Personal - Der theologische Nachwuchs wird knapp. Und das nicht nur bei den Katholiken. Auch die Zahl der evangelischen Pfarramtskandidaten ist in den vergangenen Jahren rückläufig gewesen. Auf der Suche nach den Gründen hat evangelisch.de nicht nur bei den zuständigen Personalreferenten nachgefragt, sondern auch bei denen, um die geworben wird: bei den Schülern auf dem Weg in einen Beruf.
Medial präsent ist der Mangel an nachrückenden Priestern vor allem in der katholischen Kirche. Zölibat und Unterdrückung von Homosexualität, diese beiden Gründe werden dafür gern ins Feld geführt. Doch bedeutet die Analyse im Umkehrschluss, dass evangelische Kirchen keine Nachwuchssorgen haben? Den Zölibat gibt es hier nicht, Homosexualität ist in vielen Landeskirchen auch im Pfarrhaus akzeptiert – also alles in Butter?
Im Gegenteil: Auch die Erben Martin Luthers kämpfen um neue Kollegen. "Wir brauchen Nachwuchs. Jeder, der geeignet ist, kann in unserer Kirche Pfarrer werden", beschwört Präses Rudolf Schulze im Mai 2011 die Synode seiner kurhessischen Kirche in Hofgeismar. Die Studierendenzahlen sind stark rückläufig und damit auch die Zahl derer, die ins Pfarramt drängen. Selbst die Hoffnung, dass der Theologenschwund mit dem Rückgang der Kirchenmitgliederzahlen einhergeht und die pastorale Grundversorgung – für wie viele Gemeindeglieder ist ein Pastor zuständig? – trügt, wie die Prognosen der Ausbildungsreferate in den Kirchenverwaltungen zeigen.
Kirche verliert die Hälfte ihres Personals
Hintergrund ist eine verfehlte Personalpolitik in den 1980er Jahren, an die Schulzes Aufruf fatal erinnert. Vor rund 30 bis 40 Jahren war der Pfarrdienst hoch attraktiv. Neue Geistliche wurden zuhauf in Dienst genommen. Ab 2016 werden große Teile dieser "Pfarrerschwemme" in den Ruhestand gehen – und damit verliert die Kirche innerhalb einer Dekade rund die Hälfte ihres Personals. Diese Lücke können nachrückende Theologen bei aller Anstrengung nicht schließen.
Auf der Suche nach Gründen für die Lustlosigkeit bei Berufsneulingen hört man in den zuständigen Kreisen immer wieder Klagen über die Verweiblichung des Rollenbildes "PfarrerIn". Wer an dieses Arbeitsfeld denkt, der habe vor allem den sozialen Touch vor Augen, als ob der Alltag aus "Kindergottesdienst und Seniorenarbeit" bestünde, so Karin Fries*, Mitarbeiterin am Referat für Personalförderung und Hochschulwesen an einer evangelischen Landeskirche. Für Männer sei das Fach dadurch unattraktiv geworden.
Ihre Wahrnehmung kann Fries auf viele Begegnungen und Gespräche stützen. Ein Vikar, Pfarramtskandidat in der praktischen Phase seiner Ausbildung, habe ihr neulich von seinen Kommilitoninnen berichtet. Viele hätten sich an der Uni nur deshalb für das Pfarramt eingeschrieben, weil das Studium für Grundschullehrer mit einem Numerus Clausus belegt gewesen sei. "Diese Tendenz soll gebrochen werden. Sonst wären die Pfarrerinnen am Ende die neuen Kindergärtnerinnen." Ein gesellschaftlich wichtiger Beruf, der aufgrund des Frauenüberschusses an gesellschaftlicher Akzeptanz verliert – ist das der Weg, auf dem sich das Kirchenpersonal befindet?
"Wir wollen mehr Männer"
"Wir wollen wieder mehr Männer im Studienfach Theologie", betont Fries, "und stellen deshalb den wissenschaftlichen Charakter und die Leitungsfunktion des Pfarramtes wieder deutlicher heraus. Ein Pfarrer führt viele Menschen und trägt große Verantwortung." Nicht zuletzt an den kirchlichen Publikationen für den Arbeitsmarkt sei dies zu erkennen: Auf den Flyern, Broschüren und Bannern lächeln vor allem Männer dem potenziellen Nachwuchs entgegen. "Bei den Tagungen für Interessierte lässt sich auch schon ein Trend beobachten: Hatten wir in den vergangenen Jahren immer deutlich mehr junge Frauen als Männer, so sind die Zahlen in diesem Jahr schon ausgeglichen." Aber liegt das wirklich am Erfolg der Werbemaßnahmen, oder kommt das neue Rollenbild bei der Zielgruppe gar nicht an?
Auf dem 7. Berufsinformationstag an der Pestalozzi-Schule in Idstein ergibt sich ein zweifelhaftes Bild. Der Stand der Theologen – eine Studentin, ein Pfarrer – befindet sich im gleichen Zimmer wie das Fach Psychologie. Zahlreiche Jugendliche und junge Erwachsene seufzen erleichtert, als sie den Raum endlich gefunden haben, wo sie all ihre Fragen loswerden können – bei den Psychologen. Für die Berufe Religionslehrer und Pfarrer interessiert sich fast keiner.
Gezielt auf ihre Vorstellungen hin angesprochen, bestätigt sich unter den jungen Leuten die beklagte Verweiblichung. "Was macht ein Pfarrer? Predigen, Gottesdienste vorbereiten, sich mit allem rund um die Bibel und mit dem Glauben beschäftigen. Auf jeden Fall läuft das eher in der sozialen Schiene, er muss sehr viel Gemeindearbeit machen", behauptet Tobias Grönlund, 19 Jahre alt. Er selbst studiert bereits Sport und Englisch, "und dann will ich noch BWL dazu nehmen, um Sportmanager zu werden". Dass Management auch im Pfarramt eine Rolle spielen könnte, ist ihm nicht bewusst.
Zu wenig abwechslungsreich?
"Für mich ist Theologie auch nichts", bekennt der 16-jährige Jannick Wick. "Lieber würde ich Polizist werden, wenn es sich ergibt. Der Beruf ist abwechslungsreich, man hat viel mit anderen Menschen zu tun, man arbeitet im Team und ist kein Einzelgänger. Außerdem ist man viel draußen und sitzt nicht die ganze Zeit im Büro." Dem Theologen misst er genau diesen Abwechslungsreichtum offenbar nicht zu. Bei den jungen Frauen ist das Interesse größer, auch wenn sich kaum jemand die Berufswahl wirklich vorstellen kann. So wie Doreen Gunkel, 17 Jahre alt. Sie hält Distanz zum Berufsbild "Pfarrerin", obwohl sie schon auf vielen Gemeindefreizeiten der als Teamerin dabei war. "Konfi-Unterricht würde ich total gerne machen, auch den Kindergottesdienst, aber Pfarrer in der Kirche zu sein, das ist mir ein Stück zu krass", gibt sie zu. "Für Seelsorge bin ich nicht belastbar genug. Die Probleme anderer Leute würde ich zu sehr mit nach Hause nehmen."
