Wort zum Sonntag: Ein "christlicher Fundamentalist"?

Blumen vor der Botschaft Norwegens

Aus Anteilnahme für die Opfer in Norwegen liegen Blumen vor der Botschaft Norwegens in Berlin. Foto: dpa / Jörg Carstensen

Andacht - Es soll ein christlich-fundamentalistischer Rechtsextremist gewesen sein, der am Freitag in Norwegen fast hundert Menschen umbrachte. "Was für einen Glauben nimmt dieser Mann für sich in Anspruch?", fragt Pfarrerin Adelheid Ruck-Schröder aus Saarbrücken in ihrem Wort zum Sonntag.

Von Pfarrerin Adelheid Ruck-Schröder

Oslo und Utoya. Seit gestern sind das Orte des Schreckens: Ein zerstörtes Regierungsviertel, sieben Tote; ein Sommercamp, das zur Hölle wurde, weil ein einziger Mann 85 Jugendliche niederschoss. Die Polizei hat jetzt den mutmaßlichen Täter festgenommen: Ein christlicher Fundamentalist mit rechten Überzeugungen. So heißt es.

Und dazu soll ich nun ein Wort zum Sonntag zu Ihnen sprechen. Das fällt mir schwer. Denn das Ausmaß des Terrors ist so groß, dass ich kaum glauben kann, dass ein einzelner Mensch dazu fähig ist. Einer, der sich selbst auch noch als christlich beschreibt. Der Mann wollte der Polizei gegenüber seine Motive darlegen. Irgendwie möchten wir alle ja eine Erklärung. Aber im Grunde kann kein Motiv die Opfer aufwiegen. Die toten jungen Menschen, ihre Familien, ihre Trauer - da wirkt doch jedes scheinbar noch so starke Motiv wie Hohn.

Mir wird fast schlecht, wenn ich lese, was der Täter im Internet veröffentlich hat: Er schreibt: "Der Glaube eines einzelnen Menschen ist gleich wie die Kraft von 100.000, die nur Interessen haben." Was für einen Glauben nimmt dieser Mann für sich in Anspruch? Einen Glauben, der im Töten endet? Das ist nicht mein Glaube. Das ist nicht mein christlicher Glaube.

Er schätzt den Tod höher als das Leben

Es ist ein fundamentalistischer Glaube. Fundamentalisten, egal welcher Couleur, dulden keine Widersprüche. Sie können die lebendige Auseinandersetzung nicht ertragen. Sie können überhaupt das Leben nicht zulassen. Da läuft etwas grundsätzlich schief, wenn Gedanken extrem werden, ob sie nun christlich, islamisch, rechts- oder linkspolitisch sind. Sie führen dazu, dass sich Menschen radikalisieren. Wer fundamentalistisch denkt, schätzt leicht den Tod höher als das Leben.

Der Täter von Oslo, vielleicht waren es ja auch mehrere, er hat seine Mordobjekte gezielt ausgesucht: Das Regierungsviertel in Oslo ist Sitz einer Demokratie. Demokratie ist immer etwas Lebendiges. Da werden Kompromisse ausgehandelte, Widersprüche diskutiert, Grundwerte verfochten. Genau ins Herz dieser lebendigen Demokratie hat der Täter getroffen.

Und die Ferieninsel Utoya, auch sie steht mit seinem Jugendcamp für Leben, für junge Menschen, für lebendige Beziehungen. Genau ins Herz dieses pulsierenden Lebens hat der Täter getroffen. Er wurde damit zum Anwalt des Todes. Nimmt er dafür einen Gott für sich in Anspruch? Dann ist das ein Götze des Todes.

Gott ist auf der Seite der Lebenden

Aber wo ist mein Gott, der Gott an den ich glaube, der christliche Gott? - Ganz tief in mir drin hätte ich mir gewünscht, dass er sich dem jungen Mann in den Weg gestellt hätte, dass er ihn an seiner furchtbaren Tat gehindert hätte. Aber so ist es nicht gelaufen. So funktioniert diese Welt nicht. Das Böse kann sich offensichtlich immer wieder sinnlos austoben und Tote fordern.

Wenn es aber Gott gibt, und ich glaube daran, dann ist er Anwalt des Lebens. Dann war er bei der Tragödie von Oslo auf der Seite der Lebenden, auf der Seite der Jugendlichen im Sommercamp, dann ist er auch jetzt bei den trauernden Familien, die ihre Kinder beweinen.

Darin steckt mehr Leben und Glauben als in jener sinnlosen Tat. 


Adelheid Ruck-Schröder ist Pfarrerin in Saarbrücken.

Ihr Wort zum Sonntag wurde am 23. Juli 2011 im Saarländischen Rundfunk (ARD, Das Erste) gesendet.

Kommentare

Verfasst von Laie am 31. Juli 2011 - 13:13.

"Ein christlicher

"Ein christlicher Fundamentalist mit rechten Überzeugungen. So heißt es ......

"Ein christlicher Fundamentalist mit rechten Überzeugungen. So heißt es ... Einer, der sich selbst auch noch als christlich beschreibt."

