Andacht - Muss man nicht alles tun, was man tun kann, um Menschenleben zu retten? Oder gibt es dafür eine Grenze, die wir nicht überschreiten sollten? Das ist eine Frage, die auch die christliche Ethik nicht eindeutig beantworten kann.
Die Frage stellt sich in der Debatte um die Organspende, über die in dieser Woche die Gesundheitsminister der Ländern berieten: Wenn bei einem Menschen der Hirntod eingetreten ist, sollte er dann mit seinen gesunden Organen nicht anderen Kranken helfen? Seit es die Transplantationsmedizin gibt, leben Tausende mit der Hoffnung auf das Organ, das ihnen ein Weiterleben ermöglichen kann: eine neue Leber, eine neue Lunge, ein neues Herz.
Ihre Hoffnung ist an Wartelisten gebunden und wer sich in ihre Lage versetzt, kann ihnen nur wünschen, dass sie nicht vergeblich warten müssen. Es stehen immer zu wenige Organe zur Verfügung, denn es sind nicht viele, die sich dafür entscheiden, einen Organspendeausweis auszufüllen. Jedes Jahr sterben tausend Menschen, weil sie das nötige Organ nicht bekommen.
Darum sagen nun Manche, wir sollten es in Deutschland genauso machen wie in anderen Ländern, dass die Organspende bei einem Hirntod der Normalfall ist und nur dann unterbleibt, wenn die Betroffenen sich ausdrücklich dagegen ausgesprochen haben. Es ist ein Akt christlicher Nächstenliebe, haben die Kirchen schon vor Jahren befunden, wenn ein Mensch bewusst und freiwillig seine Organe zur Transplantation zur Verfügung stellt.
Großer Segen - und doch tiefes inneres Widerstreben
Auch Eltern, die in die Organentnahme bei ihrem verstorbenen Kind einwilligen, sollten wissen, dass sie damit etwas Gutes tun. Sehr anrührend steht dafür der palästinensische Vater, der vor ein paar Jahren in einem israelischen Krankenhaus die Organe seines erschossenen Sohnes freigab. Seine großmütige Entscheidung hat Segen gebracht – noch weit über die medizinische Hilfe hinaus.
Ich habe das alles vor Augen und trage trotzdem keinen Organspendeausweis bei mir. Wer jetzt vermutet, dass ich ein wenig faul bin und Angst habe vor der Auseinandersetzung mit dem Tod – nun, ganz ausschließen kann ich das nicht. Aber nachgedacht habe ich schon und bin dabei immer wieder bei einem tiefen inneren Widerstreben gelandet. Ich möchte weder für mich noch für andere in diese Art des Sterbens einwilligen, bei der das Leben erst künstlich verlängert und dann chirurgisch beendet wird.
Ich kann mir gut vorstellen, dass die Möglichkeiten, eine Niere zu spenden, erweitert werden. Aber ich finde es falsch, wenn über den menschlichen Sterbeprozess verfügt wird. Ich glaube, dass die Würde des Menschen und die Achtung vor seiner Personalität gerade in den Stunden seines Sterbens gehütet werden müssen. Für mich gibt es diese Grenze, deren Überschreitung ich nicht mit vollziehen möchte.
Das Menschsein auf die Hirnfunktion reduzieren?
Es fällt mir nicht ganz leicht, das so klar zu sagen, da ich den Hilferuf der Kranken ja im Gewissen höre. In der Tat ist es leichter, das Thema einfach zu verdrängen. Mein Widerstreben ist aber doch mehr als eine Gefühlssache. Auch kenntnisreiche Ärzte haben gegen die Definition des Hirntodes ernsthafte Bedenken, auch sie wissen, dass die Organentnahme ein Eingriff in den Sterbeprozess ist. Und auch kluge Philosophen warnen davor, dass wir das Menschsein auf die Hirnfunktionen reduzieren.
Vor allem aber gibt mir immer wieder zu denken, dass die Menschen aller Kulturen über die Zeiten hinweg ihre Toten geachtet und ihnen Ruhe gegönnt haben – in tiefem Respekt vor dem großen Geheimnis des Sterbens. Ich gehöre zu denen, die sich von dieser Tradition nicht lösen wollen. Und zugleich verstehe ich, dass andere den Gesichtspunkt, mit der Freigabe ihrer Organe helfen zu können, noch wichtiger finden.
