Was ist evangelisch, was ist katholisch?

Kreuz

Das Kreuz ist gemeinsames Symbol aller Christen. Foto: Fotolia / Kovac

Konfessionen - Mit dem Besuch von Papst Benedikt XVI. in Deutschland rückt auch die Ökumene im Land der Reformation in den Blickpunkt. Römisch-katholische und evangelische Christen verbindet der Glaube an den einen Gott, seinen Sohn Jesus Christus und die Kraft des heiligen Geistes. Die zwei Konfessionen entwickelten in Alltag und Gottesdienst allerdings eigene Traditionen, mit denen sie sich zugleich voneinander abgrenzen. Hier ein kleines Glossar.

Von Stephan Cezanne

Bibel: Die Heilige Schrift ist für alle Christen Zentrum und Quelle ihres Glaubens. In evangelischen Gottesdiensten wird meist die dem modernen Deutsch angepasste Lutherbibel und in deutschsprachigen katholischen Messen die Einheitsübersetzung benutzt. Schon lange gibt es allerdings von katholischen und evangelischen Theologen gemeinsam herausgegebene ökumenische Übersetzungen.

Kirchen: Traditionell befinden sich in katholischen Kirchen unter anderem Heiligenbilder, Beichtstühle und Weihwasserbecken. Im Gegensatz zu den meisten evangelischen sind katholische Gotteshäuser zudem tagsüber fast immer geöffnet. Doch auch Protestanten nutzen ihre Kirchen außerhalb der Gottesdienste zunehmend als Ort für stilles Gebet und Meditation. Insgesamt gleichen sich in der modernen Architektur der vergangenen Jahre evangelische und katholische Kirchen zunehmend einander an.

Gottesdienst: Nach wie vor gilt für römisch-katholische Christen die Pflicht, am Sonntag in die Kirche zu gehen. Dem kommen nach der jüngsten Statistik aus dem Jahr 2007 rund 14 Prozent der Katholiken regelmäßig nach. Obwohl auch von evangelischen Christen der sonntägliche Kirchgang erwartet wird, besucht nur eine Minderheit den Gottesdienst. Statistiken zählen weniger als fünf Prozent. Ausnahmen sind hohe Feiertage wie Weihnachten und Ostern.

Sakramente: Christen verstehen Sakramente als heilende Zeichen der Nähe Gottes - danach tritt Gott in den Sakramenten zu den Menschen in Beziehung. Die katholische Kirche kennt ebenso wie die orthodoxen Ostkirchen sieben Sakramente: Taufe, Firmung, Eucharistie, Buße mit Sündenbeichte, Krankensalbung, Priesterweihe sowie die Ehe. In der evangelischen Kirche gibt es zwei Sakramente: Taufe und Abendmahl.

Abendmahl und Eucharistie: In der Regel dürfen in der katholischen Eucharistiefeier nur katholische Christen die Kommunion empfangen. Katholiken ist der Empfang des Abendmahls in evangelischen Kirchen verboten. Aus Sicht des römischen Lehramts sind evangelische Pfarrer nicht gültig geweiht. Sie könnten daher die Sakramente nicht vollwertig spenden, so der Vatikan. In der evangelischen Kirche sind dagegen alle getauften Christen zum Abendmahl eingeladen, die auch in ihren Heimatkirchen zum "Tisch des Herrn" zugelassen sind.

Konfirmation und Firmung: In der evangelischen Kirche nehmen fast alle getauften Mädchen und Jungen im Alter von etwa 14 Jahren an der Konfirmation teil. Für die meisten Protestanten heißt evangelisch sein auch konfirmiert zu sein. Der evangelischen Konfirmation entspricht die katholische Firmung, meist zwischen dem zwölften und 15. Lebensjahr. Zuvor gehen junge Katholiken mit etwa zehn Jahren zur Erstkommunionfeier, bei der sie erstmals die Eucharistie empfangen.

Heilige: Katholiken verehren ihre Vorbilder im Glauben als Heilige. Mehr als 4.000 Heilige, Selige und Namenspatrone aus der 2.000-jährigen Geschichte des Christentums zählen die einschlägigen katholischen Kalender. Martin Luther (1483-1546) bekämpfte den übertriebenen Heiligenkult in der Kirche seiner Zeit besonders heftig. Zugleich würdigte er jedoch die Lebensbeschreibungen der Heiligen als "nützlichste Bücher der Christenheit".

