Reformationsfeier wird kein bloßes "Protestantenfest"

Volker Leppin

In Wittenberg bezeichnen sich heute 80 Prozent der Menschen als Nichtchristen, sagt Volker Leppin. Auf unserem Foto ist der Tübinger evangelische Theologieprofessor mit einer Lutherfigur zu sehen. Foto: epd-bild / Gerhard Schindler

Jubiläum - 2017 jährt sich das historische Ereignis zum 500. Mal: Der junge Theologe Martin Luther (1483-1546) schlug der Legende nach an die Schlosskirche von Wittenberg 95 Thesen gegen kirchliche Missstände an. Dieser Tag gilt weltweit als Auftakt der Reformation. In Wittenberg bezeichnen sich heute jedoch 80 Prozent der Menschen als Nichtchristen, sagt der Tübinger evangelische Theologieprofessor Volker Leppin. "Man kann deshalb das Reformationsjubiläum nicht einfach als Protestantenfest feiern."

Von Gerhard Schindler

In mehreren Arbeitskreisen, etwa dem Deutschen Ökumenischen Studienausschuss und dem Ökumenischen Arbeitskreis evangelischer und katholischer Theologen, arbeitet Leppin derzeit daran, "ein gemeinsames Verständnis der Reformation" zu formulieren. "Wenn die katholische Kirche nicht nur die Spaltung sieht und die evangelische Seite nicht allein die Wiederentdeckung von Gottes Wort herausstreicht, könnte dies vielleicht sogar eine Brücke zum gemeinsamen Feiern bauen", hofft der Theologe.

Kirche wichtig für kulturelle Identität

Eine neue Evangelisation erwartet Leppin vom Reformationsjubiläum 2017 zwar kaum, wie auch immer die Feierlichkeiten letztlich gestaltet würden. Es sei jedoch bereits viel gewonnen, wenn Menschen dadurch begriffen: "Für meine kulturelle Identität ist die Kirche ganz entscheidend." Als Experte für Mittelalter, Mystik und Reformation trat der 44 Jahre alte Kirchengeschichtler vergangenes Jahr an der Evangelisch-theologischen Fakultät der Universität Tübingen die Nachfolge von Ulrich Köpf an.

Zuvor hatte Volker Leppin in Jena gelehrt, wo er auch zum Mitglied der Sächsischen Akademie der Wissenschaften gewählt wurde. Mit einer kontrovers diskutierten Luther-Biografie sorgte Leppin 2006 für Aufsehen, weil er den Reformator nicht vom Ergebnis seines Schaffens, sondern von seinen Wurzeln her betrachtet und damit die Herangehensweisen früherer Luther-Biografen auf den Kopf stellt. "Luther ist ja eine evangelische Projektionsgestalt", formuliert Leppin und fordert gleichzeitig dazu auf, sich dem protestantischen Denkmal im lebendigen wissenschaftlichen Gespräch auch auf unkonventionelle Weise zu nähern.

Bilder von Marx und dem Papst

Die Bilder in Leppins Arbeitszimmer im Tübinger Theologikum zeugen davon, dass seine eigenen Perspektiven über den Horizont protestantischer Theologie hinausreichen: Neben Zeichnungen seiner vier Kinder und dem Bild eines vom Sockel gehobenen Miniatur-Luthers hängen Karl Marx und Papst Benedikt XVI. Entsprechende konfessions- und disziplinübergreifende Projekte will Volker Leppin auch in Tübingen verfolgen und engagiert sich unter anderem bereits im Graduiertenkolleg "Religiöses Wissen in der Vormoderne".

Für die nächste Zeit hat er sich zwei Editionsprojekte vorgenommen: Leppin will die Predigten von Johannes Tauler aus dem 14. Jahrhundert sowie Luthers Tischreden neu herausgeben. "Die heutigen digitalen Editionstechniken eröffnen ganz neue Möglichkeiten, Parallelen und Chronologien aufzuzeigen", sagt der Kirchenhistoriker und ergänzt: "Auch Luther hat auf geniale Weise die neuen Medien seiner Zeit genutzt."

epd

Kommentare

Verfasst von Br. Bernd OFS am 8. August 2011 - 15:44.

Lieber Paul Haverkamp,ich

  Lieber Paul Haverkamp, ich empfinde es langsam als "unangenehm...