Zitat aus Volksstimme Magdeburg vom 26. 07. 11: “(Helge Luras … Terrorismusexperte am Norwegischen Institut für Auslandspolitik …) Breivik wird in der Öffentlichkeit als konservativer Christ dargestellt – das sei dem Manuskript zufolge aber nicht korrekt, meint Luras. ‘Er sagt selbst, dass er nicht gläubig sei, nicht an den christlichen Gott glaubt.’ Das kulturelle Element des Christentums aber halte der Attentäter für einen fundamentalen Teil der europäischen Identität.”

Man staunt, wie eilfertig gerade in kirchlichen Medien die Falschmeldung vom konservativen, fundamentalistischen ... Christen verbreitet wird. Man könnte fast meinen, hier herrsche große Erleichterung, weil man endlich ein wunderbares Argument hat, mit dem man innerkirchliche Kritiker anschwärzen sowie den Islam ganz großartig verteidigen kann.

Verfasst von HannoTerbuyken am 31. Juli 2011 - 17:28.
Kommentar auf: "Ein christlicher

Ich verweise dazu auf

Ich verweise dazu auf unseren Text "Der Attentäter ist kein...

Ich verweise dazu auf unseren Text "Der Attentäter ist kein christlicher Fundamentalist", der nach diesem erschien, der als erste Reaktion auf die Anschläge geschrieben wurde.

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Hanno Terbuyken
evangelisch.de

Verfasst von blauvogel am 31. Juli 2011 - 11:29.

Komentar von Herrn Haverkamp

"Jeder Versuch, Gott in Nähe eines Allwissenden, Allmächtigen, Omnipotenten bzw...

"Jeder Versuch, Gott in Nähe eines Allwissenden, Allmächtigen, Omnipotenten bzw. ihn in einen über die Welt und die Menschen Herrschenden zu verwandeln, gehört in meinen Augen zu einer Gottesvorstellung, die (zumindest potentiell) auch immer konnotiert werden muss mit einer Vorstellung von Gott, die es in das Belieben Gottes stellt, wie er uns Menschen begegnet, in welcher Weise er uns seine Liebe und Strafe zukommen lässt."

Herr Haverkamp hat großes vor, indem er Gott alle seine Eigenschaften
ab spricht. Wie in den obigen Abschnitt seines Komentares zu lesen ist.
Dabei vergießt er, das wir in einer Welt leben, die von der Sünde geprägt ist, und auch von dieser beherrscht, so weit Gott es zuläßt. Es ist nicht so, das Gott das Ünglück nicht hätte verhindern können, wie Herr Haverkamp es behauptet. Unser Problem ist, das er es zugelassen hat, und wir auf die Frage warum keine Antword finden. Wir können nur feststellen das Gott manchmal garnicht so lieb ist wie wir ihn gerne hätten. Gott läßt uns mit vielen offenen Fragen leben, auch wenn uns das nicht gefällt.

Verfasst von Ingo1971 am 28. Juli 2011 - 15:10.

>>Es ist ein

>>Es ist ein fundamentalistischer Glaube. Fundamentalisten, egal welcher...

>>Es ist ein fundamentalistischer Glaube. Fundamentalisten, egal welcher Couleur, dulden keine Widersprüche. Sie können die lebendige Auseinandersetzung nicht ertragen. Sie können überhaupt das Leben nicht zulassen. Da läuft etwas grundsätzlich schief, wenn Gedanken extrem werden, ob sie nun christlich, islamisch, rechts- oder linkspolitisch sind. Sie führen dazu, dass sich Menschen radikalisieren. Wer fundamentalistisch denkt, schätzt leicht den Tod höher als das Leben.<<

Nö! Ist es nicht. Denn er sagte...

The cultural factors are more important than your personal relationship with God, Jesus or the holy spirit.

I guess I will find out… If there is a God I will be allowed to enter heaven as all other martyrs for the Church in the past

Es ist also theologisch gesehen ein liberaler Glaube. Nun mal ihr Zitat darauf hin gemünzt.

Es ist ein liberaler Glaube. Liberale, egal welcher Couleur, dulden keine Widersprüche. Sie können die lebendige Auseinandersetzung nicht ertragen. Sie können überhaupt das Leben nicht zulassen. Da läuft etwas grundsätzlich schief, wenn Gedanken extrem werden, ob sie nun christlich, islamisch, rechts- oder linkspolitisch sind. Sie führen dazu, dass sich Menschen radikalisieren. Wer liberal denkt, schätzt leicht den Tod höher als das Leben.

Latürnich ist das quatsch mit Soße.

Man sollte nicht versuchen des Täters seine Spaghetti-Ideologie mit küchenpsyschologischen Mitteln zu analysieren.

In einer Sendung beim WDR5 sagte vor kurzen ein Experte in etwa so etwas: "Nicht jeder Täter ist krank(oder hat eine Ideologie), manche sind einfach nur böse."

 

“Die Ehrfurcht vor der Vergangenheit und die Verantwortung gegenüber der Zukunft geben fürs Leben die richtige Haltung.” - Dietrich Bonhoeffer

Verfasst von Gast am 25. Juli 2011 - 22:46.