Bekreuzigen: Katholische Christen bekreuzigen sich vor allem im Gottesdienst, aber auch im Alltag - etwa Sportler vor dem Wettkampf. Sie bekennen damit öffentlich ihren christlichen Glauben. In der evangelischen Kirche kennt man das Kreuzzeichen allein im Gottesdienst.

Kloster: Das in der frühen Kirche entstandene christliche Mönchstum ist in der katholischen, aber auch der orthodoxen Kirche bewahrt worden. Die evangelische Kirche kennt keine Mönche und Nonnen. Doch auch im protestantischen Raum gibt es zahlreiche Bruderschaften, Schwesternschaften und Kommunitäten mit zölibatär lebenden Männern und Frauen. Besonders junge Christen sind zudem fasziniert von der ökumenischen Kommunität von Taizé im französischen Burgund.

Himmel und Hölle: Die traditionelle katholische Lehre pflegt die bildhafte Sprache von Himmel und Hölle bis heute. Moderne Theologen aus allen Konfessionen verstehen beide Begriffe heute weniger als reale Orte, sondern eher als Zustände für besondere Gottesnähe, beziehungsweise für ein schmerzvolles Getrenntsein von Gott. Das Leben nach dem Tod wird vorsichtig als ein "nach Hause kommen" interpretiert.

epd

Kommentare

Verfasst von Br. Bernd OFS am 24. September 2011 - 22:12.

Im Prinzip nicht schlecht....

....ist es, die Unterschiede zu benennen. Aber musste das so "nachlä...

....ist es, die Unterschiede zu benennen. Aber musste das so "nachlässig" und oberflächlich geschehen?
Der Abschnitt "Abendmahl und Eucharistie" erweckt den Anschein, als würden sich Unterschiede lediglich aus der Zulassung und/oder der "Gültigkeit" des Sakramentes, aufgrund der "Spendungsfähigkeit" beschränken.
"Verschwiegen" wird dabei, dass es fundamentale Unterschiede zwischen dem Evangelischen Abendmal und der Eucharistie gibt.
Sind diese nicht bekannt, kann natürlich die Weigerung der Katholischen Kirche, eine Interkommunion zuzulassen nicht verstanden und auch nicht gewürdigt werden.
Die Feier des Abendmahles findet, nach meiner Erfahrung, in Evangelischen Kirchen eher seltener statt.
Die Eucharistie ist in unserer Heiligen Messe absoluter Mittelpunkt, findet entsprechend täglich statt und hat daher für uns Katholische Christen eine außerordentlich hohe Bedeutung!

Annäherung zur Ökumene hin, funktioniert einfach nicht, wenn man die Glaubenspraxis der Geschwisterkirchen nicht kennt! Das "Erlernen" der Unterschiede inklusive deren Bedeutung ist nicht immer einfach und "leicht". Aber ohne das Verständnis verkommt Ökumene zu plakativen Forderungskatalogen.

Zitat:
"Wenn ein Staatsoberhaupt ein befreundetes Land besucht, gehen im allgemeinen Kontakte zwischen den Instanzen voraus, die den Abschluss eines oder auch mehrerer Verträge zwischen den beiden Staaten vorbereiten: In der Abwägung von Vor- und Nachteilen entsteht der Kompromiss, der schließlich für beide Seiten vorteilhaft erscheint, sodass dann das Vertragswerk unterschrieben werden kann.

Aber der Glaube der Christen beruht nicht auf einer Abwägung unserer Vor- und Nachteile. Ein selbstgemachter Glaube ist wertlos. Der Glaube ist nicht etwas, was wir ausdenken oder aushandeln. Er ist die Grundlage, auf der wir leben. Nicht durch Abwägung von Vor- und Nachteilen, sondern nur durch tieferes Hineindenken und Hineinleben in den Glauben wächst Einheit."
Bendikt XVI

pace e bene
bruder Bernd
 

Verfasst von Nachtfalter am 26. September 2011 - 22:08.

Kopf oder Herz

Bruder Bernd schrieb: "Verschwiegen" wird dabei, dass es fundamentale...

Bruder Bernd schrieb:

"Verschwiegen" wird dabei, dass es fundamentale Unterschiede zwischen dem Evangelischen Abendmal und der Eucharistie gibt.

Ist dieser Unterschied auch in den Herzen der (rk-) Gläubigen angekommen, oder besteht er vorwiegend in den Köpfen der Hauptamtlichen?

