Skurrile Hochzeitswünsche machen Pfarrern zu schaffen

Ja-Wort unter Wasser

Untergetaucht in einem riesigen Wasserbottich vor dem Ludwigshafener Rathaus-Center geben sich die Froschleute Sylvia Hecht und Nurmi Paavo aus dem nordpfälzischen Göllheim am Freitagnachmittag das Ja-Wort. Foto: epd-bild/Ralf Moray

Feste - "Wo ist der Sitzplatz für meinen Hund?" - Fragen wie diese können schon mal eine kirchliche Trauung beherrschen. Oft haben Brautpaare und Trauernde kuriose Sonderwünsche. Viele Pfarrer aber meinen: Kirche ist kein Dienstleister für den perfekten Event.

Von Karsten Packeiser

Manchmal wollen die Angehörigen, dass bei einer Beerdigung statt eines frommen Chorals die Stimme Zarah Leanders erklingt, "Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen" aus dem Jahr 1943. Oder der Schlager "Sehnsucht heißt ein altes Lied der Taiga" von Alexandra. Mal räumt die Hochzeitsgesellschaft kurzerhand Kerzen und Kreuz ab, um stattdessen ihre Videoausrüstung auf dem Altar zu installieren. Oder aber eine Braut aus der Biker-Szene möchte mit ihrem Bräutigam nicht in die Kirche hineingehen, sondern auf dem Motorrad einrollen. Bei kirchlichen Amtshandlungen wie Trauungen und Trauerfeiern haben die Deutschen, so scheint es, immer häufiger skurrile Sonderwünsche.

Die meisten Pfarrer könnten mit Berichten aus ihrem Kuriositäten-Fundus problemlos einen ganzen Abend füllen. So wollten sich in einem pfälzischen 700-Seelen-Dorf kürzlich Braut und Bräutigam die Trauringe von ihrem Hund zum Altar bringen lassen. "Ich habe den Leuten das ausgeredet", erzählt Pfarrerin Regine Großmann. Ihr Ehemann Armand Großmann, ebenfalls Pfarrer, war schon bei seiner ersten Taufe vor mehr als 25 Jahren gehörig aus dem Konzept gebracht worden: Ein Großvater mit Videokamera hatte die Kanzel besetzt. "Mein Eindruck ist, so etwas nimmt zu", sagt er.

Mehr Gelassenheit für die Hochzeit

"Der Pfarrer oder die Pfarrerin ist für viele ein Dienstleister", klagt Susanne Schmuck-Schätzel, evangelische Dekanin in Alzey, die regelmäßig auch die Beschwerden enttäuschter Kirchenmitglieder zu hören bekommt. Für Kirchenleute, die nicht jeden Unsinn mitmachen, aber die Menschen auch nicht vor den Kopf stoßen wollen, werden die Vorbereitungsgespräche für Trauungen und Beerdigungen häufig zur Gratwanderung. Allzu Prinzipientreuen wird schon einmal mit dem Kirchenaustritt gedroht.

Am schwierigsten seien solche Trauungen, bei denen das Brautpaar eine professionelle Hochzeitsagentur für die Organisation einschaltet, sagt Schmuck-Schätzel: "Die haben mir schon erklären wollen, wie ich in meine Kirche hineingehen soll."

Sie appelliert an jungen Paare, mit etwas mehr Gelassenheit an die eigene Hochzeit heranzugehen. Wer sich eine bis ins letzte Detail perfekt durchorganisierte Trauung wünscht, bringt sich dabei manchmal um die Freude an dem Tag. Sie habe auch schon eine Hochzeit erlebt, sagt Schmuck-Schätzel, bei der die Stimmung stark darunter gelitten habe, dass man sich nicht über den Sitzplatz für den Boxer-Hund der Familie habe einigen können.

Wenn der Vater seine Tochter zum Alter bringen soll

Es sind allerdings einige zentrale Themen, die überall und regelmäßig für Ärger bei der Planung kirchlicher Trauungen sorgen: etwa Wünsche nach einem Gottesdienst in der freien Natur oder Film- und Fotoverbote während der Trauzeremonie. Viele Frauen bestehen zudem bis heute darauf, nach Hollywood-Manier von ihrem Vater an den Altar gebracht zu werden.

