Versöhnliche Gesten und enttäuschte Hoffnungen

Plakat

Richtige Richtung? Plakat beim Gottesdienst mit Papst Benedikt XVI. am Sonntagvormittag auf dem Freiburger Flughafengelände. Foto: dpa / Patrick Seeger

Bilanz - Kühne Hoffnungen begleiteten den viertägigen Deutschlandbesuch des Papstes, der am Sonntag zu Ende geht. Schon deshalb war es keine "Erholungsreise", wie die "Neue Zürcher Zeitung" schon im Voraus vermutet hatte. In der Krise, in der die katholische Kirche durch die Aufdeckung zahlreicher Missbrauchsfälle steckt, erwarteten Bischöfe und Gläubige eine Stärkung vom Papst. Und die reformwilligen Katholiken erhofften sich einen orientierenden Hinweis, wie mit den strittigen Fragen - Zölibat, Frauendiakonat, aber auch Beteiligung von Laien - umzugehen sei.

Von Rainer Clos

Aber derart praktische Fragen sind nicht die Sache des gelehrten Theologen an der Spitze der katholischen Weltkirche, wie sein Sprecher wissen ließ. In der Begegnung mit den katholischen Laien beklagte Benedikt - gemünzt auf die deutsche Kirchenprovinz - einen Überhang an Strukturen, hinter dem die geistige Kraft zurückbleibe. In einer von Individualisierung und Relativismus bestimmten Gesellschaft, so lautet sein bekanntes Rezept gegen die Glaubenskrise, braucht es keine neuen Strukturen und keine Anpassung an die Moderne, sondern neue Formen der Evangelisierung und Mission, damit die christliche Botschaft wieder attraktiv wird.

Die Erwartungen, die manche Protestanten mit dem Besuch im Stammland der Reformation assoziierten, hatte Papst Benedikt XVI. schon vor seiner Reise gedämpft. "Wir erwarten keine Sensationen", ließ er seine Landsleute im "Wort zum Sonntag" wissen. Dass es in dem Punkt des evangelisch-katholischen Miteinanders einen Erwartungsüberschuss gab, mag damit zusammenhängen, dass sich Benedikt für das Treffen mit der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) eigens mehr Zeit bei den Reiseplanern ausbedungen hatte.

Dankbar für die bereits erreichte Einheit sein

Im Erfurter Augustinerkloster, in dem der spätere Reformator Martin Luther (1483-1546) als katholischer Mönch 1505 bis 1511 lebte, mahnte das 84-jährige Oberhaupt der katholischen Kirche die Glaubensgeschwister, nicht nur über Trennungen und Spaltungen zu lamentieren, sondern für die bereits erreichte Einheit dankbar zu sein. Er warb für eine ökumenische Ethik in Fragen des Lebensschutzes und eine wachsame Allianz der etablierten Kirchen im Umgang mit den sich vor allem in katholischen Territorien ausbreitenden charismatischen Bewegungen.

Papst Benedikt XVI. (links) und EKD-Ratsvorsitzender Nikolaus Schneider vor dem Erfurter Augustinerkloster. Foto: epd-bild / Maik Schuck

Auf die Beschwernisse von gläubigen Katholiken und Protestanten in konfessionsverschiedenen Ehen, oder den Wunsch nach gemeinsamem Abendmahl, die von Repräsentanten der evangelischen Kirche und Politikern gleichermaßen mit deutlichen Worten angesprochen wurden, ging der Papst nicht ein. Ebenso blieb eine im Blick auf das Reformationsjubiläum erhoffte grundlegende Neubewertung des Reformators Luther aus.

Neue Perspektiven für das ökumenische Gespräch zeigte der Papst nicht auf, sondern beließ es bei der versöhnlichen Geste an dem symbolträchtigen Ort. Welche Schlussfolgerungen die Protestanten daraus ziehen, ließ der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider erkennen: Er kündigte an, dass man mit den katholischen Bischöfen die drängenden Fragen erörtern wolle.