Die Organspende sollte eine freiwillige Entscheidung bleiben, dafür treten auch die Kirchen ein. Wer dafür wirbt, sollte umfassend darüber informieren – und von uns als Bürgerinnen und Bürgern darf man erwarten, dass wir der Entscheidung nicht ausweichen, sondern ernsthaft darüber nachdenken.
Diese Andacht von Pfarrerin Angelika Obert aus Berlin lief am 1. Juli 2011 in der Rubrik "Gedanken zur Woche" im Deutschlandfunk. (Foto: rundfunk.evangelisch.de)







Kommentare
So wird manipuliert
12000 Menschen warten auf eine Organspende. Einfache Lösung: wenn jeder einen Spendeausweis hat, ist das Problem gelöst. Welch eine Propaganda!
2010 sind 3648 Menschen bei Unfällen ums Leben gekommen. Selbst wenn alle einen Spenderausweis gehabt hätten, als Hirntote diagnostiziert worden wären und dann auch noch für Spende überhaupt in Frage gekommen wären - es hätte lange nicht gereicht.
Mit der 12000 wird ganz schön man ipuliert und moralischer Druck gemacht. Sollte die Zahl der Verkehrstoten noch weiter zurück gehen (was wir doch alle wollen), werden wir mit einem gewaltigen Defizit an Spenderorganen rechnen müssen - selbst bei 100% Zustimmung aller Bürger.
Wer rührt also warum die Werbetrommel?
Und wer verschweigt warum die wirklichen Vorgänge und Abläufe bei einer Organspende?
Ein paar interessante Äußerungen:
http://www.transplantation-information.de/hirntod_transplantation/hirnto...
Begriff?
Wenn ich zu Lebzeiten schriftlich festlege, was mit meinem Hab und Gut nach meinem Tod geschehen soll, nennt man dieses Papier ja Testament. Folglich wäre eine Verfügung über die Entnahme meiner Organe nach meinem Hirntod ja auch ein Testament. Aber damit lässt sich halt nicht so fröhlich die Werbetrommel schlagen.
Nachtfalter
Pfarrerin Angelika Obert,
ich kann ihre Andacht absolut nachvollziehen. Ich denke dieses Unwohlsein hat jeder, wer er sich fragt, ob er seine Organe nach dem "Tod" spenden möchte. Ich glaube, dass wir solche inneren Gefühle nicht ignorieren dürfen. Auch für mich bleibt wieder die Frage offen, ob ich Spender werden möchte. Die Andacht hat mir trotzdem weitergeholfen. Danke!
Der Artikel zeigt einmal
Der Artikel zeigt einmal mehr, dass sich der christliche Glaube vom Unglück und Leid der Menschen nährt. Anstatt wirklich gutes zu tun und Mitmenschen zumindest nach dem eigenen Ableben zu helfen versteckt man sich hinter irgendwelchem theologisch-ethischen Blabla, um dann mit der "Lösung" Glaube für die die besser ein Spenderorgan bräuchten parat zu stehen.
Selbstbestimmungsrecht
Leider steht Ihnen hier Ihr (Aber)Glaube einer ethisch richtigen Entscheidung im Weg. Da keine Seele existiert müssen lediglich die Gefühle der Angehörigen gegen die Chance auf neues Leben für einen Fremden abgewogen werden. Wie die Entscheidung hier auszufallen hat sollte klar sein: Ich möchte wenigstens durch meinen Tod einmal ein oder mehrere Leben retten können ....
Christian, für Sie steht von vornherein fest, was eine ethisch richtige Entscheidung ist? Sie wissen, dass keine Seele existiert? (Frau Obert hat das Wort übrigens nicht benutzt.) "Gefühle der Angehörigen" sind nicht so wichtig? Was berechtigt Sie, den Glauben eines Menschen als Aberglauben abzutun? Warum meinen Sie, Ihr Standpunkt sei der einzig mögliche?
Respekt vor Ihrer Entscheidung, fremdes Leben verlängern (nicht "retten") zu wollen. Aber zu behaupten, das sei die einzig richtige Entscheidung, finde ich schon heikel. Ich denke, dass man das nicht mit solcher Absolutheit einfach einfordern kann. Respektieren Sie die Würde des Sterbens und das Selbstbestimmungsrecht anderer Menschen; respektieren Sie die Zweifel an interessengeleiteten medizinischen Definitionen des Todes, den in Wirklichkeit noch keiner enträtselt hat. Ich hoffe für Sie , dass auch Sie (wie auch immer) eines Tages in Frieden sterben können.