KEIN christlicher Fundamentalist

Anders B. war mit Sicherheit kein christlicher Fundamentalist im eigentlichen...

Anders B. war mit Sicherheit kein christlicher Fundamentalist im eigentlichen Sinne, soviel steht fest. Allein die tatsache, dass er Freimaurer war zeugt davon.

Man sollte am besten als gläubiger Christ den Begriff "Fundamentalist" überhaupt nicht mehr in den Mund nehmen, den er liefert den überzeugten Atheisten nur Argumente dafür, dass alle, die es mit dem Glauben ernst meinen,potentielle terroristen seien.....

Der Täter beschrieb sich als "christlich und "konservativ", das tun Millionen andere menschen auch, aber sie ermorden keine unschuldigen leute!!!!
....

Verfasst von Gast am 24. Juli 2011 - 19:02.

“Imagine there’s no

“Imagine there’s no Heaven [...] Nothing to kill or die for And no religion too...

“Imagine there’s no Heaven
[...]
Nothing to kill or die for
And no religion too
Imagine all the people
Living life in peace”

John Lennon – Imagine

Verfasst von Gast am 24. Juli 2011 - 18:19.

fundamentalismus = extremismus?

auch wenn ich das "Wort zum Sonntag" an sich loben möchte, will ich trotzdem...

auch wenn ich das "Wort zum Sonntag" an sich loben möchte, will ich trotzdem klarstellen, dass fundamentalismus und extremismus nicht gleichzusetzen sind. fundamentalismus hat einzig die bedeutung, dass etwas auf das fundament, seine wurzeln, zurücgeht, nicht dass die person intolerant und extremistisch ist.

Verfasst von Gast am 24. Juli 2011 - 16:14.

Theologische Bankrotterklärung

Die Autorin folgt dem Propagandaprofil, das der Attentäter sich auf fb...

Die Autorin folgt dem Propagandaprofil, das der Attentäter sich auf fb geschaffen hatte, erstaunlich naiv-unreflektiert.
Allerdings hat sie das Komma übersehen, das zwischen christlich und konservativ stand, und kann "believe" nicht hinreichend übersetzen, ein Begriff für "Überzeugung" im Allgemeinen, der keineswegs ein religiöses Bekenntnis impliziert. Es gibt bislang keine Bestätigung für ein aktives Glaubensleben oder Gemeindeengagement des Täters.
Damit zerbröselt" das "Fundament" ihrer eigenen Argumentation schon im Ansatz. Da der Mörder genauso als Kant-Rezipient gesehen werden möchte, sollten wir den Verfassungsschutz nach dieser Blickweise demnächst auf Fundamental-Kantianer ansetzen.

Mir wird auch schlecht, wenn ich diesen kläglichen Versuch der Klärung der Theodizeefrage lese. Hier Gott als "Anwalt des Lebens" zu installieren ist eine theologische Bankrotterklärung. Und ich kann auch als -na, das Wort Christin vermeide ich jetzt wohl besser-, an den auferstandenen Jesus Christus Glaubende, die hämischen Kommentare verstehen.

Verfasst von emporda am 24. Juli 2011 - 13:01.

psychopathologische Irre

Der Fundamentalismus hat psychopathologische Kerne wie das Auserwähltsyndrom...

Der Fundamentalismus hat psychopathologische Kerne wie das Auserwähltsyndrom und des Missionierungssyndrom. Ersteres ist ein nützlicher Wahn, der Fanatiker sieht sich in seinem psychisch kranken Narzissmus als etwas Besonderes. Missionierung hat diverse Motive wie Machtbedürfnis, Narzissmus, Identitätsneurosen, Geschäftemacherei, Sicherheitsbedürfnis in beliebiger Kombination. Der Fundamentalist mutiert leicht zum psychopathologisch Wahnsinnigen, wenn er sich auserwählt wähnt und sich selber mit Missionierung beauftragt etwa wie der Oslo Attentäter und Massenmörder, der die Welt vor „Kulturmarxismus“ und „Islamisierung“ retten wollte.

Alle Kirchenführer sind psychisch geschädigte Fundamentalisten, die Missiornierung beauftragt vom imaginären Mumpitz im Himmel fleißig in Geldgier, Machtbedürfnis und krankhaftem Narzissmus ausführen. Unsichtbare Wesen und Geister verursachen keine Krankheiten, Not, Elend und Leid, die Bekämpfung durch Exorzismen, Spenden, Selbstkasteiung und Gebete sind schädlich und niemals hilfreich, Glaubensrituale verhindern nur die bewußte Auseinandersetzung. Der galaktische Stümper hindert keinen Irren, denn er exisitert nicht

Verfasst von Eberhard am 24. Juli 2011 - 12:38.

Norwegen-Massaker

Und hier kommt wieder die "Gottesfrage": gibt es ihn oder gibt es ihn nicht....

Und hier kommt wieder die "Gottesfrage": gibt es ihn oder gibt es ihn nicht.
Zweifellos schützt er nicht und beschützt nicht. Also lassen wir das mit der
christlichen Leid-Kultur. Beten hat noch nie geholfen, vorher nicht und danach steht auch keiner wieder auf. Das Leben ist halt lebensgefährlich. Ich verlasse mich nur auf mich selber und bin bis heute damit am besten gefahren durch alle Gefahren.

