Albrecht Müller: Reformen müssen Verbesserungen bringen

Albrecht Müller

In seinem Vortrag fordert Albrecht Müller, dass Reformen den Menschen auch wirklich nutzen sollten. Foto: Norbert Feulner, KDA

Vortrag - Sind unsere Eliten außer Kontrolle? Dieser Frage widmete sich der Volkswirt und Buchautor Albrecht Müller in der derzeit krisengeschüttelten Region Nürnberg.

Von Norbert Feulner

Am sozialpolitischen Buß- und Bettag hatte unter anderem der Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt (KDA) in Nürnberg zur Frage geladen: Eliten außer Kontrolle? Gerade in der Region Nürnberg und Fürth spüren viele Menschen derzeit sehr intensiv, was es heißt, wenn Eliten außer Kontrolle geraten und Topmanager versagen: Beide Städte sind hart von der Quelle-Pleite betroffen. Daher zählte die Veranstaltung zur bestbesuchten in dieser Reihe. Gut 450 Menschen lauschten den Worten von Albrecht Müller, Volkswirt, Buchautor und Referent des Vortrags.

Müller kritisierte die politischen Entscheider in diesem Land schonungslos. Den Eliten wirft er vor, dass "sie sich abgesetzt haben von den übrigen Menschen" und sich "kaum in die Lage der Menschen versetzen können", die beispielsweise von Hartz IV leben müssen. Er prangerte vor allem die Stimmungsmache gegen die Schwachen an und nannte dabei viele Beispiele (Interview von Thilo Sarrazin). Besonders kritisierte Müller die Meinungsmanipulation der Beeinflussungsindustrie, zum Beispiel von der "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft" und ihren Experten. Sie forderten, Lebensrisiken zu privatisieren, zum Beispiel bei der Altersvorsorge: "Das Vertrauen der Menschen in Experten wird missbraucht", so Müller.

Ärgerlich sei auch die Umdeutung des Begriffs "Reform". Müller verweist auf seine Zeit als aktiver Politiker, wo Reformen noch Verbesserungen für die Menschen bedeuteten. Heute dagegen stehe häufig eine Bereicherung der oberen Schicht dahinter. Müller legte auch die Widersprüche neoliberaler Denkmuster offen: "Eigenverantwortung wird plötzlich zur Pflicht." Und erwähnt in diesem Zusammenhang die beabsichtigten Änderungen bei der Pflegeversicherung.

Den Zweifel wieder lernen

Für Müller steht daher fest: "Unsere Demokratie ist in Not. Ein Aufbegehren ist dringed notwendig." Auch aus dem Publikum kam die Nachfrage nach den Möglichkeiten der Gegenwehr: "Was können wir denn tun?" Als einen wichtigen ersten Schritt schlägt Müller vor: "Wir müssen wieder lernen zu zweifeln." Freude drückte Müller darüber aus, dass in Nürnberg die Kirchen und Gewerkschaften sich gemeinsam für die Sache der Arbeitnehmerschaft einsetzen. Der evangelische Dekan Wolfgang Butz verweist in diesem Zusammenhang auf die "Nürnberger Erklärung" der beiden Kirchen und des DGB als einen gemeinsamen Mahnruf für Gerechtigkeit.

In einer biblischen Reflexion führte Thomas Zeitler, Theologischer Referent im Projekt "Förderung der Arbeit mit evanglischen Verantwortungseliten" beim Kirchenamt der EKD, mit fünf Schlaglichtern ins Thema ein. Zeitler: "Wer über Elite redet, muss also über Macht und Herrschaft reden." Zeitler stellt auch Erwartungen an Kirche. Sie kann Fragen stellen, z.B. danach, "wie sich Legitimaton und Vertrauen bildet". Oder: "Auf welchem Nährboden wächst Verantwortung?" Er sieht auch, dass "Kirche ihre Macht einsetzten und mithelfen kann, dass so etwas entsteht wie eine chrisliche Verantwortungselite. Als ein Vorposten von einer Werteelite inmmitten der Machtelite".

