Streit um Homo-Pfarrer: "Wie geht ihr miteinander um?"

Kommentar

Kommentar - Dürfen homosexuelle Pfarrer mit Partner oder Partnerin im Pfarrhaus wohnen? Acht Altbischöfe wenden sich in einem Offenen Brief dagegen. In der Mitteldeutschen Kirche (EKMD) wird die Homo-Ehe im Pfarrhaus erlaubt. Der Personaldezernent der EKMD verteidigt sie mit theologischen Argumenten.

Von Christian Frühwald

Ich freue mich über offene Briefe, auch über den der acht Altbischöfe zum § 39 des neuen Pfarrdienstgesetzes der EKD. Das ist ja das Schöne in unserer evangelischen Kirche in Deutschland: Wir lieben die Diskussion, ja auch die wiederholte Diskussion um Einzelfragen, die dann zu kirchlichen Grundsatzfragen hoch stilisiert werden. Das ist anstrengend, aber notwendig. Darin stimme ich mit den Verfassern des offenen Briefes überein.

Als Personaldezernent der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland will ich in vier Schritten begründen, warum ich dennoch weder die inhaltlichen Aussagen noch die daraus gezogenen Konsequenzen des offenen Briefes für schrift- und zeitgemäß halte.

Vierzigjährige Geschichte mit ersten schwulen Pfarrern

1. Der Brief suggeriert, dass erst mit der Begründung des neuen gemeinsamen Pfarrdienstgesetzes der EKD die Öffnung für den ordinierten Dienst von Christen homosexueller Prägung erfolgt bzw. erreicht werden soll. Das ist falsch. Die Kirchen, die schon seit langem den wertvollen Dienst schwuler Pfarrer und lesbischer Pfarrerinnen im Auftrag des Herrn der Kirche schätzen, sind um des gemeinsamen Zieles eines Pfarrerdienstrechtes den Kirchen entgegengekommen, in denen dies (noch) nicht der Fall ist.

Die Formulierung des § 39 nimmt auf, dass sich nicht nur „in der Praxis unserer Gesellschaft Gewohnheiten und Normen der Lebensführung verändert haben“, sondern auch in der theologischen Arbeit wie in der kirchlichen Praxis schon seit langem vieles sich bewegt und bewährt hat. 1968 hat einer der bedeutenden deutschen Bischöfe, Bischof Dr. Werner Krusche, theologisch verantwortet und seelsorgerlich gründlich bedacht, entschieden, den ersten schwulen Pfarrer in seiner Kirche der Kirchenprovinz Sachsen zu ordinieren.

Das war für ihn keine leichte Entscheidung. Sie bedeutet für die eine Teilkirche, aus der die EKM entstand, eine über vierzigjährige Geschichte und Erfahrung mit der Arbeit homosexueller Pfarrerinnen und Pfarrer. Daher liegt hinsichtlich der Verengung, ja Verschärfung des Dienstrechtes, so wie die Verfasser des offenen Briefes es fordern, der Begründungszwang bei ihnen.

Biblischer Blick auf die ganze Person

2. Theologisch tue ich mich mit dem Begründungszusammenhang der Altbischöfe schwer. Am Beginn ihrer biblischen Begründung steht eine Behauptung: „Zur Begründung sind vor allem drei biblische Aussagen anzuführen, die im Ganzen der Bibel von zentraler Bedeutung sind.“ Das ist eine Behauptung, die sowohl biblisch als auch hermeneutisch zu kritisieren ist. Die historischen Kontexte der Bibelstellen, in denen es zum Beispiel um Abhängigkeitsverhältnisse geht, können nicht einfach mit heutigen gesellschaftlichen Kontexten und dem verantwortlichen Handeln homosexueller Christen in eins gesetzt werden.