 

Lieber Paul Haverkamp,
ich empfinde es langsam als "unangenehm", dass Sie jeden passenden und wohl auch unpassenden Artikel im Bereich Themen "kapern", um Ihre immer wieder gleichen Forderungen gegenüber der Katholischen Kirche -umfänglichst- niederzuschreiben.
Ein wenig mehr Themenbezogenheit könnte nicht schaden!
Und wie kommen Sie darauf, dass sich evangelsich.de als „Argumentationsforum kritischer Christen“ sieht??!!
pace e bene
Bernd

 

Verfasst von Br. Bernd OFS am 9. August 2011 - 7:14.
Kommentar auf: Lieber Herr

Lieber Herr Haverkamp,wie so

Lieber Herr Haverkamp, mir erscheint es so, dass Sie, in Ihrer Antwort...

Lieber Herr Haverkamp,
mir erscheint es so, dass Sie, in Ihrer Antwort versuchen das Thema zu Ihren Gunsten hin zu drehen. Und scheuen dabei auch keinerlei Interpretationen, die kaum einen Hintergrund haben.

paule46 schrieb:
Selbstverständlich akzeptiere ich, dass Sie gegenüber den Reformnotwendigkeiten innerhalb der kath. Kirche eine vollkommen andere Vorstellung haben..........

Sie kennen meine vorstellungen oder Wünsche gegenüber der Katholischen Kirche überhaupt nicht. Daher hat Ihre Annahme keinerlei Fundament.

paule46 schrieb:
.... diesen für Sie individuellen „Karfreitag“ werden Sie schon ertragen müssen.....

Ein etwas heftiger "Vergleich". Nichts was Sie glauben, dass ich es "ertragen" müsste, dürfte mit dem vergleichbar sein, was der Inhalt des Karfreitag ist. Ihre  Redewendung empfinde ich als geschmacklos.

Nur so viel noch: In diesem Artikel geht es allenfalls um das was sich ggf. Protestanten zu Ihrem Fest vorstellen und nicht um eine reformfähigkeit oder -unfähigkeit der Katholsichen Kirche.
Nochmals also: ihr Kapern von Artikeln zum Zwecke, Ihre, nun hinlänglich bekannten Thesen zu wiederholen, empfinde ich als lästig.

pace e bene
Bernd

Verfasst von Paul Haverkamp, Lingen am 9. August 2011 - 7:37.

Lieber „Bruder Bernd“! Ihren

Lieber „Bruder Bernd“! Ihren Gegenbeitrag finde ich enttäuschend – oder sollte...

Lieber „Bruder Bernd“!

Ihren Gegenbeitrag finde ich enttäuschend – oder sollte ich mittlerweile sagen: nicht anders als erwartet.

Erneut sind Sie nicht bereit, sich substantiell einzubringen – es kommt nur diffuse Kritik, die ich selbstverständlich nicht anders deuten kann, als dass Sie und ich nicht vereinbare Positionen vertreten.

Eine andere Interpretation habe ich ja nicht : es sei denn, dass Sie endlich zur Sache kommen und Ihre Positionen den Forumsteilnehmern als Diskussionsgegenstand (wie ich das seit langer Zeit praktiziere) transparent machen bzw. zur Verfügung stellen. Aber sich immer nur bedeckt zu behalten und nur Kritik zu üben – und um Gottes willen keine eigenen Angriffsflächen bieten : das ist eben nichts , rien!

Da Sie also sich nicht über inhaltliche Positionen austauschen wollen, beende ich an dieser Stelle hiermit meinen Dialog mit Ihnen.

Paul Haverkamp, Lingen

Verfasst von Gast am 7. August 2011 - 12:42.

Sehr geehrter Herr, jeder

Sehr geehrter Herr, jeder kann heute gauben was er will und wem die Kath....

Sehr geehrter Herr,

jeder kann heute gauben was er will und wem die Kath. Kirche nicht passt der kann austreten und protestant oder Altkatholik werden. In der Protestanitschen Kirche gibt es alles was die senielen Reformer von Wir sind Kirche und H. Küng wollen. Aber irgendwie geht es den Reformierten Kirchen sehr viel schlechter als der Kath. weil deren Mitglieder sehr viel schneller weglaufen.
wenn Sie als Möchtgern Papst kein gutes Haar an der Kath. Kirche lassen können dann werden Sie doch Lutheraner. Jede liberale Reform hätte nur eine neue Kirchenspaltung zu folge.

Die Kath. Kirche wird nicht sterben. Aber Wir sind Kirche schon.

Kommentar hinzufügen

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • Zulässige HTML-Tags: <a> <em> <strong> <cite> <code> <ul> <ol> <li> <dl> <dt> <dd><p><embed><param><object>
  • Zeilen und Absätze werden automatisch erzeugt.
  • Du kannst andere Kommentare mit [quote]-Tags zitieren.

Weitere Informationen über Formatierungsoptionen