Dass die Wirklichkeit im Studium eine ganz andere ist und sich keineswegs in der sozialen Komponente erschöpft, betont die Studentin Lisa Gapp im Gespräch mit den Jugendlichen immer wieder. "Da gehört Literaturwissenschaft dazu, Psychologie und Pädagogik. Und man kann sich die Schwerpunkte setzen, die einem Spaß machen! Ich selbst hatte an Geschichte in der Schule überhaupt keinen Spaß. Jetzt belege ich in Kirchengeschichte genau die Kurse, die mich interessieren. Es ist herrlich!" Auch auf ihren späteren Beruf hat sie eine Perspektive, die dem Blick der Ausbildungsreferenten schon eher entspricht: "Man denkt es ja vom Pfarrer eigentlich nicht, aber in diesem Beruf ist man vor allem Manager." Einen männlichen Kandidaten für das Pfarramt konnte sie beim Idsteiner Berufsinformationstag trotzdem nicht werben.
Eine veränderte Selbstdarstellung
Der einzige, der die Bildsprache der Kirchenverwaltung sofort versteht, ist Ulrich Quentin, Vorsitzender des Schuleltern-Beirates an der Pestalozzi-Schule. Als er am Raum der Theologen vorbeigeht, bleibt er stehen und kommentiert die Figuren auf den Werbebannern: "Das sind ja flotte Kerle, mit denen kann man sich gut identifizieren!" Kirche beschreibt sich auf Plakaten mit Gestalten, die so auch für Fächer wie BWL oder Jura stehen könnten. Junge Männer, lässig modisch, vor einem Hintergrund, der vom Lernen spricht. Von Frauen, Senioren, Kindergruppen keine Spur. Quentin, der beruflich viel mit Werbung zu tun hat, erkennt in dieser Art der kirchlichen Selbstdarstellung genau den Paradigmenwechsel, den die Ausbildungsreferenten anstreben: Weg von Kindergottesdienst und Seniorenarbeit, hin zu Führungsverantwortung und Managementqualitäten.
Bei der Zielgruppe selbst sind die Maßnahmen der Kirchenverwaltungen noch nicht ganz angekommen. Mit einem Blick in die Kirchengeschichte können sich die Verantwortlichen freilich trösten. Schon Philipp Jacob Spener (1635–1705) sorgte sich seinerzeit um die nachrückenden Theologen. "Der Pfarrernachwuchs sollte weniger akademisches Fachwissen anhäufen, sich vielmehr den Gemeindegliedern verständlich machen können und einen vorbildlichen Lebenswandel üben." Seine Sorge ist über 300 Jahre alt. In der Zwischenzeit hat es letztlich, so wissen wir heute, trotz aller Höhen und Tiefen immer ausreichend Kirchenpersonal gegeben. Vielleicht ist Speners Anspruch, sich und den christlichen Glauben verständlich machen zu können, am Ende sogar wichtiger als alles Lavieren zwischen männlichen und weiblichen Rollenbildern. Und wichtiger als die Debatte um Zölibat und Homosexualität wahrscheinlich auch.
*Name geändert und der Redaktion bekannt.
Ingo Schütz arbeitet als evangelischer Pfarrer im Taunus. In seinem Kirchspiel ist er Jugendseelsorger und Theatercoach, Networker und Ansprechpartner für Senioren. Tätig ist er zudem als Lehrbeauftragter und Autor.







Kommentare
Pfarrermangel in der Evangelischen Kirche
Kirche beansprucht doch von ihren Mitarbeitern immer, professionell zu sein. Dass gerade die Personalabteilungen, nicht nur in den 80er-Jahren, in solchem Maße versagt haben, ist bedenklich. Dass bei drohendem PfarrerInnenmangel immer noch fertig ausgebildete Theologen auf die Strasse setzen, passt dabei leider ins Bild.
Macht doch mal die Augen auf!
Wahr ist doch zweierlei:
1. Die Personal- und Finanzpolitik in den 80er-Jahren war eine Katastrophe. Wo Josef in Ägypten in den guten Jahren Speicher gebaut hat, hat Kirche in den guten Jahren Kirchen gebaut und Pfarrer eingestellt, ohne sich darüber Gedanken zu machen, wie in schlechten Jahren die Pensionen gezahlt werden können.
Folge: In den schlechten Jahren werden Pfarrstellen abgebaut und Nachwuchs über Jahre nur noch in geringer Menge eingestellt. Die Studierenden sind doch nicht blöd und fangen vor allem dort ein Studium an, wo sie auch eine Chance auf Anstellung sehen.
Weitere Folge: Wenn demnächst die starken Jahrgänge in den Ruhestand gehen und aus finanziellen Gründen massiv Pfarrstellen abgebaut werden müssen, wird die Arbeit für den einzelnen Pfarrer immer mehr. Das macht die Pfarrstellen nicht gerade attraktiver.
2. Kulturell hat sich die Kirche an viel zu vielen Stellen zu einem Museum für Liturgie des Mittelalter entwickelt. Mit der Folge, dass ganze Generationen von Jugendlichen sich nicht angesprochen fühlen und weg bleiben. Jeder Geschäftsmann, dem die jungen Kunden wegbleiben, wird sich Gedanken um sein Erscheinungsbild machen. Oder er geht Pleite - und weg ist er. Das Schaufenster der Kirche ist nun mal der Gottesdienst und sind die Amtshandlungen. Immer noch nimmt die Kirche auf den Musikgeschmack der jungen Leute viel zu wenig Rücksicht und orientiert sich an den immer weniger werdenden "älteren" - bis es weder junge gibt noch die älteren (weil die dann alle ausgestorben sind).
Warum gibt es trotz zehn Jahre Gottesdienstbuch in fast jedem Gottesdienst dasselbe "Halleluhuja, halleluhuja... Allein Gott in der Höh sei Ehr" usw.? Warum nicht mal das Halleluja von Brings oder eines der vielen anderen modernen aber auch bewährten?
Ein Verein, der sich nicht um seinen Nachwuchs kümmert, macht irgendwann dicht. Und das spiegelt sich auch bei den Studierenden. Die bleiben nämlich einfach weg.
3. Wer ernsthaft Theologie in der Gegenwart betreibt, kommt selbstverständlich nicht um Theologie der Armen, Feministische Theologie, integrative Theologie und vieles mehr herum. Und das ist gut so. Die entsprechenden Polemiker hier tragen auf ihre Weise dazu bei, vor dem Theologiestudium abzuschrecken.
4. Trotz allem: Das Theologiestudium ist eines der vielseitigsten und schönsten überhaupt. Wer jetzt damit anfängt, muss sich gegen Ende um eine Stelle keine Sorge machen. Es wird viel Arbeit auf ihn warten, und es wird gut sein, von Anfang an daran zu denken, dass selbst der liebe Gott sich einen Ruhetag gegönnt hat.