In der Ablehnung des ordinierten Dienstes homosexueller Christen wird so quasi ein Segment des Verhaltens von Menschen herausgesprengt und zu der anthropologisch exklusiv definierenden Eigenschaften bestimmt. Der Begriff „widernatürlich“ macht deutlich, dass er nicht Homosexualität beschreibt und wahrnimmt, sondern sofort ein Handlungssegment eines Menschen wertet. Dies ist aber mit dem biblischen Blick auf die ganze Person, die Sünder ist, nicht übereinzubekommen.

Der Menschenfreundlichkeit Gottes, wie ich sie in der Schrift bezeugt sehe, steht hier ein ordnungstheologischer „Schöpfungsbegriff“ gegenüber, den ich theologisch als Relikt natürlicher Theologie für überholt halte. Dieser Begriff hat uns kirchengeschichtlich in manche Problematik hineingeführt. Dagegen werden die drei V (verbindlich, verlässlich, verantwortlich), die wir sowohl für die Ehe als auch gleichgeschlechtliche Partnerschaften als konstitutiv ansehen, und deren theologische Grundlegung sowie ihre Praxis ausgeblendet.

Symbolfrage wird Geschwistern nicht gerecht

3. Die Gegner der bereits in vielen Kirchen selbstverständlichen Praxis, Christen homosexueller Orientierung Pfarrdienst leisten zu lassen, machen diese theologisch unterschiedlich zu beantwortende Frage zu einer Symbolentscheidung. Dies wird weder dem Thema noch den davon betroffenen Schwestern und Brüder im Dienst gerecht. Symbolfragen verweisen grundsätzlich immer auf einen grundlegenden Konflikt hin, treffen in ihrer zugespitzten Diskussion aber immer konkrete Menschen.

Gerade dies ist der Verdienst der Bischöfe Werner Krusche, Christoph Demke, Axel Noack und Christoph Kähler, dass sie diese bestimmte Menschen zutiefst treffende Frage nicht polarisierend in der Öffentlichkeit diskutiert haben, sondern theologisch und seelsorgerlich an den für diese Fragen passenden Orten bedacht und gemeinsam mit anderen umgesetzt haben.

Christus ist die Mitte

4. Mit Paulus sind wir gefordert, Spannungen zwischen Starken und Schwachen im Glauben auszuhalten. Die Frage angesichts des Streites um die Speisegebote ist für Paulus nicht: Wer hat recht? Sondern: Wenn Christus die Mitte ist, wie geht ihr miteinander um? Es geht nicht um Beliebigkeit, sondern es gilt innerkirchlich wie in der Ökumene: Gegenseitige Rücksichtnahme ist angesagt.

Unsere Position mutet allen Seiten in der Kirche etwas zu - den homosexuellen Pfarrern selbst genauso wie denen, die Schwierigkeiten damit haben. Gemeinsam gilt es diese Zumutung fröhlich auszuhalten.


Oberkirchenrat Dr. Christian Frühwald ist als Personaldezernent der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland für die Ausbildung, die Planung, den Einsatz und die Personalentwicklung aller Mitarbeitenden im Verkündigungsdienst zuständig.
 

Kommentare

Verfasst von Gast am 26. Januar 2011 - 18:22.

Traurig

Für jemanden, der schwule Freunde hat, ist nicht nachzuvollziehen, wie man in...

Für jemanden, der schwule Freunde hat, ist nicht nachzuvollziehen, wie man in der heutigen Zeit noch ähnlich borniert sein kann wie im 3. Reich.
Die Kirche sollte Vorbild sein statt selbst zu diskriminieren.
Wie können "Ehrenmänner" wie Fürst zu Castell dermaßen veraltete Meinungen ernsthaft vertreten?

Verfasst von bundesbedenkent... am 24. Januar 2011 - 0:46.

Dann soll er mal zeigen, wo.

Dann soll er mal zeigen, wo.

Dann soll er mal zeigen, wo.

Verfasst von bundesbedenkent... am 18. Januar 2011 - 4:30.

Gal 2 sagt was anderes...

Gal 2 sagt was anderes... Aber auch hier ist ja die Homosexualität nicht...

Gal 2 sagt was anderes... Aber auch hier ist ja die Homosexualität nicht genannt...