"Wir haben mit unserer Veranstaltung ein brennendes Thema aufgegriffen. Die Menschen haben ein Verlangen nach Aufklärung, Reflexion und Gegenbewegung", resümiert Norbert Feulner vom KDA.


Über den Autor: Norbert Feulner ist Sozialsekretär beim Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt der Evang.-Luth. Kirche in Bayern.

Kommentare

Verfasst von Gast am 21. November 2009 - 23:55.

RE: Albrecht Müller: Reformen müssen Verbesserungen bringen

Ich verstehe nicht das die Kirche aber Ein Euroarbeiter ausbeutet. Kuzer Ausriß...

Ich verstehe nicht das die Kirche aber Ein Euroarbeiter ausbeutet. Kuzer Ausriß aus dem Werbeblatt im Internet.

Uwe Schulz www.geretsrieder-stadtmaus.blog.de

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Verfasst von Gast am 23. November 2009 - 12:38.

RE: RE: Albrecht Müller: Reformen müssen Verbesserungen bringen

Sicherlich findet nicht alles was außerkirchlich propagiert wird, auch...

Sicherlich findet nicht alles was außerkirchlich propagiert wird, auch innerkirchlich seine Anwendung. Allerdings ging es beim sozialpolitischen Buß- und Bettag vordergründig um die Situation außerhalb der Kirche. Keine Frage, man sollte und hätte auch an diesem Abend über das Verhalten der Kirche in diesem Zusammenhang nachdenken können. Denn solche Aktionen wie er sozialpolitische Buß- und Bettag, die Worte des Rates der EKD zu den verschiedensten Dingen oder die Nürnberger Erklärung sind echt klasse, aber sie wenden sich an die anderen. Ich habe den Eindruck die Kirche sieht sich davon nicht betroffen. Obwohl sie von alledem genauso betroffen ist. Auch die Kirchen haben etwas von dem großen Rettungsschirm erhalten, auch die Kirchen und ihre Diakonien beschäftigen zu Hauf Leiharbeiter und Ein-Euro-Jobber, auch die Kirchen und ihre Diakonien gründen Tochterfirmen um an den ohnehin schon niedrigen Löhnen noch ein bißchen zu sparen und evtl. diese Summen an andere Stelle für ihre Führungsrigen auszugeben. Dies ist meiner Meinung nach ein Skandal. Die Kirche die Nächstenliebe predigt, nimmt es des sparen willens in Kauf, dass es Arbeitnehmer bei ihr gibt, die nicht mit ihrem Gehalt auskommen. Oder nützt die furchtbare Lage von Hartz 4 Empfängern aus, um sie als Ein-Euro-Jobber in Kirchengemeinden zum putzen der Gemeindehäuser einzusetzen.
Es ist schon seit langem an der Zeit, dass die Kirchen ihre Unternehmenspolititk kritisch diskutiert und beleuchtet. Vielleicht auch mal unter dem Gesichtspunkt ihres Glaubens. Wobei man meiner Meinung nach den Glauben, nicht mit dem Unternehmen Kirche bzw. Diakonie verwechseln darf. Die Kirche hätte unter Umständen wieder einen größeren Zulauf, wenn sie innerkirchlich anwendet, was sie außerkirchlich vertritt. Oder warum ist die Kirche für den gesetzlichen Mindestlohn, aber bitte nicht im Pflegebereich.Bei Kirche und Diakonie wird sehr großer Wert auf das gemeinsame Gespräch gelegt, aber es wird nicht gelebt.
Ich wünsche mir offene, kritische Diskussion auch in der Kirche.
Davon abgesehen, der sozialpolitische Buß- und Bettag in Nürnberg hat genau den Zahn der Zeit getroffen. Das war ein Anfang, jetzt ist es an jedem einzelnen von uns, seinen Unmut kund zu tun und ihn bei Bedarf auch auf die Straße zu tragen. Wir sollten nicht länger mehr oder weniger stillschweigend die Dinge einfach so hinnehmen.

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