Aber man kommt mit den unterschiedlichesten Menschen zusammen, teilt Freude und Leid, man lernt viel über sich selber kennen, kann vielen Menschen helfen und ernstet eine entsprechende Anerkennung, man kann auf seine Weise die Gesellschaft gestalten und arbeitet an einer Schaltstelle, wie der schwierige Entwicklungsprozess einer immer älter werdenden Gesellschaft gestaltet und das Zusammenleben der Generationen neu justiert werden muss.
Man lernt historisch zu denken und sieht auf diesem Hintergrund aktuelle Entwicklungen in ganz neuem Licht.
Und man hat einen großartigen Gott im Hintergrund, der einen ermutigt, zu seinen Fehlern und denen der anderen Menschen zu stehen und immer wieder zu einem Neuanfang zu ermutigen.
Das gilt auch für die Kirche. Sie wird den Neuanfang schon schaffen. Und wer jetzt anfängt, Theologie zu studieren, ist bei diesem Neufang vorne mit dabei. Nur Mut.
Mehr Pfarrer?
Mehr Pfarrer wollt ihr? Mehr Männer? Das ist lobenswert! Das erste und Wichtigste wäre: Schafft schleunigst das Pflichtfach "Feministische Theologie" ab! Es wundert mich gar nicht, daß keiner mehr Lust darauf hat, wenn Gottes Wort im Anfang schon verdreht und für politische Meinungsbildung mißbraucht wird. (Das ähnelt dem Vorgehen in der DDR: Kaum jemand hatte so viel Marxismus/Leninismus im Studium als Pfarrer an staatlichen Ausbildungsstätten.)
André R.
Pflichtfach "Feministische
Die Studienordnung möcht ich sehen, wo es ein Pflichtfach "Feministische Theologie" gibt.
Mein Blog: Ein feste Burg ist unser Gott
Neue Reformation
Sie haben absolut Recht, feministische Theologie ist eine Verdrehung des Evangeliums.
Die EKD ist eh zu einem Verein der Alt 68-er verkommen. In den Kirchen wird von fast nur noch von Umweltschutz und Emanzipation gepredigt, aber nicht von Gott, der Sündenvergebung und der Auferstehung Jesu. Im Gegenteil der Kreuztod Jesu wird relativiert, teilweise geleugnet. Diese 68-er Schachteln können eh nicht predigen und wenn, dann predigen sie darüber, das Frauen so schlecht da stehen in der Gesellschaft, eine gehen soweit und befürworten Abtreibung.
Die Folge, Strenggläubigen treten aus, die Gemeinden sterben. Das Kirchensterben angesicht solcher Irrlehrer allerdings nicht schlimmes, denn die Gemeinde Jesu, also die Nachfolger Christi wird es immer geben, was stirbt ist die widerliche EKD.
Die Katholische Kirche und Freikirchen machen es richtig, deshalb werden sie auch wachsen und weiterbestehen.
Tja, unter den Talaren, der Muff der 68-er Jahre.
Ihr Kommentar ist eine
Ihr Kommentar ist eine Unverschämtheit und zeugt von Arroganz, Sexismus und antiquierten theologischen Vorstellungen. Leute mit Ihrer Auffassung führen dazu, dass immer mehr Menschen sich dem Atheismus zuwenden. Ein trauriges Bild was Sie hier abgeben und das am Weltfrauentag. Wie sagte Jean Paul Sartre: "Die Hölle, das sind die anderen".
Besucherin schrieb:Ihr
Die Heilige Schrift hält die Frau hoch und betont ihre besonderen Charismen. Maria ist nicht nur Mutter der Kirche, sondern Christus hat sie am Kreuz zu unserer aller Mutter gemacht. Die Frau erfährt besondere Liebe und nicht umsonst wird Maria als Miterlöserin gehandelt, wobei ich hier das Streitportential natürlich nicht verkenne.
Sexismus scheint für Sie aber bereits zu sein, dass noch immer zwischen Mann und Frau differenziert und den Geschlechtern eigene Charismen zugeschrieben werden.
Freilich kann sich die Kirche "Mitten im Leben" präsentieren, wenn sie Homosexualität, Abtreibung und Frauenordination hochhält. Das ist aber nicht ihre Aufgabe, sondern es geht um die Heilige Kirche selbst, um den Leib Christi und die Frohe Botschaft. In einer feindlichen Umgebung muss man sich seines Auftrags bewusst werden, was ein Stück weit Entweltlichung ist. Da ist dem heiligen Vater uneingeschränkt zuzustimmen.
Bleiben Sie doch im Christentum und machen sie keine 68-er Ideologie daraus. Die Gottesmutter möge Ihnen helfen, Ihren besonderen Wert und die Liebe Gottes, gerade in Ihrer Rolle als Frau und der mütterlichen Bestimmung, zu erkennen. Das ist kein Anachronismus, es ist das Wesen des Menschen, dass man mit keiner radikalen Ideologie umlrämpeln kann. Nicht Hitler, nicht Stalin, nicht 68-ertum werden Gott überwinden.
Bitte etwas sachlicher!
Lieber Nutzer "pro ecclesiasia",
es ist auffallend, dass Sie dazu neigen, Ihre Positionen an der Grenze der Beleidigung zu formulieren; wir mussten in früheren Fällen sogar einzelne Sätze von Ihnen löschen. In Ihrem aktuellen Beitrag nennen Sie die Massenmörder Hitler und Stalin mit dem "68-ertum" in einem Atemzug. Wir wären Ihnen dankbar, wenn Sie künftig sachlich argumentieren würden. Danke und Gruß
Thomas Östreicher
Redaktion evangelisch.de
Zum Artikel
Danke, dass SIe zu einer Versachlichung der Diskussion ermutigen. Ich wollte nur so viel zu dem oben angeführten Artikel sagen. Ich denke ein Grund, warum immer weniger Leute Theologie studieren, liegt an mehreren Faktoren: zum einen findet immer seltener eine religiöse Sozialisation in den Familien statt. Die Identifikation mit religiösen Inhalten fällt trotz der intellektuellen Auseinandersetzung im Religionsunterricht immer schwerer. Zudem gibt es in vielen Kirchengemeinden keine Jugendarbeit und der Rückgang der Diakonenstellen erschwert dies ebenso. Es stellt sich also die Frage wie wir die Kinder- und Jugendarbeit fördern können und zugleich den Menschen in einer vom Leid geprägten Welt den menschenfreundlichen Gott nahebringen können.
Jeder zu den Seinen.
Da muss ich leider und kann Sie, Gott sei Dank, korrigieren: Gast hat recht: Feministische Theologie ist die wahre Unverschämtheit auf dem Gebiet. Theologie duldet nicht alle Attribute, noch lässt sie sich als Attribut für alles gebrauchen. Theologische Vorstellungen haben Feministinnen, das ist aber etwas ganz anderes als Theologie. In der Kirche geht es um Theologie. In der Theologie haben Männer einen Platz und Frauen einen Platz, da gibt es kein Gerangel. Und wie die Kirchenväter sagen: "Christus, das sind die anderen, die mir begegnen".