Verfasst von Coriander am 15. Januar 2011 - 1:32.

Ehe im Pfarrhaus

Ich weiß nicht, warum ich diesen Artikel von Anne Kampf "Homo-Ehe im...

Ich weiß nicht, warum ich diesen Artikel von Anne Kampf "Homo-Ehe im Pfarrhaus" nicht kommentieren kann. Dann eben hier.

Pressesprecher Johannes Neukirch von der Hannoverschen Landeskirche führt aus: "Verheiratete Pastorinnen und Pastoren können in der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers mit ihren Partnern oder Partnerinnen im Pfarrhaus zusammenleben. Bedingung dafür ist, dass die Paare eine standesamtliche Heiratsurkunde vorweisen können. Außerdem müssen Kirchenvorstand, Superintendent/in und Landessuperintendent/in sowie das Landeskirchenamt einmütig zustimmen."

Ach, er sprach nur von den Homosexuellen. Na dann. Das ist natürlich etwas ganz anderes.

- Streite dich nicht mit einem Dummkopf. Er zieht dich auf sein Niveau herunter und schlägt dich dort mit seiner Erfahrung. (Quelle unbekannt)-

Verfasst von johannes terrester am 14. Januar 2011 - 8:56.

auch wenn mein Kommentar nicht veröffentlich werden sollte:

Verehrter Herr OKR, wenn man Ihr Statement und die Kommentare bei evangelisch....

Verehrter Herr OKR,
wenn man Ihr Statement und die Kommentare bei evangelisch.de liest, so erweckt es den Eindruck, die letzten acht theologisch gebildeten evangelischen Christen, für die das Prinzip "sola scriptura" wie auch "tota scriptura" noch etwas galt, sind alle in Rente gegangen.
Mit Bedauern, dass in der EKD deren theologisches Erbe, leider aber auch die Familie leichtfertig zur Disposition gestellt wurde, grüßt, auch wenn mein Kommentar nicht veröffentlich werden sollte,
jt

Verfasst von jungewolf am 13. Januar 2011 - 21:16.

Peinlich 2

"Unsere Position mutet allen Seiten in der Kirche etwas zu - den homosexuellen...

"Unsere Position mutet allen Seiten in der Kirche etwas zu - den homosexuellen Pfarrern selbst genauso wie denen, die Schwierigkeiten damit haben. Gemeinsam gilt es diese Zumutung fröhlich auszuhalten."

Schwule und Lesben in eingetragener Lebenspartnerschaft sollen es also "fröhlich" aushalten, wenn ihnen seitens einer Kirchengemeinde verwehrt wird, als Lebenspartner zusammen zu wohnen. Das ist tatsächlich grotesk und zeigt die geringe Empathiefähigkeit vieler Kirchenleute. Ausgeblendet wird die lange Zeit der Verfolgung, denen Schwule und Lesben ausgesetzt waren - und noch sind. Nein, fröhlich sollen sie Kirchensteuer zahlen und die "Zumutung" aushalten. Ein seltsamer christlicher Frohsinn, der hier verkündet wird.

Verfasst von jungewolf am 13. Januar 2011 - 21:09.

Wir lieben die Diskussion

Ein schöner Satz! Aber noch darüber zu diskutieren, dass zwei Menschen, die...

Ein schöner Satz! Aber noch darüber zu diskutieren, dass zwei Menschen, die sich Treue und Verantwortung geschworen haben, zusammen in einem Haus leben dürfen, das ist wirklich tiefste Steinzeit und wahrlich kein Grund, über eine solche "Diskussionskultur" stolz zu sein. Einfach nur peinlich!!!!

Verfasst von Gast am 14. Januar 2011 - 21:48.
Kommentar auf: Bei mir hat....

Ja, die Kirche hat eine

Ja, die Kirche hat eine Vorbildfunktion, gerade mit Blick auf junge Menschen....

