Papst Johannes Paul II. in Rom seliggesprochen

Papst Johannes Paul II.

Ein Bildnis von Johannes Paul II. ziert während der Feier zur Seligsprechung des verstorbenen Papstes die Balustrade des Petersdoms. Foto: dpa / Michael Kappeler

Zeremonie - So lächelnd und gelöst hatte die Welt Benedikt XVI. noch nie erlebt. Durch die Begeisterung von rund 1,5 Millionen Pilgern sichtlich bewegt sprach der Papst seinen Vorgänger Johannes Paul II. (1920-2005) bei einer feierlichen Messe auf Roms Petersplatz selig. Dabei legte er in Anwesenheit von hochrangigen Delegationen aus aller Welt, Vertretern von Königshäusern sowie Staats- und Regierungschefs überraschend seine sprichwörtliche Zurückhaltung ab und zeigte offen seine Freude.

Von Bettina Gabbe

Die von einem massiven Sicherheitsaufgebot bewachte Gegend rund um den Vatikan und die Plätze, auf die die Feier auf Großleinwänden übertragen wurde, verwandelten sich seit den frühen Morgenstunden in ein Menschenmeer. Bereits um zwei Uhr nachts wurden die ersten Pilger auf den Petersplatz gelassen, um den Druck der andrängenden Massen zu mindern.

Als besonderes Zeichen der Verbundenheit mit Johannes Paul legte Benedikt bei der Seligsprechung liturgische Gewänder seines Vorgängers an, die dieser bei wichtigen Zeremonien auf dem Petersplatz getragen hatte. Nachdem der römische Kardinalvikar Agostino Vallini den Papst feierlich um die Erhebung Johannes Pauls zur Ehre der Altäre gebeten hatte, sprach Benedikt diesen von angespanntem Schweigen der Gläubigen begleitet mit der traditionellen lateinischen Formel selig und bestimmte den 22. Oktober zu seinem Festtag. Sichtlich bewegt empfing der Papst aus der Hand der französischen Ordensfrau, die auf ein Wunder Johannes Pauls hin vom Parkinson geheilt worden sein soll, eine Ampulle mit dem Blut des neuen Seligen.

Tränen und stürmischer Applaus

Als nach der Seligsprechungsformel ein Wandteppich mit dem Bild Johannes Pauls enthüllt wurde, brach auf dem Petersplatz stürmender Applaus los. Viele der anwesenden Gläubigen weinten vor Bewegung. Andere forderten wie bei der Trauerfeier für den polnischen Papst vor sechs Jahren mit dem Slogan "Santo subito" dessen sofortige Heiligsprechung. Dem Kirchenrecht gemäß muss dafür zunächst ein weiteres Wunder anerkannt werden. Heilige gelten dagegen als Vorbilder für Katholiken weltweit. Das mit sechs Jahren schnellste Verfahren zur Seligsprechung in der jüngsten Kirchengeschichte löste jedoch auch kritische Reaktionen aus.

Benedikt verwies jedoch auf die weltweite Anteilnahme am Tod seines Vorgängers, die ihn davon überzeugt habe, dass ein rasches Seligsprechungsverfahren gerechtfertigt sei. Im Normalfall müssen nach dem Tod eines Kandidaten fünf Jahre vergehen, bevor das Seligsprechungsverfahren überhaupt eröffnet werden kann. Das gesamte Prozedere dauert im Regelfall Jahrzehnte. Eine Ausnahme schien in diesem Fall selbst das römische Aprilwetter zu machen, als die Wolkendecke nach anhaltendem Regen unmittelbar vor der Seligsprechung plötzlich aufriss.

"Mit der Kraft eines Riesen"

"Er hat uns geholfen, keine Angst vor der Wahrheit zu haben, denn die Wahrheit ist die Garantie der Freiheit", sagte Benedikt in seiner Predigt über den Papst, dem er Jahrzehnte lang selbst als engster Mitarbeiter zur Seite gestanden hatte. In einer Zeit wachsender Globalisierung habe Johannes Paul die christliche Botschaft dennoch in Gesellschaft, Kultur, Wirtschaft und Politik hineingetragen. "Mit der Kraft eines Riesen hat er eine Tendenz umgedreht, die unumkehrbar erscheinen mochte", sagte er mit Blick auf die Säkularisierung der Gesellschaft.