Ottokar der Deutsche
Neue Reformation Verfasst von
Neue Reformation
Verfasst von Gast am 2. März 2012 - 20:20
"Gast" hat vollkommen Recht
Was sie hier sexistisch, frauenfeindlich, etc nennen ist reinste Diffamierung.
Sie wollen doch nur nicht die Wahrheit hören.
Wenn in der ach so tollen liberalen Kirche so toll ist, warum treten dann mehr Evangelen als Katholiken aus.
Die Katholische Kirche wird ewig bestehen, die evangelische wird untergehen
Warum so hasserfüllt? Ich bin
Warum so hasserfüllt? Ich bin biblizistisch großgeworden, in einer Freikirche, ehe ich als junger Erwachsener konvertiert bin. Es gibt auch m.E. einige Probleme, denen sich die Landeskirchen stellen müssen.
Aber was insbesonders die lutherischen Kirchen nicht aufgeben dürfen ist, gegen sog. Liberale ihre Bindung an die Schrift und gegen die sog. Konservativen die Bindung an Christus als die Mitte der gesamten Schrift. Gerade die Offenbarung Gottes in einem die religiösen, sozialen und ethnischen Grenzen aufsprengenden Menschen scheint mir eine größere Geistesverwandtschaft mit den ach so schrecklichen 68ern zu haben, als mit restaurativen Kräften einer vergangenen, geistlich unreiferen Epoche.
Wahrheit, nicht Hass Die
Wahrheit, nicht Hass
Die Katholische Kirche wird ewig bestehen, die evangelische wird untergehen.
Der Katholik
Die Katholische Kirche wird ewig bestehen, die evangelische wird untergehen.
Man müsste schon sehr verblendet sein, um Ihnen nicht prinzipiell zustimmen zu können. Die Kirche ist einig, heilig, katholisch und apostolisch. Das zu bekennen ist christliches Selbstverständnis und findet sich im Glaubensbekenntnis.
Trotzdem finde ich ihre Tonart unangemessen. Vor allem ist die römisch-katholische Kirche auch nicht die vollkommene verwirklichte katholische Kirche. Trotzdem: Wo evangelische Christen nicht danach streben, in Einheit mit Petrus zu stehen, erübrigt sich jeder Dialog. Somit ist die EKD tatsächlich auf dem Weg in Feindschaft zur einen Kirche zu treten. An dieser Stelle ist der hier im Strang gebrauchte Hassbegriff sicherlich angemessen.
Trotzdem ist Ihr Nachsatz ziemlich reißerisch formuliert. Wir stehen nicht im Krieg miteinander. Was wollen Sie mit so einer undifferenzierten Aussage erreichen? Auf mich wirkt das wie Spot und ziemlich selbstgerecht. Sowas erzeugt eher Widerstände.
Imageverlust hat andere Gründe
Diese Angst vor einer "Feminisierung" der Kirche ist wirklich irrational. Würde die Argumentation stimmen, dann müssten bei der katholischen Kirche die Priesterkandidaten ja nur so Schlange stehen - weit und breit keine Frau, die das Priesterimage "verweiblichen" könnte. Bei uns im Blog hat Lieve Van den Ameele - in Auseinandersetzung mit diesem Artikel - ziemlich überzeugend erläutert, warum der Imageverlust des Pfarrberufs andere Gründe hat: http://evangelischesfrankfurt.de/2012/02/von-wegen-%E2%80%9Everweiblichu...
Nun sind also die Frauen schuld...
Da kann man nur mit dem Kopf schütteln. Die "Verweiblichung des Pfarrberufes" ist also schuld am bevorstehenden Pfarrermangel. Wer hat sich das denn wieder ausgedacht?
Nur ein paar Fakten:
54 Stunden Regelarbeitszeit;
Bereitschaft zu unentgeltlicher Mehrarbeit wird vorausgesetzt; Statistiken sprechen von 60 bis 66 Stunden Dienst in der Woche (nur zum Vergleich in Skandinavien 37,5 Stunden bei höherer Besoldung);
7 Tage Woche;
24 Stunden Rufbereitschaft;
Präsenzpflicht rund um die Uhr;
Residenzpflicht im Pfarrhaus auch für Singles,
damit verbunden erhebliche Kosten, wegen alter Bausubstanz oder Baumängeln, kein Recht auf Mietminderung; Miete ist dem örtlichen Durchschnittsmietwert angepasst, auch wenn ich jeseits des Villenviertels wohne; Schönheitsreperaturen sind selbst zu zahlen;
keine Unterstützung bei zusätzlicher Alterssicherung;
enorm lange Ausbildungszeiten (einjähriges Pflichtpraktikum, zwischen 10 und 12 Semestern Regelstudienzeit, zweieinhalbjähriges Vikariat);
in einigen Landeskirchen derzeit die Verpflichtung sich in den ersten 5 Dienstjahren auf eine halbe Stelle zu beschränken, wenn der Partner berufstätig ist;
Bezahlung in den meisten Landeskirche nach A 13, allerdings mit bis zum Maximum ausgedehnten Dienstaltersstufen;
Weihnachts- und Urlaubsgeld ersatzlos gestrichen;
Stoßzeiten dann, wenn andere ihren Urlaub genießen oder in Familie machen;
unentgeltliche Zusatzdienste, um die sich jeder reißt, wie Notfallseelsorge und Altenheimseelsorge;
Leben auf dem Präsentierteller;
Einflussnahme auf die Partnerwahl (muss Christ sein);
Einstellung auch der Kirchenleitung, dass der Pfarrdienst eine Art Familienunternehmen ist;
das Gefühl die Eierlegende-Wollmilchsau sein zu müssen, für alles zuständig, die Erträge ernten aber andere;
ein enormer Druck, der entsteht von anderen immer mit einer Art Vorschuss-Lorbeeren oder Vorschuss-Vorurteilen belegt zu werden. Ich hatte zeitweise das Gefühl irgendwie nicht "normal" zu sein.
Ich könnte noch vieles andere aufzählen, was diesen Beruf für junge Leute im Vergleich zu anderen akademischen Berufen unattraktiv macht. Aber die Tatsache, dass er von Frauen ausgeübt wird, ist es bestimmt nicht, zumal die Mehrheit im aktiven Pfarrdienst doch aus Männern besteht.
Und damit wir uns recht verstehen, auch wenn ich hier mosere: Ich mag meinen Beruf und wenn ich auf der Kanzel stehe, weiß ich, dass ich genau das mache, wozu ich berufen bin. Das habe ich aber selbst herausgefunden und nicht über eine "frauenfeindliche" ;-) Hochglanzbroschüre. Würde die Kirchenleitung da mal ansetzen und die Jugendlichen mal unter dem Stichwort "Pfarrberuf als Berufung" an die Hand nehmen, hätte man wahrscheinlich mehr Erfolg.