Da der mittelalterliche Brauch, die Frau symbolisch in den Besitz der Familie ihres Mannes zu übergeben, in vielen Kirchen nicht gerngesehen wird, sind Konflikte vorprogrammiert. "Ich bin da raus und hab nur noch geweint", klagt Internetnutzerin Netty210 in einem Hochzeitsforum über ein missratenes Traugespräch. "Ist es wirklich so schrecklich, wenn man seine Wünsche durchsetzt?"

Wo Pfarrer die Hochzeit garantiert nicht "stören"

Die Mainzer Kirchenmusikerin Barbara Pfalzgraff hat zum Einzug der Brautleute in die Kirche auch schon einmal den Song "Nothing else matters" der Heavy-Metal-Gruppe "Metallica" auf der Kirchenorgel gespielt, weil es gut zu den Brautleuten gepasst habe. "Das Paar hat sich wahnsinnig darüber gefreut", sagt sie. Außerdem habe sich das Stück gut auf der Orgel angehört.

"Meiner Meinung nach sollten die Kirchen kulanter sein", meint auch Alexander Helbach von der Verbraucherinitiative für Bestattungskultur "Aeternitas" in Königswinter. Schließlich sei es kein Zufall, dass immer mehr Bestattungen ganz ohne kirchliche Beteiligung stattfänden. Hochzeiten, bei denen freie Redner für eine würdevolle Zeremonie sorgen, sind seit Jahren ohnehin nichts Ungewöhnliches mehr.

Paaren, die sich für ihre Hochzeit zwar das hübsche Ambiente alter Kirchengemäuer wünschen, auf kirchliche Segensworte aber gerne verzichten, bietet sich übrigens ein Ausweg: Mancherorts sind inzwischen bereits standesamtliche Trauungen in entwidmeten Gotteshäusern möglich. Von der heimeligen Kapelle bis hin zur imposanten Nikolaikirche in Berlin-Mitte reichen die Angebote - und garantiert "stört" kein Pfarrer den Ablauf.

epd

Kommentare

Verfasst von Gast am 11. Oktober 2011 - 16:18.

Nichts mehr

Wo alles geht, geht bald nichts mehr.Eine Kirche, die sich lächerlich macht...

Wo alles geht, geht bald nichts mehr.Eine Kirche, die sich lächerlich macht interessiert niemenden mehr.RTL,Kino,...... können Unterhaltung viel besser.
In der Kirche geht es um Gott.Ehrfurcht, Andacht und Beten sind von Nöten.
Die Kirche darf sich nicht gemein machen, weil sie dann nicht mehr ernst genommen wird und andere das ohnehin besser können.

Verfasst von Gast am 10. Oktober 2011 - 15:56.

wettlauf, oder bikini,. war auch schon,..

weitere skurille kuriosiäten,.. braut wartet am altar, der bräutigam und sein...

weitere skurille kuriosiäten,..

braut wartet am altar, der bräutigam und sein zwillingsbruder (schwager und exverlobte der braut) machen einen wettlauf, wer als erster am altar ist, hat die brautnacht mit der braut gewonnen,...

oder im hochsomer, beide sehr sportl. ( leistungsschwimmer, wollen im bikini und badehosen vor den altar,...

Verfasst von Gast am 9. Oktober 2011 - 15:15.

Fantasie trauung

Ich kann mir in der evangelischen Kirche schon sehr viel vorstellen. Welchen...

Ich kann mir in der evangelischen Kirche schon sehr viel vorstellen.
Welchen Wünschen des Zeitgeistes wurde denn noch nicht entsprochen?Da geht noch was.Kaum noch Sakramente,Beichte so gut wie unbekannt.In der Hostie ist
Jesus Christus nicht real präsent.Kein Zölibat,und und und......
Warum dann nicht auch heavy- matel.
Wer wissen will, was das Ehesakrament tatsächlich bedeutet, der sollte einmal auf die Seite www.gloriapolo.net gehen.Es gibt den Teufel und er wütet überall.

Verfasst von Nachtfalter am 10. Oktober 2011 - 20:11.
Kommentar auf: Fantasie trauung

Ja, warum denn nicht?

Gast schrieb: ...... Warum dann nicht auch heavy- matel. da empfehle ich...