Proteste hielten sich in Grenzen

Proteste gegen den Papst hielten sich - verglichen mit seinen Besuchen in Spanien und Großbritannien - in Grenzen. Zusätzliche Aufmerksamkeit trug dem Papstauftritt im Bundestag die Tatsache ein, dass ein Teil der Abgeordneten der ersten Rede eines katholischen Kirchenoberhauptes im deutschen Parlament fernblieb. Ihnen entging ein bemerkenswerter Vortrag über das Verhältnis von Recht und Gerechtigkeit, Glaube und Vernunft, und die Aufgabe der Politik. Die größte Überraschung war gewiss das päpstliche Lob für die ökologische Bewegung der 70er Jahre, aus der die Grünen hervorgingen.

Nach Benedikts bisherigen Reisen in seine Heimatland, die ihn 2005 zum Kölner Weltjugendtag und ein Jahr später nach Bayern geführt hatten, waren nunmehr Berlin und mit Erfurt und dem katholischen Eichsfeld die neuen Bundesländer neben Freiburg Stationen. Wie bei Papstreisen in der Vergangenheit traf sich Benedikt in Erfurt unter Ausschluss der Öffentlichkeit mit Missbrauchsopfern - auch dies eine versöhnliche Geste.

epd

Kommentare

Verfasst von Gast am 29. September 2011 - 6:20.

Wachsam sein !!!

Der Papst mahnt, dass wir alle achtsam sein sollen, denn es existiert eine "...

Der Papst mahnt, dass wir alle achtsam sein sollen, denn es existiert eine "Allianz", ein Bündnis von verschiedenen Partnern, die das gleiche religiöse, wirtschaftliche, politische Ziel verfolgen.

Um das verfolgte Ziel zu erreichen, werden auch Allianzen gebildet, die rein nur für die Strategien zuständig sind!

Wir sollten also wachsam sein und hinter die Fassade dieser Allianzen schauen und welche Ziele diese eigentlich verfolgen.

Verfasst von Mechthild Zimmermann am 25. September 2011 - 20:52.

DLF Haverkamp/Schorlemmer

Herr Schorlemmer hat alles auf den Punkt gebracht:Außer Reden nichts gewesen!...

Herr Schorlemmer hat alles auf den Punkt gebracht:Außer Reden nichts gewesen!
Auch ich gehöre zu den maßlos Enttäuschten.Ich bin (als protestantische Pfarrerstochter) mit einem Kölner Katholiken verheiratet und fühle mich von der katholischen Kirche in eine dunkle Ecke gestellt. Ich hatte vom Papstbesuch wirklich nicht allzuviel erwartet, aber im geheimen doch gehofft, dass er wenigstens in ein paar Sätzen sich z.B. zu den konfessionsverschiedenen Ehen äußert. Der Ratsvorsitzende der EKD, Nikolaus Schneider, kann eigentlich mit dem Treffen in Erfurt auch nicht wirklich zufrieden sein. In unserer Kirchengemeinde funktioniert Ökumene jedenfalls und darüber bin ich sehr froh.

Verfasst von Paul Haverkamp, Lingen am 25. September 2011 - 19:18.

Die schlimmsten Befürchtungen wurden bestätigt!

Mit seiner Reformverweigerungsrede in Freiburg am letzten Tage seines...

Mit seiner Reformverweigerungsrede in Freiburg am letzten Tage seines Deutschlandbesuches macht der Papst deutlich, dass die kath. Kirche bis auf weiteres nicht in der Gegenwart ankommen soll. Alle kritischen Einwürfe, die vor dem Papstbesuch geäußert wurden, können am Ende seines Aufenthaltes weitgehend verifiziert werden.

Der Papst hat es nicht nötig,

• auf das Memorandum von über 200 Theologen auch nur mit einem Wort einzugehen

• den wiederverheiratet Geschiedenen einen Strohhalm von Hoffnung hinsichtlich des gemeinsamen Abendmahles hinzuhalten

• den konfessionsverbindenden Ehepaaren ein Zeichen der Hoffnung auf einen
gemeinsame Eucharistieempfang zu vermitteln

• den Kirchen der Reformation auch nur in Ansätzen Kompromisslinien anzudeuten, um den ökumenischen Dialog auch mit diesen Kirchen voranzubringen; offensichtlich ist sein ganzes Augenmerk nur auf die orthodoxen Christen gerichtet

• auf die dramatisch zurückgehenden Priesteramtskandidaten in Deutschland und Europa einzugehen und nach Möglichkeiten der Überwindung Ausschau zu halten (z.B. Weihe von viri probati, Abschaffung des Pflicht(!)zölibats)