Nach der Seligsprechung zog Benedikt mit den anwesenden Kardinälen in das Innere des Petersdoms, um ein stilles Gebet an dem eigens aus diesem Anlass vor dem Hauptaltar aufgebahrten Sarg seines Vorgängers zu sprechen. Bis fünf Uhr morgens sollten anschließend die Tore der Basilika geöffnet bleiben, damit die Pilger den aus den Vatikanischen Grotten in die Basilika verlegten Sarg mit den sterblichen Überresten des neuen Seligen besuchen konnten.

epd

Kommentare

Verfasst von ernstwalter am 2. Mai 2011 - 18:18.

Seliggesprochen

Aber nicht im Namen der höchsten Instanz. Walter Wasilewski

Aber nicht im Namen der höchsten Instanz. Walter Wasilewski

Verfasst von Schnakenfuß am 2. Mai 2011 - 19:16.

sorry...

.... aber der Selig- oder Heiligsprechung eines Menschen kann ich rein gar...

.... aber der Selig- oder Heiligsprechung eines Menschen kann ich rein gar nichts abgewinnen.

Karol Wojtyła war ein vorbildlicher Mensch und Christ und als Papst Johannes Paul II. sicher ein guter Papst. Aber wie kann man auf die Idee kommen, zu einem Toten um Gesundung zu beten, wie die französische Ordensfrau es tat. Das sind ja animistische Vorstellungen wie im tiefsten Dschungel.

"Ich bin der Herr, dein Arzt" sagt Gott in 2. Mose 15,26

Und es gibt niemand anderen, zu dem wir beten sollen, als Jesus Christus allein!

 

Verfasst von Gast am 3. Mai 2011 - 8:59.
Kommentar auf: sorry...

Gott heilt

Es wird immer Gott angerufen, wenn sich ein Christ ab einen Heiligen wendet....

Es wird immer Gott angerufen, wenn sich ein Christ ab einen Heiligen wendet.
Gott ist allmächtig.Vor ihm beuge ich meine Knie.
Gleichwohl kann ich mich im Gebet an einen Heiligen wenden und um seine Fürsprache bei Gott bitten.Diese wird auch oft erhört, wie zahlreiche Heilungen zeigen.Heilige sind wie ein Licht, dass uns immer an den dreieinigen Gott erinnert.Der selige Papst Paul II verbindet uns auch über seinen Tod hinaus intensiv mit Gott.Heilige sind auch wie ein Fels in der Brandung; Anker für den Glauben durch Vorbild.

Verfasst von Schnakenfuß am 3. Mai 2011 - 10:04.
Kommentar auf: Gott heilt

Lieber Gast...

... zeig mir bitte biblische Belege für diese aus meiner Sicht nicht...

... zeig mir bitte biblische Belege für diese aus meiner Sicht nicht haltbare Lehre. Denn als Christ wirst Du mit mir der Meinung sein, dass die Bibel die Grundlage unseres Glaubens und der christlichen Lehre ist.

Ich denke, das wirst keine Belege finden. So stehe ich staunend vor dem unerklärlichem Vorrecht, selbst Zugang zum Thronsaal des Allerhöchsten haben zu dürfen, ohne Vermittlungen Verstorbener, sondern durch Jesus Christus:

"Weil wir denn einen großen Hohenpriester haben, Jesus, den Sohn Gottes, der die Himmel durchschritten hat, so lasst uns festhalten an dem Bekenntnis .....und hinzutreten mit Zuversicht zu dem Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zu der Zeit, wenn wir Hilfe nötig haben." Hebr. 4,14 ff.

"Wir haben einen solchen Hohenpriester, der da sitzt zur Rechten des Thrones der Majestät im Himmel" Hebr. 8,1

 

 

Verfasst von CR am 5. Mai 2011 - 9:34.
Kommentar auf: Lieber Gast...

Skeptiker

Auch Benedikt XVI. ist in früheren Jahren eher ein Skeptiker in Bezug auf...

Auch Benedikt XVI. ist in früheren Jahren eher ein Skeptiker in Bezug auf Heilig und Selige gewesen, bis ihn die tiefe Spiritualität oder besser gesagt der tiefe Glaube Johannes Pauls davon überzeugte, wie wichtig diese Vorbilder im Glauben sind. Johannes Paul hat mehr Menschen ins Register der Seligen und Heiligen aufgenommen, als alle seine Vorgänger zusammen. So zumindest die Statistik.

Auch jedem Katholiken ist dieses Vorrecht einzuräumen, gibt aber dann doch Situationen, in denen es gut tut, Fürsprecher an seiner Seite zu haben.