Aber was weiß ich schon. Ich bin ja ne Pasteuse.
Kann dieser Beschreibung auch
Kann dieser Beschreibung auch nur zustimmen.
Voraussichtlich wird nicht das Geschlecht die Berufsumstände verbessern oder erträglicher machen, sondern die Bedingungen sind zu ändern!
Wer arbeitet denn in anderen Berufen bei z.B. 75% oder 50% Bezahlung auf einer (75/50%) Stelle, bei der 100 % Präsenspflicht erwartet wird plus freiwillige Mehrarbeit? Die Veränderungen des Pfarrberufes bei mehr Gemeindegliedern pro Pfarrstelle, bei größeren Kirchenkreisen bzw. Sprengeln und zusätzlichen Sonderaufgaben wirkt sicherlich nicht besonders anziehend. Und was hilft der Beamtenstatus, wenn das Burn-out nach 15-20 Jahren fast garantiert ist?
Frau Auge schrieb: Aber jetzt
Das wäre sooooooooo schön :) Leider wird das allein das Geschlecht der Geistlichen die Gliedkirchen der EKD auch nicht retten können. Im Rahmen der EKD finde ich es sogar sehr gut, dass Frauen ihre Charismen einbringen. Diakonisches wirken ohne Frauen? Lieber nicht!
Freilich muss man aber auch anerkennen, dass die Gliedkirchen keine Kirche an sich mehr sind, da ja der Sendungsauftrag in der apostolischen Sukzession fehlt. Man soll Frauen und Männer gleichermaßen zu Verkündern ausbilden, aber deutlich machen, dass es kein geweihter priesterlicher Dienst ist oder dass man gar selbstbestimmt die Eucharistie feiern könnte. Gerade Lutheraner sind da ja oft geblendet, obwohl nun gerade Frauen am Altar mit ihrer "Liturgie" das Defizit im Amt deutlich machen.
Somit sollten sich Frauen gegen den negativen Vorwurf einer Verweiblichung wehren, denn die Verkündigung ist uns allen aufgetragen. Das sich Prediger in EKD als Pfarrer bezeichnen, sollte in dem Zusammenhang gestrichen werden, damit kein falscher Eindruck entsteht.
da ja der Sendungsauftrag in
Da kann man unterschiedlicher Ansicht sein.
Und wie sollte dies geschehen?
Tun sie nicht. Die Prediger heißen Prädikanten, was nichts anderes als die lateinische Übersetzung ist. Ein Pfarrer ist nicht nur Prediger. Er verwaltet auch die Sakramente. Der Unterschied zum normalen Gemeindeglied besteht nicht darin, daß er Gott näher stünde (durch irgendeine wie auch immer geartete Weihe) sondern daran, daß er von der Kirche beauftragt ist, dies zu tun. Diese EInrichtung besteht um der Ordnung willen. Prinzipiell kann jeder Gläubige Predigen sowie Sakramente verwalten. Allein um der Ordnung willen wird dies jedoch auf die dazu von der Kirche berufenen beschränkt. Die Berufung geschieht hier durch die Kirche, also kann auch die Kirche Regeln festlegen, nach welchen sie eine Berufung ausspricht.
Der falsche Eindruck scheint mir bei Ihnen entstanden zu sein ;)
Mein Blog: Ein feste Burg ist unser Gott
Manager ist der Pfarrer schon auch ...
Ich bin Mitglied eines Kirchenvorstands in Bayern und muss sagen, unser Pfarrer ist zu über 50% mit Dingen befasst, die ihm keiner auf dem Weg zum Pfarrerdasein beigebracht hat: Personalführung, Bausachen, Organisation, Verwaltung, ... Er ist ein Manager mit Lehrergehalt.
Klar, wer Pfarrer wird, dem geht es nicht in erster Linie ums Gehalt. Aber die bayerische Landeskirche geht rechnerisch von einer Wochenstundenzahl > 50h aus. Den Stundensatz muss erst mal jemand haben wollen.
Da ist es mit der Nachwuchswerbung einfach schwierig.
Da haben Sie leider recht,
Da haben Sie leider recht, dass die Ausbildung in Studium und Vikariat nicht den Anforderungen entspricht, die ein Pfarrer/ eine Pfarrerin erfüllen soll. Das hat leider auch dazu geführt, dass in der Vergangenheit (und Gegenwart) eine Menge Fehlentscheidungen getroffen wurden, ohne dass die PfarrerInnen zur Verantwortung gezogen wurden. Eher führte eine gescheiterte Ehe zur Versetzung als ein "Herunterwirtschaften" von Gemeinde (Gebäude, Personal, sonst. Ressourcen).
Sind das Pfarrer auf dem Foto?
Das Foto schreckt ab, wer zieht sich gern ein einengendes und distanzierendes Kollarhemd (viele Distanzmenschen tragen z.B. eine "Fliege") an? Wenn das der Pfarrer ist, kann er noch so viele Grimassen schneiden. Dennoch, die Tendenz enger liturgischer und geistlicher Einstellung scheint zuzunehmen - "lockere Typen" bleiben aussen vor. Wer geht also ins Pfarramt? Die Typen, die den Ausbildungsreferenten genehm sind. Das sind einige, aber nicht alle.
Zweite Abschreckung ist das Pfarrerdienstrecht, und vor allem das Disziplinarrecht, welches keinerlei ausserkirchlichen Rechtsbeistand zuläßt.
Die derzeitigen Hassäußerungen in manchen Gegenden gegen Homosexuelle (z.B.Erzgebirge), dürften Angst machen, eines Tages "fundamentalistische" Probleme zu kriegen.
schon viele Jahre Pfarrer
da staune ich aber
was Ihnen zu meinem Post alles einfällt, sogar Claudia Roth muß herhalten. Dazu eine Behauptung nach der anderen.... Es erschreckt mich, dass die Fähigkeit, miteinander Gedanken auszutauschen so nachläßt und dass statt dessen wirre Gedanken herhalten müssen, um einen anderen Post ad adsurdum zu führen. Hoffentlich wird das nicht unsere künftige Streitkultur, schade einfach. Aus der Arbeit in m einen Gemeinden kenne ich -Gott sei Dank- anderes.
schon viele Jahre Pfarrer[...
Nun, es ist wirklich erschreckend, mit welcher Selbstverständlichkeit sie die Moralkeule schwingen und Andersdenkende mit Begriffen aus der Schublade Hass und Fundamentalismus belegen.
Sie gehen sogar soweit, die überlieferte Lehre der Kirche und das biblische Zeugnis als wirre Gedanken abzutun. Das so etwas passiert, führe ich eben darauf zurück, dass die evangelische Kirche weitestgehend das gültige Amt und das Verständnis, katholisch im eigentlichen Sinne zu sein, verloren hat.
