen. Umgekehrt empfanden sie, wie fern wir ihrer Not und ihrem Leid sind. 2009 haben sie das in einer eindrücklichen Erklärung dargelegt. Die rheinische Kirche hat nun diese Mahnung gehört und will deshalb stärker als bisher das Schicksal der Palästinenser mitbedenken. Darum ist sie jetzt mit einem "Diskussionsimpuls zur Lage in Israel/Palästina" hervorgetreten. Kritik an Israel wird darin nicht unterdrückt. Noch immer wird der Staat Israel als Zeichen der Treue Gottes zu seinem Volk gedeutet. Aber was, wenn dieses Zeichen (bis zur Unkenntlichkeit) entstellt wird?

Ein asymmetrischer Konflikt

Menschenrechtsverletzungen Israels werden genannt, die widerrechtliche Besatzungspolitik, der teilweise rechtswidrige Verlauf der riesigen Grenzmauer und der fortgesetzte Ausbau israelischer Siedlungen in besetzten Gebieten. Vom Staat Israel erhofft die Kirche ausdrücklich erste einseitige Schritte, weil Israel in diesem asymmetrischen Konflikt die militärisch weit überlegene Partei ist. Auch die Palästinenser müssen sich ändern: Die Besatzung ist ein Nährboden, aber keine Rechtfertigung für ihren Terror. Nur gewaltfreien Widerstand dürfe es geben. Aber nicht mehr den Terrorismus der Raketen und Selbstmordattentate.

All diese kirchliche Kritik zielt auf Frieden und Versöhnung. Wir sollen kräftig und sichtbar alle unterstützen, die sich in Israel für den Frieden mit den Palästinensern und unter den Palästinensern für einen Frieden mit Israel einsetzen. Und dann folgt eine ganze Sammlung von Beispielen und Ideen: Dreiecksbegegnungen zwischen Deutschen, Israelis und Palästinensern könne man organisieren, Partnerschaften von Kirchengemeinden mit israelischen und palästinensischen Gruppen etablieren, Begegnungen von Lehrern durchführen und ein multinationales Lehrbuch gemeinsam schreiben. Und vieles mehr.

Wunderbar an diesem Papier ist, dass es uns nicht zu frustrierter Rechthaberei gegenüber den
friedensunfähigen Konfliktparteien führt, sondern uns Versöhnungsimpulse gibt. 


Burkhard Müller, Jahrgang 1938, ehemaliger Sprecher des "Wortes zum Sonntag", war viele Jahre lang Gemeindepfarrer in Bonn. Seit seiner ersten Pfarrstelle in Oberhausen ist ihm die soziale und politische Dimension des Evangeliums wichtig. Neben dem Pfarrdienst engagierte er sich als Beauftragter seiner Landeskirche für den kirchlichen Entwicklungsdienst, den Dialog von Christen und Muslimen sowie die Migrationsarbeit. Bis zu seiner Pensionierung Ende 2000 wirkte Burkhard Müller als Superintendent in Bonn.

Kommentare

Verfasst von Gast am 9. Oktober 2011 - 0:03.

das ist kein kirchliches Problem

http://berlin.mfa.gov.il/mfm/web/main/missionhome.asp?MissionID=88
Verfasst von Gast am 9. Oktober 2011 - 20:34.

2. Teil

Israel hat schon einmal 8000 Siedler aus dem Gazastreifen, teilweise mit Gewalt...

Israel hat schon einmal 8000 Siedler aus dem Gazastreifen, teilweise mit Gewalt, abgezogen. Als einseitigen Schritt. Anschliessend haben die Gazabewohner der Hamas in freien Wahlen zur Macht verholfen. Bis heute gab es keine freien Wahlen mehr. Israel hat Angst, dass sich das im Westjordanland noch einmal wiederholen kann, wenn sich beide Gebiete zum Staat Palästina zusammenschliessen sollten.Die Hamas steht zu Israel wie der Teufel zum Weihwasser.

Eigentlich kann man in diesem Konflikt nicht nur als Deutscher, sondern auch als vernunftbegabter Christ nicht neutral sein, auch wenn der Holocaust nicht stattgefunden hätte, wie es der engste Verbündete Gazas, der Iran, immer wieder betont.

Verfasst von Simon77 am 8. Oktober 2011 - 11:18.

Die Bibel spricht

Die Bibel spricht unmissverständlich das ganze Land zwischen Jordan und...

