Gleichberechtigung - Frauenförderung Ja - aber bitte nicht bis nach ganz oben. In den Vorständen und Aufsichtsräten der Konzerne wollen die Männer weiter weitgehend unter sich bleiben. Ein Frauenfördergesetz "light" von Familienministerin Schröder reicht Kritikern auch aus der eigenen Fraktion nicht aus.
Stolz werden an diesem Montag die Personalvorstände der 30 Dax-Konzerne bei einem Treffen mit gleich vier Bundesministern ihre Ziele zur Frauenförderung präsentieren. Die Zahl der weiblichen Leitenden Angestellten im mittleren bis oberen Management soll - je nach Unternehmen - bis 2020 auf bis zu 30 Prozent steigen. Doch die Worte "Vorstand" oder "Aufsichtsrat" kommen bislang in dem abgestimmten Zielkatalog der Konzerne für die mit großem Aufwand vorbereitete Zusammenkunft nicht vor.
Dabei haben aber gerade in den allerhöchsten Etagen der Konzerne nach wie vor fast ausschließlich Männer das Sagen. Von den knapp 190 Vorstandsposten in den 30 Dax-Unternehmen sind derzeit gerade einmal sechs mit Frauen besetzt. Dass sich die Deutsche Telekom - zu gut 30 Prozent im Bundesbesitz - inzwischen als Musterunternehmen in Sachen Frauenförderung hervortut und mindestens zwei der acht Vorstandsposten mit Frauen besetzen will - ändert an der Gesamtrelation vorerst nur wenig.
Die Konzerne hatten ihr Frauenförderkonzept bereits im Frühjahr versprochen - nachdem angesichts der männlichen Überdominanz in den Chefetagen auch in der CDU/CSU Rufe nach einer klaren Quotenregelung laut wurden. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) setzte sich an die Spitze der weiblichen Unions-Abgeordneten. Doch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beendete die Debatte vorerst mit einem Machtwort.
Selbstverpflichtung per Gesetz?
Fortan wurde ein "Soft"-Modell von Frauenministerin Kristina Schröder (CDU) mit einer "Flexi"-Quote favorisiert. Danach sollen die Großunternehmen per Gesetz verpflichtet werden, sich selbst und individuell Ziele und Zeitrahmen zur Frauenförderung zu setzen. Bei Verstößen droht Schröder nun laut "Spiegel" mit Wahlanfechtungsklagen und Geldbußen "von bis zu 25.000 Euro" - eine Summe, die Dax-Konzerne allerdings nicht gleich in Angst und Schrecken versetzen dürfte.
Doch eine freiwillige Selbstverpflichtung der Wirtschaft gibt es schon seit zehn Jahren - bisher ohne nennenswertes Ergebnis. 2001 stoppte der damalige Kanzler Gerhard Schröder (SPD) den Versuch seiner Frauenministerin Christine Bergmann (SPD), den Vorstandsetagen per Gesetz eine Frauenquote zu verordnen. Die Wirtschaft hatte die freiwillige Regelung der Bundesregierung damals selbst angeboten.
Vor zehn Jahren war die Stimmung auch in der Union noch klar gegen eine gesetzliche Quote. Doch heute sagt die Sprecherin der Frauen in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Rita Pawelski, in der "Hannoverschen Allgemeinen": "Wir werden uns nicht auf eine reine Freiwilligkeit bei der Besetzung von Vorständen und Aufsichtsräten einlassen."
Von der Leyen droht erneut mit Frauenquote per Gesetz
Und auch von der Leyen lässt trotz des Machtwortes der Kanzlerin nicht locker. In der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" drohte die Arbeitsministerin unmittelbar vor dem Treffen den Konzernen erneut mit einer gesetzlichen Quote. "Die Gretchenfrage bleibt, wie es die großen börsenorientierten Unternehmen mit ihren Vorständen und Aufsichtsräten halten."
Fraglich ist jedoch, ob der Koalitionspartner FDP einer gesetzliche Regelung überhaupt zustimmen wird - sei es bei Schröders Lösung "light", oder bei von der Leyens Quotenvorgabe. Die FDP-Minister Philipp Rösler (Wirtschaft) und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (Justiz), die an dem Treffen am Montag teilnehmen werden, haben bislang aus ihrer Abneigung gegen ein Gesetz keinen Hehl gemacht.