Das Lehramt der Claudia Roth bezeichnet wohl passend plakativ den Zustand der EKD Glieder. Man hat sich einen Humanismus auf die Fahnen egschrieben, der zutiefst unvereinbar mit dem Glauben der Kirche und der Heiligen Schrift ist. Das Amtscharisma wird dazu als überflüssig deklariert und Frauen als Pfarrer beauftragt. DAS wurzelt tatsächlich auf wirren Gedanken, die sich in den letzten 40 Jahren radikal entfaltet haben.
Den Glauben der Kirche als wirr zu bezeichnen, ist schon ein starkes Stück.
da staune ich aber
was Ihnen zu meinem Post alles einfällt, sogar Claudia Roth muß herhalten. Dazu eine Behauptung nach der anderen.... Es erschreckt mich, dass die Fähigkeit, miteinander Gedanken auszutauschen so nachläßt und dass statt dessen wirre Gedanken herhalten müssen, um einen anderen Post ad adsurdum zu führen. Hoffentlich wird das nicht unsere künftige Streitkultur, schade einfach. Aus der Arbeit in m einen Gemeinden kenne ich -Gott sei Dank- anderes.
Überlieferte Lehre der
Überlieferte Lehre der Kirche? Hat die CA (oder sonst ne Bekenntnisschrift) einen Artikel zur Homosexualität? Ich meine nicht. Vielmehr scheint mir die Ablehnung der Homosexualität ein Phänomen des Zeitgeistes zu sein.
Mein Blog: Ein feste Burg ist unser Gott
bundesbedenkentraeger
Überlieferte Lehre der Kirche? Hat die CA (oder sonst ne Bekenntnisschrift) einen Artikel zur Homosexualität? Ich meine nicht. Vielmehr scheint mir die Ablehnung der Homosexualität ein Phänomen des Zeitgeistes zu sein
Es geht um praktizierte Homosexualität. Dass die lebenslange Ehe zwischen Mann und Frau der von Gott gebotene Rahmen für Sexualität ist, soll modernes zeitgeistliches Denken sein? Das ist doch absurd. Im Gegenteil entspricht diese Auslegung der Heiligen Schrift und der 2000 Jahre alten Überlieferung der Kirche.
Zudem kommt die besondere Verantwortung aus dem Amt selbst. Das lutherische Verständnis negiert ja die Herleitung aus dem Priestertum aller Gläubigen und betont das Charisma. In diesem Rahmen ist die Verantwortung nochmal gesondert hervorgehoben.
Nun gut. Seit 30 bis 40 Jahren versuchen Menschen wie Sie die Schöpfungsordnung ad absurdum zu führen. Überzeugend gelungen ist dies meiner Ansicht nacht nicht.
Dass die lebenslange Ehe
In der Bibel steht es so jedenfalls nicht. Da wird zmeist viel unverkrampfter mit der Sexualität umgegangen. Richtig greifbar scheint mir das anze erst zu werden, als die "Sitte" wichtig wird, also mit Beginn der Aufklärung. Ich kann mich irren, aber es dürfte ja leicht sein, anderslatende Beispiele zu bringen.
Bei der Heiligen Schrift würd ich da nicht zustimmen. Was haben wir denn in der Schrift? Zwei im hebräischen Oringinal schwer verständliche Stellen in Lev 18 & 20. Im deutschen sind die natürlich geglättet. Und dann noch ne Nebenbemerkung in Röm 1, die wohl auch auf etwas ganz anderes abzielt.
Da sind wir durchaus einer Meinung.
Dann sind wir ja schon zwei. Sie konnten mich auch nicht überzeugen. ;)
Mein Blog: Ein feste Burg ist unser Gott
Stellenstreichungen
Ich wüsste gern einmal, wo die so umworbenen Theologiestudenten beschäftigt werden sollen. Es werden doch überall Pfarrstellen und Gemeinden wegen sinkender Gemeindegliederzahlen zusammengelegt und damit Stellen gestrichen. Damit betreut ein Pfarrer jetzt nicht mehr 5-6 Gemeinden, sondern elf. Nicht gerade tolle Anreize für junge Menschen, diesen Beruf zu ergreifen.
Damit passiert hier das Gleiche wie in der Bildung: Jahrelang wurden Schulen wegen sinkender Geburtenzahlen geschlossen. Nun kommen wieder geburtenstarke Jahrgänge und man merkt von Amts wegen, dass plötzlich die Räumlichkeiten nicht mehr ausreichen. Von fehlenden Lehrern bzw. überalterten Kollegien ganz zu schweigen.
Und so bleibt der Kirche nur der Ausweg über die Ausbildung ehrenamtlicher Pfarrer. Die bezahlen nicht nur ihre Ausbildung selbst (von Kosten für Unterkunft mal abgesehen), sondern kosten auch sonst nur eine Aufwandsentschädigung. Eine preiswerte Lösung.
Die Kirche soll also bloß nicht über ihren selbst organisierten Pfarrermangel jammern. Sie sind doch selbst dran schuld.
Mitarbeiter beurteilen den Vorgesetzten
Hallo Gast 2,
ich kann dir nur zustimmen!
Jedoch ist es so, dass sich ein "Ehrenamtlicher Prädikant" nicht aus eigener Tasche finanziert. Auch wird die "Aufwandsentschädigung" individuell ausgehandelt. Ein Laien-Geistlicher arbeitet also keinesfalls für den Mindestlohn.
Ein Manager muss alle Managementfunktionen beherrschen und über mehrere Kompetenzen verfügen. Es reicht für einen Ehrenamtlichen Pfarrer keinesfalls aus, im Hauptberuf Staubsauger-Vertreter zu sein.
Ein Manager braucht technische, analytische, soziale, funktionale Kompetenzen, um nur mal die wichtigsten zu erwähnen.
Die Planung, Organisation, die Führung und die Kontrolle eines Managers müssen erfolgreich sein, gemessen an den Zielen (?)
Fehlende Kompetenzen erklärt die Knappheit an Managern!
Das erklärt auch die hohe Bezahlung eines Managers(Kosten für das Unternehmen). Aufgrund der hohen Bezahlung eines Managers verzichtet das Unternehmen Kirche auf Manager und beauftragt und ordiniert lieber haufenweise Laiengeistliche, die am Sonntag mal kurz auf einen Sprung in der Gemeinde vorbeischauen und gleich ihr Honorar in die Hosentasche schieben.
Schon seit geraumer Zeit werden im Pfarramt und den angegliederten Kindergärten sogenannte "Managementmethoden" eingeführt, wie zum Beispiel
- Mitarbeitergespräche mit Zielformulierungen
- Feedbacks
- Coachings
- "Vorgesetztenbeurteilungen"
- Mitarbeiter-Zufriedenheit
- Kunden-Zufriedenheit etc....
Mal dumm gefragt:
Welches Ziel soll der Pfarrer mit der Kindergartentante und der Zweitkraft quartalsmässig aushandeln? Vielleicht eine Lernzielkontrolle des Kiga-Kindes?
