Kirche legt Leitfaden für ethische Geldanlagen vor

Geld in Würfelform

Wohin mit dem Geld, wenn man welches hat? Die evangelische Kirche wirbt für mehr Verantwortung bei Finanzanlagen. Foto: iStockphoto

Verantwortung - Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) dringt auf nachhaltiges Finanzhandeln. Mit einem Leitfaden für ethische Anlagekriterien will sie den verantwortlichen Umgang mit Geld auf allen kirchlichen Ebenen forcieren.

Gerade die aktuelle Finanz- und Schuldenkrise mache deutlich, wie dringlich nachhaltiges kirchliches Finanzhandeln sei, teilte die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) am Mittwoch in Hannover mit. Die EKD legte einen "Leitfaden für ethisch nachhaltige Geldanlage in der evangelischen Kirche" vor. Darin heißt es, zum verantwortlichen kirchlichen Finanzhandeln gehöre es auch, sich mit den Wirkungen von Geldanlagen zu befassen.

Die Orientierungshilfe wurde im Auftrag des Rates der EKD von der Arbeitsgruppe Kirchliche Investments verfasst, der Finanzfachleute aus EKD und Diakonie, den Landeskirchen, den kirchlichen Banken, sowie den kirchlichen Zusatzversorgungskassen angehörten. Adressaten sind in erster Linie die kirchliche Verwaltungen als institutionelle Anleger, aber auch Privatpersonen, die sich über ethische Geldanlagen informieren wollen.

Geld darf kein Selbstzweck sein

"Es geht uns darum, deutlich zu machen, dass Geld kein Selbstzweck ist, sondern - wie alles, was wir tun - verantwortlich vor Gott und den Menschen eingesetzt werden muss", sagte der EKD-Finanzchef Thomas Begrich. Verantwortlicher Umgang mit dem anvertrauten Geld bedeute, es wirtschaftliche unter Berücksichtigung der christlichen Werte auch sozialverträglich, ökologisch und generationengerecht einzusetzen und anzulegen, ergänzte der Leiter der Finanzabteilung im Kirchenamt der EKD.

Die wirtschaftlichen Kriterien - Sicherheit, Zahlungsfähigkeit und Rendite - für Finanzanlagen blieben in Geltung, heißt es in dem EKD-Text. Hinzu komme als weiteres Kriterium Ethik und Nachhaltigkeit, das die Wirkung von Geldanlagen auf "Umwelt, Mitwelt und Nachwelt" berücksichtige. Zudem sollen Geldfanlagen dem kirchlichen Auftrag genügen.

Der Leitfaden informiert über die verschiedenen Instrumente für ethische Geldanlagen, wie Ausschlusskriterien, Positivliste, Themen- und Direktinvestments, Unternehmensdialog und Ausübung von Stimmrecht. Keine Investments kirchlicher Stellen soll es den Empfehlungen zufolge geben bei Unternehmen, die Rüstungsgüter, Spirituosen, Tabakwaren und gentechnisch verändertes Saatgut herstellen. Auch soll auf Anlagen in Unternehmen verzichtet werden, die kontroverse Formen des Glücksspiels oder Pornografie betreiben, oder die Produkte unter menschenunwürdigen Bedingungen oder mit Kinderarbeit herstellen. "Weitere Ausschlusskriterien können von Investoren unter anderem für Unternehmen festgelegt werden, die nicht notwendige oder vorgeschriebene Tierversuche durchführen oder embryonale Stammzellforschung betreiben", formulieren die Fachleute.

Keine Anleihen in Staaten mit Todesstrafe

Kirchliche Gelder sollen dem Katalog zufolge auch nicht in Anleihen von Staaten fließen, die die Todesstrafe praktizieren, als "nicht-frei" eingestuft sind, das Kyoto-Protokoll zum Klimaschutz nicht ratifiziert haben oder als besonders korrupt gelten.

Hingegen werden in dem Leitfaden kirchliche Finanzanlagen in Unternehmen empfohlen, die anhand von Positivkriterien als besonders sozialverträglich, ökologisch ausgerichtet und generationengerecht eingestuft werden. Detailliert erörtert werden in dem Text überdies Immobilienanlagen, Investments in Rohstoffe, Agrarinvestitionen, sowie thematische Geldanlagen, wie etwa erneuerbare Energiegewinnung, schonender Wasserverbrauch und Kreislaufwirtschaft.

epd

Kommentare

Verfasst von Gast am 7. Oktober 2011 - 11:36.

Kirchen-Leitfaden für Geldanlagen

Was hat das mit der Lehre Christi zu tun? Dem reichen Jüngling (hier die Kirche...