Doch gleich, wie sich Schwarz-Gelb koalitionsintern verständigen wird - eine gesetzliche Vorgabe könnte bald aus Brüssel kommen. EU-Justiz-Kommissarin Viviane Reding hat unlängst noch einmal ihr ehrgeiziges Ziel bekräftigt: Sollten die Konzerne nicht bis Frühjahr 2012 verbindlich ihren Willen bekunden, Frauen bei der Vergabe von Vorstandsposten ausreichend zu berücksichtigen, droht Reding mit einer EU-weiten verpflichtenden Quote.
Schröders Pläne "politisch naiv"
SPD-Vize Manuela Schwesig sprach gegenüber "Spiegel online" mit Blick auf das Treffen am Montag von einer "Schaufenster-Veranstaltung". Am Ende werde die EU-Kommission der deutschen Wirtschaft "eine verbindliche Quote aufzwingen müssen". SPD-Fraktionsvize Christine Lambrecht sagte der dpa, Schröders Pläne seien "politisch naiv". Freiwillige Selbstverpflichtungen hätten schon seit zehn Jahren nichts gebracht. Daran werde auch das jetzt "mit großem Tamtam einberufene Spitzentreffen" nichts ändern.
BDI-Hauptgeschäftsführer Markus Kerber sagte dagegen, eine starre gesetzliche Quote - ob national oder europäisch - sei "überflüssig". Kerber: "Die Unternehmen machen ihre Hausaufgaben." Schon heute liege Deutschland bei den Aufsichtsräten der Dax-Unternehmen mit einem Frauenteil von über 15 Prozent klar über dem EU-Durchschnitt von elf Prozent.
Kommentare
Wieder taz
Heute lohnt es sich wieder, in die taz zu gucken. Es schreibt Frau Domscheidt-Berg und setzt sich unbedingt für die Quote ein. Anders sei nichts zu bewegen, und es sei eine Mär, dass es nicht genügend qualifizierte Frauen gebe, dass die selber schuld seien, wenn sie nicht aufstiegen, dass ihnen nicht genügend Möglichkeiten der Kinderbetreuung zur Verfügung stünden. Letzteres sieht man ja auch an dem Beispiel der gemobbten Justitiarin.
taz-Kommentar
Heute in der taz der Kommentar zum Thema von Claudia Pinl. Es lohnt sich, mal rein zu gucken. Und dabei geht es nicht nur um eine bessere Welt für Frauen sondern um die Erwartung, dass die Welt auch für Männer besser wird, wenn wir eine andere Kultur im Arbeitsleben entwickeln, mit Quote oder ohne, aber auf jeden Fall mit Maßnahmen, die eine Teilhabe beider Geschlechter an den Entscheidungsoprozessen in Unternehmen und Gesellschaft, aber auch an den Einkommen und Vermögen fördern.
"...drohte die
"...drohte die Arbeitsministerin unmittelbar vor dem Treffen den Konzernen erneut mit einer gesetzlichen Quote."
Weis jemand, ob solch ein Gesetz überhaupt möglich sein kann? Hört sich sehr nach Willkür an. Der Staat kann mir ja auch nicht vorschreiben, wer mein Auto fährt.
Mal unabhängig vom "Geschlechterkampf", auf was für einen Staat steuern wir da eigentlich zu?
Frauenquote : Gott-gegebener Eigenschaften
Unsere Polit-Frauen sind nicht gerade ein Beispiel dafür, dass "es dadurch besser wird". Zeigt sich doch wieder, dass solche Frauen eher dazu tendieren, in die "männlichen Verhaltensmuster zu schlüpfen", weil sie entweder meinen, dadurch mitspielen zu können oder Angst haben, die eigenen 'frau-spezifischen'Weg zu gehen, aufgrund dessen sie eigentlich in diese Rollen gesetzt wurden. Wenig hat das Verhalten dann noch mit dem Faktor "Christ" zu tun. Was also ist besser?
Hier kann nur völliges Umdenken im Ablauf gesellschaftlicher Prinzipien zum Erfolg führen. Nicht umsonst sind die Wege Gottes so völlig anders, als die Wege des Mannes oder besser, des Menschen. Wozu auch Frau gehört.