• auf die pastoralen Nöte von Gemeindechristen (aber auch von kirchlichen Mitarbeitern) einzugehen vor dem Hintergrund der keine Seelsorge vor Ort mehr zulassenden Gemeindezusammenlegungen

• auch nur mit einem Wort auf die ca. 200.000 Kirchenaustritte in Deutschland im Jahre 2010 zu reagieren

• auch nur mit einem Wort das Communio-Prinzip des 2. Vatikanums zu bekräftigen und eine Ermunterung zum Dialog auszusprechen, der Verkrustungen, Gleichgültigkeiten und Ablehnungen mildern könnte; gefordert ist nur blinder Gehorsam dem Papst gegenüber. – Die Kirche ist eben nicht von dieser Welt, zumindest nicht in den Augen des Papstes. Die Kirche als „Mysterium Christi“ muss sich von allen weltlichen – sprich menschlichen – Einflüssen und Forderungen fernhalten. Das päpstliche Wort zählt – basta!

• kein Wort hinsichtlich der Gleichberechtigung von Laien mit dem Klerus

• kein Wort hinsichtlich der Gleichberechtigung von Frauen und Männern in der Kirche

Das Einzige, was dieser Papst anzubieten hat, ist die Einforderung von Papsttreue, Glaubensfestigkeit, Gehorsam, Arkandisziplin, Unterwerfung, Kritikabstinenz. Damit verifiziert der Papst all das, was im Vorfeld befürchtet worden war. Diesem Papst wird es mit solchen Einstellungen und Forderungen nicht gelingen, der kath. Kirche in Europa neue Hoffnungen zu vermitteln mittels der Durchführung eines von Johannes XXIII. geforderten „aggiornamentos“ bzw. eines vom Konzil eingeforderten Kirchenverständnisses einer „ecclesia semper reformanda“.

Dieser Papst verordnet seiner Kirche eine Abschottung von dieser Welt (societas perfecta); die Katholiken sollen über das Mysterium Christi nachdenken und keine Anforderungen anmelden bezüglich eines menschenwürdigen, demokratisch geprägten Zusammenlebens von Klerus und Laien, von Männern und Frauen. Papst Benedikt hat kein Interesse daran, - wie Johannes XXIII. es formulierte – aus dem Mausoleum der kath. Kirche einen blühenden Garten zu machen. Dieser Papst negiert, dass Gott nicht nur vor 2000 Jahren zu den Menschen gesprochen hat, sondern dass er auch in der Gegenwart seine Botschaft in neuem Gewande an uns Menschen richtet.

In einem Deutschlandradio-Interview formulierte Präses Schneider als EKD-Vorsitzender die Relevanz der Gegenwarts-Gottes-Nähe wie folgt:

„Der Garant für die Wahrheit ist niemals die menschliche Erkenntnis, sondern ist immer die vom Geist Gottes geführte menschliche Erkenntnis, also am Ende das Wirken, die Präsenz, das Gegenwärtige des Geistes Gottes selber, und hier darf menschliches Dogma dessen wirksam werden nicht einschränken.
…..
Nein, dieses auch nicht. Nur: Der Heilige Geist ist immer der rechte Zeitgeist. Es kommt darauf an, beim Zeitgeist zu unterscheiden, was sozusagen zeitgeistliche Beliebigkeit ist, oder was die Gegenwärtigkeit der Wahrheit Gottes in Jesus Christus ist.“

Christliches Selbstverständnis und christlicher Glaube basieren nicht ausschließlich auf einem „regressiven Identitätsgedächtnis“ (Werbick). Kirche darf ihren „Honig“ nicht nur aus Vergangenheitserinnerungen saugen, sondern es gilt deutlich zu machen, dass Gott seine segnende und heilende Begegnung in jeder Gegenwart seinem Volk aufs Neue macht; Gott widerfährt seinem Volk immer wieder neu. Es muss also – wie der in El Salvador lebende Jesuit und Befreiungstheologe Jon Sobrino formuliert - immer wieder daran erinnert werden, dass „Gott ein ‚Heute’ hat, nicht nur ein bereits bekanntes und interpretiertes ‚Gestern’, weil er mit der Gegenwart seiner Schöpfung eine Absicht verbindet, nicht nur in der Vergangenheit.“

Es gilt, die normativen Zeugnisse der Selbstoffenbarung Gottes so auszulegen, dass diese auch im Hier und Heute zum Glaube finden und die Veränderung des Lebens und der Welt auf Gottes Herrschaft hin inspirieren können. Im Heute muss es gelingen, das damals im Geiste Gottes Gesagte und Gehandelte im Kontext des Selbst-, Welt- und Gottesverständnisses inspirierend und beziehungsreich neu zur Sprache zu bringen.

