Württemberg: Pfarrhäuser bleiben für Homo-Paare zu

Homosexuelles Paar in der Kirche

Homosexuelle Pfarrerinnen und Pfarrer können in Württemberg nicht mit ihren Partnern im Pfarrhaus zusammenleben. Foto: epd-bild/Vadim Kretschmer

Homosexualität - In der Evangelischen Landeskirche in Württemberg werden auch in Zukunft homosexuelle Pfarrer grundsätzlich nicht mit ihrem Partner im Pfarrhaus leben dürfen. Alle Gesprächskreise der Landessynode wollen an Praxis der Einzelfallregelung festhalten.

Die württembergische Landessynode hat am Mittwoch in Stuttgart angekündigt, lediglich in Einzelfällen schwulen oder lesbischen Paaren das Leben im Pfarrhaus zu eröffnen. Hintergrund der Diskussion ist die geplante Einführung eines bundesweiten Pfarrdienstrechts der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), das gleichgeschlechtliche Paare im Pfarrhaus zulässt. Landesbischof Frank Otfried July lobte die Haltung des Kirchenparlaments.

Am kritischsten zur gegenwärtigen Regelung äußerte sich der theologisch liberale Gesprächskreis "Offene Kirche". Dessen Synodale Jutta Henrich sprach sich für die kirchliche Segnung homosexueller Paare und die grundsätzliche Öffnung des Pfarrhauses für diese Personengruppe aus. "Schweren Herzens" sei man aber bereit, im Interesse der betroffenen Pfarrerinnen und Pfarrer an der bisherigen Einzelfallregelung festzuhalten, sofern sie rechtssicher als Gesetz oder Verordnung festgeschrieben werde.

"Es geht, wenn es in der Gemeinde geht"

Steffen Kern vom theologisch konservativen Gesprächskreis "Lebendige Gemeinde" wies darauf hin, dass die Bibel Homosexualität durchgängig negativ bewerte. Deshalb sei auch keine Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften möglich. Homosexuelle Paare im Pfarrhaus könnten keine kirchlich legitimierte Praxis sein.

Dekan Winfried Dalferth von der als gemäßigt geltenden Gruppierung "Evangelium und Kirche" fasste die Position zu Homosexuellen im Pfarrhaus in einem Satz zusammen: "Es geht, wenn es in der Gemeinde geht." Man stehe voll und ganz hinter dem Leitbild Familie im Pfarrhaus, das werde auch auf Dauer so bleiben. Deshalb könne nur wie bisher im Einzelfall ausgelotet werden, welcher Handlungsspielraum für homophil veranlagte Mitarbeiter bestehe.

Markus Munzinger von der sich als Reformbewegung verstehenden "Kirche für morgen" sprach sich ebenfalls für die Einzelfallregelung aus. Diese sei "kein theologischer, sondern ein politischer Kompromiss". Da gelebte Homosexualität von Christen unterschiedlich beurteilt werde, setze man sich für eine Regelung ein, die bei möglichst vielen Menschen in der Kirche Akzeptanz finde.

Landesbischof July lobte, dass die gesamte Synode die seit elf Jahren geltende Einzelfallregelung unterstütze. Mit der Übernahme des EKD-Pfarrdienstrechts werde sich nichts an der württembergischen Praxis ändern. Aus seiner Sicht hätten die genehmigten Einzelfälle nicht zu Verwerfungen in den Kirchengemeinden geführt. Andererseits müsse man darauf Rücksicht nehmen, dass es für viele Kirchenmitglieder schwer sei, Homosexualität zu akzeptieren - das dürfe nicht zu Spaltungen führen.

Ausnahmeregelung "unbefriedigend und diskriminierend"

Vor den Beratungen hatte der Lesbisch-Schwule Konvent in der württembergischen Landeskirche die Ausnahmeregelung als "unbefriedigend und diskriminierend" bezeichnet. Die Vereinigung fordert die Synode auf, bei Zustimmung aller Beteiligten das Zusammenleben gleichgeschlechtlicher Paare im Pfarrhaus zu ermöglichen.

Ein ehemaliger württembergische Pfarrvikar, der die württembergische Landeskirche verlassen hat, weil er mit seinem Partner zusammen im Pfarrhaus leben wollte, übernimmt eine Pfarrstelle in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, wie am Mittwoch bekannt wurde. Als das Vorhaben des 31-Jährigen, nach dem Pfarrvikariat die Landeskirche zu wechseln, bekannt wurde, trat die württembergische Kirchenleitung dem Eindruck entgegentreten, ein homosexueller Pfarrer werde aus dem Amt gedrängt.

epd

Kommentare

Verfasst von Maike Pfuderer am 26. November 2011 - 9:25.

Offener Brief an Landesbischof Dr. July

Sehr geehrter Herr Landesbischof Dr. July, mit großer Enttäuschung haben wir...

Sehr geehrter Herr Landesbischof Dr. July,

mit großer Enttäuschung haben wir den Beschluss der Herbstsynode zur Kenntnis genommen, der verpartnerten lesbischen und schwulen PfarrerInnen weiterhin den Zugang zum Pfarrhaus nur ausnahmsweise gewährt und sie damit vom regelmäßigen Gemeindepfarrdienst ausschließt.