Verfasst von Gast am 24. Juli 2011 - 12:10.

Wahnsinn

Wenn es aber Gott gibt, und ich glaube daran, dann ist er Anwalt des Lebens....


Wenn es aber Gott gibt, und ich glaube daran, dann ist er Anwalt des Lebens. Dann war er bei der Tragödie von Oslo auf der Seite der Lebenden, auf der Seite der Jugendlichen im Sommercamp, dann ist er auch jetzt bei den trauernden Familien, die ihre Kinder beweinen.

Das ist Wahnsinn. Warum sollte Gott jetzt bei den trauernden Opfern sein, wenn er vorher nicht mit einem Blitzschlag den Attentäter erledigen konnte?

Was, die Welt funktioniert so? Die Kinder sind jetzt im Himmel und wir sollen uns freuen??

Mal ehrlich, eine Tat wie diese ist mit dem Glauben an einen liebenden, mächtigen Gott vollkommen unvereinbar, und die lächerlichen Erläuterungen von Frau Schröder sind eine Beleidigung aller Hinterbliebenen.

Verfasst von Paul Haverkamp, Lingen am 24. Juli 2011 - 11:47.

Karfreitag in Norwegen

Unser Gottesbild immer wieder kritisch hinterfragen Wiewohl ich den Worten von...

Unser Gottesbild immer wieder kritisch hinterfragen

Wiewohl ich den Worten von Frau Ruck-Schröder über weite Passagen folgen kann, so möchte ich ihr jedoch an einer für mich entscheidenden Stelle dezidiert widersprechen. Frau Ruck-Schröder schreibt u.a.:

„Aber wo ist mein Gott, der Gott an den ich glaube, der christliche Gott? - Ganz tief in mir drin hätte ich mir gewünscht, dass er sich dem jungen Mann in den Weg gestellt hätte, dass er ihn an seiner furchtbaren Tat gehindert hätte. Aber so ist es nicht gelaufen. So funktioniert diese Welt nicht.“

Der letzte Satz dieses Zitats fordert mein Gottesverständnis heraus und ich formuliere nach meinem Verständnis diesen Satz um; er lautet für mich:

So funktioniert Gott nicht!

Jeder Versuch, Gott in Nähe eines Allwissenden, Allmächtigen, Omnipotenten bzw. ihn in einen über die Welt und die Menschen Herrschenden zu verwandeln, gehört in meinen Augen zu einer Gottesvorstellung, die (zumindest potentiell) auch immer konnotiert werden muss mit einer Vorstellung von Gott, die es in das Belieben Gottes stellt, wie er uns Menschen begegnet, in welcher Weise er uns seine Liebe und Strafe zukommen lässt.

Wir Christen müssen doch endlich zur Kenntnis nehmen, dass Gott das Leid in der Welt nicht verhindern kann! Auf die Frage nach dem „Warum?“ werden wir nie eine Antwort bekommen. Selbst den Tod seines Sohnes, der noch am Ölberg seinen Vater bittet: „Herr, wenn es möglich ist, lasse diesen Kelch an mir vorübergehen.“ konnte er nicht verhindern. Unser christlicher Glaube stärkt uns hingegen in der Gewissheit, dass Gott das Leid und den Tod nie als letztes Wort akzeptieren wird – in der Auferstehung seines Sohnes hat er uns in diesem Glauben bestärkt.

Unser christlicher Glaube antwortet auf das auch von Gott nicht zu verhindernde Leid in dieser Welt jedoch immer wieder mit dem Glauben und der konkreten Ausgestaltung, dass Gott immer und ewig an der Seite der Trauernden, Leidenden, Ausgestoßenen und Verachteten steht und stehen wird, indem er ihnen seine Engel in der Person von Menschen unserer Zeit an die Seite stellt, die seine Botschaft des Trostes, der Empathie, der Solidarität und der Nächstenliebe diesen Menschen immer wieder aufs Neue schenkt.

Die Ereignisse in Norwegen sind für mich für eine Karfreitagserfahrung. Das Kreuz am Karfreitag steht für die Ungeborgenheit, für die unbequeme Auseinandersetzung, für Verfolgung und auch für letzte Verlassenheit – es führt in die Ent – äußerung ; als Christ empfinde ich das Kreuz immer wieder zugleich als eine schmerzhafte Erinnerung aber auch als eine unabdingbare Gegenwartsherausforderung.

Das Kreuz ruft Erinnerung daran hervor, dass mir gerade in diesen Tagen wieder schmerzhaft bewusst wird, dass Tod und Leben nur zwei Seiten einer Medaille darstellen, und ich dazu neige, die dunkle Todesseite möglichst häufig aus meinem Lebensalltag zu verdrängen ; oder theologisch formuliert : Es ist die Bewusstmachung der Osterbotschaft an uns Christen, dass eine Auferstehungserfahrung immer an eine Karfreitagserfahrung gebunden ist.