Ja, die Kirche hat eine Vorbildfunktion, gerade mit Blick auf junge Menschen.
Dies bedeutet, dass in einem Pfarrhaus nur verheiratete heterosexuelle Paare oder gleichgeschlechtliche Paare in offizieller eingetragener Lebenspartnerschaft wohnen dürfen. Dies signalisiert jungen Menschen: Eine Beziehung ist auf Dauer angelegt und verbindlich! Solche Beziehungen sind etwas Gutes, denn sie stützen sowohl die bürgerliche Ehe wie auch die bürgerliche Lebenspartnerschaft.

Verfasst von Gast am 17. Januar 2011 - 14:02.
Kommentar auf: Ja, die Kirche hat eine

In Ihrem ersten Punkt

In Ihrem ersten Punkt sprechen Sie es klar aus, wie die Kirchenleitung arbeitet...

In Ihrem ersten Punkt sprechen Sie es klar aus, wie die Kirchenleitung arbeitet. Schritt für Schritt, damit den "Mitgliedern" möglichst wenig oder nicht zuviel zugemutet wird und evtl. Widerspruch kommt. Wenn ich mich bei "Noch-Kirchenmitgliedern" umhöre, dann war es den allermeisten nicht bekannt, dass die Kirche die Verkündigung durch gleichgeschlechtliche PfarrerInnen offiziell genehmigt oder sogar "begrüsst" hätte. Vielen will das auch jetzt noch nicht in den Kopf rein (zumindest erlebe ich es so bei Gesprächen und Diskussionen).
So gesehen haben Sie und natürlich auch der Kirchenrat recht, wenn man jetzt die "Nebensache", also das Praktizieren auch im Pfarrhaus genehmigt. Wenn Sünde getan wird macht es keinen Unterschied ob dies im Pfarrhaus geschieht oder im Haus nebenan.

Ich hoffe nur, dass diese Diskussion jetzt zum Nachdenken bei allen Kirchenmitgliedern führt und zu einer Entscheidung, ob sie denn die bisherigen Praktiken, die gegen Gottes eindeutiges Wort sind, weiterhin billigen und trotzdem Mitglied bei dieser "Organisation" bleiben und einfach diese Entwicklung hinwegsehen.

Verfasst von Bibelleser am 7. Dezember 2011 - 8:39.
Kommentar auf: In Ihrem ersten Punkt

Homopfarrer

Wer von euch unschuldig ist, der werfe den ersten Stein. Und wer von euch...

Wer von euch unschuldig ist, der werfe den ersten Stein. Und wer von euch braucht keine Vergebung? Die Bibel und auch verstehe "wer Ohren hat der höre" lest im letzten Kapitel der Bibel der Offenbarung 22,18. Dann stellt ihr fest, dass das die Kasse ist für unseren freien Willen ist den wir von Gott bekommen haben. Wir werden immer das ernten was wir sähen. Wie kann die Schöpfung sich über Schöpfer stellen wir verlangen von einem Hund der mit seiner Nase im Dreck wühlt Gehorsam und sind noch schlimmer als der Hund da wir ein böses Herz haben aber die meisten Hunde wollen ihren Herrn gefallen weil er ihm vertraut und ein Leckerli bekommt. Jesus Christus ist für unsere Sünden geschlagen worden und am Kreuz gestorben für unsere Sünden ist auferstanden und in den Himmel aufgefahren und zur rechten seines Vaters zu sitzen. Er lebt und kommt wieder um zu richten die lebenden und die toten. Er sagt wie oft ihr ihn durch Ungehorsam erneut an das Kreuz genagelt habt wenn ihr ihn jetzt nicht um Vergebung bittet, denn wir verfolgen nur Gelüste die fleischlich sind und wir wollten das machen was wir wollen wie es im Prediger 1 steht "unter der Sonne gibt es nichts neues" und glaubt mir die Warteschlange an der Kasse ist lange und weiß anscheinend den Preis für Ungehorsam die Währung heißt "Verlust des ewigen Lebens" . Wir sollten vorher in die Wechselstube gehen und Sünde in Vergebung Glauben und Gehorsamkeit wechseln und damit hat sich jede Diskusion erübrigt.

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