- Streite dich nicht mit einem Dummkopf. Er zieht dich auf sein Niveau herunter und schlägt dich dort mit seiner Erfahrung. (Quelle unbekannt)-
Miserable Basis
Danke für die Feststellung, dass Sie es nicht mit absoluter Gewissheit ausschließen können. Was also, wenn Sie sich irren? Ich habe gar nicht vor, den Beweis für die Existenz einer Seele anzutreten. Ich weiß auch nicht, ob es dieser Begriff ist, der hier trifft. Sie verknüpfen mit Ihrer Logik "Hirnfunktion" und "Seele": "Sie macht sich Sorgen um eine hirntote Person, was ohne die Existenze einer Seele einen Widerspruch darstellt." Wer sagt eigentlich, dass "Seele" an den Hirnfunktionen hängt? Sie sagen das. Ich wäre mir nicht so sicher.
Mit dieser Frage tragen Sie nicht gerade positiv zu meinem Bild von christlicher Moral bei. Ich bin ehrlich gesagt geschockt dass Sie ernsthaft in Erwägung ziehen, die Gefühle der Angehörigen überwiegen zu lassen.
Ich habe von "überwiegen" nichts gesagt. Aber berücksichtigen und respektieren sollte man sie sehr wohl. Wenn ich Sie recht verstehe, sind diese Gefühle einfach zu vernachlässigen. Ich weiß gerade nicht, wer es gesagt hat: "Ich muss meinen Tod nur sterben; die anderen müssen damit leben." Der Tod hat unter anderem die Eigenschaft, Beziehungen zu zerstören. Der Eingriff in den Sterbeprozess kann, wie Erfahrungsberichte von Angehörigen gezeigt haben, weitreichende und jahrelange Folgen haben.
Ich bin auch nicht damit einverstanden, wenn Sie meine Haltung einfach als "christliche Moral" einsortieren. (Sie haben mehrfach deutlich gemacht, dass Sie vom christlichen Glauben sowieso kein positives Bild haben; darum wäre ich überrascht, wenn nun ausgerechnet meine Meinung Ihre Haltung beeinflussen könnte.) Ich glaube an Gott, und dieser Glaube beeinflusst ganz zweifellos auch ethische Überlegungen. Dass es "die" christliche Moral so nicht gibt, zeigt die kontroverse Debatte über die Präimplanationsdiagnostik, in der Christen einander diametral entgegengesetzte Standpunkte vertreten. Es gibt auch Christen, die engagierte Verfechter der Organspende sind und so weit gehen, sie (unter dem Stichwort der Nächstenliebe) für Christenpflicht zu halten. So einfach ist's also nicht. Manche Christen meinen, aus der Bibel jederzeit mit hundertprozentiger Gewissheit den Willen Gottes und damit klare Anweisungen für eigenes Handeln entnehmen zu können. Das kann man nicht. Die Bibel ist kein moralisches Handbuch. Sonst wäre ja alles ganz einfach - für Christen und für Atheisten ;-)
Damit setzen Sie Ihren Verstand als eine absolute Instanz, die Sie berechtigt, glaubenden Menschen den Verstand abzusprechen. Also nicht nur Frau Pfarrerin Obert, sondern auch mir. Das ist, denke ich, eine miserable Basis für Gespräche.
Coriander
- Streite dich nicht mit einem Dummkopf. Er zieht dich auf sein Niveau herunter und schlägt dich dort mit seiner Erfahrung. (Quelle unbekannt)-
Seele oder Persönlichkeit
Zu Ihrer Information, ich bin des Englischen mächtig. Ich kann nur keine Flash-Videos gucken. Trotzdem danke für den Link.
Ob Sie nun Seele oder Persönlichkeit sagen, ist gehupft wie gesprungen. Sie sehen einen Widerspruch, wo ich keinen sehe, da ich dem Axiom, dass Hirnfunktion und Persönlichkeit identisch seien, nicht ohne weiteres zustimmen kann.
Vielleicht taugt er ja nicht für alle Bereiche. Vielleicht gibt's ja wirklich Dinge zwischen Himmel und Erde, die Ihr und mein Verstand nicht vollständig erfassen kann. Ich bin sogar ziemlich sicher, dass dem so ist. Sonst wären wir wirklich wie Gott (jetzt mal ganz unabhängig davon, dass ich an Gott glaube und Sie nicht).
