Kirche - Die Kirche schreckt Männer eher ab, meint der amerikanische Buchautor David Murrow. Das Gemeindeleben sei für sie langweilig. Männer bräuchten mehr Aktivitäten im Freien, Arbeit, Herausforderungen.
An der Spitze der Kirchen stehen nach wie vor überwiegend Männer. In der katholischen Kirche sowieso, weil dort Frauen nicht einmal zum Priesteramt zugelassen sind. Aber auch bei den deutschen Protestanten gibt es zurzeit mit Ilse Junkermann von der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland nur eine Bischöfin.
Dabei wird leicht übersehen, dass Frauen fast alle anderen kirchlichen Bereiche dominieren: insbesondere bei Gottesdienstbesuch und Ehrenamt haben Frauen eine klare Mehrheit. Mit seinem jetzt auf Deutsch erschienenen Buch "Warum Männer nicht zum Gottesdienst gehen" heizt der US-Amerikaner David Murrow auch in Deutschland die kirchliche Geschlechterdebatte neu an.
Murrow ist kein Theologe, sondern TV-Journalist und Vorsitzender der Aktion "Kirche für Männer". Er vertritt die These, dass Kirche Männer eher abschreckt. "Das tatsächliche christliche Leben, wie es von den meisten Gemeindebesuchern gelebt wird, ist ungefähr so herausfordernd wie das Malen mit Fingerfarben und so aufregend wie ein Marmeladebrot", polemisiert er auf dem US-amerikanischen Hintergrund.
Männer in der Bibel: weder nett noch konfliktscheu
Seine Provokation liegt darin, dass er dem modernen beschaulichen Gemeindeleben Männer der Bibel gegenüberstellt. Und die waren weder nett noch konfliktscheu, sondern nahmen waghalsige Herausforderungen an und riskierten im Einsatz für die christliche Botschaft ihr Leben. Dass Männer in anderen Religionen heute eher Heimat finden als im Christentum, wundert Murrow nicht. "Islam und Säkularismus haben Männerherzen mehr zu bieten als die normale Kirchengemeinde."
Als Therapie schlägt Murrow vor, die Männerwelt stärker im Gemeindeleben zu berücksichtigen. Für ihn heißt das: Predigten, die nicht nach Studierstube riechen, sondern auch nach Schweiß, Arbeitswelt und beruflichen Herausforderungen; Aktivitäten im Freien, wo sich der Durchschnittsmann viel lieber aufhält als in einer Kirchenbank; die Gemeinde nicht als Kuschelstube beschreiben, sondern als Kampfgemeinschaft. "Ein Christentum, das auf Risikovermeidung abzielt, wird niemals Männer anziehen", resümiert Murrow.
Ganz so dramatisch sieht Martin Rosowski, seit zwanzig Jahren Geschäftsführer der Männerarbeit der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), die Lage nicht. Männer seien zwar seltener im Gottesdienst, hätten deshalb aber genauso spirituelle Fragen. Es sei viel Loyalität und Gesprächsbereitschaft im Blick auf die Kirche da. Allerdings gelte: Wenn Männer sagten, Kirche sei wichtig, dann meinten sie damit meistens, sie sei wichtig für Alte, Kranke, Frauen und Kinder.
Weniger belehren, mehr Dialog
Rosowski empfiehlt - ähnlich wie Murrow -, männlichen Bedürfnissen entgegenzukommen. "Die gesamte kirchliche Botschaft ist zu belehrend", findet der Geschäftsführer. Wichtiger sei es, mit Männern ins Gespräch zu kommen, den Dialog anzubieten und sie nach ihrem Erleben zu befragen.
Das geschehe etwa durch den jährlichen Männersonntag, der in diesem Jahr am 16. Oktober stattfindet. Ein Werkheft in einer Auflage von 8.000 Exemplaren geht an Multiplikatoren in der Kirche. Die sollen dann mit Männern vor Ort das Thema "In den Schwächen mächtig - Männer zwischen Macht und Ohnmacht" vorbereiten.
Zahlen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) belegen, dass Frauen an leitenden Positionen im Kommen sind. Von den 14.300 beschäftigten Theologen ist schon fast jeder dritte weiblichen Geschlechts. Noch stärker der Trend an der Universität: Über 56 Prozent der 2.400 Studenten der evangelischen Theologie sind Frauen. Es spricht also zumindest die Statistik dafür, dass in den nächsten Jahrzehnten auch die Bischöfinnenquote ansteigen wird.
David Murrow, Warum Männer nicht zum Gottesdienst gehen. 288 Seiten, EUR 14,95. Verlag cap-Books (Haiterbach) 2011.







Kommentare
Männer in der Kirche
Wie soll ein Pfarrer/eine Pfarrerin über Schweiß, Arbeit und beruflicher Herausforderung predigen. Wann hat er das letzte Mal geschwitzt und wobei?
Der Kampf um die Männer wurde schon beim Kampf um die Arbeiter im letzten Jahrhundert verloren!
Trotzdem, es gibt Gottesdienste, da kommen Männer zu tausenden!!
Er hat das letzte mal
Er hat das letzte mal geschwitzt als die Steuereinnahmen in folge der Wirtschaftskriese kleiner wurden.
Reine Mädchen- und reine
Reine Mädchen- und reine Jungengruppen nehmen den Konfirmanden jegliche Chancen über "Persönliches" mit dem anderen Geschlecht zu kommunizieren. Die Tatsache, das Mädchen während ihrer Konfirmandenzeit körperlich weiter entwickelt sind, dürfte sich nicht negativ auf den Unterrichtsstoff der Konfirmanden auswirken. Im Gegenteil!