Die Bibel spricht unmissverständlich das ganze Land zwischen Jordan und Mittelmeer dem Volk Israel zu. Wenn die Kirche hier die Gründung eines weiteren islamischen Judenhasserstaates propagiert, nimmt sie die Grundlage ihres eigenen Glaubens nicht ernst.

Es gibt kein Leid in den arabisch besetzten Gebiete, das die Araber nicht selbst geschaffen haben. Wohl aber gibt es dort wie allen islamischen Ländern Massen antijüdischer Propaganda. Kleinkinder berichten in Talkshows, dass sie Juden hassen und daher töten wollen. Begründet wird dies meistens religiös mit judenfeindlichen Koran- und Sunna-Versen. Die Araber sind an keinem Frieden interessiert, behaupten dies aber von Israel, was von unseren israelfeindlichen, linken Medien nur zu gerne geglaubt wird.

Ich benutze hier übrigens bewusst das Wort Araber, da die "Palästinenser" erst 1964 aus propagandistischen Gründen erfunden wurden. Es soll mit dem Wort vertuscht werden, dass es sich hierbei größtenteils um Wirtschaftsflüchtlingehandelt, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts aus Ägypten, dem Irak und dem Libanon in das Land ströhmten, das die Juden aufgebaut haben. Die Juden haben Wohlstand und Fortschritt in ihre Heimat gebracht, die Araber brachten Pogrome, Kriege und Terrorismus.

Verfasst von MarkSa. am 8. Oktober 2011 - 17:55.
Kommentar auf: Die Bibel spricht

Nur ein Link als

Nur ein Link als Antwort http://www.youtube.com/watch?v=hN5jRJYqW3I
Verfasst von Gast am 7. Oktober 2011 - 20:59.

Einfach mal Human Rights

Einfach mal Human Rights Watch, Amnesty International oder Int. Rotes Kreuz...

Einfach mal Human Rights Watch, Amnesty International oder Int. Rotes Kreuz Berichte über die besetzten Gebiete lesen. Dann ist es ganz schnell vorbei mit dem Wischiwaschi-wir sind Geschwister im Geiste- Dialog. Eine Partnerschaft oder Rinheltänzchen Veranstaltung hält die derzeitige rechtsnationale Regierung auch nicht vom Landraub, ethnischer Säuberung und Mißachtung sämtlicher internationaler Menschenrechtsstandards ab. Dazu brauch es klare Statements und die vermisse ich seitens der Kirche als auch im diesem Artikel.

www.palaestina-portal.eu
www.youtube.de/gegenneozionismus

Verfasst von Koranleser am 6. Dezember 2011 - 21:07.
Kommentar auf: Einfach mal Human Rights

Neutrale Anti-Semiten

Neutrale Quellen: Rotes Kreuz oder Roter Halbmond...Den "Roten Davidsstern"...

Neutrale Quellen: Rotes Kreuz oder Roter Halbmond...Den "Roten Davidsstern" darf es nicht geben
Anmensta, geführt von einer pakistanischen Muslimin.
Pakistan ist das einzige Land, welches die jordanische Annexion Ost-Jerusalems 1949/50 anerkannt hat.

Verfasst von Gast am 7. Oktober 2011 - 11:07.

Kritik an Israel

Für wen halten wir uns eigentlich. Wir großen Europäer – als Friedensstifter?...

Für wen halten wir uns eigentlich.
Wir großen Europäer – als Friedensstifter?
Israel ist unser Bruder, nur wer für Israel schreit kann gregorianisch singen, heißt es.
Sie bitten Israel, dass Israel Zugeständnisse macht. Die Palästinenser haben mehr als 10.000 Raketen auf Israel geschossen. Ihr Ziel ist es Israel zu töten. Nehmt bitte die Hamas und die Hisbollah ernst!!!
Rein geistlich gesehen verstehe ich Sie auch nicht. Glauben Sie an das was in der Bibel steht?
"Das ist das verheißene Land der Palästinenser" – habe ich nie in der Bibel lesen können.
Und was halten Sie von dem Buch Joel 4,1 "Denn siehe, in jenen Tagen und zu jener Zeit, wenn ich das Geschick Judas und Jerusalems wenden werde, dann werde ich alle Nationen versammeln und sie ins Tal Joschafat hinabführen. Und ich werde dort mit ihnen ins Gericht gehen wegen meines Volkes und meines Erbteils Israel, das sie unter die Nationen zerstreut haben.Und mein Land haben sie geteilt und über mein Volk das Los geworfen;...
Machen wir uns nicht wieder Schuldig an Israel unserem Bruder!
Kauft nicht beim Juden rufen sie. Nicht damals sondern heute! Wacht endlich auf!

