Kirchentag - Der Wittenberger Theologe Friedrich Schorlemmer macht seine Ankündigung wahr und bleibt dem 2. Ökumenischen Kirchentag (ÖKT) im Mai in München fern. Grund ist das fehlende gemeinsame Abendmahl von Protestanten und Katholiken. Beim ÖKT soll es lediglich eine orthodoxe Mahlfeier geben.
"Ich fahre nicht hin", heißt es in einem Beitrag des evangelischen Pfarrers und früheren DDR-Bürgerrechtlers für das in Oberursel bei Frankfurt erscheinende ökumenische Magazin "Publik-Forum". Grund sei vor allem die anhaltende Trennung beim Abendmahl zwischen Protestanten und Katholiken: "Ich frage alle, die schon jahrzehntelang sagen 'Wir sind noch nicht so weit': Wann wird denn dieser Tag kommen, an dem wir bereit sind - und wer ist hier 'wir'?"
"Die Ökumene-Bremse bleibt offenbar fest angezogen", fügte Schorlemmer hinzu, der im Herbst 1989 zu den Begründern der Reformbewegung "Demokratischer Aufbruch" gehörte. Zum Thema gemeinsames Abendmahl sagte er: "Bis alle Lehrdifferenzen ausgeräumt sind, könnte es noch mal 500 Jahre dauern, weil sich kirchenrechtlich und ekklesiologisch kaum etwas bewegt. Wollen wir deshalb 500 Jahre hungern?" Die Ausgabe "Publik-Forum" mit dem Schorlemmer-Beitrag erscheint am 9. April.
"Römische Anmaßung"
Zu den Problemen in der Ökumene erklärte der 65-jährige Theologe, er habe als evangelischer Christ keine Schwierigkeiten, die römisch-katholische Kirche in vollem Sinne als Kirche anzuerkennen. "Und ich möchte gern erwarten, dass wir - wenn wir Ökumene ernst nehmen - auch von den katholischen Geschwistern in vollem Sinne als eine Kirche Jesu Christi verstanden werden. Alles andere ist römische Anmaßung." Diese gelte seinem Anschein nach auch noch in München, daher sei dies ein "Kirchentag von oben".
Er verstehe, dass die theologische Diskussion noch nicht so weit sei, dass in München beim Schlussgottesdienst ein offizielles katholisch-evangelisches Abendmahl gefeiert wird, räumte Schorlemmer ein. "Dazu sind theologische Barrieren 'von oben' - auch Fremdheiten und innere Widerstände - immer noch zu groß." Es sei aber nicht einzusehen, wieso beim Kirchentag Christen während der Gottesdienste sich nicht gegenseitig zum Abendmahl einladen dürfen.
Für Nichtchristen unbegreiflich
"Herr über unseren Glauben sind nicht unsere Oberherren, sondern es ist der Herr. Und der gibt uns Freiheit", so Schorlemmer mit Blick auf Jesus Christus. Es reiche nicht, was die "Macher" des Ökumenischen Kirchentages "sich auf die Fahnen geschrieben haben: dass wir ein gemeinsames ethisches, geistliches, politisches Zeugnis nach außen ablegen - wenn wir Gemeinsamkeit nach innen viel zu wenig finden, vor allem im Zentralen nicht". Es sei zudem für Nichtchristen unbegreiflich, dass sich Christen im Kernbereich ihres Glaubens voneinander absperren - "wegen tradierter Lehrunterschiede!"
Schorlemmer hatte schon beim Bremer evangelischen Kirchentag im vergangenen Jahr angekündigt, nicht zum ÖKT kommen zu wollen, wenn es dort nicht Orte eucharistischer Gastbereitschaft gebe. Der evangelische ÖKT-Präsident Eckhard Nagel hatte die Äußerung des Wittenberger Theologen seierzeit als "bescheuert" bezeichnet. Wenn man boykottiere, könne man auch nichts verändern. Auf der anderen Seite, so Nagel, benötige der Kirchentag "erkennbare Symbole", die Fortschritte in der Ökumene erkennbar machten.