- Streite dich nicht mit einem Dummkopf. Er zieht dich auf sein Niveau herunter und schlägt dich dort mit seiner Erfahrung. (Quelle unbekannt)-
Was für ein Zynismus!
Ein in schöne Worte verpackter Zynismus! Hat sich die Verfasserin je gefragt, was so eine "Andacht" bei Menschen auslöst, die vielleicht gerade verzweifelt auf ein Spendenorgan warten, weil sie leben möchten? Was ist groß am Sterben, wenn daneben einer gerettet werden könnte, aber nicht wird? Wo bleibt seine Menschenwürde? Kann die Verfasserin guten Gewissens einem solchen Menschen ins Gesicht sagen: "Wir wollen jetzt Deinen möglichen Organspender in Würde sterben lassen. Dazu mußt Du Deinen Beitrag leisten und auch bald in Würde sterben." Nichts anderes bedeutet dieser Zynismus.
By the way: Warum predigen Pfarrersleute ständig irgendwelchen politischen oder ethisch unausgegorenen Schmonzes? Warum reden sie nicht von Gott, wie es ihr Job wäre?
Das hat zwei Seiten
Können Sie denn einem Sterbenden guten Gewissens sagen: "Ach, du stirbst gerade? Tut mir leid, ist nicht so wichtig, du musst einem anderen sein Leben verlängern"? Der eine stirbt ja "sowieso", dem darf man also das letzte Stück seines Weges getrost und unwiderruflich verkürzen? Und der andere wird "gerettet"? Er wird überhaupt nicht "gerettet". Er stirbt auch. Nur später. Er stirbt auch jetzt nicht, weil ein anderer böser Mensch ihm ein Organ verweigert, sondern weil sein eigenes den Dienst versagt.
Wenn das eine "Zynismus" ist, dann das andere nicht weniger. Es geht hier gerade darum, dass wir nicht wirklich wissen können, was da am Ende des Lebens geschieht. Jeder hat nur einen Tod, und ich finde, keiner hat das Recht, über diesen Tod zu verfügen.
Und ja, bei allem Respekt vor dem Wunsch, seines Lebens Zeit doch noch eine Spanne hinzusetzen zu können: Aber vielleicht gehört das wirklich zur Würde des Lebens, den eigenen Tod anzunehmen. (Ps 90)
Ich will in Ruhe sterben können, und wenn ich sterbe, weil ein Organ nicht mitmacht, dann möchte ich keins von einem anderen Menschen erhalten, der gerade auf seinem letzten Stück unterwegs ist.
- Streite dich nicht mit einem Dummkopf. Er zieht dich auf sein Niveau herunter und schlägt dich dort mit seiner Erfahrung. (Quelle unbekannt)-
Strohpuppe
Das ist mir schon klar, dass nicht Menschen bei vollem Bewusstsein getötet werden sollen. Ich habe diese zugespitzte, fiktive Anrede an einen Sterbenden Ihrer gleichfalls polemisch zugespitzten Rede an den auf ein Spenderorgan wartenden Kranken bewusst gegenüber gestellt, um deutlich zu machen, dass beide Menschen Rechte haben und Respekt verdienen.
Der Tod ist nach meiner Überzeugung ein Teil des Lebens; ein Mensch hat nur den einen Tod; und das Ende des Lebens hat wie der Anfang eine Dimension, die Sie mit ausschließlich medizinisch-naturwissenschaftichen Kategorien nicht in den Griff bekommen. Das habe ich mit den Worten "auf dem letzten Stück unterwegs" zu beschreiben versucht. Ich glaube, dass man nach Ihren Begriffen "tot" und dennoch unterwegs sein kann.
Ich mache Ihnen keine Vorschriften und sage Ihnen nicht, was Sie zu tun haben. Ich respektiere Ihre Haltung: Sie haben keine Seele, und wenn Sie "hirntot" sind, sind Sie tot und stellen Ihren Körper zur Verfügung, um anderen Menschen damit zu helfen. Das ist aus Ihrer Sicht konsequent und löblich. Es muss aber Schutz und Respekt geben auch für Menschen, die Leben und Tod anders betrachten und einen ungestörten Tod für ein Menschenrecht halten.
