Walter Mixa: Streitbarer und umstrittener Kirchenmann

Walter Mixa

Der wegen Prügelvorwürfen umstrittene Augsburger Bischof Walter Mixa hat um Verzeihung gebeten. Mixa wird vorgeworfen, Heimkinder geschlagen zu haben. In der vergangenen Woche hatte er erstmals Schläge gegen Kinder zugegeben. Foto: epd-bild / Fred Dickmann

Eingeständnis - Der Augsburger Bischof Walter Mixa wird von ehemaligen Heimkindern beschuldigt, sie geschlagen zu haben. Nun räumt der katholische Geistliche, der immer wieder mit provokanten Äußerungen und Vergleichen von sich reden macht, erstmals Fehler ein.

Von Jutta Olschewski

Mit Bruchlandungen hat Bischof Walter Mixa Erfahrung. Vor fünf Jahren stürzte der katholische Oberhirte im Bischofspalais in Eichstätt und holte sich eine Gehirnerschütterung sowie eine Nasenbeinfraktur. Im Jahr 2007 fiel der inzwischen nach Augsburg versetzte Bischof vom Fahrrad, brach sich einen Arm und witzelte, "man soll eben auch mit dem Rennrad nicht schneller fahren, als der eigene Schutzengel fliegen kann".

Dem Geistliche, der jahrelang mit einem freundlichen Lächeln auf den Lippen durch seine Diözesen reiste und der als äußerst umgänglich, aber auch als selbstverliebt galt, ist das Scherzen zuletzt vergangen. Die jüngsten Vorwürfe, er habe als Stadtpfarrer in Schrobenhausen Heimkinder geschlagen, haben ihm stark geschadet. Vor allem wurde ihm verübelt, dass er zunächst reflexhaft alle Anschuldigungen von sich wies und den Betroffenen indirekt mit Klagen drohte. Hinzu kam die vermutete Zweckentfremdung von Stiftungsgeldern für private Geschäfte.

"Ich bitte um Verzeihung"

Nun räumte Mixa erstmals Fehler ein. "Es tut mir im Herzen weh und leid, dass ich vielen Menschen Kummer bereitet habe. Ich bitte um Verzeihung", erklärte er einer am Dienstag auf der Homepage seines Bistums veröffentlichten Mitteilung zufolge. Das Bistum wolle die gegen ihn erhobenen Vorwürfe lückenlos aufarbeiten. Am Montagabend hatte der Geistliche mit dem Priesterrat der Diözese die gegen ihn erhobenen Vorwürfe erörtert. Der Rat, eines der wichtigsten Beratungsgremien des Bischofs, erklärte, er teile die Sorge vieler um die Glaubwürdigkeit der Kirche.

Der in Oberschlesien geborene Walter Mixa wuchs im württembergischen Heidenheim an der Brenz - dem Geburtsort des heutigen Kurienkardinals Walter Kasper - auf und besuchte dort das Gymnasium. Sein Abitur absolvierte er am Spätberufenenkolleg im Kloster Fockenfeld bei Regensburg. Er studierte in Dillingen und in Fribourg in der Schweiz, wurde 1970 zum Priester geweiht und an der Universität Augsburg promoviert. 1973 bis 1996 war Walter Mixa Religionslehrer, seit 1975 Stadtpfarrer und zuletzt Dekan in Schrobenhausen. Aus dieser Zeit meldeten sich nun die Zeugen, die dem Kirchenmann vorwerfen, er habe Heimkinder geschlagen.

Mit München geliebäugelt

Seit März 1996 ist Mixa Bischof, zunächst in Eichstätt, seit dem Jahr 2000 zusätzlich Militärbischof. In dieser Funktion ist er Nachfolger des kantigen Fuldaer Bischofs Johannes Dyba (1929-2000). Im Jahr 2005 berief Papst Benedikt XVI. Mixa in die zweitgrößte bayerische Diözese nach Augsburg. Der jetzt 68-Jährige ist dort Oberhirte von knapp 1,4 Millionen Katholiken in 1.000 Kirchengemeinden. Geliebäugelt hatte Mixa allerdings damals, so sind Beobachter überzeugt, mit dem Erzbistum München-Freising. Mit der Leitung der wichtigsten bayerischen Diözese wurde im Jahr 2008 Reinhard Marx betraut.

Auch eine Bargeldaffäre Anfang 2002 dürfte Mixa um die Chance auf den Sprung nach München gebracht haben. Damals war der Bischof vom mazedonischen Zoll mit 400.000 Mark im Koffer erwischt worden. Geld, das er angeblich für den Bischof von Skopje transportierte. Mixa geriet in Erklärungsnot, obwohl er doch bundesweit als Mann der klaren und zugespitzten Worte gilt. Als Hardliner machte er sich einen Namen in der Frage der Schwangerenkonfliktberatung, in der er als erster deutscher Bischof der Linie von Papst Johannes Paul II. folgte, der den Ausstieg der Kirche aus der Beratung verlangte.

In die ökumenische Suppe gespuckt

In kirchlichen Kreisen gibt sich Mixa immer gern als Freund ökumenischer Fortschritte, doch Bemühungen seinerseits in diese Richtung sind kaum wahrzunehmen. Im Gegenteil - manchesmal spuckt Mixa Ökumenefreunden in die Suppe. Besonders streng zeigte er sich gegenüber dem Großhabersdorfer Pfarrer Bernhard Kroll. Nachdem dieser beim ersten Ökumenischen Kirchentag in Berlin 2003 bei einem evangelischen Gottesdienst das Abendmahl empfangen hatte, verbot Mixa ihm die Amtsausübung.

