Kirchen gegen weihnachtliche Briefmarken der Post

Weihnachtspostamt in Himmelsthür

Ho ho ho! Welche Briefmarke klebt denn da auf deinem Wunschzettel? Die Kirchen wünschen sich, dass die Sondermarken für einen guten Zweck keine Konkurrenz von der Post bekommen. Foto: dpa/Michael Löwa

Spenden - Die beiden großen Kirchen haben mit Verärgerung auf Weihnachtsbriefmarken der Deutschen Post reagiert. Zum wiederholten Male bringe die Post in der Vorweihnachtszeit Briefmarken mit weihnachtlichen Motiven auf den Markt und mache damit den Sonderbriefmarken Konkurrenz, sagte der Bevollmächtigte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bernhard Felmberg, dem epd in Berlin. Die katholische Kirche teilt diese Kritik.

Jedes Jahr in der Adventszeit kommen die traditionellen Weihnachtsmarken mit Zuschlägen für die Wohlfahrtsverbände heraus. Bei der 45-Cent-Marke wird ein Zuschlag von 20 Cent erhoben, bei der 55-Cent-Marke von 25 Cent. Diese Marken seien eine Umsetzung des christlichen Teilungsgedankens, sagte Felmberg. Die Marken für 2010 werden am 3. Dezember in München vorgestellt.

Seit 2008 gibt es bei der Post zusätzlich Markensets mit weihnachtlichen Motiven ohne Zuschlag. In diesem Jahr hat die Post Briefmarken mit den Motiven Taube und Engel aus einer älteren Serie, versehen mit dem Text "Mit guten Wünschen", als weihnachtliches Markenset neu auf den Markt gebracht. Auf der Homepage der Post werden diese Marken neben den Sondermarken unter dem Link "Weihnachtsmarken und mehr" beworben.

"Sehr ärgerliche Angelegenheit"

Im vergangenen Jahr sei der Verkauf der Sondermarken mit Zuschlag um rund 16 Prozent zurückgegangen, berichtete Felmberg. "Das sehen wir mit Sorge." Mit den weihnachtlichen Marken der Post würden die Käufer in die Irre geführt. Auch im Kommissariat der katholischen Deutschen Bischöfe wurde von einer "sehr ärgerlichen Angelegenheit" gesprochen.

Die Kunden erwarteten solche Angebote, sagte hingegen der Pressesprecher der Deutschen Post, Erwin Nier. Es gebe eine Nachfrage nach selbstklebenden Marken in handhabbaren Mengen. Die Weihnachtsmarken mit Zuschlag gibt es nur als nassklebende Produkte. Es sei eine Unterstellung, dass die Post den Sondermarken Konkurrenz machen wolle, sagte Nier. Der Rückgang beim Verkauf der Sondermarken könne auch mit der finanziellen Situation der Kunden zu tun haben.

Wohlfahrtsmarken gibt es seit 1949. Der Erlös aus den Zuschlägen geht an die Arbeiterwohlfahrt, Caritas, den Paritätischen Wohlfahrtsverband, das Deutsche Rote Kreuz, die Diakonie und die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden. Bisher wurden insgesamt nach Angaben der Verbände mehr als vier Milliarden Wohlfahrts- und Weihnachtsmarken verkauft, die einen Erlös von 600 Millionen Euro erbrachten. Damit werden die Jugendarbeit, alte, kranke und behinderte Menschen sowie Opfer von Kriegen und Naturkatastrophen unterstützt.

epd

 

Kommentare

Verfasst von Gast am 30. November 2010 - 15:18.

Man schaue sich einmal das

Man schaue sich einmal das Sonderpostwertzeichen-Jahresprogramm 2011 des...

Man schaue sich einmal das Sonderpostwertzeichen-Jahresprogramm 2011 des Bundesministeriums der Finanzen an(http://www.bundesfinanzministerium.de/nn_3894/DE/Presse/Pressemitteilung...): Danach gibt es am 10. November 2011 neben den Zuschlagsmarken der Serie "Weihnachten" zur Unterstützung der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege e.V.: 'St. Martin' und 'St. Nikolaus' eine zuschlagsfreie Marke '50. Jahre Wiedereinweihung Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche' für die evangelische sowie eine zuschlagsfreie Marke '50 Jahre Adveniat' für die katholische Kirche. Man erkennt darin eine gewisse Doppelmoral: Post-Markensets als Konkurrenz für Weihnachtsmarken - Kirchen-Marken offenbar nicht.

Verfasst von Gast am 29. November 2010 - 23:20.

Bevormundung der Deutschen Post?

Die Kirchen erheben mal wieder einen Anspruch darauf, Spendengelder zu erhalten...

Die Kirchen erheben mal wieder einen Anspruch darauf, Spendengelder zu erhalten. Spenden sollten aber etwas bleiben, was man freiwillig gibt. Es ist und bleibt Sache der Deutschen Post, was für Marken sie herausgibt.

Ich vermute sowieso, dass nur sehr wenige Prozent dieser Briefmarkenaufschläge bei den wirklich Bedürftigen ankommen. Vermutlich ist es effektiver, direkt zu spenden, wenn man Bedürftige unterstützen will.

Das ist doch, wie bei den Kirchensteuern. Da kommen auch nur 5% bei den Bedürftigen an. ...

Verfasst von Gast am 29. November 2010 - 12:10.

verwenden die Kirchen denn selber Wohlfahrtsmarken?

Es wäre ganz einfach, zum Absatz der Wohlfahrtsmarken beizutragen, wenn die...

Es wäre ganz einfach, zum Absatz der Wohlfahrtsmarken beizutragen, wenn die Kirchen selber welche verwenden würden!

Verfasst von Gast am 29. November 2010 - 12:41.

???

@Corydoras-paleatus: Die "Weltanschauungsvereine" haben m. E. so ziemlich viel...

@Corydoras-paleatus: Die "Weltanschauungsvereine" haben m. E. so ziemlich viel mit dem Thema zu tun. Weihnachten ist immerhin ein christliches Fest! Wenn Sie den letzten Absatz des Artikels genau lesen, werden Sie auch feststellen können, dass die sogenannten Wohlfahrtsmarken eine lange Tradition in Deutschland haben, da kommen die Kirchen also nicht erst dieses Jahr drauf, mitreden zu wollen.

Abgesehen davon finde ich es persönlich gar nicht so schlecht, wenn es auch eine "Konkurrenz" bei den Weihnachstbriefmarken gibt: der Wohlfahrtsgedanke sollte doch wohl auf Freiwilligkeit basieren, ganz nach dem Motto: wer Freude hat zu geben, der gebe!

Verfasst von Tim am 29. November 2010 - 19:08.
Kommentar auf: ???

Weihnachten ist kein

Weihnachten ist kein "christliches" Fest. Es ist ein heute säkulares Fest, das...

Weihnachten ist kein "christliches" Fest. Es ist ein heute säkulares Fest, das sich aus unterschiedlichen kulturellen Quellen speist. Es geht zum größten Teil auf ein christliches Fest zurück, das auf ein heidnisches Fest (genauer: verschiedene heidnische Feste wie das u.a. nordgermanische Jul und die römischen Saturnalia) zurückgeht, dessen Wurzeln sich wiederum im Dunkel der menschlichen Vorzeit verlieren. Bevor die Christen sich über Vereinnahmung beschweren, sollten sie sich klarmachen, dass sie ihrerseits ebenso vereinnahmt haben, was schon da war...

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