Eine Gegenwartsherausforderung stellt das Kreuz deshalb für mich dar, weil ich die Auferstehungsbotschaft des Jesus von Nazareth nicht verstehe als eine irgendwann im Jenseits eintretende Hoffnungsgeschichte, sondern als Appell an einen jeden Christen, der sich zur jesuanischen Reich-Gottes-Botschaft bekennt , hier auf Erden auf dieser uns immer wieder mit Hilfe unserer global vernetzten Medien schmerzhaft vor Augen geführten unfriedfertigen Welt die Chancen dafür wachsen zu lassen , dass Frieden, Solidarität, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung für alle (!) Menschen nicht nur zu einer abstrakten Perspektive sich verflüchtigen, sondern auch zu einer konkreten Realitätserfahrung führen, die zu einem Mehr an Lebensqualität und Menschenwürde für die Ärmsten der Armen beiträgt .

In ihrem Gedicht „Abel steh auf“ geht Hilde Domin konkret der Frage nach, wie wir Menschen durch konkretes Handeln unsere Karfreitagserfahrungen in eine Auferstehungserfahrung umwandeln können.

Domin ist davon überzeugt, dass mit der Verneinung der Frage : „Bin ich der Hüter meines Bruders?“ die Menschheit zerrissen wurde; der Mensch war nicht mehr Schützer, sondern Feind des anderen. Der Text ist ein unüberhörbarer Schrei, der die sich ständig zuspitzende Gegenwartskatastrophe einer Selbstauslöschung des Menschen verhindern soll. Weil einmal eine falsche Antwort auf die „einzig wichtige“ Frage gegeben wurde, befindet sich die Welt auf einer an Tempo zunehmenden Talfahrt in den Abgrund. Von diesem Augenblick hat sich das Antlitz unserer ‚Mutter Erde’ zunehmend verdunkelt, ja sie ist unmenschlich geworden.
Für die Dichterin muss dieser tödlichen Talfahrt Einhalt geboten werden. Eine Lösung sieht Domin darin, dass das Nein in der Antwort des Kain in ein Ja verwandelt werden muss. Doch wie kann erreicht werden, dass Kain sich selbst korrigiert? Die Antwort lautet: Abel muss auferstehen – in uns!

Auf diese Auferstehung des Abel in uns wird nun die ganze Hoffnung gesetzt. Das ist kein einmaliger Vorgang. „Täglich“ muss er auferstehen; viermal gebraucht die Dichterin diese Vokabel. Nur so bekommt Kain, der die erste falsche Antwort gegeben hat, die Möglichkeit, ja zu sagen. Täglich wiederholt sich bei uns das Spiel zwischen Kain und Abel. Wenn Kain ja sagt, dann ist er nicht mehr Kain – der Mörder, der Zerstörer, der Feind, der Hasserfüllte-, sondern Bruder! Die Welt kann nur bestehen, wenn alle Menschen Brüder sind.

Sind wir Kain oder Abel? Kinder des Kain oder Kinder des Abel? Feinde oder Hüter der Brüder? Sind wir gar beides in einem? Die Dichterin bekennt sich zum Ja und möchte ein Kind Abels sein!

Jeder von uns ist aufgefordert, sich täglich dieser Problematik zu stellen. Jedes Bekenntnis des Menschen zum Bruder, der zu behüten sei, ist ein neuer hoffnungsvoller Anfang des Friedens. Alle Feuer dieser Erde – auch die der mörderischen Atomraketen – können zu Feuern des Abel werden, wenn jeder Mensch sich als Hüter des anderen begreift. Alles, was zur Vernichtung erdacht wurde, kann auch für den Frieden genutzt werden. Die Feuer des Abel sind von Versöhnung, Bruderliebe, Loslassenkönnen, Vertrauen und Teilen bestimmt. Sie können heilen, sättigen und Frieden schaffen. Die Feuer des Abel brennen allein zum Schutz eines jeden Menschen!

Wohltuend ist es , wenn Johann Baptist Metz – über alle Grabenkämpfe von Religionen, Konfessionen und Kulturen hinweg - uns Menschen auf das hinweist, was uns Menschen im Innersten zusammenhalten sollte und müsste, wenn wir denn unseren interreligiösen Auftrag, nämlich den Erhalt von Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung ernst nehmen. Das Christentum wird nicht aufgrund seiner Dogmen und Papstentscheidungen überleben, sondern aufgrund seiner vorhandenen oder auch nicht vorhandenen Fähigkeit, das Gespür für die Not und das Leid der Menschen zu erhalten.

Alle großen Religionen der Menschheit sind um eine Mystik des Leidens konzentriert. Metz stellt fest: „Fremdes Leid wahrzunehmen ist unerlässliche Bedingung aller universalen moralischen Ansprüche.“ In diesem Zusammenhang verwendet Metz das Wort „Compassion“ als Zentralaussage „für das Weltprogramm der biblischen Religionen im Zeitalter der Globalisierung. Diese Compassion als teilnehmende Wahrnehmung fremden Leids, als Eingedenken des Leids der anderen, ist in meinen Augen die biblische Mitgift für Europa.“

Das leer bleibende Kreuz in Anna Seghers Roman „Das siebte Kreuz“ vermag Ansporn und Herausforderung für einen jeden Menschen in der Gegenwart sein, mit Hilfe seines Verhaltens dazu beizutragen, dass die Anzahl der nicht ans Kreuz geschlagenen Menschen in der Gegenwart durch unser jeweiliges persönliches Verhalten im Alltag verringert werden kann; und zwar dadurch, dass wir uns solidarisieren mit den Ärmsten der Armen, den Entrechteten, den Opfern von Gewalt und Krieg, den Opfern von Erniedrigung und Folter. Das siebte Kreuz der Potentaten von heute muss leer bleiben durch unsere nicht nachlassende Solidarität und Empathie mit denjenigen, die Kreuzesleiden erfahren, die ihrer Menschenwürde beraubt und ihrer göttlichen Schöpferidentität beraubt werden.