Eine große Landeskirche wie die Württembergische sollte sich nicht weiter den Realitäten verschließen lesbische und schwul lebende Menschen gibt es eben nicht nur unter den Gemeindegliedern für die es ja nun seit wenigen Jahren ehrenamtliche Prälaturbeauftrage gibt, sondern eben auch unter den ordinierten Pfarrerinnen und Pfarrern der Landeskirche. Eine lebendige Kirche sollte dieses Potenzial nutzen und nicht durch den Kniefall vor der zweifelhaften Hermeneutik eines evangelikalen Gesprächskreises, für den eigentlich nur die Bezeichnung homophob passt, ausschließen!

Wir fordern Sie daher auf, die Öffnung der Pfarrhäuser bei der Frühjahrssynode 2012 erneut auf die Tagesordnung zu nehmen um dann einen Beschluss zu ermöglichen, der in den Lesben und Schwulen in der Landeskirche gerecht wird und auch den Grenzen, die das „Allgemeine Gleichstellungsgesetz“ vorgibt entspricht. Gerne werden wir den notwendigen Gesprächsprozess im Rahmen unserer Möglichkeiten begleiten.

Mit freundlichen Grüßen

Maike Pfuderer
BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN
Baden-Württemberg
LAG Lesben, Schwule und Transgender

Verfasst von Reinhard am 25. November 2011 - 12:13.

Zeit für Emanzipation? Zeit für Rechtsstaat?

Wie lange brauchen Menschen noch ihr Opium des Volkes und Herren, denen sie...

Wie lange brauchen Menschen noch ihr Opium des Volkes und Herren, denen sie sich zu unterwerfen haben?

Und wie lange duldet ein angeblich demokratischer Rechtsstaat noch Organisationen (und finanziert sie sogar), die gegen elementare demokratische Prinzipien der Gleichheit und Gleichbehandlung verstoßen?

Verfasst von Gast am 25. November 2011 - 2:58.

DANKE!

DANKE!
Verfasst von Bella Block am 24. November 2011 - 21:40.

Schade, schade

Schade, schade, im Ländle bleiben die Schranktüren für Lesben und Schwule zu...

Schade, schade, im Ländle bleiben die Schranktüren für Lesben und Schwule zu...
Es ist traurig, dass in Württemberg immer noch so wenig Offenheit für andere Lebensformen im Pfarrahus herrscht. Chance verpasst.
In anderen Landeskirchen wird auch darauf geachtet, dass Gemeinde und PfarrerIn samt Lebensform zusammenpassen. Wer möchte auch gegen den Wilen der gemeinde dort arbeiten?
Aber dennoch gibt es den Grundsatz, dass es möglich ist, dass Lesben und Schwule im Pfarrhaus leben.
Vorbild können auch sie sein, verlässlich und verantwortlich miteinander leben, das ist in Jesu Sinne. Eine Ehe alleine zeugt noch nicht von verantwortungsvollem Miteinander.
Mögen die vielen Lesben und Schwulen in Württemberg den Mut nicht verlieren und weiter nach Verbündeten suchen und den Konservativen im Ländle wünsche ich einen frischen Hauch der Heiligen Ruach um die verstaubten Ansichten aufzufrischen.

Verfasst von Gast am 27. November 2011 - 20:53.
Kommentar auf: Schade, schade

Kleiner Trost

Kleiner Trost: es ist nicht nur in der wtbg Kirche so, Sachsen hat noch nicht...

Kleiner Trost: es ist nicht nur in der wtbg Kirche so, Sachsen hat noch nicht entschieden, aber ich würde wetten, wie es ausgeht. Die Drohungen aus dem evangelikalen Lager sind so massiv, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass es menschlich ausgeht.

Verfasst von Gast am 24. November 2011 - 19:14.

Eindruck?

Tja, da kann die Kirchenleitung dem Eindruck entgegen treten - aber der...

Tja, da kann die Kirchenleitung dem Eindruck entgegen treten - aber der Eindruck ist da: jeder, der mit seinem Partner zusammen leben will - also jeder homosexuelle Pfarrer, der sein Leben normal leben will - muss die Landeskirche wechseln… es ist so.

Verfasst von Pfrin am 25. November 2011 - 19:37.
Kommentar auf: Schade

ja, schade

Hoffnung - Ja - nur nicht mehr im eigenen Leben - aber vielleicht für kommende...

Hoffnung - Ja - nur nicht mehr im eigenen Leben - aber vielleicht für kommende Generationen...

Verfasst von Ottokar am 27. November 2011 - 18:26.
Kommentar auf: ja, schade

Frage und Antwort

Wenn Schwule mit Lesben Geschlechtsverkehr in geeigneter Weise haben, kö...

Wenn Schwule mit Lesben Geschlechtsverkehr in geeigneter Weise haben, können sie dann Kinder zeugen? Wenn ja, dann mögen sie das doch bitte jetzt tun, denn damit schaffen sie sich eine Grundlage für Zukunftshoffnungen.

Verfasst von Gast am 28. November 2011 - 18:15.
Kommentar auf: Frage und Antwort

Niederträchtiger geht es kaum

Niederträchtiger geht es kaum noch!

Niederträchtiger geht es kaum noch!

Verfasst von Gast am 24. November 2011 - 12:11.

Eine mutige Entscheidung im

Eine mutige Entscheidung im Rahmen des kirchenpolitisch Möglichen.

Eine mutige Entscheidung im Rahmen des kirchenpolitisch Möglichen.

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