Gesellschaft - Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat zum Auftakt der EKD-Zukunftswerkstatt vor einem schwindenden Zusammenhalt in der Gesellschaft gewarnt.
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat vor einem nachlassenden gesellschaftlichen Zusammenhalt als Folge der neuen Kommunikationsangebote gewarnt. Wenn es nicht gelinge, möglichst viele Menschen an der Diskussion über Grundsatzfragen zu beteiligen, führe dies zu einer Schwächung der Bindungskräfte und der Teilhabe, sagte Schäuble zum Auftakt einer Zukunftswerkstatt der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) am Donnerstag in Kassel. "Da haben die Parteien ganz ähnliche Probleme wie die Kirchen." Denn viele Menschen seien für grundsätzliche Debatten als Voraussetzung tragfähiger Lösungen immer weniger erreichbar.
Die abnehmende Wahlbeteiligung ebenso wie der rückläufige Gottesdienstbesuch seien dafür Indizien, sagte das Regierungsmitglied. Gerade bei Jüngeren nehme das Interesse ab. Schäuble warf die Frage auf, ob die kurzatmige und auf Aktualität gerichtete öffentliche Kommunikation nicht den Blick auf das Grundsätzliche erschwere: "Bleibt dafür noch angemessen Zeit und Raum unter der Beteiligung vieler und eben nicht nur einer kleinen Meinungselite?" Plakative Zuspitzungen und das Überwiegen einfacher Botschaften könnten ein kurzatmiges öffentliches Gedächtnis bewirken.
Kirche soll offen sein
Die Gesellschaft drohe mit der Orientierung an materiellen Werten und im Virtuellen jedes Maß zu verlieren, warnte der Christdemokrat. Dafür nannte er als Stichworte Vereinzelung, Ersatzwelten, schockierende Vernachlässigung und Verrohung. Immer mehr Menschen wüssten den Wert von Gemeinschaft nicht mehr wirklich zu schätzen, diagnostizierte Schäuble. Aufgrund dieser "Eintrübung der Grundlagen gemeinschaftlichen Handelns" engagierten sich immer weniger Menschen in Politik und Kirche. Der evangelischen Kirche empfahl der protestantische Politiker, die Tugend der Offenheit weiter zu pflegen. Dann werde ihre Bedeutung für die Gesellschaft noch zunehmen.
Gerade die Politik sieht der Innenminister gefordert, die Fundamente der Gesellschaft mit der Welt des 21. Jahrhunderts in ein fruchtbares Verhältnis zu bringen. Dabei gebe es zwei Wege, die beide nicht ohne Risiken seien. Entweder müssten die gesellschaftlichen Grundlagen um den Preis "unzumutbarer Zugeständnisse" so angepasst werden, dass sie für die Menschen attraktiv blieben. Oder man vertraue darauf, dass die aktuellen "Übertreibungen" der Kommunikationskultur wieder zurechtgerückt werden und mehr Raum für sperrige Debatten erlaube.







Kommentare
RE: Schäuble in Sorge um Zusammenhalt
Wieviel Verleugnung ist die Kirche bereit zu leisten um ihren Bestand zu fördern? Erinnert sich denn niemand an Niemöllers Ausspruch
[http://www.martin-niemoeller-stiftung.de/4/daszitat/a46_print]:
Als sie die Kommunisten einsperrten, da hat man nichts gesagt, wir waren keine Kommunisten und waren durchaus einverstanden, dass wir diese Gegner vom Halse hatten. Aber wir haben uns noch nicht verpflichtet gesehen, für Leute außerhalb der Kirche irgendetwas zu sagen, das war damals noch nicht Mode, und so weit waren wir noch nicht, dass wir uns für unser Volk verantwortlich wussten.
Ausgerechnet den Minister zu einem Zukunftsworkshop einleitende Worte sagen zu lassen der am wenigsten von Zukunft versteht weil er die von ihm gegeisselten modernen Medien nicht beherrscht, sondern dabei ist aus Angst vor Machtverlust einen Polizeistaat mit totalitärem Anspruch zu errichten, verstehen wahrscheinlich nur Jene, die ihn eingeladen haben ....
RE: Schäuble in Sorge um Zusammenhalt
Daß ausgerechnet Schäuble eine bessere Debattenkultur mit mehr Zeit für Diskussion und Argumente einfordert, ist ironisch bis albern, hat doch er maßgeblich zu einer beispiellosen Beschleunigung des politischen Betriebs beigetragen: Sicherheitsgesetz um Sicherheitsgesetz wird durch den Bundestag gepeitscht, das Zugangserschwerungsgesetz wird kurz vor Ende der Legislaturperiode, ohne die zivilgesellschaftliche Diskussion ernsthaft aufzunehmen, als populistisches Wahlkampfinstrument, garniert mit Falschaussagen und Unwissen, beschlossen.
Wer soll so etwas bitte Schäuble abnehmen?
Felix Neumann
RE: RE: Schäuble in Sorge um Zusammenhalt
Ich bin kein Schäuble-Fan, aber Recht hat er aber trotzdem. Vielleicht sollte man ihn darauf hinweisen, das bei ihm Wort und Tat auseinanderfallen?!
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