Pubertät ist doch für jeden jungen Menschen ein Prozess, durch den man nun mal durch muß- ob man will, oder nicht!
Es ist wie bei allen geschlechtszugeschriebenen Tätigkeiten: Handarbeiten sollte für Jungen und Mädchen angeboten werden und Werkunterricht genauso.
Wer früher nun mal nicht die Statur hatte, um Schmied zu werden, wurde halt Schneider, oder Barbier, oder, oder, oder....!
Es gibt ja auch noch gar nicht so lange Pfarrerinnen, Krankenpfleger, Erzieher.... Es gibt kräftig gebaute Frauen und Mädchen und es gibt zarte Männer und Jungen! Gewiss, manche sind Spätzünder! Aber viele bleiben aufgrund ihrer körperlichen Verfassung ewig Konfirmandentypen! Da helfen nur Hormongaben. So weit ich weiß, nehmen sich die Mädchen dieser zarten Jungen an und bemuttern sie. Das hat die Natur doch hervorragend eingerichtet. Als zukünftiger Partner kommen diese eher nicht in Frage...auch so eine Sache der Arterhaltung!
Der Beitrag ist das beste
Der Beitrag ist das beste Beispiel, warum man doch getrennte Gruppen einrichten sollte. So viele "Allgemeinplätze" regt nicht nur Jungs in dem Alter mächtig auf.
Warum Männer nicht zum Gottesdienst gehen.
Ganz einfach: sie wollen nicht dauernd hören, alles was Spaß macht ist Sünde.
Es reicht schon, das das sündteuer ist.
>>Ganz einfach: sie wollen
>>Ganz einfach: sie wollen nicht dauernd hören, alles was Spaß macht ist Sünde.<<
Und was soll das sein?
“Die Ehrfurcht vor der Vergangenheit und die Verantwortung gegenüber der Zukunft geben fürs Leben die richtige Haltung.” - Dietrich Bonhoeffer
Nein, das denke ich
Nein, das denke ich nicht!
Viele sind wohl eher der Meinung, das es wesentlich männlicher ist, sich täglich zu betrinken, die Geschwindigkeit auf maximum einzustellen- egal bei welchem Fahrzeug- und möglichst nicht über irgendwelche privaten Angelegenheiten zu kommunizieren. Man könnte es auch "verdrängen" nennen!
Dann macht man Frauen grundsätzlich in aller Öffentlichkeit schlecht, redet derbes Gewäsch und findet sich dabei total klasse! Frauen gehören immer noch verprügelt, wenn sie sich tatsächlich herausnehmen, eine eigene Meinung zu haben. Natürlich gibt es da wesentlich ansprechendere Religionen für sie als das Christentum! Aber an diesem Zustand ist die Kirche selbst schuld, weil nämlich ihre Vetreter wirklich nichts- aber auch gar nichts- tun,um diesen Zustand zu ändern. Eher im Gegenteil auch noch die Menschen aus den Jobs herauskatapultieren und ins Ehrenamt zwängen! Superklasse! Man wundere sich nicht, wenn auch noch die letzten die Kirche verlassen! Sie haben allen Grund dafür!!!!!!!!!!!
Vorurteil?
Sicher mag es solche o.g.Männer geben, aber sicher doch nur ein kleiner Teil.Das Problem liegt anders:Männer haben es offensichtlicher (soll jetzt kein Vorurteil gegen Frauen sein....auch sie denken logisch,haben aber off.mehr den Hang zur Spiritualität)mehr mit der Logik,und es schwer ihnen Geschichten, die vor 1000senden von Jahren aufgeschreiben wurden,als glaubhaft oder wahrhaftig darzustellen,viele naturwissenschaftlichen Erkenntnisse sprechen dagegen!Originalzitat eines Mediziners:"Auferstehung nach dem Tod,Engel,Jungfrauengeburt,so ein Quatsch,kann es nicht geben,wußte aber damals noch niemand, dennoch bleibe ich in der Kirche, ich will meinen Arbeitsplatz nicht gefährden und außerdem unterstütze ich mit meiner K-Steuer die gute Jugendarbeit, die die Kirche macht"
Stimmt, und außerdem...
...will man auch nicht dauernd belehrt werden, daß man gefälligst Grüne und Greenpeace gut und Atomkraftwerke schlecht zu finden hat, außerdem ein schlechter Mensch ist, weil man jeden Tag Auto fährt.
Wenn Ihr mich so unerträglich findet, will ich Euch bei Euren Lobpreisungen auch nicht weiter stören - ich gehe so lange ein bißchen Auto fahren :-)
Leider ist das meine Erfahrung...
...aus mindestens 30 Jahren Kirchgang. Ich bin der Böse, das hat man mir zur Genüge -indirekt- eingetrichtert. Ich habe darauf keine Lust mehr. Sollen die Guten halt meinetwegen unter sich bleiben.
amtskirchliche Ethik
Ich habe das letztes Jahr beim Gospelkirchentag erlebt.
Allerhand freikirchliche Gruppen haben das Evangelium verkündet und/oder einfach Musik gemacht.
Als Tagesabschluss kam ein EKD-Chorleiter, der in seinen "Gebeten" seine eigenen politischen Ansichten in wir-Form vorgetragen hat.
Yep!
Hab ich auch in vielen Insider-Events so erlebt.
Und deshalb gehen wir -ohne Mann- mit Maus unter.
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