Welches Ziel soll der Pfarrer mit dem Messner vereinbaren? Oder
Welches Ziel soll der Pfarrer mit der Kirchenpflegerin vereinbaren?
Oder mit den Ehrenamtlichen? Oder der Putzfrau?
Was passiert, wenn der Pfarrer von den Mitarbeitern eine "schlechte Beurteilung" erhält? Was dann? Ein Schreckensszenario wie auf Bild 1 unten?
Ein Theologe sollte der geistliche Leiter sein und den "geistlichen Input" in der Gemeinde liefern. Doch wie soll ein Pfarrer dies realisieren, wenn die Gemeindegruppen einer völlig anderen christlichen Gemeinschaft angehören und der Pfarrer nicht mal eingeladen wird?
Grüsse von Gast 1
Ich bin der Meinung, dass ein
Ich bin der Meinung, dass ein entscheidender Grund die verstärkte Anwendung der "Ungedeihlichkeitsparagraphen" im Pfarrdienstrecht ist. Jungen Menschen, die über ein Theologiestudium nachdenken, sind die Zusammenhänge (letztlich durch verstärkte Berichterstattung in den Medien) weitgehend bekannt. Die "Macht" der Kirchenvorstände schreckt einfach ab. Es ist außerdem unzeitgemäß und wegen der "Residenzpflicht" für die mögliche Pfarrfamilie z.T. eine besondere Härte, in kurzen Zeitabständen Wohnort und Gemeinde wechseln zu müssen. Da die meisten Pfarrer(-innen) nun einmal auch eine Familie haben wollen, reicht der Idealismus heutzutage nicht mehr aus, um das antiquierte Pfarrdienstrecht zu akzeptieren, auch wenn der Verdienst vergleichsweise gut ist. "Die Zeiten haben sich geändert" ist oft das Argument für eine mögliche Liberalisierung des Dienstrechtes für Homosexuelle, sollte aber nicht minder zum Nachdenken über die Ungedeihlichkeitsparagraphen (neuerdings: "lang anhaltende Störung",EKD) auffordern!
Buddhist1994 schrieb: Also
Also ich finde den Beruf Pfarrer für mich schon intressant... aber 3 Punkte, die mich hindern, Pfarrer zu werden:
- ich bin (nicht nur) Christ sondern auch Buddhist...meine Religionsleherin, die auch Pfarrerin ist, verbindet die 2 Religionen in ihrem Alltag zwar auch, aber ich weiß nicht, wie ich das machen könnte
Empfehle zu dieser Frage das 1. Gebot: Du sollt KEINE anderen Götter neben mir haben..
Genau das war doch das größte Problem im alten Testament, daß das Volk Israel sich an die Weisung der HERRN nicht hielt - haben wir nichts daraus gelernt?
- bin ich homosexuell. Die wahrscheinlichkeit, dass die Gemeinde mich (und meinen Partner?) aktezptieren würden, ist doch nicht so hoch, denke ich...
Empfehle zu diesr Frage Gen 19, 1-29; Röm 1,24-27; 1 Kor 6,10; 1 Tim 1,10
Buddhist1994 schrieb: Also
Also ich finde den Beruf Pfarrer für mich schon intressant... aber 3 Punkte, die mich hindern, Pfarrer zu werden:
[...]
Zumal dahinter einer Berufung und im Vorfeld Katechese stehen muss. Die Vorbildfunktion des Geistlichen verlangt ja auch das Vorbildliche leben, wie es die Bibel fordert.
Ein zölibatäres Leben wäre sicher eine löbliche und gute Form, aber die Bereitschaft und Leidensfähigkeit dafür muss ja auch erst einmal aufgebracht werden. Wer dazu die Lehre der Kirche mit esoterischen Lehren vermischt, öffnet der Häresie Tür und Tor. Dass dies mit dem Christentum nicht zu vereinbaren ist und die Wahrheit vernebeln kann, zeigt sich ja schon bei jenen, die sich an Zen Übungen versucht und die Berühung mit dem Mysterium und der Eucharistie zugunsten des Esoterischen verloren haben.
Daher muss davor freilich gewarnt werden.
Wenn Sie diese Defizite jedoch überwinden, sollte die Schüchternheit doch auch noch zu besiegen sein. Ich denke, man wächst mit der Aufgabe und lernt dazu noch im Studium.
Die anderen Punkte sollten Sie nicht zur Aufgabe, sondern zum Gebet bringen. Bitten Sie den Herrn, er möge Ihnen nach seinem Willen den Weg zeigen und Ihnen Antwort auf Ihre Berufung geben. Auch die Heiligen können Hilfe sein, da sie schließlich wie wir alle schwach und sündig waren. Trotzdem wurden sie bekehrt, haben ihre Egoismen zurück gelassen und sind bis ins Marthyrium gegangen.
Das entschlossene Handeln der Heiligen und die Antwort der Heiligen Gottesmutter ("mir geschehe nach Deinem Wort") sollen uns leiten.
Pfarrer sollte man aber nicht werden, weil man es für sich interessant findet. Man wird es für die ganze Helige Kirche und gibt sich selbst dabei auf.
In das Gesicht der Gemeinde schauen
Zitat: "Das sind ja flotte Kerle, mit denen kann man sich gut identifizieren!"
Was soll eigentlich mit dieser "Kopf-Galerie" ausgedrückt werden?
Meine Interpretation:
In der oberen Leiste, sieht man die "Fassaden" eines Gesichts.
In der unteren Leiste, sieht man "hinter diese Fassaden".
Während das "Collarhemd" als symbolhaftes Erkennungzeichen unverändert bleibt.
Es stellt sich für mich die Frage, warum wir uns mit einem Kerl identizieren sollen, der alles andere als "flott" dargestellt wird.
Ich sehe keine "flotten Kerle". Unter fesch, attraktiv, adrett oder schneidig sehe ich andere Kerle vor Augen.
Kleidsam ist jedoch das Collarhemd und dieses weist auf völlig andere Werte hin, als auf pure, flotte Äußerlichkeiten.
Wir sollten jedoch das "Gesicht der Gemeinde" einmal genauer anschauen!
Da ist zuerst einmal der gewählte Kirchengemeinderat, also das "Management" der Gemeinde. Diese Manager sind die "Türöffner" für eine Trendwelle nach der anderen. Die Trends lösen eine neue Marschrichtung aus, die in eine bestimmte Richtung rollt, dann zum kreiseln beginnt und letztendlich leblos am Boden liegen bleiben. In derartigen Trends kann sich das Gemeinde-Management schnell verlaufen, man kann sich drehen und wenden wie man will, es gibt kein Entrinnen mehr.
Schaun wir doch mal genauer in das Gesicht von unseren Gemeinde-Gruppen und Gemeinde-Kreisen. Welchem weltanschaulichen, ethischen, individuellen Trend folgen diese?