Paul Haverkamp, Lingen

Verfasst von Karl Frieder am 26. Juli 2011 - 16:44.
Kommentar auf: Karfreitag in Norwegen

Das Können und das Wollen des Allmächtigen

Ein ganz schön ausführlicher Kommentar, alle Achtung! In einem Punkt möchte ich...

Ein ganz schön ausführlicher Kommentar, alle Achtung!
In einem Punkt möchte ich Ihnen aber widersprechen. Sie schreiben: "Wir Christen müssen doch endlich zur Kenntnis nehmen, dass Gott das Leid in der Welt nicht verhindern KANN! Auf die Frage nach dem „Warum?“ werden wir nie eine Antwort bekommen."

Dem möchte ich widern, dass wir als Christen eben nicht nur nicht wissen, warum Gott Leid nicht verhindert, sondern ebenso nicht wissen, inwiefern er Leid zulassen muss, oder es womöglich zulassen will. Wir glauben Gott als allmächtig wie allgütig: allmächtig heisst, dass die Annähme eines Gottes der etwas nicht vollbingen oder verhindern KANN, irrig ist - daher muss die widersprüchliche und schmerzliche Frage "Warum ist Leid in der Welt" offen bleiben, und lässt Christen rat- und oft auch sprachlos zurück. Eben dies müssen Christen aushalten.

Verfasst von Gast am 24. Juli 2011 - 11:38.

Aufklärung !

Wie oft haben wir Al Qaida als muslemische Organisation geordnet ? Dann sollten...

Wie oft haben wir Al Qaida als muslemische Organisation geordnet ?
Dann sollten wir uns nicht wundern. Aus der Sicht eines Rechtsstaates, der auf der Trennung von Staat und Kirche basiert, gibt es keinen Unterschied zwischen muslemischen oder christlichen Proselyten.
Laß uns frei denken ! Unsere Traditionen sind nicht jüdisch-christlich-muslemisch... Der Grundstein eines möglichen Staates ist die Aufklärung.

Verfasst von WeißeWucherblume am 26. Juli 2011 - 18:06.
Kommentar auf: Aufklärung !

Aufklärung?

Und was hat uns die Aufklärung gebracht? Wenn für mich nur wirklich ist, was...

Und was hat uns die Aufklärung gebracht? Wenn für mich nur wirklich ist, was ich anfassen, zählen und messen kann, dann kann ich mit Gott und Glauben nichts anfangen. Sie werden dann irreal. Sie können und dürfen aber auch keine Erklärung sein für alles, was ich mit messen, zählen usw. eben nicht erklären kann. Glaube, Vergebung und Auferstehung sind nicht in sich logisch, aber sie sind wirklich. Nur verlangt diese Wirklichkeit nicht danach, dass sie gewaltsam durchgesetzt wird. Wir müssen "anklopfen". Und ganz real ist für mich auch die Aussage der jungen Frau aus Norwegen, die meint:"Wir müssen diesem Hass ganz viel Liebe entgegen setzen". Und insofern finde ich es unangemessen, wenn einer Pastorin, die in ehrlicher Empfindung ihre unfertigen Gedanken äußert, genau das vorgeworfen wird, zum Teil von Menschen, die inhaltlich auch nichts Anderes sagen.

Verfasst von Karl Frieder am 28. Juli 2011 - 19:14.
Kommentar auf: Aufklärung?

Aufklärung / Scientismus

Mir scheint, Sie verwechseln die unvergleichlich wertvolle & notwendige...

Mir scheint, Sie verwechseln die unvergleichlich wertvolle & notwendige Aufklätung mit heute in der Tat allgegenweärtiger naturwissenschaftlicher, materialistischer "Denke" des 19. und 20. Jahrhunderts!

Verfasst von WeißeWucherblume am 31. Juli 2011 - 19:48.

Aufklärung/Scientismus

Ich glaube nicht, dass das eine Verwechslung ist, denn das zweite ist aus dem...