Die wollen doch nur spielen!
Die wollen doch nur spielen!
Ich stimme Ihnen zu.
Ich stimme Ihnen zu.
Interessant, das
Interessant, das "Juristenmonopol". Danke für den Link. Aber immerhin scheint es sich hier um praktische Gründe zu handeln, wohingegen diese Frauenquote mir hochideologisch vorkommt.
Frauenquote
Weil eben nicht frei entschieden wird sondern gewohnheitsmäßig, und weil immer noch Frauen zurückstehen müssen, auch und gerade gegenüber weniger qualifizierten und fähigen Männern, nur, weil die Männer sind. Und übrigens, im hochgelobten Norwegen sind die Posten der Vorsitzenden fast ausnahmslos von Männern besetzt!
Opfer?
Die Frage finde ich ziemlich persönlich. Aber ich kenne in meinem Umkreis mehrere junge Frauen, die auch der Meinung waren, der, die Tüchtige setzt sich durch, bis die Mütter wurden....
Frauen an die Macht
Liebe Weiße Wucherblume, zunächst Danke für Ihre klaren Worte.
Wir, von der DeGB sind schon lange der Meinung, dass junge Mütter in leitende Positionen müssen. Nehmen wir einmal einen Küchengerätehersteller: NUR Frauen wissen schließlich, was Frauen wünschen.
Wir fordern insbesondere mehr leitende Stellen für Frauen, die wegen ihrer Kinder ihre Ausbildung vernachlässigen mussten.
Anerkennung der Schwangerschaft, Stillzeit und Erziehungszeit auf die Berufserfahrung bei der Vergabe von leitenden Positionen.
Es geht nicht an, dass ein Mann mit 20 Jahren Berufserfahrung einer Frau vorgezogen wird, die 20 Jahre lang ihre Kinder großgezogen hat!
Und wenn junge Mütter dann eines nicht zu fernen Tages im Aufsichtsrat sitzen, müssen regelmäßige Stillpausen eingeführt werden.
Generelle Sitzungspause während des Mutterschutzes einer Vorstandsmietgliedin .
Médum Huk, Intelligenzbeauftragte der Deutschen Gender Vereinigung
Also, ich verstehe Sie
Also, ich verstehe Sie richtig: Sie kennen junge, tüchtige Mütter, die es auch nicht richtig finden, daß sie keinen "Vorsitzendenposten" haben?.....Eben weil sie Mutter wurden?
Mütter
Wenn eine Frau Mutter wird, hat sie grundsätzlich das Recht, nach dem Mutterschutz und vielleicht noch nach einer Pause auf ihren Posten zurück zu kehren. Dieses Recht ist leider oft nur theoretisch. Vor ein oder zwei Jahren wurde - ich meine, es war in der ZEIT - ausführlich berichtet über die Justitiarin eines großen schwedischen Konzerns für Papierwaren, die überraschend, aber zu ihrer großen Freude mit 48 Jahren noch Mutter wurde. Sie konnte sich die beste Kinderbetreuung leisten, aber sie hatte nicht im entferntesten damit gerechnet, dass man sie nach ihrer Rückkehr in den Beruf in ein Kämmerchen in einer Außenstelle abschieben würde. Ein Flug zu einem Treffen, das sie regelmäßig für die Firma besucht hatte, und den sie sich selbst organisiert hatte, wurde storniert. Und sobald das rechtlich möglich war, wurde sie gekündigt. Sie ist sowohl gegen die Abschiebung wie auch gegen die Kündigung vor Gericht gegangen. Wie das ausgegangen ist, weiß ich nicht. Aber vergleichbare Beispiele könnte ich im Dutzend nennen. Das fängt schon damit an, dass die jungen Industriekauffrauen Büroarbeiten machen müssen und auf Teilzeit gesetzt werden, während die Industriekaufmänner nach einem halben Jahr Abteilungen kriegen. Im Einzelhandel sind die Marktleiter durchweg Männer, die Frauen machen die Arbeit, usw. ja, und wenn Ihnen das noch nicht reicht, schauen Sie u.a. in die Brigitte, gewiss, eine Frauenzeitschrift, aber vielleicht mit mehr Niveau als manche Männerzeitschrift.
Kommentar hinzufügen