Was hat das mit der Lehre Christi zu tun? Dem reichen Jüngling (hier die Kirche)sagte Er doch auf dessen Frage, was er nun noch tun müßte, um in das Himmelreich zu kommen: Verkaufe alles, verteile das Geld unter die Armen und folge mir nach.
Diese Nachfolge ist ohne Beutel für Einnahmen und ohne Stock, um sich zu verteidigen und wird nur von denen gegangen, die Gott über alles lieben in dieser Welt, deren Herr der Herr der Welt, also Satan/Luzifer ist.
Und Gott liebt man dann über alles, wenn man aus Liebe zu Ihm Seine Gebote hält und nach Innen hört, was Gott einem solchen Menschen zu tun aufgibt.
"Wer nicht für mich ist, der ist gegen Mich" spricht der HERR, und wer für Ihn ist, der TUT was Er sagt und nicht was andere Mietlinge für gut und erstrebenswert halten, weil niemand Gott zuvor befragt und auf Seine Antwort wartet.
Mietlinge haben keine Liebe zu Gott, dafür aber eine Vorliebe zu weltlichen Reichtümern und deren Mehrung. Und damit auch die Mietlinge lernen, daß es eine Nachfolge Christi in aller Demut und Armut (arm an weltlichen/materiellen Dingen) zu leben gilt, um in das Reich Gottes einzugehen, wir auch Jenen in Kürze alles genommen werden, über Nacht, wie es geschrieben steht.
Wir sollen den HERRN um geistige Gaben bitten, denn alles andere dessen wir im täglichen Leben bedürfen, wird uns dazu gegeben. Wo aber kein gelebter Glaube ist, dort wird zwar gebetet "Dein Wille geschehe", um sich im nächsten Moment von Gott wieder abzuwenden und zu tun, was der Eigenwille in der Welt tun will. Diese Verlogenheit ist ein Wirken Satans in und durch Menschen, denn Satan kann nur über die Gedanken auf das Wirken der Menschen Einfluß nehmen, ohne daß er darum gebeten wird.
Die Kirche mit ihren Mietlingen an der Spitze wird untergehen und die Gläubigen in aller Welt werden fassungslos sein, und Gott läßt auch dies alles zu aus Seiner Gnade, um auch Jenen noch den Weg in die Ewige Heimat aufzuzeigen.... über Not und Elend durch Katastrophen ungeahnten Ausmaßes.

Verfasst von Ernst Lehmann am 5. Oktober 2011 - 20:37.

Gentechnik

Man könnte eventuell Millionen von Kindern in der Dritten Welt vor Mangel-...

Man könnte eventuell Millionen von Kindern in der Dritten Welt vor Mangel-
ernährung schützen, wenn durch Gentechnik mit Provitaminen angereicherter
Reis im grossen Stil angebaut würde.
Siehe auch hier:
http://www.welt.de/gesundheit/article12700404/Goldener-Super-Reis-gegen-...
Wenn die Evangelische Kirche sonst immer sehr grosszügig mit dem Gewissen des Einzelnen argumentiert, so verstehe ich nicht, dass eine Geldanlage in Firmen, die gentechnisch verändertes Saatgut herstellt, pauschal als unethisch abgelehnt wird.
Bin allerdings positiv überrascht, und da ist die evangelische Kirche mal ganz unideologisch, dass in dem Papier ausdrücklich steht, dass Investments auch weiterhin auch unter ökonomischen Gesichtspunkten vorzunehmen sind.

Verfasst von WeißeWucherblume am 6. Oktober 2011 - 9:45.
Kommentar auf: Gentechnik

Würde nicht helfen.

Nein, das würde nicht helfen. Denn Hungersnöte entstehen nicht aus...

Nein, das würde nicht helfen. Denn Hungersnöte entstehen nicht aus Nahrungsmangel sondern aus Geld- und Landmangel, will sagen, den Hungernden fehlt das Land, um sich selbst zu versorgen, oder das Geld, um Nahrung zu kaufen, die sie nicht selbst anbauen können. Zu der katastrophal ungleichen Land- und Geldverteilung kommen verschärfend noch hinzu Kriminalität und Kriege, die inzwischen immer weniger zu unterscheiden sind.

Verfasst von Ernst Lehmann am 6. Oktober 2011 - 11:36.
Kommentar auf: Würde nicht helfen.

Dass es nicht helfen würde,

Dass es nicht helfen würde, verstehe ich nicht. Gerade in Ländern, in denen...

Dass es nicht helfen würde, verstehe ich nicht.
Gerade in Ländern, in denen Land- und Geldverteilung zu
wünschen übrig lassen und überdies Krieg und Gewalt herrscht,
gilt es, die vorhandenen Lebensmittel optimal zu nutzen.
Und vor allem: Man kann sowohl das eine tun, ohne das andere zu lassen.
Sich sowohl für Frieden und Gerechtigkeit einsetzen als auch für
gentechnisch verändertes Saatgut, wenn es den Menschen dient.
Denn gerade wir Christen wissen, dass es eine friedliche und gerechte Welt nie geben wird, bei mit Provitaminen und Mineralstoffen angereichtertem Reis oder Hirse bin ich optimistischer.

Verfasst von Gast am 7. Oktober 2011 - 18:30.

Leider sieht die Realität von

Leider sieht die Realität von genetisch verändertem Saatgut anders aus....

Leider sieht die Realität von genetisch verändertem Saatgut anders aus.

Potentiale mögen hierbei gegeben sein, aber bisher hat die Genetik vor allem dazu geführt, dass die Saatmittelproduktion in den Händen weniger multinationaler Konzerne liegt, die das Saatgut dahingehend verändern, dass eine permanente Abhängig von ihren Leistungen enstanden ist. So lässt sich das genetisch veränderte Saatgut nicht nachzüchten, sondern muss jedes Jahr aufs Neue für teures Geld von den Konzernen gekauft werden.

Verfasst von WeißeWucherblume am 7. Oktober 2011 - 17:23.

Saatgut

Die Armen müssen Saatgut haben, das sie selbst nachzüchten können. Sie müssen...

Die Armen müssen Saatgut haben, das sie selbst nachzüchten können. Sie müssen ihre Nahrungsmittel selbst erzeugen und in Ruhe wachsen lassen können. Denn wie wollen Sie in einer Gegend, wo Krieg und Katastrophen herrschen, den Vitamin-Reis zu den Kindern bringen?

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