TV-Tipp - Alltägliche Überforderung: Nach dem Tod der Mutter, die den gehbehinderten Mann gepflegt hat, müssen sich Sohn Thomas und Tochter Susanne (Anna Loos) um ihren Vater kümmern.
"Wohin mit Vater?", 29. März, 20.15 Uhr im Zweiten
Pflegenotstand, demografischer Wandel, Überalterung: Die Schlagworte kennt jeder. Zuletzt war das Thema Anlass für wunderbare Komödien wie "Lotta und die alten Eisen" (ZDF) oder "Die Spätzünder" (ARD). Dieses Drama von Laila Stieler, der langjährigen Stammautorin von Andreas Dresen ("Die Polizistin"), spielt aber nicht im Altenheim, sondern befasst sich ganz nüchtern mit der alltäglichen Überforderung: Nach dem Tod ihrer Mutter, die mit der Pflege ihres gehbehinderten Mannes völlig überfordert war, müssen sich Sohn Thomas und Tochter Susanne (Hans-Jochen Wagner, Anna Loos) um ihren Vater (Dieter Mann) kümmern. Eine Unterbringung im Altenheim lehnen beide ab, zumal sie sich die besseren Heime ohnehin nicht leisten können. Hilfe kommt schließlich aus Bosnien: Angesichts der hübschen jungen Krankenschwester schmilzt auch der Widerstand des Vaters gegen eine häusliche Pflegerin dahin.
Die Hilfskraft aus Osteuropa arbeitet schwarz
"Wohin mit Vater?", von Tim Trageser ohne großen Schnickschnack inszeniert, beruht auf dem gleichnamigen Tatsachenroman eines Journalisten, der es vorzog, anonym zu bleiben: Die Hilfskraft aus Osteuropa arbeitet schwarz. Sehr lebensnah und buchstäblich ungeschminkt schildern Buch und Regie, wie die Kinder mit einer Situation konfrontiert werden, die sie offenkundig völlig unvorbereitet trifft, obwohl sie absehbar war. Dass der Vater ein alter Sturkopf ist, der seinem Sohn immer noch zürnt, weil der sich nach der "Wende" prompt in den Westen abgesetzt hat, macht die Sache nicht leichter.
Tragikomische Details machen Geschichte erträglicher
Gelegentlich bedient sich Stieler tragikomischer Details, um die Geschichte etwas erträglicher zu machen, aber im Grunde ist "Wohin mit Vater?" natürlich ein Trauerspiel: Thomas riskiert seinen Job, weil er seine Schwester nicht mit der Aufgabe allein lassen will; außerdem wartet in Frankfurt seine schwangere Freundin (Julia Koschitz). Und der Vater vertröstet sie und sich immer wieder auf später, wenn die Lähmungserscheinungen in seinen Beinen verschwunden sein werden; dabei wissen alle, dass er nie wieder gehen können wird.
Unprätentiöse Leistung der drei Hauptdarsteller
Neben vielen schmerzhaft lebensnahen Beobachtungen, etwa dem wortlosen Abschied der Kinder von ihrer Mutter, beeindruckt der Film vor allem durch die unprätentiöse und bewegende Leistung der drei Hauptdarsteller. Die Tränen, auch das ein stimmiges Detail, fließen bei Thomas erst am Schluss; vorher war einfach keine Zeit für Trauer.
Der Autor unserer TV-Tipps, Tilmann P. Gangloff, setzt sich seit über 20 Jahren als freiberuflicher Medienkritiker unter anderem für "epd medien" und die "Frankfurter Rundschau" mit dem Fernsehen auseinander. Gangloff (geb. 1959) ist Diplom-Journalist, Rheinländer, Vater von drei Kindern und lebt am Bodensee. Er gehört seit Beginn der 1990er Jahre regelmäßig der Jury für den Adolf-Grimme-Preis an und ist ständiges Mitglied der Jury Kinderprogramme beim Robert-Geisendörfer-Preis, dem Medienpreis der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).
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