Mit einer "Seligsprecher" stellt die römische Kirche einen durch Gott erteilten Gnadenakt ja nur fest. Gott hat ihn auserwählt, nicht die römische Kirche. Und dabei macht es sich die römische Kirche nicht wirklich einfach. Bei manchen Verstorbenen läuft der Prozess seit Jahrzehnten.

Das mag auf den ersten Blick etwas konfus anmuten, wird aber u.a. auch in Bezug auf Jesu Worte am Kreuz so praktiziert. Hier triff Jesus eine Wahl, er entscheidet an Ort und Stelle über die Aufnahme eines (bald) Verstorbenen ins Paradies. Vielleicht der erste Selige der Kirche.

Wie auch immer, kein Katholik hat die Pflicht, sich an Heilige zu wenden. Das wichtigste Gebet ist immer noch mit "Vater unser" und das Zweite Vaticanum hat festgehalten, dass die "Gemeinschaft der Heiligen" die Gemeinschaft aller christgläubigen Schwestern und Brüder ist. Als Katholik hat man die Möglichkeit, die Chance, sich einen Fürsprecher auszuwählen, der das Anliegen bei Gott mit unterstützt. Aber es ist nicht so, dass die Heiligen die Vorzimmerdamen in Gottes Amtsstube wären, die erst mal die Gästeliste prüfen, ob jemand auch vorgelassen werden darf.

Verfasst von ernstwalter am 3. Mai 2011 - 9:53.
Kommentar auf: Gott heilt

Gott ist Liebe

Gott opfert seinen Sohn und wer wagt es ihn als hart, unbarmherzig zu nennen ?...

Gott opfert seinen Sohn und wer wagt es ihn als hart, unbarmherzig zu nennen ? Karfreitag mach Fürbitter  überflüssig. Johannes Paul ist in Gottes Hand und der Erdenmacht entzogen. Hören wir auf Gott als unbarmherzig darzustellen. Er vergibt ohne Auflagen ohne Fürsprecher. Amen

Walter Wasilewski

Verfasst von Christian1980 am 2. Mai 2011 - 7:59.

Als Protestant...

...mutet die Untersuchung des Heilungswunders als Vorbedingung für Selig-...

...mutet die Untersuchung des Heilungswunders als Vorbedingung für Selig- und Heiligsprechung zwar etwas seltsam an, dennoch konnte ich mich gestern mit den katholischen Glaubensbrüdern und -schwestern freuen. Unbestreitbar dürfte schließlich sein, welche Verdienste sich Johannes Paul II. nicht nur hinsichtlich des Bildes des christlichen Glaubens in der Welt, der Friedensmission der Kirche und der kirchlichen Aussöhnung mit dem jüdischen Volk, sondern darüber hinaus bei der friedlichen Niederringung des Kommunismus in seinem Heimatland und infolge dessen auch überall auf der Welt erworben hat. Ein großes Vorbild, sicher auch für die meisten Protestanten.

---
"Frischer Wind" auf ScienceBlogs.de
"ex libris" auf evangelisch.de

Verfasst von Gast am 1. Mai 2011 - 18:55.

Große Freude

Die Seligsprechung von Papst Paul II erfüllt mich mit großer Freude. Was dieser...

Die Seligsprechung von Papst Paul II erfüllt mich mit großer Freude.
Was dieser Papst für den Glauben der Christen getan hat ist kaum zu ermessen.

Papst Paul II hat viele Heiligsprechungen vorgenommen u.a. die von Pater Pio.
Pater Pio hatte dem Papst als jungen Mann bereits vorausgesagt, dass er einmal Papst wird.Beide waren große Verehrer von Maria und dem Rosenkranzgebet.Auch das Sakrament der Beichte und die Eucharistie war ihnen immer wichtig.
Schön, dass der Himmel unmittelbar vor der Seligsprechung aufriss.
Lasst uns für alle Zeugen des wahren Glaubens beten. Dank sei Gott dem Herrn,jetzt und in alle Ewigkeit, Amen.

Kommentar hinzufügen

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • Zulässige HTML-Tags: <a> <em> <strong> <cite> <code> <ul> <ol> <li> <dl> <dt> <dd><p><embed><param><object>
  • Zeilen und Absätze werden automatisch erzeugt.
  • Du kannst andere Kommentare mit [quote]-Tags zitieren.

Weitere Informationen über Formatierungsoptionen

Type the characters you see in this picture. (verify using audio)
Type the characters you see in the picture above; if you can't read them, submit the form and a new image will be generated. Not case sensitive.