Gast schrieb:

...... Warum dann nicht auch heavy- matel.

da empfehle ich beispielsweise First Love, In God We Trust, oder nach der Beichte vielleicht To Hell With The Devil. Vergiss den Mutantenstadl, let us rock the world.

Nachtfalter

Verfasst von Gast am 10. Oktober 2011 - 10:29.
Kommentar auf: Fantasie trauung

Vielleicht ...

... posten Sie besser auf kath.net. Da können Sie Ihren neurotischen...

... posten Sie besser auf kath.net. Da können Sie Ihren neurotischen Katholizismus besser ausleben.

Verfasst von Gast am 10. Oktober 2011 - 17:48.
Kommentar auf: Vielleicht ...

Nichts verstanden

Ihre Reaktion zeigt mir, wie Wurscht Ihnen das alles ist. Einen Glauben der...

Ihre Reaktion zeigt mir, wie Wurscht Ihnen das alles ist.
Einen Glauben der Beliebigkeit teile ich nicht, er führt ins Verderben, ob es Ihnen passt oder nicht ist völlig irrelevant.Was haben Sie gegen kath.net?

Verfasst von Nachtfalter am 10. Oktober 2011 - 9:30.
Kommentar auf: Fantasie trauung

erst vor der eigenen Türe kehren

Gast schrieb: Es gibt den Teufel und er wütet überall. Wie viel Tage...

Gast schrieb:

Es gibt den Teufel und er wütet überall.

Wie viel Tage Ablass gibt es den für Protestantenbashing???

Nachtfalter

Verfasst von Gast am 10. Oktober 2011 - 14:01.

Nachdenken

Sie reagieren zu impulsiv.Verstärktes Nachdenken und Beten rate ich ihnen.

Sie reagieren zu impulsiv.Verstärktes Nachdenken und Beten rate ich ihnen.

Verfasst von Gast am 8. Oktober 2011 - 15:59.

In den Kirchenraum einfliegen

Eine Braut wollte per Bungee jumping vom Kirchendach des Kölner Doms direkt vor...

Eine Braut wollte per Bungee jumping vom Kirchendach des Kölner Doms direkt vor den Altar einfliegen. Der Bräutigam hatte schon einen Dachdecker zum Abdecken der Dachziegel beauftragt!

Hals und Beinbruch!

Verfasst von Gast am 8. Oktober 2011 - 15:45.

Dienstleister

Bei Kasualien ist der Pfarrer, die Pfarrerin ganz klar Dienstleister. Wenn sich...

Bei Kasualien ist der Pfarrer, die Pfarrerin ganz klar Dienstleister.
Wenn sich Kirche ihre Kernkompetenz an dieser Stelle nimmt, na dann Gute Nacht Marie.
Lasst die Leute doch machen und sucht schöne Texte raus, haltet gute Predigten, gebt den besten Segen, den ihr je gegeben habt.
Lasst das Klagen und das beharren auf die ollen Kamellen, (und)nichts anderes ist von Bedeutung, wenn jemand an die Kirchen(Himmels)tür klopft und mit nur die besten sterben jung seinen Sohn beerdigen will.

Verfasst von Heiko am 10. Oktober 2011 - 10:27.
Kommentar auf: Dienstleister

Es gibt Grenzen...

 Ich sehe das im Prinzip auch so. Sich einlassen auf das, was die Leute w...

 Ich sehe das im Prinzip auch so. Sich einlassen auf das, was die Leute wünschen. Aber es gibt einfach auch Grenzen, und die sind für jeden anders. Ein Kollege hat mir erzählt, ein Hochzeitspaar hat sich zur Trauung das Lied "Yesterday" von den Beatles gewünscht. Ich habe überhaupt nichts gegen die Beatles. Aber bei "Suddenly I'm not half the man I used to be" und "there's a shadow hanging over me" usw. hörts auch bei mir dann auf. Das hätte ich ihnen auch versucht auszureden. :-)

Wenn die Braut dagegen unbedingt symbolisch in den Besitz ihres Mannes übergehen will - bitte, warum nicht. Ich erkläre dann immer, dass sie ja nach evangelischem Verständnis als verheiratetes Paar (Standesamt!) die Kirche betreten und um Gottes Segen bitten. Aber sollen sie doch machen, wie es sie glücklich macht.

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