Kommentare
Etikettenschwindel
Das ist natürlich ein hartes Wort von dem evangelischen Vordenker Friedrich Schorlemmer, aber er hat recht - und es betrifft nicht nur die Abendmahls-/Eucharistie-Frage! Die ganze Veranstatlung in München muss sich doch die Frage stellen: Was meinen wir eigentlich mich "ökumenisch"? Es gibt grundsätzliche und gegensätzliche Gegensätze bei der Auslegung der Anwendung von "ökumenisch" - besonders stark zwischen römisch-katholisch und evangelisch ... Und noch weiter gefragt: Ist nicht vielleicht die christliche Kirche in allen Schattierungen ein "Etikettenschwindel", wenn man an die Jesus-Botschaft und Jesus-Bewegung denkt?
Verzeihen Sie, Martin 1483,
Verzeihen Sie, Martin 1483, aber unter Umständen könnte es hilfreich sein, sich die Unterschiede zwischen Respekt und Anbiederung etwas genauer zu überlegen.
Was Sie als Aufgabe evangelischer Errungenschaften wahrnehmen, empfinde ich als Wahrnehmung der evangelischen Freiheit: Ich bin so frei, meinen Geschwistern eine eigene Ansicht zuzugestehen, auch wenn ich sie nicht teile und sie mich sogar schmerzt. Aber um des Evangeliums Willen und um der weiteren Gespräche willen, nehme ich Rücksicht.
Ich finde die Haltung von
Ich finde die Haltung von Herrn Schorlemmer kindisch und respektlos, gerade WEIL es mich schmerzt, dass wir nicht mit den katholischen Geschwistern gemeinsam das Mahl des Herren feiern dürfen. Aber nun ist es einmal so und es ist nicht an uns evangelischen da derartigen Druck aufzubauen. An uns ist es vielmehr, mit den Geschwistern im Gespräch zu bleiben, von uns aus die Einladungen auszusprechen, die wir aussprechen können. Zu allererst ist es aber an uns evangelischen, die Haltung der katholischen Kirche zu respektieren, auch wenn wir sie nicht nachvollziehen können. Das GEbietet nach meinem Empfinden der Respekt und der Anstand.
Man stelle sich vor, zwei Partner in einer Beziehung zwischen Menschen, die sich langsam annähern. Der eine hat kein Problem mit Sex vor der Ehe, dem anderen ist dies total wichtig und er sagt dazu: ich mag Dich und ich mache gern sehr viel mit Dir gemeinsam, wir lernen einander kennen und wenn wir soweit sind, heiraten wir und dann können wir gern auch Sex haben. Nun kann der erstgenannte der beiden drei Möglichkeiten: 1. er respektiert und wartet. 2. Er lehnt (dankend) die Beziehung ab. 3. er vergewaltigt den andern Partner.
So verhält es sich auch in der Frage nach dem gemeinsamen Mahl. Scheinbar sieht Herr Schorlemmer nur die Alternativen 2 und 3. Er versucht Ökumene übers Knie zu brechen und richtet dabei mehr Schaden an als Nutzen.
Beide Kirchen sind in vielen - man möchte sagen in den wesentlichen - Punkten einig. Wir teilen das Credo und die Bibel, wir teilen auch die Bibelauslegung.
Wir sind aber absolut nicht einig darüber, was die Kirche und ihre Ämter angeht und darum ist es auch verfrüht von einer Einigung in der Lehre von der Rechtfertigung zu reden. Die katholische Kirche IST eine andere Kirche als wir evengelischen Kirche verstehen und auch wenn manches so ähnlich aussieht wie bei uns. Das müssen wir evangelischen endlich begreifen. Das letzte Konzil sagt es mit aller Klarheit: die römisch katholische Kirche, wie wir sie heute erleben - mit Papst und Bischöfen, mit allen Fehlern und allen Kirchengesetzen, ist die direkte irdische Entsprechung zu der Kirche, die wir im Credo bekennen. Die geweihten Priester sind wesenhaft von allen andern Menschen unterschieden. Die Bischöfe beanspruchen bis heute Lehrgewalt, d.h. was sie sagen gilt. Der Papst beansprucht bis heute - unter bestimmten Voraussetzungen - unfehlbar zu sein. Das alles ist etwas völlig anderes als wir das unter Kirche verstehen, die wir an Synoden gewohnt sind, die wir Begriffe wir evangelische Freiheit sehr hoch achten.