Ich glaube nicht, dass das eine Verwechslung ist, denn das zweite ist aus dem ersten hervorgegangen. Aber ich gebe eine Unschärfe zu: Zur Aufklärung gehört u.A. auch Leibniz und Lessing. Ich habe die Entwicklung in der Mitte des 19.Jahrhunderts übergangen, also Marx, Virchow z.B. oder auch die Entwicklung des Physiologen Müller. In dieser Zeit hat sich erst das entwickelt, was Sie Scientismus nennen. Aber der heute immer noch verbreitete Grundgedanke, wir müssten nur ordentlich unseren Verstand benutzen und uns an die "Fakten" halten, der scheint mir nach meiner Erfahrung obsolet. Denn wie will ich "Fakten" objektiv ermitteln? Eine "Falle" bei der Sache ist ja, dass ich nicht bemerke, wie ich u.U. meine Erkenntnis durch ein unbemerktes Vorurteil verfälsche. Die zweite kann die sein, dass ich mich selbst als Beobachter ausblende. Und einer dritten erliegt Mephisto, wenn er am Ende von Faust I dem jammernden und das Schicksal seiner Geliebten beweinenden Faust kühl erklärt: "Sie ist die Erste nicht", will sagen, verschwindet im "statistischen Rauschen".

Verfasst von GerdEric am 24. Juli 2011 - 11:24.

Har Megiddo

"Der Glaube eines einzelnen Menschen ist gleich wie die Kraft von 100.000, die...

"Der Glaube eines einzelnen Menschen ist gleich wie die Kraft von 100.000, die nur Interessen haben."

Frau Ruck-Schröder,
der Satz ist erstmal neutral zu bewerten. Wer von GOTT durchdrungen ist, der ist gleich der Kraft von 100.000 Menschen, und Menschen, die nur (ihre weltlichen) Interessen haben, sind nichts. Aber von GOTT durchdrungen heisst ja nicht, dass man andere ignoriert! nein, man will sie wecken, man muss sie wecken.
Wenn ich mir zB die (sogenannte) "Love Parade" anschaue, so kann ich da von Liebe nichts erkennen, es sind nur 100.000 weltliche Interessen, denn wirkliche Liebe ist etwas ganz anderes.

"Es ist ein fundamentalistischer Glaube. Fundamentalisten, egal welcher Couleur, dulden keine Widersprüche. Sie können die lebendige Auseinandersetzung nicht ertragen. Sie können überhaupt das Leben nicht zulassen."
Ist das nicht zu kurz gedacht? Fehlt nicht den Christen, dem Christentum, das Fundament? Ist das Fundament des Christentums nicht zerbröselt zu feinem Sand, Treibsand? Christentum lässt sich für jewe Gelegenheit gebrauchen, missbrauchen. Ist beliebig.

"Da läuft etwas grundsätzlich schief, wenn Gedanken extrem werden, ob sie nun christlich, islamisch, rechts- oder linkspolitisch sind."
Sie vergessen die Mitte, denn die Mitte ist tatsächlich NICHT der Ruhende Pol, die Mitte ist nicht der Ausgleich, vielmehr ist es grade die Mitte, die beliebig ist, die die Extreme erst ermöglicht. DIe Mitte schaut weg, wenn es um den Tod geht.
Gut, grad' im Augenblick schut sie auf Oslo, aber wo ist der Blick nach Darfur, nach Somalia.
Ja, richtig, es wird gesammelt zur Linderung der Not, aber tatsächlich wird nichts wirklich getan!
Das Geld, die Reichtümer, die Vorräte werden in Kriegen verbrannt, es werden Panzer und Kanonen verkauft, wo Brot not-wendig ist.

Schauen Sie sich unsere Kanzlerin an (ich muss leider zugeben, sie ist seit langem die bessere kanzlerin), sie redet auch gern mal ein scheinbar christlich' Wort, und doch, die Not im eigenen Land ignoriert sie, und der Überfluss bleibt in wenigen Händen.
Hartz4?
In den letzeten drei Jahren hat die Zahl der Einkommensmillionäre um 60% zugenommen... und um wieviel % ist Hartz4 gestiegen?
Griechenland (und es ist nicht nur Griechenland) wird dem Mammon geopfert, das Geld wird verbrannt.

Ja, das Böse tobt sich aus, aber die Tat des Anders Behring Breivik ist nur ein kleines Stück dieses Austobens des Bösen. Wieviel Böses tobt sich unter anderen Masken aus?

Erst wenn andere und Muslime, Christen und Juden das FUndament wieder gefunden haben, es für sich wieder in Besitz genommen haben, erst dann kann es wieder besser werden.
Denn schon, wer Geld in seinen Speichern hortet, handelt wider dem Fundament, betet Mammon an, schickt die Kinder in das Feuer Molochs.

Jagt die Maskenträger von ihren Thronen, der Thron gebürt nur EINEM.

AMEN

Verfasst von Eberhard am 26. Juli 2011 - 16:44.
Kommentar auf: Har Megiddo

Wort zum Sonntag

"Jagt die Maskenträger von ihren Thronen, der Thron gebürt nur EINEM." Richtig...

"Jagt die Maskenträger von ihren Thronen, der Thron gebürt nur EINEM."

Richtig, dem Teufel, die anderen sind alle nur Scheinheilige!

Verfasst von Gast am 24. Juli 2011 - 10:44.

Gebet

Wir sollten alle für die Opfer dieses grausamen,sinnlosen und...

Wir sollten alle für die Opfer dieses grausamen,sinnlosen und menschverachtenden Verbrechens beten.