Ich empfinde das Wort "retten" in diesem Zusammenhang als emotional aufgeladen und geeignet, moralischen Druck in Richtung Organspende zu erzeugen. Nach dem Sprachgebrauch haben Sie recht. Wenn man einen Ertrinkenden aus dem Wasser zieht, so rettet man ihn - für den Augenblick. Und das ist auch sehr gut so. Nur finde ich eben, dass in dieser Diskussion auch durch ein Wort wie "Leben retten" das Recht zu einseitig auf der Seite des vorläufig weiterlebenden Menschen gesehen wird; darum ist es mir wichtig, daran zu erinnern, dass alle Anstrengungen sein Leben allenfalls verlängern können.
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Unterschied
Nein. Es geht (hier!) nicht um eine "würdige" Behandlung meines Körpers nach meinem Tod. Es geht um einen möglichen Eingriff in den Sterbeprozess. Das ist ein Unterschied.
Sie glauben, dass das Sterben vorüber ist, wenn erst "Hirntod" diagnostiziert wird. Andere Menschen, auch ich, bezweifeln dies.
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Zusammenfassung
Da ich Ihre und meine Position zusammengefasst hatte (Sie denken ... - ich bezweifle dies), muss ich nicht noch einmal alles als Begründung wiederholen, was bereits gesagt wurde.
Wenn sich schon Medizin und Naturwissenschaft nicht einig sind, wie es sich mit dem Hirntod tatsächlich verhält, sind mir diese Zweifel erst recht gestattet.
Sie müssen sie gar nicht teilen; aber es wäre schön, wenn Sie die Einstellungen und Motive anderer Menschen respektieren und ihre Entscheidungen tolerieren würden, statt Ihre eigenen Erkenntnisse und Meinungen zum allgemeinen Maßstab auch für andere zu erheben. Ganz unabhängig davon, wer am Ende recht behält.
Und ich bin der Meinung, dass solcher Respekt sich in der Gesetzgebung widerzuspiegeln habe, so dass nicht automatisch hinweggegangen wird über die Wünsche und Befürchtungen derjenigen, die einen ungestörten Tod wünschen, auch und gerade, wenn offensichtlich eben keine Einigkeit darüber herrscht, was der Tod genau ist. Weil wir es eben nicht wissen können. Es gibt Zweifel an der Hirntod-Definition; und solange es sie gibt, muss Rücksicht darauf genommen werden.
- Streite dich nicht mit einem Dummkopf. Er zieht dich auf sein Niveau herunter und schlägt dich dort mit seiner Erfahrung. (Quelle unbekannt)-
Hirntod und Lebenstod
So, und wer hat nun das Recht, über den Blickwinkel zu entscheiden? Ich gebe zu bedenken, dass eine "Organentnahme" nur möglich ist, solange der Organismus noch lebt. Niemand weiß, was der Sterbende selbst noch erlebt. Mir ist bekannt, dass für eine Organentnahme so hohe Dosen an Sedativa und Relaxantien (Also Beruhigungs- und Entspannungsmittel) geben werden müssen, dass die Organe u.U. unbrauchbar werden. Andernfalls steigen aber Blutdruck und Pulsfrequenz derart, dass sie ebenfalls unbrauchbar werden. Und ich kann auch verstehen, dass Menschen sich dagegen sträuben, mechanisch als "Ersaztteillager" betrachtet zu werden. Ich selbst habe shon lange einen Ausweis bei mir. Ich will kein Spender sein und auch kein fremdes Organ bekommen. Und ich finde es auch fragwürdig, Menschen zu einer Entscheidung zu zwingen, auch wenn ich für mich entschieden habe.
Konsequenz auch in die andere Richtung
Mir kommt bei der Andacht folgende Frage in den Sinn: ob Pfr.in Obert auch auf eine Organspende verzichten würde, wenn es um ihr Leben ginge oder gar um das eines eigenen Kindes? Selber nicht Spenden zu wollen ist die eine Seite, aber im Fall des Falles auf ein Spenderorgan zu verzichten die andere. Ich habe einen Organspendeausweis und gehe auch regelmäßig zur Blutspende. Das was mich ausmacht ist nicht mein Körper, er ist vergänglich und nur die Hülle meines Seins.
Geht mir auch so.
Geht mir auch so.
Mehr als alles behüte dein Herz! Denn in ihm entspringt die Quelle des Lebens. (Sprüche4,23)
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