Paul Haverkamp, Lingen

Verfasst von Nachtfalter am 26. September 2011 - 13:17.

Der Großinquisitor

diesem Statement muss ich leider und schweren Herzens zustimmen. Zuerst ahnte...

diesem Statement muss ich leider und schweren Herzens zustimmen.

Zuerst ahnte man ein paar Schönwetterwölkchen über dem Vatikan. Doch dann zeigte sich, was Vati kann. Mit dem Charme eines Dampfhammers barbierte B16 alle, die sich nicht bedingungslos vor ihm in den Staub werfen.

Nachtfalter

Verfasst von Gast am 25. September 2011 - 16:48.

papstbesuch

Die evangelische Kirch sollte sich nicht an die-hoffnungslos rücksatändige-...

Die evangelische Kirch sollte sich nicht an die-hoffnungslos rücksatändige- katholische Kirche anbiedern.

Verfasst von Paul Haverkamp, Lingen am 25. September 2011 - 16:25.

"Außer Reden nichts gewesen"!!!

In einem Interview mit dem Deutschlandfunk hat Friedrich Schorlemer alles...

In einem Interview mit dem Deutschlandfunk hat Friedrich Schorlemer alles Wichtige und Notwendige bereits vor zwei Tagen gesagt:

Breker: Und am Telefon begrüße ich nun Friedrich Schorlemmer, ehemaliger Leiter der Evangelischen Akademie Wittenberg, evangelischer Pfarrer aus der Luther-Stadt Wittenberg. Guten Tag, Herr Schorlemmer.

Friedrich Schorlemmer: Guten Tag.

Breker: Herr Schorlemmer, wenn Sie zusammenfassen sollen, was Ihre Erwartungen an die heutigen Gespräche sind?

Schorlemmer: Ich hatte zunächst erwartet, dass der Papst bei seiner Reise auch mit den innerkatholischen Kritikern spricht, mit den 200 Theologieprofessoren, die wichtige Fragen an die Kirche stellen, anstatt dass er sagt, dass die Kirche das größte Geschenk Gottes an die Welt sei. Die Kirche ist die Gemeinschaft der geheiligten Sünder, und darüber muss auch im Augustinerkloster jetzt gesprochen werden. Ich habe keine Erwartungen an dieses Gespräch, außer dass es einen symbolischen Wert hat, dass er an eine Wirkungsstätte des Reformators geht, denn man will hinterher gar nichts sagen. Also ist das, was man da besprochen hat, nicht der Rede wert. Ich habe leider keine Erwartungen nach dem, was bisher war, denn was ich bisher auch gesehen habe, war viel Schall und Weihrauch einer etwas triumphalistisch auftretenden Kirche.

Breker: Bislang war der Papst in seinen Äußerungen ja allgemein-philosophisch, in seiner Rede vor dem Bundestag. Er hat wenig gesagt zu den tatsächlichen Problemen der Menschen, auch der Christen hierzulande. Erwarten Sie da eine Änderung?

Schorlemmer: Er hat ja noch einen Tag Zeit. Aber ich meine, was ich ganz gut und richtig finde, dass er die Gerechtigkeit als Basis des Friedens hervorgehoben hat. Das sind doch wichtige Aussagen, die für politisches Handeln auch von Bedeutung sind. Aber wenn er schon über Ökologie spricht, dann doch nicht nur um die Gefahr der Manipulierung menschlichen Lebens, sondern auch der Zerstörung, der Ausbeutung, des Umganges mit den Tieren, des Verbrauchs und der Vernichtung von Natur. Er hat sich dem Konkreten fast völlig entzogen. Und was mich besonders aufgeregt hat, als Protestanten natürlich, dass er über die Philosophie der Antike, das christliche Mittelalter direkt in die Aufklärungszeit kommt und die Reformation da völlig herauslässt bei seiner Rede. Also das verstehe ich nicht. Und er hat auch nicht, was einem Christen gut anstünde, mea culpa gesagt, denn die Menschenrechte sind gegen die Kirchen durchgesetzt worden und nicht unser Produkt, wiewohl die Menschenrechte, glaube ich, dem christlichen Menschenbild entsprechen.