Ich halte es daher auch absolut nicht dienlich, wenn wir die Unterschiede, die trotz der Gemeinsamkeiten in wesentlichen Punkten bestehen, und die nun auch nicht gerade unwesentlich sind, einfach wegreden oder in ihrer durchaus kirchentrennenden Bedeutung herunter spielen wollten. Ich bin als evangelischer Pfarrer nun mal kein katholischer Priester und möchte es auch nicht sein. Ich nehme an, auch Herr Schorlemmer möchte sich nicht einem Bischof als dessen Helfer unterordnen, ich nehme auch nicht an, dass Herr Schorlemmer den Papst als obersten Leiter seiner Kirche mit allen entsprechenden Implikationen akzeptieren möchte. Ich nehme nicht an, dass Herr Schorlemmer bereit ist, ein eheloses Leben zu führen. etc...
Darum finde ich es recht unverfrohren, wenn er meint durch kindische Erpressungsversuche Druck aufzubauen, der eine Gemeinschaft erzwingen soll, die so ganz offenbar noch nicht an der Zeit ist. Etwas skurril wirkt die ganze Geschichte nun allerdings daher, weil Herr Schorlemmer einer von vielen evangelischen Pfarrern in seiner Landeskirche ist. Er hat seine Popularität, ganz sicher, aber von seinem Amt her ist er einer unter tausenden in Deutschland. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass er sich da etwas zu wichtig nimmt und Rom nichteinmal mitbekommt, dass ein gewisser Pfarrer aus Deutschland auf den Besuch des Kirchentages verzichtet ...
Danke, Herr Schorlemmer!
Stimmen, wie die von Friedrich Schorlemmer, sind bitter nötig. Sollen wir denn alle in das kirchenleitende Unisono vom großen ökumenischen Fortschritt der letzten Jahrzehnte und in die Mahnung zur Geduld brav mit einstimmen?
Wer an der ökumenischen Basis erfahren hat, wie bitter es sein kann, wenn man nach gelungenen gemeinsamen Aktionen am Tisch des Herrn auseinander dividiert wird, dem kann das diplomatengleiche Elfenbeinturmtheologisieren schon sauer aufstoßen. Wem die Kirche lieb und das Hl. Abendmahl teuer ist, der kann nicht nur ergeben darauf warten, was die da oben ausbrüten.
Bei vielen Kirchenfunktionären frage ich mich, ob sie die Trennung am Abendmahlstisch tatsächlich als Schmerz und Skandal empfinden oder dies nur theologisch korrekt so bezeichnen. Wenn wir nicht jedenfalls eine eucharistische Gastfreundschaft in absehbarer Zeit hinbekommen, müssen die Amtskirchen sich nicht wundern, wenn sie und ihre Verlautbarungen keine Beachtung mehr erfahren.
Danke, Bruder Schorlemmer, für Ihre deutlichen Worte!
Dem 2. Ökumenischen Kirchentag wünsche ich dennoch alle Gute.
Wir sind so weit,
wenn unsere protestantischen Schwestern und Brüder die Realpräsenz anerkennen.
Die Realpräsenz ist doch -
Die Realpräsenz ist doch - jedenfalls zwischen Römern und Lutheranern - überhaupt nicht der Streitpunkt. Das ist ein immer noch vielfach vorhandener Irrtum. Es geht ums Amt und ums Kirchesein.
"...Knien als Hierarchische
"...Knien als Hierarchische Geisteshaltung..."
Mit Verlaub, wenn schon Kritik, dann doch bitte auf einer fundierten Grundlage der Kenntnis von (auch) spirituellen Haltungen/Handlungen. Das Knien drückt die Demut gegenüber unserem Herrn aus. Sonst nichts!
Und was genau ist mit "protestantischer Demokratie" gemeint?
Innerhalb der reformierten Kirche oder der lutherischen.... oder was?
Wie lange hat es übrigens gedauert, bis die evangelischen Kirche ein gegenseitiges Abendmahl zugelassen haben?
Also bitte nicht einfach bestehendes, als demokratischen Prozess deklarieren, der reinungslos einfach so von der "evangelischen Kirche" beschlossen worden wäre.
Das Problem liegt anderswo
Für mich hat die Frage der Abendmahlsfeier mit dem Kirchentag nicht viel zu tun. Es ist lange bekannt und wird es auch für den nächsten Kirchentag sein, dass es kein gemeinsames Abendmahl geben kann. Ob man es Etikettenschwindel nennt oder vielleicht auch "abgespeckte Ökumene", ist mir unwichtig - es gibt nur diesen einen ök. Kirchentag und ich muß ihn nehmen, wie er ist und hinfahren oder eben nicht. Schorlemmers Fernbleiben wird daran nichts ändern und die Hardliner auf beiden Seiten werden sich vom Verhalten eines so - Entschuldigung - in der großen Ökumene kleinen Lichts nicht beeindrucken lassen.