Verfasst von Oni am 7. Oktober 2011 - 13:09.
Kommentar auf: Kritik an Israel

Wenn Palästinenser 10000

Wenn Palästinenser 10000 Raketen abfeuern, feuern Israelis 10000 Raketen zurück...

Wenn Palästinenser 10000 Raketen abfeuern, feuern Israelis 10000 Raketen zurück. Beide Parteien geben erst Ruhe, wenn die andere ausgelöscht ist und um Recht geht es dabei schon lange nicht mehr...

Verfasst von WeißeWucherblume am 7. Oktober 2011 - 10:58.

Ereignisse

In diesem Jahr reiste eine Gruppe von Pädagogen nach Absprache und mit...

In diesem Jahr reiste eine Gruppe von Pädagogen nach Absprache und mit Unterstützung durch das Auswärtige Amt über Israel nach Gaza ein. Zwei Mitglieder der Gruppe wurden an der Grenze zurück gewiesen, davon durfte einer später einreisen, der letzte musste umkehren. Das Lernmaterial, Medikamente, Satellitentelefone, wurden alle abgenommen, die Medikamente und Telefone bis heute nicht zurück gegeben. Die Gruppe hat dann ihrem Auftrag gemäß (die Organisation ist u.a. auch in Japan und Haiti tätig) Trauma-Arbeit mit Kindern und Erwachsenen gemacht, Erwachsene für weitere Atbeit angeleitet. Bei der Rückkehr wurden die 9 Menschen alle einzeln leibesvisitiert.

Verfasst von Gast am 7. Oktober 2011 - 9:25.

Endlich! Und danke!

Endlich! Und danke!

Endlich! Und danke!

Verfasst von Chajm am 7. Oktober 2011 - 9:24.

Sein Lieblingsthema?

Das ist doch der Mann, der auch gesagt hat (im August 2006) Wäre ich...

Das ist doch der Mann, der auch gesagt hat (im August 2006)
Wäre ich Palästinenser: ich denke, dass ich zur Hamas gehörte. und dann zu weiteren Anlässen ähnlich differenzierte Äußerungen tätigte…

Verfasst von berndbuchner am 8. Oktober 2011 - 10:21.
Kommentar auf: Sein Lieblingsthema?

Wort zum Sonntag

Lieber Chajm, ja, das stimmt. Burkhard Müller sagte im ARD-"Wort zum...

Lieber Chajm,

ja, das stimmt. Burkhard Müller sagte im ARD-"Wort zum Sonntag" (26.8.2006): "Scham empfinde ich und Zorn über Israels gewalttätiges Wüten. Wäre ich Palästinenser: ich denke, dass ich zur Hamas gehörte." Er fuhr fort: "Wäre ich allerdings Israeli, würde ich bestimmt diese Militäreinsätze befürworten. Denn seit Jahrtausenden wurden die Juden verfolgt. Wir Deutschen trieben sie in den Holocaust. Die mit knapper Not Entronnenen hofften in Israel eine Heimstatt zu finden: Sie wollten nichts, als endlich in Frieden leben. Und dann schreien Hamas und Hisbolla: Wir treiben euch Juden ins Meer!"

Mit freundlichen Grüßen

Bernd Buchner - evangelisch.de

Verfasst von Chajm am 10. Oktober 2011 - 22:59.
Kommentar auf: Wort zum Sonntag

Dieses erweiterte Zitat macht

Dieses erweiterte Zitat macht es aber nicht viel besser. Unterstellt er doch,...

Dieses erweiterte Zitat macht es aber nicht viel besser. Unterstellt er doch, es gäbe einen gesellschaftlichen Konsens diesbezüglich?! Er fährt ja fort und sagt, Israel schlage hart zu. Das ist ebenfalls nicht besonders zurückhaltend formuliert. Er nennt zwar die Tatsache, dass die Hamas den Staat Israel gerne auslöschen würde, verheddert sich aber irgendwie im Ursache-Wirkung-Prinzip. Er sah ja die Eskalation in der Aufrüstung Israels. Allerdings: Hätte der Staat Israel nicht massiv aufgerüstet, dann gäbes ihn heute schon nicht mehr. Aus Herrn Müllers Feder gibt es weitere, sehr einseitige Predigten und Kommentare.

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