Breker: Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider - wir haben es eben gehört -, sieht schon einen Wandel innerhalb der Katholischen Kirche. Sehen Sie den auch?

Schorlemmer: Ja wenn man so bescheiden ist wie der Ratsvorsitzende, dann sieht man einen Wandel. So bescheiden bin ich nicht nach 500 Jahren. Was bilden wir auch für ein Bild gegenüber den Nichtchristen mit unserer Zerstrittenheit, oder damit, dass wir nicht in der Lage sind, einander zum heiligen Abendmahl, zur heiligen Eucharistie einfach nur einzuladen. Und dass der Papst darauf verzichtet, hat bisher, die Fragen der katholischen Christen, unserer beiden höchsten Repräsentanten, des Bundespräsidenten und des Bundestagspräsidenten, irgendwie zu beantworten, wenn er nicht mal das tut, wieso soll er dann auf evangelische zugehen.

Breker: Kann die katholische Kirche, ist sie eigentlich in der Lage, sich stark genug, sich wirklich zu öffnen, sich zu wandeln, sich ein wenig zu reformieren? Ist das der Fall?

Schorlemmer: Sie hat, glaube ich, Angst davor, wenn sie anfängt, sich zu reformieren, dass das Ganze dann irgendwie zusammenfällt, und deswegen polemisiert der Papst stark gegen Relativismus, aber was er macht, ist auch ein alter Dogmatismus. Er ist gegen Individualismus und an die Stelle kommt dann so ein kirchlicher Kollektivismus. Nein, es geht um die Freiheit des Individuums in der Gemeinschaft von Menschen, die den richtigen Weg nach dem Leben suchen, und dazu gleichzeitig, wie die 300 katholischen Priester sagten, gleichzeitig klar machen, dass wir auch mit der Sünde in den eigenen Reihen ernst machen und dann von Versöhnung sprechen. Ich hoffe, dass er auch noch eine Begegnung mit den Missbrauchsopfern sucht. Das wäre ein wichtiges Signal.

Breker: Herr Schorlemmer, man fragt sich ja, wenn es denn überhaupt eine Annäherung zwischen der katholischen und der reformierten Kirche geben soll, wer soll das denn bewerkstelligen aufseiten der Katholiken, wenn nicht ein Papst, der in Deutschland geboren ist, im Land der Reformation geboren ist. Ist das eine Chance, die, wenn sie nicht genutzt wird, vertan ist?

Schorlemmer: Das wäre sehr, sehr schade. Die ist schon vertan. Leider hat er ja schon in seiner 30-jährigen Tätigkeit in Rom eher das sehr Konservative betont. Er hätte doch auch als ehemaliger Berater des Zweiten Vatikanischen Konzils das Zweite Vatikanische Konzil eher fortsetzen sollen. Aber er hat da nichts bewegt und ich denke, auch Johannes-Paul II. hat da nichts bewegt. Das finde ich einfach sehr, sehr schade, denn er müsste ja auch wissen, was es heißt, in einem Land zu leben, wo es mehrere Kirchen gibt, und das sind Kirchen, und nicht "die Kirche" und dann noch einige Glaubensgemeinschaften. Diese römische Arroganz müsste als Erstes abgelegt werden, und dafür ist er leider mitverantwortlich, ein Mann, der ansonsten auch sehr bescheiden auftritt, ein eher schüchterner Mensch zu sein scheint, und doch den Menschen wie gestern im Stadion, doch den katholischen Menschen eine Glaubensstärkung gibt, aber auch gleichzeitig Treue einschwört zur Kirche, und dann gibt es nur eine Kirche, das ist die Kirche, die römische. Also dieser römische Alleinvertretungsanspruch muss eigentlich weg. Wir müssen zu einer Einheit in versöhnter Vielfalt kommen. Das ist auch das, was die Welt von uns erwartet, und ich glaube, das entspricht auch dem Geist Christi.

Breker: Also das, was da im Augustinerkloster gleich ablaufen wird, aus Ihrer Sicht mehr eine Showveranstaltung?

Schorlemmer: Nein, keine Show, aber außer reden nichts gewesen.

Paul Haverkamp, Lingen

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