Verfasst von Ingo1971 am 31. Juli 2011 - 7:25.
Kommentar auf: Gebet

Gast schrieb:Wir sollten alle

Gast schrieb:Wir sollten alle für die Opfer dieses grausamen,sinnlosen und...

Gast schrieb:
Wir sollten alle für die Opfer dieses grausamen,sinnlosen und menschverachtenden Verbrechens beten.

Besser für die Angehörigen. Das sind die sekundär Opfer.

“Die Ehrfurcht vor der Vergangenheit und die Verantwortung gegenüber der Zukunft geben fürs Leben die richtige Haltung.” - Dietrich Bonhoeffer

Verfasst von Nachtfalter am 24. Juli 2011 - 9:18.

Textänderung

Meine Hochachtung an Frau Adelheid Ruck-Schröder, in so kurzer Zeit ein so...

Meine Hochachtung an Frau Adelheid Ruck-Schröder, in so kurzer Zeit ein so tiefgreifendes Wort in eine sehr aktuelle Situation gesprochen.

Aber auch der ursprüngliche Text (steht noch bei der ARD) hat es in sich. Interessant, dass dieser in die gleiche Richtung geht. Ein persönliches Erleben, das in Norwegen ganz viele Menschen getroffen hat.

Nachtfalter

Verfasst von Gottlieb am 24. Juli 2011 - 8:08.

Denkwürdig

Bei allem Entsetzen über die Tat sollte man sehr hellhörig über die...

Bei allem Entsetzen über die Tat sollte man sehr hellhörig über die Prononcierung "christlicher Fundamentalist" in der deutschen Medienberichterstattung werden!

Laut ‘Daily Mail’ vom 23.07.11 ist der Attentäter Freimaurer. Freimaurer sind keine christlich gebundene Gemeinschaft. Um nun nicht missverstanden zu werden: Freimaurer sind auch keine Anstifter zu diesen Gräueltaten! Aber die Deutsche Presse mache ich für die wohlfeile derzeit grassierende Christenhatz in ihrer oberflächlichen rsp. tendenziösen Berichterstattung für die Folgen des gesellschaftlich einsetzenden "Diskurses" verantwortlich.

Verfasst von shosh am 24. Juli 2011 - 11:28.
Kommentar auf: Denkwürdig

Gottlieb schrieb:Bei allem

Gottlieb schrieb:Bei allem Entsetzen über die Tat sollte man sehr hellhörig...

Gottlieb schrieb:
Bei allem Entsetzen über die Tat sollte man sehr hellhörig über die Prononcierung "christlicher Fundamentalist" in der deutschen Medienberichterstattung werden!

Laut ‘Daily Mail’ vom 23.07.11 ist der Attentäter Freimaurer. Freimaurer sind keine christlich gebundene Gemeinschaft. Um nun nicht missverstanden zu werden: Freimaurer sind auch keine Anstifter zu diesen Gräueltaten! Aber die Deutsche Presse mache ich für die wohlfeile derzeit grassierende Christenhatz in ihrer oberflächlichen rsp. tendenziösen Berichterstattung für die Folgen des gesellschaftlich einsetzenden "Diskurses" verantwortlich.

die freimauerer haben sich distanziert.

aber davon abgesehen gibt es im internet ein pamphlet das auf den attentäter etnweder als autor, zumindest aber wohl als quelle seiner gedankenwelt zuzuordnen ist (inwieweit das stimmt muss man abwarten, aber es deutet einiges darauf hin)
in diesem sehr langen text wird eine art christliche fundamentalischer wirrwarr einer neuen kreuzrittermentalität geschildert, die rettung der welt vor dem liberalen politischen denken, multikulti und nicht zuletzt vor der drohenden gefahr aus dem islam
es liest sich erschreckend logisch und hat auch die planung und ausführung der tat genau geschildert.

ich persönlich fürchte das wir jetzt vor dem phänomen der gewaltbereiten christlichen fundamentalisten stehen (was ich übrigens schon länger befürchtet habe)

dazu eines, ich bin selbst bekennende christin, aber dieses gedankengut lehne ich völlig ab.

Verfasst von Gottlieb am 24. Juli 2011 - 14:08.

SHOSH

Sie bringen mein Anliegen auf den Punkt. Ein multikausal Durchgeknallter nimmt...

Sie bringen mein Anliegen auf den Punkt. Ein multikausal Durchgeknallter nimmt die Essenzen für seine Ideologie von überall her auf.

Ein Christ darf nicht Fundamentalist sein. D'accord.

Die geschichtliche Realität spricht aber über die christlichen Kirchen eine brutal andere Sprache! Dies als Hinweis, dass christlicher Fundamentalismus nicht auf Personen reduziert werden kann.

Verfasst von Gast am 24. Juli 2011 - 7:37.

"Die Majorität der Dummen ist

"Die Majorität der Dummen ist unüberwindbar und für alle Zeiten gesichert. Der...

"Die Majorität der Dummen ist unüberwindbar und für alle Zeiten gesichert. Der Schrecken ihrer Tyrannei ist indessen gemildert durch Mangel an Konsequenz."
Albert Einstein

Hier irrte Einstein gewaltig! Leider.

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