Nachtfalter

Verfasst von Gast am 18. September 2011 - 12:09.

Sakramente

Schön, dass einmal die Unterschiede systematisch genannt werden und nicht immer...

Schön, dass einmal die Unterschiede systematisch genannt werden und nicht immer nur von Ökumene im Allgemeinen gesprochen wird.
Ein wesentlicher Unterschied ist die Heilige Messe und darin die heilige Eucharistie.Wir Katholiken glauben, dass Jesus Christus in der gewandwelten
Hostie real präsent ist.Es ist also keine Böswilligkeit, wenn das evangelische Abendmahl nicht akzeptiert wird, sondern ein fundamentaler
Unterschied im Glauben.Was die Heiligen betrifft glauben wir, dass diese um Fürsprache bei Gott gebeten werden dürfen.Auch verehren wir Maria sehr, was nichts mit Anbetung zu tuen hat.Dass in der evangelischen Kirche die Sakramente, die den Menschen unedlich wichtige Gnaden geben ignoriert werden bis auf die Taufe ist unverständlich.Die selige Anna Katharina Emmerick sprach nach einer Vision von einer kraftlosen Kirche.Die kath. Kirche ist nicht mit besseren Menschen versehen. Sie gibt aber die Gnaden, die für das Heil so wichtig sind.Auf ihr liegt trotz aller menschlicher Verfehlungen die Kraft Gottes.Die Gläubigen machen hiervon nur zu selten Gebrauch und einige Hirten verlassen ihre Herde, ganz abgesehn von verbreiteten Irrlehren.Ich hoffe, dass der Papst theologische Akzente setzt und sich nicht auf strukturelle allzu sehr einläßt-Da bin ich aber bei unserem Papst auch sicher, ganz gleich, was selbst ernannte Kirchen von unten fordern.

Verfasst von Gast am 17. September 2011 - 16:10.

Nicht nur

"Martin Luther (1483-1546) bekämpfte den übertriebenen Heiligenkult in der...

"Martin Luther (1483-1546) bekämpfte den übertriebenen Heiligenkult in der Kirche seiner Zeit besonders heftig."

Das ist grob irreführend und ich frage mich, was der Autor damit wohl bezweckt. Luther bekämpfte nicht nur den übertriebenen Heiligenkult und nicht nur den in der Kirche seiner Zeit, sondern den Heiligenkult schlechthin. Evangelisch darf man sich nur nennen, wenn man Luther darin recht gibt.

Verfasst von Ismael am 17. September 2011 - 11:04.

Nachtrag: Kirchengebäude und Kirchenbegriff

Für den Abschnitt "Kirche" (Gebäude) wäre noch wichtig...

Für den Abschnitt "Kirche" (Gebäude) wäre noch wichtig, dass sich in fast allen katholischen Kirchen (ausgenommen kleinere Kapellen) ein Tabernakel befindet: ein Schrein, in dem einige der in der Eucharistiefeier konsekrierten Hostien (also die bein Herrenmahl verwendeten Brotoblaten) verwahrt werden. Nach katholischem Glauben sind sie - auch nach der Messfeier - Zeichen der Gegenwart Christi und werden dementsprechend verehrt. In der Nähe des Tabernakels brennt als Zeichen der Verehrung ein rotes Licht.

Das Verständnis von "Kirche" im weiteren Sinne weist gravierende Unterschiede auf, die man kennen sollte, um die Probleme in der Ökumene verstehen zu können. Nach evangelischer Ansicht ist die Kirche die Versammlung der Gläubigen, "bei denen das Evangelium rein gepredigt und die Sakramente (Taufe und Abendmahl) laut dem Evangelium gespendet werden." Nach katholischer Lehre ist entscheidend, dass die Bischöfe der Kirche als Nachfolger der Apostel in einer bis in die Zeit der zwölf Apostel zurückreichenden Abfolge von einem gültig geweihten Bischof eigesetzt wurden (apostolische Sukzession). Nur ein so geweihter Bischof kann seinerseits Priester weihen.

So erklärt es sich, dass von der römisch-katholischen Kirche zwar die orthodoxen Kirchen, nicht aber die evangelischen als "Kirche" im eigentlichen Sinne anerkannt werden.

Die evangelische Kirche kenn ein Weihesakrament und eine Unterscheidung von Klerikern und Laien nicht.

 

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