Ausgerechnet bei den ökumenischen Feierlichkeiten zum 10. Jahrestag der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre entsetzte Mixa 2009 viele Protestanten, als er sie im Festgottesdienst herabstufte zu "kirchlichen Gemeinschaften, die während der Reformation entstanden sind". Mixa, mit Hilfe seines Medienberaters, dem 50-jährigen Dirk Hermann Voß, setze provokante Äußerungen, die immer wieder für Schlagzeilen gut sind, nicht versehentlich, sind Beobachter überzeugt.

Kalkulierte Tabubrüche

Auch Mixas Einlassung, die sexuelle Revolution der 68er Jahre habe sexuellen Missbrauch an Kindern begünstigt, waren wohl kaum ein spontaner Diskussionsbeitrag. Nach dem er wegen Misshandlungsvorwürfen immer stärker in die Kritik geraten war, sagte der Militärbischof vor wenigen Tagen einen Besuch der Bundeswehrsoldaten und Militärseelsorger in Afghanistan ab. Oft sind Mixas Beiträge kalkulierte Tabubrüche, von Berater Voß ins Spiel gebracht. Etwa wenn Mixa den Völkermord an den Juden den Schwangerschaftsabbrüchen gegenüberstellt oder "aggressiven Atheismus" für Nationalsozialismus und Kommunismus verantwortlich macht.

Die damalige Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) musste sich wegen ihrer Kinderkrippenpläne von Mixa anhören, sie degradiere Frauen zu "Gebärmaschinen". Öffentliche Erregung über diese Vergleiche ist meist programmiert. Doch immer lauter wird inzwischen nach der Glaubwürdigkeit des streitbaren wie umstrittenen Bischofs gefragt. Nach der Priesterratssitzung vom Montag zitiert die "Süddeutsche Zeitung" (Online-Ausgabe) ein ungenanntes Mitglied mit den Worten: "Dieser Bischof ist nicht mehr zu halten."

epd

Kommentare

Verfasst von Gast am 20. April 2010 - 18:10.
Kommentar auf: Peinlich

Konkordat

Würde das Land Bayern seinen in den Konkordaten genannten Pflichten nachkommen...

Würde das Land Bayern seinen in den Konkordaten genannten Pflichten nachkommen, müsste kein Bischof mehr vom Staat bezahlt werden.

Zeitungsartikel sind keine "Wahrheiten".

Wo haben sie bitte einen Beweis für eine Lüge?

Gilt bei Ihnen die Unschuldsvermutung nicht mehr? Ist für katholische Geistliche der Rechtsstaat abgeschafft worden? Wenn die veröffentlichte Meinung immer brüllt, die Kirche müsse sich an Gesetze halten (was sie übrignes besser macht als viele Jugendämter, staatliche oder private Schulen (Odenwald!) und Institutionen), dann sollte aber auch jeder andere an diese Gesetze halten.

Veruntreute Waisenhausgelder hat es nie gegeben.

Sie sollten sich schon mal etwas genauer informieren.

Verfasst von Gast am 20. April 2010 - 19:24.

Falsche Informationen

Wenn sie schon den Blick auf den finanziell gut ausgestatteten Bischof den auf...

Wenn sie schon den Blick auf den finanziell gut ausgestatteten Bischof den auf die Opfer vorziehen (wie es alndauf landab leider viel zu oft geschieht, dass sich kein mensch um die opfer kümmert, die sich nicht mal von sich aus beim sonderermittler melden), dann sollte sie auch richtig hinschauen.

An keiner Stelle hat Bischof Mixa gesagt, dass er Ohrfeigen verteilt hat.
Er hat nur gesagt, dass, wenn jetzt die Frage nach Gewalt auf die Ohrfeige zugespitzt wird (und man kann sich gut die ständig wiederholte frage vorstellen "keine gewalt, gar keine gewalt, nicht mal eine einzige ohrfeige"), er in seiner langen Zeit als Seelsorger und Lehrer die eine oder andere Watsch'n nicht ausschließen könne. Sollte dies vorgekommen sein bitte er um Vergebung.

in demut steckt immer noch das wort mut. mut zur wahrheit. oder zumindest mut zur sachlichen analyse und nicht zu hetzerischen zeitungsgläubigkeit. wer der veröffentlichen meinung mehr glaubt als den beteiligten (egal ob opfer oder täter), der hat seinen verstand beim zeitungskiosk abgegeben.

Er hat also mitnichten gesagt, dass er ohrfeigen verteilt hat. er weiß es nicht, sein gewissen ist rein. wollen wir doch nicht vergessen, auf welche anschuldigungen hin der bischof sich rechtfertigte. da ging es um schläge mit der fäusten und teppichklopfer.

ich weiß nicht ob mixa ohrfeigen verteilt hat, SIE wissen es aber auch nicht! wo also bleibt nun nochmal die lüge des bischofs?

bisher hat sonderermittler knott von unregelmäßigkeiten gesprochen, die sich auf die buchungskonten beziehen, nicht von "veruntreuten geldern". fragen sie mal bei siemens nach, was da der unterschied ist. die wissen das inzwischen ziemlich genau.

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