Und das ist das eigentlich Traurige - dass es diese Trennung überhaupt gibt, nachdem ausgerechnet das Abendmahl für die ersten Christen so wichtig gewesen ist. Und dass man am sogenannten "Verständnis" des Abendmahls Mauern aufbaut, die zumindest nicht biblisch belegbar sind. Und das hat mit Christus nichts mehr zu tun. Im Selbstlauf der Jahrhunderte sind Dogmen entstanden, die sich Menschen zurecht gedacht haben und heute für Heilsnotwendig erklären. Es ist doch völlig unwichtig, wie die beiden Großkirchen das Abendmahl dogmatisch festlegen, denn - davon bin ich überzeugt - wo Menschen im Namen von Jesus Brot und Wein teilen, da ist er dabei. Und dass Kirchenleitungen sich anmaßen, festzulegen, wo er dabei ist oder nicht, dass ist der eigentliche Skandal. Der kleine evangelische Christ X will einfach mit dem kleinen katholischen Christen Y die Gemeinschaft erleben, die Jesus gestiftet hat und Brot und Wein mit dem anderen teilen (dabei sollte schon mal über die liturgischen Formen nachgedacht werden, ein Stück gebackenes Mehl und ein Schluck Wein sind nicht gerade hilfreich). Insofern hat Schorlemmer in der Sache recht, dies populistisch am Kirchentag festzumachen, hilft dagegen niemandem. Eine gute Bibelarbeit zur Sache hätte sicher mehr Nutzen gebracht.
Und zuletzt: es erscheint zwar so, dass die katholische Kirche den größeren Anteil an der Trennung hat, aber wenns ans Eingemachte geht, kann es die evangelische Kirche auch nicht schlecht (ich bin evangelisch!). Wenn z.B.evangelische Pfarrer ein Problem darin sehen, wenn roter Wein beim Abendmahl gereicht wird und das auch noch theologisch begründen wollen und den Rotwein einfach abschaffen, dann wird mir schon gruselig.....wenn über solche Peanuts vor Ort solch Aufhebens gemacht wird, kann ich von der großen Ökumene keine Wunder erwarten......Es wird ein langer Weg sein, den beide Kirchen erst einmal für sich gehen müssen um Kirche für die Menschen zu werden, danach wird sich manches von selbst erledigen.
Kirchentag & Co
Dann soll Pfarrer Friedrich Schorlemmer halt vom Ökumenischen Kirchentag in München fortbleiben. Ich sehe da kein Problem. Über den Glauben und das Abendmahl kann man sich halt streiten. Und alle Lehrdifferenzen werden nie oder hoffentlich nie ausgeräumt sein...
...so Schorlemmer mit Blick auf Jesus Christus
Köstlich, diese 08/15-Journalistenwendung, die gar nicht ahnt, was sie sagt. Fernbleiben ist tatsächlich die beste Alternative zum Kirchtag von oben. Glückwunsch, Bruder Schorlemmer, Sie bleiben sich treu!
Das Gemeinsame tun
Dann eben nicht, Herrr Schorlemmer, dann trifft man sich halt anderswo. Sie sind ja öfters unterwegs. Meine Meinung ist: Wir können praktisch alles als konfessionsverschiedene Christen gemeinsam tun, wenn wir wollen, nur beim Abendmahl geht es nicht, so lange die katholische Kirche diese Sichtweise in Bezug auf ihr Amtsverständnis hat.
Manche empfinden diese Trennung schmerzhaft, ich nicht. Ich freue mich während der Eucharistie immer auf die nächste Abendmahlsfeier, an der ich teilnehmen kann. Ich Gedanken sehe ich einen Tisch mit den verschiedenen Kelchen.
Es wäre gut für das Bild der Kirche, wenn wir stärker das Gemeinsame betonen würden und nicht dies ewige Trennungsthema. Mal ehrlich, viel wichtiger ist es doch, dass man überhaupt hingeht und sich vorher mit seinem Bruder und seiner Schwester versöhnt. Oder?
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