Wie sieht es in den Gottesdiensten aus? Rollt nicht eine Welle nach der anderen durch den Gottesdienst und durchkreuzt den Predigtplan?
Bevor man das "Gesicht des Pfarrers" analysiert, sollte man zuerst mal das "Gesicht der Gemeinde" analysieren und zwar unter den gleichen Aspekten
1. Fassade
2. Wie sieht es hinter der Fassade aus
3. Definiert sich das Gemeindegesicht an einem christlichen Symbol
Einem Pfarrer oder einer Pfarrerin geht es um das Reich Gottes und dessen Verwirklichung. Diese Aussage wird in dem Werbebanner nicht deutlich, weil das ein einziger flotter Kerl (rassige Frau)niemals erreichen kann.
Fazit: Unsere Kirchengemeinden haben kein Gesicht. Leider Gottes!
"Auf der Suche nach Gründen
"Auf der Suche nach Gründen für die Lustlosigkeit bei Berufsneulingen hört man in den zuständigen Kreisen immer wieder Klagen über die Verweiblichung des Rollenbildes "PfarrerIn". Wer an dieses Arbeitsfeld denkt, der habe vor allem den sozialen Touch vor Augen, als ob der Alltag aus "Kindergottesdienst und Seniorenarbeit" bestünde, so Karin Fries*, Mitarbeiterin am Referat für Personalförderung und Hochschulwesen an einer evangelischen Landeskirche. Für Männer sei das Fach dadurch unattraktiv geworden."
Da Mädchen aber auch nicht Schlange stehen, muss es noch andere Gründe für den Mangel an Bewerbern geben. Meiner Meinung nach ist ein anderer Grund, dass ein gebildeter junger Mensch heute mit Theologie, also der Lehre von Gott, generell nicht mehr allzuviel anfangen kann. Da ist es nur logisch, dass sie sich für ein wissenschaftliches Fach, also für Psychologie, entscheiden.
J.B. schrieb:Meiner Meinung
Was ist denn - bitteschön - an der Psychologie wissenschaftlicher als an der Theologie?
Immer schön auf dem Teppich bleiben!
Und in der Theologie geht es nicht einfach darum, wie im Kindergottesdienst einfach etwas für wahr zu halten (was eigentlich auch im Kindergottesdienst nicht wirklich stimmt), sondern sich immer wieder nach den strengen wissenschaftlichen Regeln Rechenschaft abzulegen, wenn man Gott und die Welt zu durchdenkt und gestaltet. Gott beweisen kann man nicht. Aber logisch und reflektiert und wissenschaftlich darüber nachdenken und diskutieren: historisch, völkerkundlich, interkulturell, interreligiös (Testfrage: Wo hat Mose der Bibel nach den Glauben an Jahwe kennengelernt? Auf feindlichem Gebiet beim heidnischen Schwiegervater, einem heidnischen Priester! Denk mal drüber nach!), psychologisch, philosophisch, wissenschaftstheoretisch - im Grunde ist kein Gebiet wirklich ausgenommen...
"Was ist denn - bitteschön -
"Was ist denn - bitteschön - an der Psychologie wissenschaftlicher als an der Theologie?"
Psychologie befasst sich mit etwas Realem - der Psyche des Menschen. Theologie befasst sich mit etwas, was weder bewiesen noch widerlegt werden kann: die Existenz eines übernatürlichen Wesens, welches angeblich (wie auch immer) in unsere Natur eingreift. Das ist keine Grundlage für Wissenschaft, sondern nur für Glauben.
"Testfrage: Wo hat Mose der Bibel nach den Glauben an Jahwe kennengelernt? Auf feindlichem Gebiet beim heidnischen Schwiegervater, einem heidnischen Priester! Denk mal drüber nach!), psychologisch, philosophisch, wissenschaftstheoretisch - im Grunde ist kein Gebiet wirklich ausgenommen..."
Natürlich kann man die Geschichte Mose z.B. auch aus psychologischem Blickwinkel heraus betrachten - dann betreibt man allerdings Psychologie und nicht Theologie (und der Psychologe geht auch nicht davon aus, dass sich ein Gott offenbarte, sondern er sucht natürliche Erklärungen z.B. dass Mose möglicherweise bewusstseinsverändernde Drogen genommen haben könnte). Solche Betrachtungen ändern allerdings auch nichts daran, dass die Geschichte Moses kein Tatsachenbericht, sondern nicht mehr und nicht weniger als eine uralte Legende ist.
Keine Panik auf der Titanic?
Interessante Argumentation: Die Ausbildungsreferenten -von denen die einzig hier interviewte nicht einmal persönlich zu ihrer Botschaft steht, versuchen durch einen PR-Coup jungen Menschen vorzumachen: Pfarrer sein ist wie Trainee bei der Deutschen Bank -mit Menschen habt ihr da -gottlob- nichts zu tun!
Der Werbeexperte versteht die Botschaft des Paradigmenwechsels!
Die jungen Menschen, in unserer Gemeinde, sind nicht annähernd blöd genug, auf solche Werbe-Gags reinzufallen.
Nach wie vor besteht Pfarreralltag aus Senioren-, Konfi- und Trauerbegleitungsarbeit -nur in rasant wachsenden Zuständigkeitsbereichen, mit verdeckten Bezugskürzungen, ohne Weihnachtsgeld, dafür mit stetig reduzierter Eigenverantwortlichkeit, dank der Mittelmanagement-Aufplusterung.
In NRW-Kirchen gibt es auch kaum Aussicht auf Altersversorgung oder stabile Beihilfe, da die Versorgungskasse ausgenommen wurde, wie eine Weihnachtsgans.
Management heißt zu deutsch immer noch Verwaltungsarbeit, hinzu kommen Gebäudemanagement, Finanzpläne und Personalführung, zeitraubende Jobs, die ohne adäquate Ausbildung -dank vom Gemeindealltag hermetisch abgeschlossener Hochschultheologie, erledigt werden müssen. Das von Frau "Fries" enworfene Berufsbild ist purer Fake.
Die Autoren des -echt rein weltlichen- Cluetrain-Manifests wußten schon vor 10 Jahren: Märkte sind Gespräche und Begegnungen -bis in die landeskirchlichen Rekrutierungsbüros hat sich das offenbar nicht rumgesprochen -während facebook auf dieser Grundlage an die Börse geht.
Soviel Lebensferne muss frau sich erstmal trauen, nah dran ist eben nur, wer supercoolen Kindergottesdienst feiert und die Altersweisen besucht :))
Ich kann keinem jungen Menschen guten Gewissens raten, auf unserer Titanic anzuheuern.
Christliche Verkündigung und Nächstenliebe geht trotzdem nicht unter: es gibt genug freie emerging churches mit kommunikationsstarken, netzwerversierten, aus Nächstenliebe den Schwachen besuchenden jungen Leuten.
In den Landeskirchen werden wir uns wohl mit den jungen Damen begnügen müssen, bei denen es für Grundschulpädagogik nicht reicht.
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